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Zuerst eine Vorbemerkung: Ich benutze weitestgehend den deutschen Begriff "Tuscher" statt "Inker"! Woran erkennt man einen Tuscher? Daran, dass man ihn gar nicht erkennt! Ha! Ha! Ha! Dreimal gelacht, und doch ist dieser hundsmiserable Witz irgendwo bittere Wahrheit. Wenn man nicht gerade Bill Sienkiewicz oder Michael Bair heißt, ist man als Tuscher arm dran. Die meisten Leser bewundern eher die Zeichnungen, anstatt zu begreifen, dass diese Zeichnungen nichts wären, ohne den Mann im Hintergrund, den Tuscher. Fragt man nach berühmten Zeichnern, wird man von Namen überhäuft. Fragt man nach berühmten Tuschern muss man sich mit ein paar Namen begnügen. Am bekanntesten dürfte wohl ausgerechnet die Person sein, die gar nicht auffällt. Jimmy Palmiotti genießt den Ruf, die Zeichnungen lediglich zu verstärken, seinen Strich dem Stil des Zeichners anzupassen, ohne dass es auffällt. Meines Erachtens nach liegt darin eine gewisse Ironie! Es ist aber auch wirklich so, dass das Wirken eines Tuschers erst dann auffällt, wenn er einen Zeichner verlässt, zu neuen Ufern aufbricht. Dann wird plötzlich klar, was für einen Einfluss der Tuscher auf die Zeichnungen hatte. Berühmtestes Beispiel dürfen wohl die Liason John Byrne und Terry Austin sein, die damals die Serie "Uncanny X-Men" zutiefst prägten! Doch als Terry Austin diese Allianz verließ, und Byrne sich selber tuschte, wurde klar, wie viel Austin zu Byrnes Zeichnungen beigetragen hatte. Denn Byrnes Zeichnungen, die mit Austin klar und frisch aussahen, verwandelten sich nun in ein Chaos, das von schwarzen Linien förmlich erdrückt wurde. Und nur, wenn Byrne von Anderen getuscht wurde, was sehr selten vorkam, blitze noch mal die alte Qualität auf. Was ist überhaupt die Aufgabe eines Tuschers? In allererster Linie sorgt er für die Schatten und die Schärfe der Konturen. Hinzu kann noch kommen, dass er sich um Details kümmert. Klingt einfach, oder? Denkste! Diese simple Job-Beschreibung reicht bei weitem nicht aus, um die große qualitative Bandbreite abzudecken, die ein Tuscher zu beherrschen hat. Ein Tuscher interpretiert seine Aufgabe so, ein anderer anders. Und die Art und Weise, auf die die Tinte zu Papier gebracht wird, unterscheidet sich auch gewaltig. Das merkt man leicht daran, wenn die Vorzeichnungen eines Künstlers in einem Heft von fünf verschiedenen Tuschern bearbeitet werden. Das Ergebnis sieht jedesmal dementsprechend... anders aus, um es mal harmlos auszudrücken. So etwas war in der Anfangszeit von Top Cow Gang und Gebe. Ein Heft mit mindestens drei Tuschern war Alltag. Da stellt sich jetzt die Frage, wegen der ich dieses Thema überhaupt angeschnitten habe: Was ist die Zukunft dieser verkannten Zunft? Wird es auch in Zukunft Tuscher geben? Da gibt es momentan zwei verschiedene Wege, die ich erkennen kann. Ein Weg ist das komplette Wegfallen des Tuschers, wobei die Aufgabe dann teilweise zwischen dem Zeichner und der Kolorierung aufgeteilt wird. Der andere Weg ist das Ersetzen des "manuellen" Tuschens durch den Computer, auch "Digital Inking" genannt. Beide Wege werden derzeit in den USA propagiert. Und beide Wege haben ihre Vor- und ihre Nachteile. Momentan wird am häufigsten die komplette Aussparung des Tuschers erprobt. Der berühmteste Vertreter dieser Linie ist Marvels Serie "X-treme X-Men", in der zum ersten Mal vor "großem" Publikum, direkt auf die Zeichnungen von Sal Larroca koloriert wurde. Das Ergebnis: Gewöhnungsbedürftig. Anfangs wirkten die Zeichnungen geradezu ertränkt in Farbe, und es brauchte ungewöhnlich lange, bis sich Linien und Kolorierung aufeinander eingestellt hatten! Details wirkten verschwommen, oder versanken gänzlich in der Farbgebung. Wesentlich besser machte es da die sechsteilige Miniserie "Origin", in der Richard Isanove direkt auf die Zeichnungen von Andy Kubert kolorierte. Diese Verbindung funktionierte von Anfang an prima, und machte einen Reiz der Miniserie aus. Bislang habe ich nur von Marvel geredet, was ist mit den anderen Verlagen?
DC bleibt in dieser Hinsicht konservativ.
Image war der erste Verlag, der mit so etwas experimentierte. Die Serie "Aria" war sozusagen der Prototyp dafür, dort wurde auf die Zeichnungen von Jay Anacleto direkt von den Avalon Studios koloriert. Dieses Verfahren wird auch bei weiteren Serien aus dem Aria-Universum eingesetzt, und auch bei der neuen Serie von Jay Ancaleto. Ein anderes Beispiel außerhalb dieser Umgebung wäre "Tomb Raider #25".
Bis in Bälde |
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