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Sei es nun die "Zero Hour", "Mageddon", "Our Worlds at War" oder auch Marvels "Infinity"-Serie ("Infinity Gauntlet", "War" und "Crusade"), es hat ganz den Anschein, als wüßten seit der bereits legendären "Crisis on Infinite Earths" in regelmäßigen Abständen irgendwelche Wesen mit gottähnlichen Kräften nichts Besseres mit ihrer Macht anzufangen, als das "Ende von allem was war, ist und jemals sein wird" herbeizuführen. Und es sieht nicht so aus, als würde sich daran in naher Zukunft etwas ändern. "Es ist das Ende von allem... Welten werden leben, Welten werden sterben... Nichts wird mehr so sein wie zuvor..." Das Übliche also. Dieses mittlerweile hinlänglich bekannte Szenarien beschränkt sich längst nicht mehr bloß auf die großen, verlagsübergreifenden Mega-Crossover, nein, unsere geliebten Superhelden und -teams dürfen sich inzwischen auch in ihren eigenen Serien immer häufiger mit kosmischen Wesen à la Thanos, Darkseid, Parallax, Anti-Monitor oder Solaris herumschlagen, die mit ihren Infinity Gauntlets, Godwaves, Antimateriekanonen und sonstigen Vernichtungswaffen das Universum, diese Realität oder aber zumindest die Erde komplett ausradieren wollen. Und das mit einer solchen Häufigkeit, daß man sich langsam fragt, warum sich diese kosmischen Vernichter nicht längst gegenseitig auf die Füße treten. Frei nach dem Motto "Zisch ab, diese Realität lösche ich schon aus!" Die Helden reagieren auf diese Bedrohungen natürlich sofort, indem sie sich alle auf einem großen Platz in New York City, in einer Wüste, im gegenwärtigen Hauptquartier des "All-Star-Teams" oder auch auf einem anderen Planeten versammeln. Je nachdem, wie entgegenkommend der große Gegner ist, dürfen sie sich, wenn sie Glück haben, als nächstes in bester "Secret Wars"-Manier mit irgendwelchen Handlangern, Sonden und sonstigem Gewürm eine herrlich sinnlose Prügelorgie liefern, bei der jegliche Charakterisierung auf der Strecke bleibt. Haben sie dagegen weniger Glück, mißt ihnen ihr Gegner zu wenig Bedeutung bei, um sich mit ihnen zu beschäftigen. In diesem Fall dürfen die Helden, allen voran die "bodenständigeren" unter ihnen (Batman, Daredevil, Green Arrow, Spider-Man, Captain America etc.), staunend zusehen, wie die richtigen "Schwergewichte" wie Thor, Captain Marvel, Hulk, Green Lantern und Silver Surfer dem Gegner zusetzen. Spielt der Gegner noch eine Klasse höher, haben selbst diese Typen das Nachsehen, und es liegt an den kosmischen Entitäten à la Eternity, Spectre, Living Tribunal, Galactus oder auch einem von allzu enthusiastischen Autoren kräftemäßig hoffnungslos überladenen Superman, den Gegner auszuschalten. Spätestens hier stehe ich neben den "bodenständigen" Helden und sage nur noch: "Boah. Is' ja galaktisch." In solchen Fällen lobe ich mir eine meiner Lieblingsserien, Kurt Busieks "Astro City", in der solche Bedrohungen zwar auch von Zeit zu Zeit eine Rolle spielen, aber erfreulicherweise nur am Rande behandelt werden, das Augenmerk liegt vielmehr auf den Reaktionen der Menschen. Thunderhead bedroht die Stadt? Schön, wie gehen denn die Leute damit um? Was machen die "Straßenhelden"? Finden sie sich schon mal mit dem Ende ab, oder versehen sie weiter ihren Dienst? Versteht mich nicht falsch. Mir ist klar, daß Teams wie JLA oder die Rächer eher dazu gedacht sind, gegen außerirdische Invasoren und sonstige globale Bedrohungen zu kämpfen statt gegen den Drogendealer von nebenan, der eher in den Aufgabenbereich eines Spider-Man fällt, aber man muß es doch nicht so furchtbar übertreiben. Und nicht so viele Mega-Bedrohungen hintereinander. Waren Gefahren, die nahezu alle Helden der Erde betrafen, noch vor zehn Jahren eher die Ausnahme, sind sie heute schon fast an der Tagesordnung. Letzte Woche hatten wir Galactus, gestern landeten die Dominators in unserem Vorgarten, und für übermorgen hat sich schon Asmodel angekündigt. An Durchatmen ist längst nicht mehr zu denken. Die Folge ist klar: Eine JLA, die es im Monatsrhythmus mit Bedrohungen aus dem All zu tun bekommt, wirkt geradezu unglaubwürdig, wenn ein lächerlicher kleiner Ra's al Ghul es tatsächlich schafft, ihnen zuzusetzen (genau wie ich mich schon seit Jahren frage, wieso der Flash mit dieser unsagbar dämlichen "Rogues Gallery" nicht längst den Boden aufgewischt hat). Derartige Gegner stellen unter logischen Gesichtspunkten schlicht und ergreifend keine ernstzunehmende Bedrohung für die hoffnungslos überlegenen Helden mehr dar. Und deshalb ist mir auch ein allzu über-starker, planetenverschiebener Superman, wie er vom gegenwärtigen Autorenteam gerade wieder aufgebaut wird, ebenso zuwider wie Morrisons Mega-Mastermind Batman, der Darkseid mit einem bloßen Gedanken besiegen könnte, in seiner eigenen Serie aber gegen bloße Strauchdiebe ungleich mehr Leistung aufbringen muß. Will jemand wissen, welches Crossover bis heute mein erklärter Favorit ist? "Acts of Vengeance" ("Racheakte") von Marvel. Darin versammelt ein verkleideter Loki eine Handvoll Top-Schurken (Kingpin, Dr. Doom etc.) um einen runden Tisch und hetzt den Superhelden unzählige Superschurken aus anderen Serien auf den Hals, die ihren ausgesuchten Gegner mit frischen Ideen und ungewohnten Taktiken den Garaus machen sollen. Keine kosmischen Schlachten, kein Kampf um die Existenz von allem, was ist. Und für Charakterisierungen ist auch noch mehr als genug Platz. Man sieht, es geht auch anders. Und darum bitte ich: Liebe Autoren, hört endlich auf, der "größten Bedrohung aller Zeiten" immer noch eins draufsetzen zu wollen. Schluß mit der "kosmischen Schlacht der Woche" und dem "Universal-Vernichter des Monats". Uberlegt euch nicht, welche unvorstellbar gigantische Bedrohung ihr den Helden als nächstes auf den Hals hetzen könnt. Kommt wieder auf den Teppich und versucht mal wieder, einfach nur eine gute Geschichte zu schreiben. Ihr werdet sehen, am Ende wird es sich auszahlen. Torsten B. Abel |
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