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Und der eine Verlag bekommt deswegen tüchtig eins auf die Glocke. Für mich beweist dies Eines: Viele Comicfans denken selektiv! Ich rede von Marvel und Image, zwei der "Big Four", die den Comicmarkt derzeit anführen. Und ich rede von dem Tsunami Projekt, das in gewohnt lautstarker Marvel-Manier seine Mission antritt, neue Comicfans zu gewinnen. Und dieses Projekt hat bislang von den Alt-Fans viel Häme einstecken müssen. Doch ehe ich darauf näher eingehe, einen Schritt zurück. Mangas! Japanische Comics. (Ich glaube, andere asiatische Comics werden anders genannt) Eine Comicform, die momentan den gesamten Markt beherrscht. Eine Comicart, die besonders Kinder, Jugendliche und Mädchen anspricht. Also genau die Gruppen, die der amerikanische Heftchenmarkt verzweifelt sucht. Der Nachwuchs, der irgendwann die Alteingesessenen ersetzen soll, wenn man so sagen will. Umso unverständlicher finde ich die Reaktionen mancher Comicfans, die Marvel deshalb verdammen, weil der Verlag diese Gruppen erreichen will. Das sind dann die Leute, die völlig vergessen, dass sich viele der heutigen US-Zeichner vom Manga-Stil beeinflussen ließen. Am hervorstechendsten sind da natürlich Humberto Ramos, Joe Madureia und Jeff Matsuada, die einen sehr offensichtlichen Mangastil hegen. Aber auch Mike Wieringo und Mark Bagley haben eine Federführung, der Manga-ähnlich ist. Verurteilt werden diese Zeichner deshalb nicht! Eher im Gegenteil: Hefte dieser Leute verkauften und verkaufen sich teilweise grandios! Verdammt, selbst Superman hatte mit ED McGuinness einen Zeichner, der einen straken Manga-Einfluss aufwies! Oder einige Hefte aus der 80er Revival-Welle. Battle of the Planets, Transformers, oder demnächst Voltron, reiten auf der selben Welle. Stören tut das offenbar niemanden, sonst würden sich die Serien ja nicht mehr verkaufen. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Überall stößt man auf einen Stil, der von Mangas inspiriert wurde. Einige Verlage leben sogar davon, wie zum Beispiel Dreamwave oder Antarctic Press! Um es mal deutlich zu sagen, damit es auch in die Köpfe einiger Dickschädel kommt: Das, was Marvel und Co produzieren, sind immer noch amerikanische Comics! Sie sind zwar manga-ähnlich, aber das heißt nichts, solange sie noch in Amerika und mit amerikanischer Beteiligung publiziert werden. Außerdem hegen sehr viele Mangakünstler eine Vorliebe für die amerikanischen Comics. Am berühmtesten ist Kia Asamiya, der bis vor kurzem auch noch Uncanny X-Men zeichnete. Und wer diesen Stil nicht mag? Bitte: Es gibt noch genügend Hefte, die nicht mangahaft sind. Darunter auch einige der Tsunami-Comics, was bei manchen Fans wohl vergessen worden ist. Wem das nicht passt: Bei den Verlagen gibt es immer noch eine große Anzahl an Comics, deren Stil sich deutlich von dem momentanen Trend unterscheidet. Man braucht nur zuzugreifen! Außerdem haben alle neuen Serien eines gemeinsam: sie sind Versuchsballons! Man wirft etwas an die Wand und wartet ab, was kleben bleibt. Dieses Konzept wurde in der Vergangenheit oft benutzt, und hatte damit durchaus Erfolg. Für mich bedeutet dieser starke Manga-Einfluss nichts anderes, als dass der Comicmarkt momentan eine Veränderung durchmacht. Die alten Zeiten sind vorbei! Nur wer sich verändert, überlebt. Und Veränderung bedeutet auch Experimente, die auf dem ersten Blick ungewöhnlich und unbeliebt erscheinen mögen. Eine Lektion, die einige Fans scheinbar immer wieder gerne vergessen. Meines Erachtens nach versuchen die Verlage damit nur das beste für die Comicszene. Denn die alten Fans sterben langsam aus! Und junge Fans haben sich bislang nur selten in die amerikanische Comickultur hinverirrt. Also versuchen wir alles Mögliche, um ihnen entgegenzukommen! Außerdem ist dies nur eine von vielen Möglichkeiten, neue Comicleser anzuziehen. Eine andere praktiziert unter anderem Crossgen. Nochmals als Resümee: Der Manga-Einfluss ist da, schon seit längerer Zeit. Ihn deshalb jetzt urplötzlich zu verurteilen, zeugt nicht gerade von Intelligenz seitens der alten Comicfans. Warten wir es ab! Es kann nur noch besser werden. And now for something completly different:
Okay, das war die letzte Kolumne, ehe ich meine große Artikelserie starte. Ich werde ab der nächsten Ausgabe viele Verlage vorstellen, die man sich angucken sollte. Das wäre dann die Fortsetzung meiner vorletzten Kolumne. |
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