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Zuallererst ein dickes SORRY an alle, die letzte Woche auf diese Kolumne gewartet haben. Der einfache Grund für das Ausbleiben ist: Ich habe es absolut nicht ins Internet-Cafe geschafft, und zu Hause habe ich nun mal keinen funktionierenden PC. Aber genug davon. Kommen wir zum Wesentlichen. Als ich Götz diese Kolumne im Januar gepitcht habe, hatte ich ihm gesagt, dass 2005 eine Menge Veränderungen mit sich bringen wird. Damals hätte ich im Traum nicht daran gedacht, dass wir bereits drei Monate später einen neuen Papst haben würden. Ja, ganz recht, die Nachricht, dass es sich um einen Deutschen handelt, hat mich nicht so mitgerissen, wie die Tatsache, dass es überhaupt einen neuen Papst gibt. Ich meine, ich bin 1980 geboren, der Gedanke eines neuen Papstes ist für mich etwa so wie der Gedanke an eine Beinprothese. Ich meine, klar, Johannes Paul II war alt, war krank, und niemand ist unsterblich. Und doch - ein neuer Papst. Ich werde eine Weile brauchen, um mich an den Namen Benedikt 16. zu gewöhnen, zumal Ratzinger mir in meiner Oberstufe in der Form zahlreicher Religionsunterrichtsstunden untergekommen ist. Nicht persönlich, natürlich. Aber seine Texte haben wir bis zum Erbrechen durchgekaut, ich glaube, er war sogar Bestandteil meiner mündlichen Abiturprüfung. Sein Spitzname war lange Zeit "Panzerkardinal". Ein so was von konservativer Hardliner, für den müsste man rechts noch ein paar Sitze dranschrauben. Wenn die Welt ein Comic wäre, wäre das alles natürlich nur Maskerade gewesen. Fakt ist, in seiner Jugend war er ein äußerst progressiver Priester. Ich sehe die Panels schon vor mir, in denen enthüllt wird, dass er sich jahrelang wie eine konservative Karikatur seiner selbst gegeben hat und in den engsten Zirkel um Johannes Paul II. vorgearbeitet hat, um die Chance zu vergrößern, dessen Nachfolger zu werden. Und jetzt, wo es geklappt hat, lässt er die Maske fallen und wird der große Reformpapst, den die Katholische Kirche seit einer halben Ewigkeit braucht. Hach, wäre das schön... Was gibt es sonst noch diese Woche? Müntefering spricht aus, was ich seit Jahren sage (wenn mir denn jemand zuhört): Kapitalismus und Demokratie sind inkompatibel. Natürlich leider nur aus Wahlkampfgründen, aber immerhin. Jetzt müsste bloß noch jemand öffentlich zugeben, dass wir in einer Mediokratie leben, aber auch das ist nur noch eine Frage der Zeit, da bin ich zuversichtlich. Zum Thema Kapitalismus/Medienherrschaft: AOL/Time Warner, Mutterunternehmen unseres Lieblings-Comic-Verlages versucht, den US-Kabelbetreiber Adelphia zu übernehmen, was Time Warner zum wichtigsten Kabelanbieter der USA machen würde. Das Monopol wächst. Beängstigend. Betrug in den Deutschen Charts. Ein Manager kauft die Platte der eigenen Künstlerin, hievt sie somit künstlich in die Charts und damit in die Grand-Prix-Vorausscheidung. Versteht mich nicht falsch, der Grand Prix geht mir ziemlich am Anus vorbei und von der in Frage kommenden Tante habe ich noch nie etwas gehört, aber so eine dreiste, öffentliche Manipulation (ohne tiefschürfende Folgen, allem Anschein nach darf die Trulla jetzt wohl trotzdem für Deutschland antreten) finde ich erwähnenswert. Zumal es sich vermutlich auch nicht um einen Einzelfall handelt, anders lässt sich der Müll in den Top 100 nicht erklären. Übrigens entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Ermittler der Charts tatsächlich "Media Control" heißen. Ich meine, von dem Wink mit diesem Zaunpfahl bekommt man ja wohl blaue Flecken... Man liest sich. Michael Heide |
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