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Die Saga von Swamp Thing



Bast #1
Autor:
Alan Moore

Zeichner:
Steven Bissette, Rick Veitch & John Totleben

Farben:
Tatjana Wood

Preis:
20,00 Euro

180 Seiten

Erscheinungsdatum:
Oktober 2003

Enthält:
US: The Saga of Swamp Thing #21-27 (1984)


Klappentext:

Dies ist der Ort.

Er atmet. Er isst. Und Nachts, wenn der schimmernde Nebel über den Boden kriecht und kleine Räuber im scharfen, schwarzen Gras ein Alptraum-Ballett tanzen, dann träumt er. Er lebt. Er hat eine Seele. Er hat ein Gesicht.

Nachts kannst Du ihn fast sehen.

Stell ihn Dir vor, den Sumpf, eine Essenz hinuntergekocht, in eine körperliche Gestalt destilliert. All der Dreck, all die vergessenen Bisamratten-Knochen und all die köstliche Fäulnis erheben sich und gehen auf zwei Beinen durch das flache Wasser. Was, wenn der Sumpf einen Geist hätte und dieser Geist die Gestalt eines Mannes annehmen würde?

Nachts kannst Du ihn Dir fast vorstellen.

Du starrst auf jenen Ort, wo der Abend sich unter den fernen Bäumen sammelt und erkennst etwas in der Finsternis, etwas großes, langsames. Es bewegt sich ernst, unabwendbar, schwer von dem verklumpten, nassen Kraut, das sein Fleisch bildet. Sein Skelett gequälter Wurzeln knackt bei jedem feierlichen Schritt und protestiert gegen das feuchte, dunkle Gewicht. In ihren Höhlen schweben die Augen wie blutiger Moon in pfütziger schwarzer Tinte.
Du atmest tief ein durch gelähmte Nasenlöcher und trinkst seinen Moschusgeruch, grün und beißend, den zarten Duft der Moose und Flechten, die seine Flanken schmücken, den trockenen, bitteren Nachgeschmack des Schimmels, der um seine Schultern fällt. Du stehst allein in der blinden Finsternis. Aber Du weißt,. wenn Du Deinen Arm hebst, ihn ganz ausstreckst, dann werden Deine Finger etwas Nasses berühren, etwas geschmeidiges und starkes. Etwas, das sich bewegt.

Du hättest nicht hierher kommen sollen.

Dies ist der Ort. Dies ist die Geschichte. Die Saga von Swamp Thing.

Dieser Band versammelt klassische Geschichten aus Alan Moores preisgekröntem Run als Autor der Swamp Thing-Serie, die einen Höhepunkt in der Geschichte des graphischen Erzählens darstellen. Mit seinem einzigartigen Erzähltalent führte Alan Moore die von Autor Len Wein und Zeichner Berni Wrightson geschaffene Gestalt in den 80er Jahren zu neuen Höhen. Seine provokativen und innovativen Texte – kombiniert mit meisterhaften Zeichnungen einiger der besten Künstler des Mediums – machte Swamp Thing zu einem der großen Comics des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Dieser Band präsentiert die ersten sieben Hefte von Alan Moore, Saga of Swamp Thing #21-27.




Einleitende Worte

Was soll man zu diesem langen Text, der den Buchrücken der im Oktober erschienenen ersten Ausgabe der „neuen“ Swamp Thing Reihe bei Pannini ziert, großartig sagen?
Allemal pompös, hochtrabend und sehr gewagt, nahezu poetisch – aber auch treffend. Verlagstexte sind stets mit Vorsicht zu genießen, beinahe so wie das Kleingedruckte bei einem Versicherungsvertrag – doch was hier steht ist nichts als die Wahrheit.

