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  Whazz Up?  

05.03.03
März 2003: Lukas Wilde
April 2003: Michael Heide

     







Whazz Up? – Der Comic Check


Monat für Monat versuchen unsere DC Fanpage-Redakteure unvoreingenommen kritische Comic-Rezensionen zu verfassen. Doch jeder Objektivität sind Grenzen gesetzt –der eine steht auf gewaltige Epen, der andere auf subtile Charakterisierung und ruhige Untertöne. Batman ist eh viel besser als alle anderen Helden –oder war es doch Green Lantern? Und dann sind da natürlich noch die Zeichnungen...
Um es kurz zu machen: Hinter jedem Redakteur stecken immer noch individuelle Vorlieben. Die Frage ist doch aber... Wer sind diese Kerle eigentlich?
In unserer neuen Rubrik Whazz Up stellt sich jeden Monat ein DCFPager vor –über die Comics, die er gerade liest. Vergiss alle Objektivität! für die Dauer von dieser einen Seite zählen einmal nur persönliche Geschmäcker.

In verschiedenen Kategorien nominieren wir jeweils ein aktuelles Schundheftchen, das gerade in den stürmischen Untiefen unserer Geschmacksverirrungen herumschippert. Aus welchen Gründen auch immer. Bereit?





Michael Heide

April 2003

Name im Comicforum:
Spider Jerusalem

Spider_J@gmx.de



DC-Comics aus Übersee

Mit Abstand auf dem ersten Platz befindet sich H-E-R-O, eine recht ungewöhnliche Serie von Will Pfeifer und Kano. Am ehesten lässt es sich vielleicht noch als Kreuzung aus 100 Bullets und Resurrection Man beschreiben, aber auch das wird der Serie nicht wirklich gerecht.
Es geht um die „Dial-H-for-HERO“-Device, die im Laufe der Serie verschiedene Hände durchläuft und den Alltag unterschiedlicher Personen gravierend verändert. Wie sehr verändern Superkräfte Dein Leben? Eine Frage, die zunächst Jerry Feldon gestellt wird, der in einem schäbigen Diner arbeitet. Eines Tages entdeckt er beim Spülen ein merkwürdiges Gerät, das einer der Gäste zurückgelassen haben muss. Nach einigem Herumspielen verwandelt er sich in den Superhelden Afterburner. Aber Superhelden sind nicht unfehlbar. Eine Lektion, die Jerry auf die harte Tour lernt.

H-E-R-O Die Story ist spannend und voller unerwarteter Wendungen. Der Cartoon-beeinflusste Zeichenstil von Kano wurde seit Action Comics verbessert, wenn nicht sogar perfektioniert. Er passt gut zu den zahlreichen unterschiedlichen Helden, in die sich die Hauptfiguren im Laufe der Serie verwandeln. Und die atmosphärischen Cover von John Van Fleet (Vampire: The Masquerade) tragen eine Menge zur Stimmung bei.

Anfangs sah es nicht besonders gut um die Serie aus. Nach erschreckend niedrigen Bestellungen sah sich Geoff Johns sogar gezwungen, Lesern eine Geld-Zurück-Garantie zu bieten. Wem #1 nicht gefiel, der sollte Johns das Heft zuschicken und seine $2,50 zurückbekommen. Nach dem neuestem Stand gingen exakt Null Leser auf dieses Angebot ein, das Heft scheint allen gefallen zu haben und war sogar innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Auch Heft 2 hat DC mittlerweile nicht mehr auf Lager. Grund genug, beide Ausgaben in einem Doppelheft nachzudrucken (ähnlich den ersten beiden Ausgaben der Hush-Storyline). Trade Paperbacks sind abzusehen, allerdings nur, wenn sich die monatliche Serie weiterhin gut verkauft. Ansonsten könnte es der Serie gehen wie Major Bummer oder Aztek Mitte der Neunziger Jahre. Und das wäre verdammt schade.



DC Comics von Panini

Hier könnte ich eigentlich wortwörtlich Ruppoman’s Worte zu Batman übernehmen. Weil das nicht geht, muss ich auf den Flash ausweichen, der seine Abenteuer in DC Legends bestreitet.

FlashGanz große Sache das, Geoff Johns macht seine Sache perfekt. Schurken wie Captain Cold, Weather Wizard und Magenta sind endlich nicht mehr mittelmäßige Lachnummern, sondern werden zu ernsten Bedrohungen. Außerdem gibt es zahlreiche Neuzugänge wie Murmur, Girder oder Cicada. Und dann peppte Johns auch noch Wally’s "Supporting Cast" etwas auf. Die Polizisten Chyre und Morillo, Ex-Titan Cyborg, Polizeipsychologe Hunter Zolomon, sowie den High-Tech-Knast „Iron Heights“ führte Johns bereits ein. Laut Gerüchten aus den USA soll Wally demnächst sogar eine neue Geheimidentität bekommen.

Die Stories sind spannend und unterhaltsam, die Zeichnungen von Skott Kolins auf den ersten Blick eher gewöhnungsbedürftig, passen aber perfekt zur Atmosphäre der Serie. Auch optisch hätte man den Schritt von den guten, aber ziemlich festgefahrenen Waid-Stories weg, hin zur "Ära Johns", nicht besser machen können.
Und es kommt noch einiges auf uns zu. Weitere neue Schurken, eine komplett neue Rogue’s Gallery, sowie die Rückkehr des Thinkers. Und in Amerika bahnt sich jetzt langsam das Comeback eines der härtesten Gegner Barry Allen’s an. Wir dürfen gespannt sein.

