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Don't look any further
Man soll ein Buch nicht nach dem Cover beurteilen! Kennt jemand diesen Spruch? Ja? Dann weiß er wohl auch, dass er nicht so ganz gilt. Oder ein anderes Zitat: Ungefähr 70% unserer Leser entscheiden sich aufgrund des Covers, unser Heft zu kaufen.(Frei nach einem Mitarbeiter der Bravo)
Ich denke, das letzte Zitat beschreibt auch äußerst zutreffend, woran sich ein Käufer orientiert, wenn er sich ein Comicheft zulegt. Gleich nach der Gewohnheit ist das Cover wohl der wichtigste Faktor für einen Kauf, und vor allem für Neueinsteiger enorm entscheidend.
Und dabei ist Cover nicht gleich Cover.
Es gibt ganz normale Titelbilder, und diverse Variant-Cover. Und auch darunter gibt es die verschiedensten Sorten. "Embossed", "Metallic", signiert, "Thermo-Cover", oder jene drei berühmten Lobo-Titelseiten, seien da mal einfach zu nennen. Und auch für normale Cover gibt es die unterschiedlichsten Ideen.
Was für eine Funktion hat eigentlich das Cover?
Zunächst einmal dient es als eine Art Einführung in die Serie. Es soll ein echter Blickfang für die Serie werden. Meistens besteht es aus einem einzigen Bild, das sehr dramatisch wirkt. Es stellt das Kreativteam der Serie vor, und eventuell auch, welche Protagonisten auftreten. Bei DC gibt es dann noch einen Hinweis, zu welcher Familie das Heft jeweils gehört, bei Marvel ist es eine Art Globus, in dem die Hauptdarsteller vorgestellt werden. Das Cover gibt an, wie lange die Serie schon läuft. Marvel führt zudem, je nach Serie, auch mal zwei unterschiedliche Nummerangaben, je nachdem, ob die Serie schon einmal neu gestartet wurde.
Die Zweite Funktion des Covers ist ein "Hängenbleiben" im Kopf. Wer erinnert sich nicht an die berühmtesten Cover der Comic-Geschichte, die einem immer in Gedächtnis bleiben? Um diesen Effekt zu erreichen, greifen einige Verlage auf besondere Zeichner zurück. Denn:
Nicht immer gestalten die selben Künstler, die für den Inhalt des Heftes verantwortlich sind, auch gleichzeitig dessen Titelseite. Es gibt da natürlich gewissen Abstufungen. Das selbe Team sorgt in den seltesten Fällen sowohl für den Inhalt, als auch für das Cover.
Ein wichtiger Faktor ist die Kolorierung. Denkt ihr wirklich, dass der selbe Kolorist sich um Inhalt und Cover gleichzeitig kümmert? Pustekuchen. Wo es möglich ist, wird das cover einfach per Computer koloriert, das wirkt einfach besser!
Danach kommt der Tuscher an die Reihe. Eine Serie hat einen guten Tuscher für die Hauptstory. Aber er tuscht nicht auch gleichzeitig das Cover, das übernimmt ein anderer. Am besten wirkt hier gleich ein großer Name, wie Bill Scienkiwicz oder Michael Bair.
Das führt uns zur nächsten Stufe. Dem komplett eigenständigen Team, das nur für die Titelgestaltung da ist. Zugegeben, das ist schon etwas selten. Aber ich habe dieses Phänomen bereits bei der Serie Impuls beobachtet. Selbst nach dem Weggang von Humberto Ramos hat dieser noch lange die Covers gezeichnet. Und nach ihm kam Jeff Matsuada, während der Inhalt schon längst wieder von anderen Leuten gestaltet wurde. Allerdings muss man auch bedenken, dass manche Cover zwar von den regulären Zeichnern stammen, diese aber einfach nicht genügend Zeit haben, sich auch um den Inhalt zu kümmern.
Kommen wir jetzt zur höchsten Stufe, den berühmten Cover-Artists. Brian Bolland, J.G. Jones, Adam Hughes, Tim Bradstreet, und wie sie alle heißen. Alles berühmte Künstler, die nur für die Cover der einen oder anderen Serie zuständig sind. Ungefähr 50% der regulären Serien werden von diesen Leuten gemacht, und es werden immer mehr. So wird demnächst Iron Man von Kia Asamya, einem berühmten Manga-Künstler, gecovert. Und diese Titelbilder sind es dann auch, die einem besonders lange im Gedächtnis bleiben.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob sich das alles lohnt. Ob es nicht einfach besser wäre, wenn die normalen Künstler sich auch um die Cover kümmern würden (Crossgen macht so etwas ja vor). Klingt schön und gut, aber was wäre dann? Ich fände die Comicszene um einiges langweiliger, wenn ich auf die Cover von Matt Wagner oder Tim Bradstreet verzichten müsste. So etwas ist für mich einfach ein essentieller Bestandteil der Comic-Szene.
Selbst der Wizard lässt sich seine Titelseiten von diversen Künstlern gestalten. Zwar finde ich es nicht unbedingt gut, dass es für jede Ausgabe immer zwei verschiedene Cover gibt, aber das geht mich ja nichts an. Man sieht daran jedoch, wie wichtig solche Titelseiten sind.
Ohne solche Besonderheiten wäre die Comicwelt doch um einiges langweiliger, oder etwa nicht?
Mailt an comicfreak@dcfanpage.de.
Bis morgen
comicfreak
Götz 'comicfreak' Piesbergen
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