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, doch immer wenn ich diesen Text lese, geht mir ein Schauder über den Rücken. Ich bin beeindruckt von den wenigen Zeilen, die eigentlich nur der Anheizer für diesen Band sein sollen. Wer diesen Text liest und sich nicht von der Wirkung der Worte fangen lässt und gänzlich unbeeindruckt bleibt, dem fehlt ein klein wenig der Sinn für das Phantastische, die Offenheit gegenüber dem Surrealen. Diese Worte wirken auf jeden, der sich ihnen öffnet. Mich haben sie jedenfalls sofort gefangen und für sich eingenommen (etwas, das sich über die folgenden beinahe 200 Seiten auch so fortsetzen sollte). Was mit dem Klappentext und der Einleitung von Alan Moore persönlich beginnt, endet auf der letzten Seite mit der Widmung für Jack Kirby. Dieser Comic – diese Hefte – sind atemberaubend, ein Kleinod an zeichnerischer Atmosphäre und erzählerischem Talent.

Nimmt man noch die medientechnische Aufmachung dieses Tradepaperbacks dazu, die vom Layout bis zur Papiersorte mehr als nur stimmig ist, so kann man diesen Band nur als Genuss bezeichnen. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – die Worte auf der Rückseite sind nur ein Vorgeschmack dessen, was den Leser zwischen den Seiten erwartet.



Die Kreativen:

Alan Moore (Autor)

Der am 1953 in Northampton (England) geborene Alan Moore begann seine Kariere 1979 mit mehreren Humor-Strips im Musikblatt Sounds als Comiczeichner. Nach einem Jahr wandte er sich ganz dem Schreiben zu und arbeitete für Doctor Who Weekly und 2000AD. Darauf folgten Marvelman (in den USA als Miracleman veröffentlich) und der politische Thriller V for Vendetta, der ihm 1982 und 1983 den britishen Eagle Award als bester Comicautor eintrug.
Sein innovativer Run als Autor von Swamp Thing revolutionierte das Comic-Medium und brachte ihm mehrere Preise ein.
Er ist auch der Autor der mit dem Hugo Award prämierten Serie Watchmen, die ihn als den einflussreichsten Comicautor der Gegenwart etablierte. Im Augenblick schreibt er vor allen die Serien der America’s Best Comic-Edition, die er 1999 ins Leben rief. Ferner zu erwähnen wären da grandiose Werke wie From Hell oder The League of the extraordinary Gentlemen. (Eine komplette Auflistung Moores umfangreicher Arbeiten und Publikationen kann man auf seiner offiziellen Webseite finden).
Leider hat sich der Autor komplett aus der „Mainstream“ Szene zurückgezogen, lebt nun sogar wieder in England und hat DC und anderen großen Verlagen endgültig den Rücken zugekehrt. Nichts desto trotz ist Moore etwas gelungen, das nur wenige (Comic-) Autoren geschafft haben: Er ist bereits zu Lebzeiten eine kleine Legende.


Steven Bissette (Zeichner)


Alan Moores Stories sind schlichtweg genial, das steht außer Frage. Die Dialoge, die er seinen Figuren in den Mund legt, haben Tiefgang und Intensität. Doch was wären all die Worte ohne deren erfrischende Umsetzung von Steven R. Bissette, dem Horrorcomic-Artist schlechthin?
Bissette besuchte die Kubert School of Cartoon and Graphic Art in Dover (einige seiner Klassenkameraden dort: John Totleben, Rick Veitch) und startete dann gemeinsam mit Alan Moore und John Totleben bei Swamp Thing so richtig durch, was ihm den endgültigen Durchbruch bescherte. Seine Zeichnungen für Swamp Thing sind mit zahlreichen Preisen prämiert worden.
Bissette war jedoch auch Mitbegründer der mit dem Eisner Awad ausgezeichneten Horror-Anthologie Taboo. Zudem arbeitete er an 1963 mit und schrieb, zeichnete und verlegte vier Ausgaben von von S. R. Bissette´s Tyrant.
Heute arbeitet er nebenbei noch als Autor und Verfasser von Kurzgeschichten, Interviews, Artikeln und Rezesionen für diverse Zeitschriften, Magazinen und Anthologien. Seine Novelle Alien: Tribes gewann 1993 den Bram Stoker Award.
Ausserdem arbeitet er an SpiderBaby Grafix, seinem eigenen Imprint-Verlag, unter dessen Lable er seine früheren Werke veröffentlicht.
Seine Zeichnungen in diesem Band sind phantastisch und tragen viel zur Stimmung der Geschichten rund um Swamp Thing bei. Es sind nicht zuletzt seine Umsetzungen von Moores Scripts, die The Saga of Swamp Thing und spätere Werke der Reihe zu kleinen Meisterwerken des Horror-Comics machen.

