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The Originals



The Originals
Autor & Zeichner:
Dave Gibbons

Black & White, Hardcover

Preis:
$24.95 US

160 Seiten

Erscheinungsdatum:
Jahresende 2004



Wer erinnert sich nicht an gerne an Comics, die einen in den Bann gezogen haben. Comics, die man immer wieder gerne in die Hand nimmt, weil die Story einen so sehr gefallen hat.
Nun, mir ist dasselbe auch mit diesem Comic passiert.

„The Originals“, die Originalen, auf gut deutsch.
Anfangs war ich recht zögerlich, angesichts dieses hohen Preises. Aber ich hatte ein gewisses Zutrauen in den Namen Dave Gibbons, an den ich mich noch recht gut erinnern konnte.
Dave Gibbons steht vor allem für Watchmen, wo er mal eben kurz mit den Grenzen der zeichnerischen Möglichkeiten des Comics experimentierte. Ich glaube kaum, dass er nur ein willenloser Erfüllungsgehilfe von Alan Moore war. In Zukunft zeichnete er selten, noch seltener schrieb er auch. Ich glaube, das einzige Werk, das er sowohl gezeichnet als auch geschrieben hat, war ein Amalgam (DC/Marvel) Comic um die Verschmelzung zwischen Superman und Captain America, Super Soldier.
Also eigentlich keine guten Vorraussetzungen für dieses Werk. Denn wenn ein Zeichner auch schreibt, kommt selten etwas Gutes raus. Rob Liefeld und diverse andere Image Zeichner seien da mal genannt...

Aber kommen wir zum Inhalt:
„The Originals“ spielt in einer retrofuturistischen Welt, einer Welt, die an die 50er, 60er Jahre erinnert, wären da nicht diverse Details, die nicht hinein passen. Am deutlichsten stechen da die Hoverbikes hervor. „The Originals“ ist die Story über Lel, der mit seinem Freund Bok in die ultra-hippe Gang „The Originals“ aufgenommen wird, was sein langjähriger Wunsch war. Während seiner Zeit in der Gang trifft er auf seine erste Liebe, Viv. Und während er immer weiter in der Gtuppe aufgeht, löst sich seine Freundschaft mit Bok auch immer mehr auf. Bis zu dem Tag, an dem die Nervensäge Warren ein hilfloses Mitglied der „Dirt“, eine Gang mit der die Originals verfeindet sind, umbringt. Ab da geht die Welt von Lel bergab.

Er, Bok und Viv werden von rachedurstigen Dirt überfallen und zusammen geschlagen. Er und Viv überleben, Bok nicht. Und am Ende rächt er sich sowohl an Dirt als auch an Warren. Und doch steht er alleine da, weil auch Viv ihn verlässt.
Viv sticht auch hervor. Sie beobachtet alles, versucht eine Stimme der Vernunft zu sein, doch sie scheitert regelmäßig. Trotzdem bleibt sie zunächst mit Lel zusammen.

Die Welt von Lel ist oberflächlich. Sein Zuhause ist für ihn eine Ernüchterung, und für ihn zählen nur die Statussymbole der Originals. Teuere Klammotten (Man geht fein aus, als Original) und ein eigenes Hoverbike. Und um dies zu erreichen tut er alles. Vor allem Drogen verkaufen.
Wer nicht Mitglied der Originals ist, oder gar Mitglied der Dirt, zählt für ihn nichts. Im Gegenteil, wenn man Mitglied der anderen Gang ist, wird man sogar zusammen geschlagen.
Lel ist auf seine eigene Art und Weise egoistisch. Als er Viv sieht, fragt er zuerst Bok, ob dieser kein Interesse an Viv hat. Und in seinem Egoismus bemerkt er nicht, wie er und Bok sich immer mehr entfernen. Als er meint, diesen Egoismus überwunden zu haben, ist er doch nur tiefer rein gesunken, wie Viv richtig bemerkt. Er ist 18 geworden, aber immer noch mental ein bockiges Kind, das seinen eigenen Willen durchsetzen will. Er selber bestraft den Anführer der Dirt und Warren, den Verursacher der Umstände die zu Boks Tod führen. Er selber, und nicht die Originals. Zwar wirken ein paar mit, doch sie sind nur Statisten in seinem Plan. Und am Ende hat er nichts gelernt aus alle dem Chaos!

Da das Werk bei Vertigo erschienen ist, ist es natürlich mit lauter Kraftausdrücken durchsetzt, was zu einem interessanten Gegensatz führt. Dort die feine Kleidung (Anzug und Krawatte), dort die derbe Sprache, die deutlich verrät, woher Lel und Bok und die meisten anderen der Originals herkommen.
Graphisch gesehen erscheint „The Originals“ harmlos. Doch die schwarzweißen Zeichnungen akzentuieren die Story nur noch mehr. Das Schwarzweiß stört nicht, es stärkt. Es hebt die trübe Welt von Lel hervor, es hebt seine schwarzweiße Weltsicht hervor. Graphische Experimente findet man kaum. Doch wo sie stattfinden, stechen sie hervor. Sie bilden Wendepunkte in der Story, Übergänge zu neuen Handlungsabschnitten. Sie leiten ein, und geben sozusagen das Motto vor, unter dem die nächsten Handlungsabschnitte stehen.

Ebenfalls gelungen ist Dave Gibbons’ erklärender Begleittext. Er setzt nicht klassisch irgendwelche Boxen, sondern stellt den Text erklärend neben das jeweilige Bild. Dadurch entsteht der Eindruck, dass wir es mit Fotos zu tun haben. Fotos, oder einem Film. Eigentlich beidem, weil Dave Gibbons sowohl klassische Einstellungen aus Filmen benutzt, als auch Formate, die an Fotos erinnern.
Was etwas untergegangen ist in der Rezi: „The Originals“ entstand nur alleine von der Hand von Dave Gibbons. Er zeichnet sich für alle verantwortlich: Story, Zeichnungen und Lettering. Und das Ergebnis sieht grandios aus!


Fazit:

Mit „The Originals“ hat Dave Gibbons einen Comic abgeliefert, der hervorragend gelungen ist. Er ist sowohl klassisch, als auch fortschrittlich. Eine eigene, abgeschlossene Geschichte, die einen absolut in Bann hält. Unbedingt kaufen!


Götz 'Comicfreak' Piesbergen


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