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Deutsch:
Es ist schon wieder ein Weilchen her, dass ich zuletzt für die Captions in die Tasten gegriffen habe. Um die Zeit, in der nichts erschienen ist, wieder gutzumachen, wage ich mich heute an ein Thema, das oft diskutiert wird. Und bei dem man sich sicher sein kann, dass es nie einen gängigen Konsens geben wird.
Ich rede von „Übersetzungen“!
Nun ist es ja kein Geheimnis, dass ich nicht gerade ein "Deutsch"-Leser bin, aber ich denke, der geneigte Leser wird dennoch einige interessante Gedanken finden können.
Wir leben in einem Land, mit einer Sprache, die für uns wunderschön ist. In ihr wurden schon zahlreiche berühmte Gedichte und Romane geschrieben. Man kann mit ihr spielen, und sie formen. Sie hat nur einen gewaltigen Nachteil: Sie ist nicht die Weltsprache!
Weltsprache? Das impliziert ja schon einiges. Es bedeutet, dass es da eine Sprache gibt, die überall gesprochen wird, wohin man auch kommt. Eine Sprache, die ein Durchschnittsbürger schon zu kennen hat, wenn er halbwegs vorankommen will.
Die Rede ist natürlich vom Englischen.
Nun ist es so, dass es hier, in diesen deutschen Landen, auch Personen gibt, die gerne Literatur lesen wollen, die nicht hier in Deutschland erscheint. Und hauptsächlich wird dann diese Literatur in der Weltsprache publiziert, was vor allem daran liegt, dass die meisten berühmten Autoren in Ländern leben, wo die Weltsprache ihre gebürtige, ihre einheimische Sprache ist.
Das gilt auch für Superheldencomics.
Also, was tun?
Eine Möglichkeit wäre es, sich die Originalausgaben zu besorgen, die Werke in ihrer Originalsprache zu lesen.
Klingt gut. Nur ist es auf die Dauer ganz schön anstrengend, Sachen in einer fremden Sprache zu lesen. Besonders dann, wenn man in dieser fremden Sprache nicht ganz so geübt ist. Dann bleibt nur eine Möglichkeit.
Die Werke zu übersetzen!
Übersetzen bedeutet, einen Text aus seiner Originalsprache in die andere Sprache zu übertragen. Und zwar möglichst genau, so dass eine Mehrheit sich mit der Übersetzung zufrieden zeigen kann.
Und genau da liegt der Casus Knaxus, der berühmt berüchtigte Knackpunkt! Es ist klar, dass ein Text nie eins zu eins übersetzt werden kann. Dafür sind die Sprachen zu unterschiedlich. Im Englischen können bestimmte Wörter je nach Kontext dutzende verschiedene Bedeutungen haben. Zwar mögen die meisten dieser Übersetzungen nur in ganz seltenen Situationen greifen, aber dennoch gibt es für jeden Satz unterschiedliche Möglichkeiten. Und all diese Möglichkeiten hat ein Übersetzer zu beachten.
Entweder er macht seine Arbeit gründlich (auch mal zu gründlich), oder er macht sie schlampig! Die „jüngere“ Geschichte in Sachen Übersetzungen in Deutschland liest sich interessant:
Einige ältere Comicfans erinnern sich sicherlich noch mit Grauen an die Condor-Zeit, in der teilweise längere Sätze durch ein einfaches „Ha“ ersetzt wurden. Okay, dies ließ sich hauptsächlich durch den eingeschränkten Platz erklären, den die meisten Comic-Publikationen von Condor hatten. Aber auch die Nicht-Taschenbuch-Veröffentlichungen waren nicht gerade das Gelbe vom Ei.
Dino Comics machte es mit seinen DC Publikationen schon besser. Allerdings tauchten dann immer wieder Sequenzen auf, in denen man deutlich erkannte, dass sich der Übersetzer hier zuviele Freiheiten nahm. Die Young Justice Hefte lasen sich so, als ob der Übersetzer auf Deubel komm raus versucht hätte, das Heft möglichst jugendsprachlich zu halten.