Im ersten Band wird Steven von seinem Freund und ehemaligen Schulkollegen Rick Veitch unterstützt, und zwar in „Die Anatomiestunde“ (The Saga of the Swamp Thing # 21, 1984.). Spätere Bände werden dann komplett von Veitch gezeichnet oder auch ersonnen, da Rick sich auch als Autor versucht hat. (Anm: Ob man auf Deutsch in den Genuss dieser Bände kommen wird ist fraglich, da Pannini leider wohl „nur“ den Alan Moore Run der schon in den in USA neu veröffentlichten Trade Paperbacks verlegen wird.)


John Totleben (Tusche)

Was wären Steven Bissettes Zeichnungen wohl ohne die wunderbaren Inks von John Totleben? Wahrscheinlich genauso „wenig“ wie Alan Moore phantastische Scripts ohne Bissettes Zeichnungen. Die Drei harmonieren perfekt, und mit John Totleben hatte Swamp Thing einen meisterhaften Inker an Board, der es verstand, Bissettes Strich zu führen und zu verfeinern, ohne dabei etwas von den wunderschönen Zeichnungen zu zerstören.
Wie Bissette besuchte auch Totleben die Kubert School of Cartoon and Graphic Art, ehe er in den frühen 80ern einige Arbeiten für DC, Eclipse, Dark Horse, First und Marvel machte. Ebenso wie Bissette ist Totleben hauptsächlich für seine Arbeiten bei Swamp Thing bekannt, doch zuvor arbeiteten die beiden schon gemeinsam für die Serie Bizarre Adventures.
Neben seinen unzähligen Inkings fertigte Totleben auch einige Ausgaben als Zeichner von Moores Miracleman oder Coverzeichnungen für Tarzan (Dark Horse) und Pin-ups für Figuren wie Swamp Thing, Sandman oder Death an. Ebenso ist er als Zeichner für einige Ausgaben von 1963, Vermillion the Dreaming und Ultimate Marvel Team-up (und zwar die # 10 – eine Geschichte um Spider-Man und das Man-Thing, einer ähnlichen Figur aus dem Marveluniversum wie das Swamp Thing aus dem DC-Universum. Anm: Zu finden in der deutschen # 6 der Reihe „Ultimative Team-Ups“) tätig gewesen.

In all den drei Jahren schrieb das Team Moore/Bissette/Totleben so etwas wie Comicgeschichte, denn auch heute, knapp zwanzig Jahre nach dem ersten Erscheinen der Hefte, spricht man immer noch darüber oder erinnert sich an diese drei Meister ihres Fachs, wie sie damals ihre eigene, kleine Revolution innerhalb der Panels durchgeführt haben.


Tatjana Wood (Farben)

Tathana Wood wechselte Ende der 60er Jahre von der Damenschneiderei in die Comic-Colorierung und etablierte sich bald unter den führenden Farbgebern des Mediums. Sie gewann Anfang der 70er Jahre zwei Shazam Awards und koloriert heute noch für DC Comics.




Rezension / Inhalt:


Die Saga von Swamp Thing ist ein Horrorcomic der frühen 90er Jahre – und damit hören alle Gemeinsamkeiten mit ähnlichen Werken und genreverwandten Produkten und geistigen Ergüssen anderer Autoren auf. Punkt.

