Who is Who Kolumnen Specials Besprechungen Batman Superman JLA DCU Home News Forum Besprechungen












Startseite -> Wildstorm -> Besprechung: Silent Dragon




  Wildstorm  

USA:
Authority #01-04
Wildcats Special
Arrowsmith
Silent Dragon
Astro City: Local Heroes #1
Astro City: Local Heroes #2
Astro City: Local Heroes #3
Astro City: Visitor's Guide
Astro City Special
Astro City/ Arrowsmith Flip Book
Point Blank
Sleeper: Out in the Cold TPB
Coup D'Etat Special:
Coup D'etat: Sleeper
Coup D'etat: Stormwatch
Coup D'etat: Wildcats
Coup D'etat: Authority


     







Silent Dragon



Silent Dragon #1
Autor:
Andy Diggle

Zeichner:
Leinil Yu


Preis:
$ 2,99 / Heft

Erscheinungsdatum:
Juli-Dezember 2005



"Silent Dragon?"
"WerWieWas?!?"

Es ist erstaunlich, wie tief der stille Drache im vergangenen Jahr unter dem Radar hindurch geflogen ist. Kaum Erwähnungen, kaum Diskurs. Niemand scheint von dieser 6-teiligen Miniserie Notiz genommen zu haben. Dabei stimmen die Zutaten für einen Hit, gerade im (immer noch anhaltenden) Manga-Zeitalter: Eine futuristische Nippon-Welt, Cyperpunk-Roboter, Psionik und Samuraischwerter. Dazu ein halbwegs bekannter Autor, der sowohl im Action-Genre seine Fußspuren hinterlassen hat (The Losers), und auch mit kompakten Sechsteilern Erfahrungen sammeln konnte (Adam Strange, Fight for Tomorrow).

Diggle erzählt mit seinem graphischen Begleiter Leinil Yu von einer Zukunft, in der es all die technologischen Wunder einer "Transmet-/Ghost in the Shell"-Gesellschaft gibt, aber immer noch nach den Regeln des feudalen Edo-Zeitalters funktioniert: Lehnstreue, Ehrenkodizes, Harakiri.
Auf den ersten Seiten der ersten Ausgabe treffen wir auf einen telekinetisch begabten Ronin namens Reizo. Eine verängstige Frau inmitten eines Schlachtfeldes spricht ihn als "Renjiro" an. Dann durchbricht ein sieben Meter hoher Samurai-Cyborg den Boden und schleudert uns in einen einjährigen Rückblick. Wir begegnen dort dem Hauptdarsteller, tatsächlich Renjro, doch sieht er dem erwähnten Reizo in keiner Weise ähnlich. Vor Renjiro taucht eine geisterhafte Projektion auf, die ihn auf ihre Seite bringen will: Die der Regierung, des Regimes, dem zur uneingeschränkten Macht nur drei große Yakuza-Clans im Weg stehen - mit Renjiros Herren an der Spitze.
Der Konflikt zwischen einem machthungrigem Regime, und den ebenso grausamen Yakuza-Führern bleibt nicht die einzige Thematik der Serie: Renjiro liebt schon lange heimlich die Frau seines Lehnsherren, die für ihn die gleichen Gefühle empfindet. Als treuer Vasall würde sich der Krieger die seinigen nie eingestehen, doch Lady Takara will ihn nun zu einer Entscheidung zwingen: Sie enthüllt ihm, ihren sadistischen Gatten zu vergiften. Renjiros Ehrenrettung kann nur einem Weg folgen: Seinem Freitod, inmitten des Ränkelspiels der Yakuza-Führer um die Herrschaft Japans. Und mit dem Tod des Hauptdarstellers endet die erste Ausgabe.

Komprimierte Storytelling? Oh yeah!
Silent Dragon fordert einem einiges an Konzentration ab und belohnt es hundertfach. Diggle hält so viel zurück, dass andere Autoren locker 12 Ausgaben damit gefüllt hätten, ihre schillernden Einfälle vorzustellen. Eine seltsame Mischung aus Science Fiction, Cyperpunk, und Märchen-Folklore, aber die Mischung stimmt: Trotz Allem, was es in den letzten 20 Jahren an "Dark Future"-Visionen schon gab, dieser Mix ist einzigartig. Feudale Samurai-Schlösser auf Kilometer hohen Wolkenkratzern, Yakuza-Schlächter mit Tattoo-Implantanten, und Zen-Meditation in japanischen Gärten..
Man muss auch sagen, dass nur die Hälfte davon Idee, und die andere Hälfte Design ist. Denn Leinil Yu illustriert die Story nicht nur, er formt sie zu einem guten Stück selbst. Man muss seinen unruhigen, dreckigen Federstrich einfach gesehen haben, um ihm gerecht zu werden. Seine Akteure sind monströse Giganten, überlebensgroß, gewaltig. Doch der eigentliche Hauptdarsteller ist hier die Welt, in der sie Darsteller vergeblich um ihr Glück kämpfen: Maschinen, Städte, Waffen, Motorräder, alles hat sein Gesicht und sein Eigenleben. Und wenn Diggle dann eine Actionszene entfesselt, übernimmt Yu und beweißt, was Dynamik und Dramatik ist - unglaublich, was hier alles geboten wird!

Silent Dragon #6Bei einem solchen optischen Feuerwerk übersieht man leicht die Qualitäten der Story. Doch auch die können nur gelobt werden. Der Sechsteiler ist grandios strukturiert und aufgebaut, liest sich am besten in einem Stück, und darf guten Gewissens als komplex und anspruchsvoll beschrieben werden. Kaum eine Seite im Gesamtwerk, die man weglassen könnte - das wird leider immer seltener. Es ist eine Actiongeschichte, keine Frage. Der Grundton erinnert aber an eine klassische Tragödie, denn jede der Parteien will sich - vergeblich! - vor einem Schicksal retten, das von Anfang an unvermeidlich ist. Jeder betrügt jeden, und der Einsatz wird immer höher. Bis zu einem erschütternden und brillanten Ende, wie es eine Ongoing niemals bringen könnte - weswegen ich das Format der abgeschlossenen 6teiler so liebe.

Vielleicht hat die "Arthaus-Leser" die Manga-Assoziationen abgeschreckt. Vielleicht hat DC/Wildstorm einfach in Sachen Marketing geschlampert. Auf jeden Fall darf Silent Dragon mit Fug und Recht als eine der kreativsten, bereicherndsten Serien des Jahres 2005 bezeichnet werden.
Ich hoffe sehr auf eine Trade Veröffentlichung, damit dieser Perle doch noch ein wenig Aufmerksamkeit zu Teil wird. Bis dahin: Wer die sechs Einzelhefte irgendwo bekommt, darf bedenkenlos zuschlagen. Und bekommt dafür mehr inhaltliche und kreative Konsistenz geboten, als in Dutzenden von Heften regulärer Serien.


Lukas "Ruppoman" Wilde


Black Dog Comics

Specials
JLA/Avengers Special

DC FAQ

Episode Guides

Batman: Hush - Die neuen Abenteuer

Our Worlds At War

Just Imagine: Crisis









© 2003 DC Fan-Page, siehe Impressum


ZurückNach oben