Und bei DCD? Entweder übertreibt man es, indem man in einigen Heften Songtexte übersetzt, die nichts mit der Handlung zu tun haben, oder man übersetzt uneinheitlich.
Aber es lässt sich leicht sagen, dies und das ist falsch, das hätte man besser machen können, das ist absoluter Humbug... Oft wird auf den Übersetzer eingehauen, der nur in den seltensten Fällen sagt: „Macht es besser!“
Denn wie schon oben gesagt: Eine eins zu eins Übersetzung ist unmöglich! Und es ist nun mal auch so, dass viele der derzeit tätigen Comicübersetzer ja nicht nur ein Werk bearbeiten, sondern gleich mehrere auf einmal übersetzen, und nebenbei auch noch anderen Tätigkeiten nachgehen.
Es ist nun mal so, dass wir in einem Land leben, dessen Sprache nur innerhalb eines begrenzten Raumes gesprochen wird. Da sollte man die Übersetzer nicht immer in die Pfanne hauen, wenn mal eine Übersetzung daneben geht.
Es gibt ja immer noch genügend positive Beispiele. Eines für eine gelungene Übersetzung ist die Serie „Gold Digger“, auf Deutsch im Eidalon Verlag erschienen. Die Ausgabe 5 bietet ein perfektes Beispiel für eine Situation, in der sich ein Übersetzer mehr als nur gut schlägt.
Es gab in dieser Ausgabe eine Geschichte mit Kobolden, die im Original einen irischen Akzent hatten! Englischsprachige Akzente sind sehr, sehr schlecht zu übersetzen. Oft genug wird der entsprechende Darsteller entweder zu einer Witzfigur, weil der Akzent in eine Art gebrochenes Deutsch übersetzt wurde, oder der Akzent wurde komplett ignoriert, was manche Sequenzen dann etwas merkwürdig erschienen lässt. Nur war es in dieser Ausgabe so, dass der Übersetzer diese eigentlich unmögliche Situation dadurch löste, dass er den Kobolden einen hessischen Akzent gab! Eine Übersetzung die durchaus gelungen war, da dadurch der Wortwitz der Ausgabe aus dem Original gut rüber transportiert wurde.
Man sieht, es ist alles möglich. Es gibt gute und schlechte Übersetzungen. Manche Übersetzungen sind extrem holprig, und wirken dadurch unfreiwillig komisch (Authority #1 sage ich da nur). Bei manchen Übersetzungen merkt man allerdings auch, dass sich der Übersetzer richtiggehend Gedanken gemacht hat, wie er bestimmte Stellen lösen kann. Dabei erinnere ich gerne an Batman: Dark Victory, wo man wirklich viele Überlegungen in die deutschen Rätsel des Killers einfließen lies.
Allerdings sind solche Fälle eher selten. Denn oft genug bekommen wir Durchschnittskost aufgetischt. Übersetzungen, die zwar nicht schlecht sind, aber auch nicht gerade gut. Man weiß nicht, was ihnen fehlt, und es stört einen auch nicht. Die Ursache habe ich schon oben beschrieben!
Lasst uns daher in Ruhe die Höhepunkte von Übersetzungskünsten genießen, ohne uns allzu sehr über Tiefpunkte aufzuregen. Das kommt vor! Selbst in den besten Familien.
And now for something completly different:
Als nächstes wird wieder mein Rundgang fortgesetzt, in ich mir dann den Image Verlag vornehme.
Wer was dagegen hat, oder einfach nur ein paar Gedanken abgeben will, kann dies unter gotzgps@aol.com machen. Es gibt bei mir alles, nur keine unbeantworteten Mails.
Gleichzeitig möchte ich die Werbetrommel für die Legion Monster Editon von DCD rühren, die im Dezember rauskommt. Kauft euch diesen Band und erlebt Sci Fi-Stories im Superheldengewand, die euch das eine oder andere ungläubige Aufstöhnen abverlangen werden.
Bis in Bälde
Götz 'comicfreak' Piesbergen
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Wenn auch du dich berufen fühlst, deine Gedanken zum Thema Comic niederzu- schreiben, wenn du dich einem sehr großen Publikum mitteilen willst, dann kannst du uns gerne eine E-Mail schreiben.
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