Die Geschichten rund um Swamp Thing gehören mit zum ersten, was Alan Moore für DC geschrieben hat. Es war sicher keine leichte Aufgabe, dem grünen Helden zu neuer Beliebtheit zu verhelfen – denn Moore übernahm die Serie zu einer Zeit, als der Stern der Horrorcomics in den USA (und auch der des Swamp Things) im Begriff war, zu sinken. Dennoch meisterte der Brite die Aufgabe mir Bravour und verhalf den Abenteuern rund um das Ding aus den Sümpfen – und ich will sogar behaupten dem gesamten Genre – zu neuem Aufschwung.
Wäre dem nicht so, würde man im Jahre 2003/2004, beinahe zwanzig Jahre nach den ersten Veröffentlichungen dieser Hefte, keine Neuauflagen dieser Geschichten lesen oder nach vorne schauen können, wo uns aktuell eine neue Swamp Thing Serie bei DC/Vertigo (USA) erwartet...

Außerdem ist Swamp Thing wohl eine der besten deutschen Veröffentlichungen (vielleicht sollte ich nicht Veröffentlichung sagen, sondern viel mehr Neuauflage – in feinem, neuen Gewand) der letzten Zeit – und der leicht antiquarische Touché der Geschichten von anno 1984 nur noch ein weiterer Pluspunkt unter vielen, die diesen Band zu einem Erlebnis machen.

Jedes US Heft entspricht in diesem deutschen Trade Paperback einem Kapitel, ergeben im Ganzen gelesen jedoch zwei kleine Storybögen, bzw. zwei zusammenhängende Erzählungen.

Auf geht´s....



Vorwort von Ramsey Campbell

Ramsey Campbell, der Verfasser der ersten Seiten dieses Bandes, wird von der Oxford Companion to English Literature als „Britain´s most respected living horror writer“ bezeichnet. Ein Mann vom Fach also, dessen Vorwort eine stimmungsvolle Einleitung zu Alan Moores Einführung und den nachfolgenden Geschichten ist.
Campbells Vorwort ist gelungen – ich hätte es, glaube ich, kaum besser machen können ;-)


Einführung von Alan Moore

Bevor wir uns in die Abenteuer des Swamp Things stürzen können, klärt uns der Autor persönlich über die Historie der vergangenen Hefte und Abenteuer des grünen Heldens auf. Er plaudert ein wenig über die Zeiten damals (ähnlich wie schon Campbell zuvor), erinnert sich an seine Anfänge bei Swamp Thing, das erste Tangieren mit dem Genre, und gibt dem Leser letztendlich Einblick in Swamp Things Vergangenheit, so dass sich jeder sofort in der Welt des Sumpfdings zurecht finden kann.


Erstes Kapitel: Die Anatomiestunde

Harter Tobak, der da gleich zu Beginn des Heftes geliefert wird. Das Swamp Thing liegt eingefroren und in Umarmung eisigen Schlafes in einer technischen Hülle aus Metall und frostigen Schichten gefrorenen Wassers, gefangen in diesem eisigen Sarg innerhalb des Anwesens von General Sunderland, dem Swamp Thing Gegner frühester Tage. Und als wäre das nicht seltsam genug für den Beginn einer Comic-Geschichte, so zerlegt Dr. Jason Woodrue – auch bekannt als Floronic Man – unseren grünen Freund auch noch in seine Einzelteile und analysiert sie wissenschaftlich – eine wahre Anatomiestunde eben. Im Auftrag seines reichen Geldgebers untersucht er den Körper des Sumpfdings, dringt in Bereiche dieser Lebensform vor, die wir nie zu sehen gewagt hätten, und fasst das ganze in einem kühnen Bericht für Sunderland zusammen, dem er die Dokumente und Zeugnisse seiner Studien als Ergebnissichtung vorlegt. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist mehr als nur überraschend.... sowohl für den Leser, als auch für Jason Woodrue.
Doch zwischen dem General und seinem angestellten Wissenschaftler kommt es zu Meinungsverschiedenheiten; Floronic Man sabotiert mit Hilfe einer Steuerkonsole in Sunderlands Büro die technische Einrichtung des Gebäudekomplexes – alles, selbst die Türen und die Gefriereinheiten der Thermostate....
Swamp Thing entflieht seinem eisigen Gefängnis und durchstreift das Gebäude auf der Suche nach Sunderland. Es findet den General und indirekten Mörder seiner Frau in dessen Büro, von wo aus dieser verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Doch neben dem General findet Swamp Thing auch den Bericht des Floronic Man über seine Untersuchungen an Körper und Geist des Swamp Things.
Dieser hat festgehalten, dass Alec Holland Bewusstsein niemals in dem des Swamp Things weiter existiert hat, und somit waren alle Vermutungen des Sumpfdings der letzten Jahre bezüglich dieser Tatsache hinfällig, was ihn zum Mord an Sunderland und zur wütenden und verwirrten Flucht zum einzigen Ort auf der Welt veranlasst, an dem es vielleicht seine Ruhe findet – den Sümpfen.


