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Sehen wir uns doch mal an, was der Einzelne zum fertigen Comic beiträgt. Der Autor schreibt die Geschichte. Er schreibt entweder ein komplettes Skript oder gibt nur den Plot vor und schickt diesen dem Editor zu. Dieser versieht den Entwurf mit diversen Bemerkungen und schickt ihn dann an den Autoren zurück, der sich an diesen Bemerkungen orientiert. Anschließend schickt er die Geschichte dem Zeichner. Der Zeichner hat nun die Aufgabe, das vorliegende Manuskript innerhalb einer bestimmten Zeit grafisch umzusetzen. Und je nach Art des Manuskripts ist die Arbeit für ihn "leicht" oder "schwer". Bei einem Plot wird nur grob die Handlung umrissen, und der Zeichner hat nun die Aufgabe, diese umzusetzen. Einige Zeichner, z. B. Ian Churchill, bevorzugen diese Form. Es bedeutet für sie schlicht und ergreifend mehr kreative Freiheit, da sie selbst entscheiden, wie eine Seite aufgebaut ist und was wie zu sehen ist. Der Autor fügt anschließend nur noch die Dialoge hinzu. Ein Skript ist dagegen schon detaillierter. Es gibt an, welche Seiten wieviel Panels haben und welche Figur was wo sagt.
Doch zurück zur Ausgangsfrage. Es gibt ja genügend Fälle, in denen Zeichner zugleich auch Autoren sind. Als Beispiele seien nur mal Walt Simonson, Rob Liefeld und Dan Jurgens genannt. Wie sieht es mit diesen Leuten aus? Zum Teil sind sie berühmt, wie beispielsweise George Pérez mit seiner Wonder Woman oder Walt Simonson mit seinem Thor-Run, teilweise aber auch berüchtigt wie zum Beispiel Rob Liefeld, dessen späteren Arbeiten gerade mal Spurenelemente einer Story aufzuweisen hatten. Aber man kann im Großen und Ganzen sagen, dass die meisten Zeichner, die sich als Autoren versucht haben, gute Autoren geworden sind. Zumindest gilt das für die meisten Autoren/Zeichner der achtziger Jahre oder früher. Wenn sie ein Heft zeichneten und auch noch schrieben, konnte man davon ausgehen, dass es sich gut verkauft. Allerdings galt dies nur für damals. Wenn heute ein George Pérez wieder eine Serie schreibt und zeichnet, geht diese Serie nach zwei Ausgaben unter, egal, ob sie gut ist oder nicht.An die Stelle der Autoren/Zeichner der Achtziger sind die Autoren/Zeichner der Neunziger getreten. Angefangen hat alles mit dem Image-Verlag. Sieben zum teil recht erfolgreiche Künstler gründeten ihren eigenen Verlag, den Image-Verlag. Jeder dieser sieben zeichnete und schrieb nun seinen eigenen Comic, und das Ergebnis war ein durchschlagender Erfolg. Die Hefte verkauften sich wie warme Semmeln. Allerdings waren die Geschichten nicht gerade das Gelbe vom Ei. Sie waren nett zu lesen, aber hatten keinen wirklichen Inhalt. Die einzigen Ausnahmen stellten der frühe Spawn und Savage Dragon dar. Insbesondere letzterer ist eine Ausnahme innerhalb des gesamten Image-Verlags, ist er doch die einzige Serie, die bis heute nach wie vor von ihrem Erfinder geschrieben und gezeichnet wird. Und man kann Erik Larsen wirklich nicht vorwerfen, dass er nicht schreiben kann. Doch während Larsen das eine Extrem darstellt, war Rob Liefeld das andere Extrem. Denn insbesonders in seinen späteren Heften war es wirklich so, dass er nur große Action-Panels zeichnete und die Story immer mehr zur Nebensache wurde. Als die Erben der Image-Gründer kann man die Leute des Cliffhanger-Imprints ansehen. Auch hier war es so, dass erfolgreiche Zeichner ihre eigenen Hefte herausbrachten. Und wieder war der Erfolg unglaublich, auch wenn die Hefte teilweise mit enormer