Und vielleicht lässt sich Panini ja doch noch irgendwann dazu überreden, den ersten Flash-Mehrteiler von Johns, Wonderland, abzudrucken...



DC-Sublabels

Das war jetzt wirklich eine harte Entscheidung. Y hatte Lukas ja zum Glück schon letzten Monat erwähnt, aber nehme ich jetzt Fables, Wildcats 3.0, oder die neue Miniserie Blood and Water? Habe mich letzten Endes für Fables entschieden.

Fables Was, wenn all die Märchenfiguren wirklich existieren würden? So oder ähnlich muss Bill Willingham auf die Idee zu Fables gekommen sein. Fables, das sind nämlich Fabelwesen, Märchenfiguren. Wobei Willingham diesen Oberbegriff ziemlich lose fasst, und etwa auch Figuren aus Der Zauberer von Oz, Der König von Narnia, Der Wind in den Weiden, Reineke Fuchs und dem Dschungelbuch dazuzählt. Alle zusammen lebten im Märchenland, das in unzählige Bereiche aufgeteilt war. Bis dieses von einem gesichtslosen Schurken namens Adversary erobert wurde. Die Bewohner flohen in unsere Welt und passten sich hier an, so gut es geht. Wer nicht menschlich aussieht, oder sich zumindest einen Tarnzauber leisten kann, lebt auf der Farm, einige Meilen außerhalb von New York. Der Rest zog in der Stadt und hat dort seine eigene Regierung geformt. Schneewittchen (die aufgrund eines Übersetzungsfehlers ins Englische gleichzeitig Schneeweißchen ist) leitet die Angelegenheiten des Bürgermeisters und ist Kontaktperson zu den Fabelwesen.
Aber kommt nicht auf den Gedanken, es handele sich bei all dem um eine familienfreundliche Geschichte wie Shrek. Die Handlung fängt nämlich schon gleich brutal an, als Rosenrot brutal in ihrer Wohnung abgeschlachtet wird und ihre Leiche verschwindet. Schneewittchen beauftragt den Privatdetektiv „Bigby“ Wolf, den Märchenkenner aus Geschichten wie Rotkäppchen oder den Drei Kleinen Schweinchen kennen. Dieser stößt bei seinen Ermittlungen auf einen hinterhältigen Plan...

Mehr erzähle ich nicht, das sollt Ihr mal schön selbst lesen. Das erste Paperback Legends in Exile enthält nämlich genau diese Storyline. Das zweite, Animal Farm, ist bereits angekündigt.
Außerdem ist die Serie gleich für vier Eisner Awards nominiert. Beste Serie allgemein, beste neue Serie von 2002, bester Autor (Willingham) und beste Storyline innerhalb einer Serie (Who killed Rose Red?).



Jenseits des Tellerrandes

Schwere Entscheidung auch hier. Aber weil ich eh gerade für Soundwords einen Beitrag über Boneyard erstellt habe, mache ich mir jetzt mal keine Extraarbeit und übernehme den größten Teil daraus. Verdient hat es die Serie allemal.

Boneyard Was würdest Du tun, wenn Dein Großvater, den Du kaum kanntest, Dir ein Grundstück vererbt? Irgendwo in einer amerikanischen Kleinstadt, und ein Friedhof steht auch noch gleich mit drauf. Und stell Dir jetzt noch vor, Du würdest gleich bei Deiner Ankunft als Held gefeiert, weil Du noch zuhause überlegt hattest, das Gelände der Stadt zu verkaufen. Das alles passiert jedenfalls Michael Paris, der Hauptfigur von Boneyard, einer viermal im Jahr erscheinenden Serie von NBM Publishing.

Am Friedhof angekommen, wird Paris allerdings von zwei sprechenden Wasserspeiern begrüßt – und sie sind bei weitem nicht die einzigen merkwürdigen Gestalten. Der Friedhof wird von den unterschiedlichsten Monstern bewohnt. Paris muss sich entscheiden, auf wessen Seite er sich schlägt. Denn die Monster sind zwar sympathisch – aber eben Monster. Bürgermeister Wormwood hingegen scheint vordergründig zwar edle Motive zu haben, wirkt allerdings eher suspekt. Und als Paris sich dann auch noch in die hübsche Vampirin Abby verguckt, bekommt er natürlich Probleme, objektiv zu bleiben.

Richard Moore, Independent-Lesern bekannt durch die Fantasy-Western-Miniserie Far West, schafft es spielend, die Monster als sympathische Figuren zu schreiben und zu zeichnen. Der nicht gerade hyper-realistische Schwarz-Weiß-Zeichenstil trägt angenehm zur humorvollen Atmosphäre der Serie bei. Außerdem dürfte es die einzige Serie sein, in der ein Bikini-Special Teil des Handlungsstrangs ist. Mit anderen Worten: Diese Serie lohnt sich.
Vor kurzem ist übrigens auch ein Trade Paperback erschienen, das die ersten vier Hefte, eine einigermaßen abgeschlossene Storyline, sammelt. Es kostet $12,95. Außerdem plant NBM-Publishing, am diesjährigen „Free Comic Book Day“ einige Hefte der Serie zu verschenken – allerdings nicht in allen teilnehmenden Läden, dazu fehlt leider das Geld.

Eine Ausgabe von Boneyard kostet $2,95, ist allerdings jeden Cent wert. Und da das erste Paperback mit „Volume One“ betitelt ist, kann man wohl mit weiteren rechnen.



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