Zweites Kapitel: Versumpft

Swamp Things Flucht in seine Heimat, die Sümpfe von Louisiana, ist gelungen. Doch was der Mann, der einmal Alec Holland gewesen ist, im Bericht des Floronic Mans gelesen und damit über seine Existenz erfahren hat, setzt ihm mehr, zu als alle anderen Qualen, die er bisher durchleiden musste.
So setzt sich das Bewusstsein des Swamp Things ab, und das Wesen wird eins mit dem Sumpf und dessen Geist.... fühlt, was der Sumpf fühlt, denkt, was der Sumpf denkt und ist, was der Sumpf ist. Seine alte Freundin Abby versucht ihm zu helfen, ebenso wie ihr Mann Matt (auch ihn kennen wir aus früheren Episoden in der Geschichte des grünen Helden), und selbst der Floronic Man versucht dem abgetauchten Swamp Thing zu helfen.... wenn auch aus anderen Beweggründen als die schöne Abby und ihr Gatte. Denn seit Woodrue den Körper des Swamp Things analysiert hat und seit er es in seinem versumpften Status beobachtet, sehnt sich der Floronic Man nach der Verbundenheit mit dem Sumpf, die Swamp Thing seiner Meinung nach genießt; die Verbundenheit mit der Erde – der Welt.
Während Swamp Thing seine Seele und sich selbst sucht und sich dabei mit allerhand kontroversen Schrecken und geradezu grotesker Pein seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss, dringt der Floronic Man in sein brach liegendes Bewusstsein vor und ergründet dieses voller Staunen. Seine Vermutungen werden bestätigt, als er den Geist des Swamp Things kennen lernt und die wahre Verbundenheit eines Elementarwesens mit seinem Element erkennen kann. Er lernt die Macht kennen, die Kraft hinter den Gedanken des Sumpfes – und hört die scheinbare Botschaft, die ihm die Natur übermittelt. Die Botschaft, eine perfekte Welt für alles pflanzliches Leben zu schaffen. Eine Welt, in der kein Platz für andere Lebensformen ist. Kein Platz für Lebensformen wie.... den Menschen?!


Drittes Kapitel: Eine grüne Welt

Während das Swamp Thing immer noch in den Gedanken des Sumpfes verweilt, kontrolliert der Floronic Man den Sumpf. Doch die Mächte, die er berührt hat, sind zuviel für den Geist von Jason Woodrue. Er greift Menschen an, tötet sie mit Hilfe von Wurzeln und Ranken.... und der Wahnsinn beginnt.
Selbst Abby Cable wird von den kontrollierten Ranken des Floronic Man attackiert, und ihre einzige Chance zu überleben besteht darin, dass Swamp Thing ihr hilft. Am Ende ist es tatsächlich ihr Hilferuf, der das Swamp Thing aus seiner Verbindung mit dem Sumpf erwachen und in das Geschehen um es herum eingreifen lässt.
Es rettet Abby – doch kann es auch Woodrue, den Floronic Man, aufhalten, der unterdessen eine ganze Kleinstadt auslöscht und der zivilisierten Welt mit weiteren Handlungen dieser Art droht, um die Erde von den Menschen zu befreien?


