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1986. Hinter dieser nüchternen Jahreszahl verbirgt sich eines der besten Jahre, in denen es sich gelohnt hat, Comicfan zu sein. In diesem Jahr kamen gleich mehrere gute Comics raus, unter anderem die "Bibel" für Comicfans, Alan Moores Meisterwerk "Watchmen", der Großvater aller Crossover "Crisis on infinite Earths", Marvels "Mutant Massacre" und halt Frank Millers "The Dark Knight returns". Insbesondere für Batman Fans ist das letztere wichtig. Denn in diesem Comic wurde ein Batman eingeführt, der Maßstäbe für die Post-Crisis Batman-Serien setzte. Zum Inhalt: Ein alter Bruce Wayne, wird nach Jahren der Batmanabstinenz wieder zum Dunklen Ritter und tritt damit ungewollt eine Lawine von Ereignissen los. Zuerst setzt er sich mit einem angeblich geheilten Two-Face auseinander und erlebt dann gegen den Führer der Mutantengang eine böse Niederlage. Doch diese Scharte wetzt er wieder aus und muss schlussendlich gegen den Joker antreten, der durch Batmans Wiederauftauchen aus einer Katatonie aufwachte. Zu guter Letzt ging es gegen Superman. Die Inhaltsangabe ist viel zu dürftig für diese vierteilige Miniserie. Denn jede einzelne Ausgabe zeichnete sich durch eine enorme Vielschichtigkeit aus. Die Serie spielte in einer Zeit, in der Ronald Reagan immer noch Präsident war und in der dieser einen Atomkrieg mit Russland auslöst. Superman ist zu einem Lakai für die Regierung geworden, andere Superhelden gibt es nicht mehr. Im Fernsehen wird zwar munter diskutiert, doch es gibt nur wenige kritische Stimmen. Die Medien sind sensationsgeil. Und inmitten all dieser Realität kommt Batman wieder. Man erlebt in dieser Serie neben einem alten, kein bißchen weiser gewordenen Bruce Wayne, auch noch einen in Pension gehenden Gordon, seine Nachfolgerin, und eine neue, weibliche Robin. Man könnte zahllose Texte über "DKR" schreiben, es wäre immer noch nicht genug. Doch wenden wir uns nun dem Nachfolger zu, "DK2". Schon vorab gab es einige interessante Reaktionen im Internet zu lesen. Viele Kolumnisten befürchteten, daß das Meisterwerk "DKR" durch "DK2" vernichtet wird. Sie hatten Angst, das Frank Miller es nicht schaffen würde, eine ebenso gute Story abzuliefern, wie damals mit "DKR". Ist diese Angst berechtigt? Antwort: Ich weiß es nicht. Sicher ist, daß die ganze zeitliche Umgebung von "DKR" heute nicht mehr existiert. Reagan und seine Reaganomics sind weg, Rußland ist keine Macht mehr, und dadurch ist die Angst vor einem Atomkrieg sehr viel geringer geworden. Dadurch entfällt schon mal die Möglichkeit von Anspielungen auf die Politik. Andererseits sind die Medien tatsächlich noch sensationsgeiler geworden. Sie haben den ersten Mord aus Sensationsgier zu verantworten (Lady Di) und sind kein bißchen weiser geworden. Die meisten Fernsehsender senden nur noch Sex & Crime, oder vernichten die übrigen Reste der bürgerlichen Ethik. Hier bietet sich also genügend Stoff für Frank Miller zum Parodieren. Kommen wir zu den Zeichnungen. Die Schwarzweißseiten, die man in den Previews als Appetithappen fand, sehen schon gut aus. Millers Zeichnungen sind seit "DKR" noch kantiger und stilisierter geworden und machen richtig Spaß, da reicht schon alleine das Hinsehen. Der entscheidende Prüfstein dürften die Kolorierungen werden. Miller läßt an seine Zeichnungen keinen anderen Koloristen als seine Frau, Lynn Varley. Und die koloriert bei "DK2" das erste mal per Computer. Und die ersten Panels, die man schon gesehen hat, sahen, gelinde gesagt, scheiße aus. Und die Story? Batman wird sich mit der Welt auseinandersetzen. Mehrer Superhelden werden Gast sein, und Robin wurde zu Catgirl. Wie genau Miller jetzt sein Ende von "DKR" fortsetzen will, bleibt offen. Nochmal die Frage: Ist die Angst der Kolumnisten berechtigt? Es kann eine Menge schiefgehen. "DK2" mag sich zwar für DC wie geschnitten Brot verkaufen, doch was ist, wenn das Heft schlechte Kritiken kriegt? Das kann DC ja egal sein, doch den Fans? Sicherlich nicht. Frank Miller muß den Fans einen vernünftigen Grund liefern, wieso Bruce Wayne wieder zu Batman wird. Schafft er das nicht, so sehe ich schwarz für die Bedeutungen von "DKR" und "DK2". Denn dann werden beide Comics als Abschreckbeispiele gelten, für Comics, die man besser hätte nicht fortsetzen sollen. Vielleicht wird man sich noch gerne an "DKR" erinnern, doch an "DK2" nicht mehr. Also ist die Angst insofern berechtigt. Denn DC kann es egal sein, wie gut "DK2" sein wird. Verkaufen wird sich die Serie so oder so. Und von DC Seite hat man ja bereits alles mögliche getan, damit die Serie ein Erfolg wird. Für Frank Miller könnte der Erfolg dennoch essentiell sein. Nicht nur, das davon abhängt, ob er weiter im Mainstream als einer der Überschreiber gelten wird, nein, es dürfte auch die Frage sein, ob er dann weiter Comics produzieren kann, die sich verkaufen werden. Denn wenn er auf die Mainstreamverlage keine Lust hat, wird er sich wieder seinem "Sin City" bei Dark Horse widmen. Und die Fans? Nun, wenn "DK2" schlecht sein wird, dann werden Fans wie du und ich von Miller schwer enttäuscht sein. Und dieser Vertrauensverlust dürfte für Miller schwer zu verdauen sein. Aber (!): Man muß immer im Hinterkopf haben, das für einige Comicfans "DK2" die erste Berührung mit dem Mythos Miller sein wird. Denn seit 1986 hat sich eine Menge getan, und man kann sicher sein, das ungefähr 70% der Käufer von "DK2" Neulinge sind. Oh, sicher haben sie von Miller gehört, vielleicht haben auch einige sein "DKR" bei sich zu Hause, doch für die Mehrheit ist Miller eine lebende Legende, der seit längerer Zeit wieder was publiziert. Denn von "Sin City" dürften sie kaum etwas gehört haben! Noch eine Frage: Werden durch "DK2" neue Comicfans gewonnen? Wenn "DK2" gut wird, ja! Wenn nicht, nein! So einfach ist die Antwort, und doch so schwerwiegend. Denn vom Erfolg von "DK2" hängt ab, ob die Comicszene weiterhin ein Schattendasein führen wird. DC tut alles, um dies zu verhindern. Sie schalten mehrere Anzeigen in Zeitungen, machen Werbepromos, machen eine Extrawebsite für "DK2", kurzum, von der DC Verlagsseite aus, kann nichts schiefgehen. Muß nur noch die Story stimmen. Summasummarum läßt sich eigentlich nur noch sagen, das die nächsten drei Monate so oder so in die Geschichte des Superheldencomics eingehen wird. Bleibt nur noch zu hoffen, das es gute drei Monate werden! Götz 'comicfreak' Piesbergen |
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