Verspätung erschienen. Und wieder waren die Hefte grandios gezeichnet, während die Geschichten zwar spannend erzählt waren, aber nicht gerade von hoher Qualität zeugten. Aber auch hier gab es wieder eine Ausnahme: Die Serien von Humberto Ramos waren einerseits gut gezeichnet und konnten anderseits auch eine gute Story aufweisen. Gleiches gilt für "Fathom" von Michael Turner, die auch eine hohe grafische Qualität an den Tag legt und deren Geschichten ebenfalls zu begeistern wissen. Wenn man die letzten Abschnitte liest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass eine gute Geschichte nichts mehr zählt. Dieser Eindruck könnte durch das gescheiterte Experiment "Gorilla Comics" verstärkt werden. Gorilla Comics war der Zusammenschluß der besten Autoren und einiger der besten Zeichner, die man momentan auf dem US-Markt findet. Es erschienen Serien, die schlichtweg grandios waren. Doch das Projekt scheiterte aufgrund der schlechten Verkauszahlen. Leider. Es scheint so, als ob ein guter Autor heute tatsächlich nichts mehr zählte. Doch Geschichten zählen auch heutzutage noch. Um dies bestätigt zu bekommen, braucht man sich bloß die monatlichen Top 100 der US-Comics ansehen. Dort findet man jede Menge Titel, deren Geschichten genial sind. Als Beispiel seien nur die "Ultimate"-Titel, die JLA oder die JSA zu nennen. All diese Titel sind hervorragend geschrieben. Sicher, einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Erfolg tragen auch die Zeichner bei, doch man muß auch bedenken, dass vor allem die letzten beiden Titel von Zeichnern gestaltet werden, die nicht fähig sind, zwölf Ausgaben am Stück herauszubringen. Das Ergebnis ist natürlich ein häufiger Einsatz von Gastzeichnern mit entsprechenden Schwankungen der grafischen Qualität. Und trotzdem verkaufen sich die Titel. Man kann diesen Erfolg den Autoren zuschreiben, die es verstehen, gute Geschichten zu erzählen. Das hat auch Image mittlerweile eingesehen. Der Verlag hat sich immer mehr zu einem Sammelsurium von Serien entwickelt, die anspruchsvolle Geschichten erzählen. Man denke nur an die Serie "Powers" oder den Top Cow-Imprint "Joe's Comics", bei dem JMS, der berühmte Macher der legendären TV-Serie Babylon 5 seine eigenen Geschichten veröffentlicht. Es ist heutzutage so, dass sich Serien häufig genug aufgrund ihrer Autoren verkaufen. Man denke nur an Kevin Smith, dessen bisherige Arbeiten bei den großen Verlagen sich jedesmal zu wahren Verkaufsschlagern entwickelten. Aber es gibt immer noch Serien, die sich nur aufgrund ihrer Zeichner verkaufen. Nur dass diese deutlich in der Minderheit sind. Heutzutage ist es die Geschichte, die zählt, und einen Autoren, der es versteht zu begeistern, kann man beinahe schon als "Superstar" betrachten. Und die Zeichner? Okay, es kommt auch auf die Chemie zwischen Autor und Zeichner an. Wenn die beiden sich gut verstehen, merkt man das den fertigen Werken auch an. Aber ich selbst habe den Eindruck, dass nur ein guter Autor, der sich mit dem Zeichner versteht, es schafft, alles aus diesem herauszukitzeln, ihn dazu zubringen, sein Bestes zu geben. Man denke nur an "The Authority", wo es Warren Ellis geschafft hat, Bryan Hitch dazu zubewegen, im Comicbusiness zu bleiben. Und das nur aufgrund seiner Stories.Als Resümee, kann ich selbst nur den Schluß ziehen, dass es der Autor ist, der am Ende zählt. Ich bin aber gerne bereit, über andere Meinungen zu diskutieren. Götz "comicfreak" Piesbergen |
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