Viertes Kapitel: Wurzeln

Die JLA in ihrem intergalaktischen Hauptquartier ist, ebenso wie der Rest der Welt, geschockt, was sich in der kleinen Stadt nahe den Sümpfen abspielt. Die Bilder im Fernsehen zeigen, dass Woodrue es ernst meint und auch die Kraft hat, seinen Willen durchzusetzen.
Der Floronic Man steigert sich unterdessen immer mehr in seinem Wahn, die Erde zu säubern und die Welt der Pflanzen zu schaffen.
Doch das Swamp Thing – dessen Gedanken immer noch um die Tatsache kreisen, dass Alec Holland nie in seinem Bewusstsein weiter existiert hat – ist bereits auf dem Weg, um dem wahnsinnigen Treiben des selbsternannten Rächer der Pflanzenwelt Einhalt zu gebieten...
Es kommt zum Kampf zwischen Woodrue und dem Swamp Thing, und letzteres kann den Wahnsinn des fehlgeleiteten Beschützers der Welt tatsächlich stoppen, indem es ihn verunsichert und so seine neu gewonnenen Kräfte ins Wanken bringt. Durch diese mentalen Angriffe verliert Woodrue jedoch endgültig den Verstand und flieht in Panik. Swamp Thing kehrt mit Abby in den Sumpf zurück – zurück in seine Heimat.
Was bleibt, sind zwei Dinge: Ein wahnsinniger Floronic Man, der von Superman und Green Lantern aufgegriffen und in Gewahrsam genommen und nach Arkham gebracht wird, sowie eine Abby Cable, die von Swamp Thing ein eindeutiges „Ja“ als Antwort auf die Frage bekommt, ob es glücklich sei. Denn Swamp Thing weiß nun endlich, wer oder was es ist – nämlich Swamp Thing!


(hier endet der erste Mehrteiler rund um den inneren Konflikt über das Dasein des Swamp Things und die Handlung mit dem Floronic Man)


Fünftes Kapitel: Der Schlaf der Vernunft

Es könnte nicht schöner sein: Swamp Thing lebt wieder richtig, genießt seine Heimat, die Sümpfe, und verbringt einige Zeit mit seiner Freundin Abby (diese hat sogar einen neuen Job, im Heim für autistische Kinder). Obendrein ist das Ding aus den Sümpfen endgültig darüber hinweg gekommen, dass es niemals Alac Holland gewesen ist, sondern schon immer Swamp Thing, ein Elementarwesen, geboren aus den Sümpfen.
Dennoch ziehen dunkle Wolken am blauen (grünen) Horizont des Sumpfdings auf – Wolken aus der Hölle und den Albträumen, und dies im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn der Schlaf der Vernunft gebiert Monster....
Mit von der Partie sind in dieser bitterbösen Geschichte unter anderem ein wahrhaft teuflischer Jason Blood („Blood wie Blut“) samt seiner besseren Hälfte, der dämonische Affenkönig und... ein Schwertfisch!
Gerufen durch ein dämonisches Spiel wurden dem dämonischen Affenwesen die Pforten zu unserer Welt geöffnet. Kaum dort angekommen, verbreitet es Angst, Schrecken und Tod.
Jason Blood, Dämologe, Historiker und Dämon (!) in einem, lässt Abby Cable unterdessen eine Warnung zukommen, was sie in Zukunft erwarten könnte.
Swamp Thing hört wenig später ihre Worte, und schlagartig wird nicht nur ihm sondern auch Abby bewusst, was die Worte des Mannes zu bedeuten haben.... Die beiden eilen zum Heim für autistische Kinder, um dem Treiben des Affenkönigs Einhalt zu gebieten.


Sechses Kapitel: „... durch einen dunklen Ort...“

Wir wissen bereits, was den König der Affen stärker macht und was ihn anzieht: Angst. Und wo wäre diese eher zu finden, als in einem Heim für Kinder, deren ganzes Leben aus Schmerzen, Furcht und Angst besteht? Es liegt also nahe, wo genau er zuschlagen wird.... und dass er dadurch auch mit Abby Cable und dem Swamp Thing in Kontakt treten wird! Ob Swamp Thing die Kinder und alle anderen vor der finsteren Qual durch das grausame Wesen des Affenkönigs bewahren kann?


Siebtes Kapitel: „Von Teufeln getrieben!“

Es kommt wie es kommen muss, und Swamp Thing stellt alsbald den dämonischen Affen. Ein erbitterter Kampf entflammt, als die beiden um das Wohl der Kinder ringen. Und plötzlich ist da auch noch jemand mit von der Partie, der Shakespeare hätte Konkurrenz machen können: Kein geringerer als Etrigan, selbst ein Dämon, gefährlich wie kaum ein anderer.
Am Ende ist es jedoch ein kleiner Junge, der seine Furcht besiegt und damit den Affen bezwingt – und Abby somit sogar das Leben rettet!
Und während all dies düstere Gesellen sich kombatieren und in einem Strudel aus Hass, Angst und Furcht treiben, hat Abby Cables Mann Matt seine eigene Verabredung mit dem Schicksal...
Die letzte Geschichte des Bandes ist ein Schaulauf zwischen dem kleinen Jungen, der sich dem Affenkönig aus eigener Kraft heraus stellt und ihn letzten Endes vernichten kann, und Etrigan, dem schauderhaften Dämonen mit gewandter Zunge. Der Konflikt zwischen Etrigan und dessen menschlicher Seite (Jason Blood) wird schön dargelegt, als die dämonische Seite sich an Leid und Qualen erfreut, die menschliche jedoch sogar versucht Swamp Thing im Kampf gegen den Affen beizustehen. Welche Seite die Oberhand behalten wird, könnte entscheiden sein, denn sind viele Dinge dieses Kapitels von Teufeln getrieben...




Fazit:


„Hautwarmer Sommerregen sprenkelt die Bürgersteige mit Leopardenflecken“
Ein Regentag? Hoffentlich hat der Comicfreund „Die Saga von Swamp Thing“ im Haus, denn wie ließen sich die verregneten Stunden besser überbrücken, als mit guter Lektüre?

Ja, ich gebe es zu – ich liebe diesen Band. Ich liebe diese Geschichten. Ich liebe diese Figuren. Und ich liebe Etrigan in dieser Erscheinungsform. Dennoch bleibt es mir - denke ich - möglich, die Ausgabe recht objektiv zu bewerten.

Empfehlung: Wer gute Geschichten mit Tiefgang schätzt, der liegt hier goldrichtig. Wer das gekonnte Spiel von Worten und Bildern und die etwas andere Art der Unterhaltung mag, der wird mit diesem Band ebenso gut beraten sein.

Selbst ein Neueinsteiger in die Welt der tragischen Figur aus den Sümpfen kann sich dank dem umfangreichen Vorwort (das einen guten Überblick über den Storybogen vergangener Tage birgt) schnell zurechtfinden und Spaß an den ersten Kapitel der neuen Saga und den ersten Geschichten des Alan Moore-Runs haben.

Ehrlich, und ohne Bestechungsgelder von Pannini zu kassieren (leider blieb mir diese Ehre verwehrt), kann ich als abschließende Worte nur folgendes an alle anderen Interessierten geben: Zugreifen, lesen, in Erinnerung behalten.


Randnotizen


· Die Geschichten um Swamp Thing aus der Feder von Altmeister Alan Moore sind noch steigerungsfähig, was mit Band zwei dieser Reihe bewiesen wird („verpassen Sie nicht den nächsten Teil unserer allseitsbeliebten Serie...“ trifft hier ausnahmsweise mal zu).

· Man sollte ihn erwähnen, denn das Bild, welches das Cover des Tradepaperbacks schmückt, ist großartig: Der Credit hierfür geht an Michael Zulli.

· In der Einleitung zu dieser Besprechung wurde die Widmung für Jack Kirby schon erwähnt. Nun, dies hat auch seinen Grund, denn Etrigan (ja, ich geb´s ja zu, er ist der heimliche Held dieses Bandes) entsprang ursprünglich dem Geist eines der großen Pioniere der Comicwelt (und zwar im Jahre 1972, als Etrigan in „The Demon # 1“ das erste mal durch die Panels tanzte). Etrigan wurde also geschaffen von Jack „The King of the Comics“ Kirby, und ich danke ihm dafür.

Doch jetzt genug... jetzt Schluss....ich geh!



Christian Endres


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