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Erinnern wir uns: Im ersten Teil trauerte ich über die Schurken, von denen es viele gute gibt, aber nur wenige zu alten Bekannten werden. Der zweite Teil handelte von den Helden, die von Abziehbildern erdrückt werden. Und heute? Heute rede ich über neue Serien! Oder besser gesagt, über die Schwierigkeiten, die neue Serien haben. Ein Blick in die Charts zeigt ja eigentlich ein recht positives Bild von den derzeit laufenden Serien. Sehr viele von ihnen haben zweistellige Nummern, und es existieren nur sehr wenige mit drei Stellen. Eigentlich doch gut, oder? Denkste! Geht man die Charts durch, fällt sofort auf, dass es recht wenig Serien gibt, die noch nicht neu gestartet wurden. Die noch keine erfolgreiche Vorgängerserie hatten. Die einmal wirklich aus neuen Charakteren bestehen, die keine Nachkommen gleichnamiger alter Helden sind! Kurz und gut: Es fehlt an Serien, die wirklich erfrischend neu sind und sich gleichzeitig kommerziellen Erfolg verbuchen können. Klar werden jetzt Beispiele wie Marvels Ultimate-Serien kommen, die ja eine Neuinterpretation von bekannten Figuren sind. Und natürlich sind sie auch auf ihre Art und Weise neu, bloß, es bleiben Interpretationen von Bekanntem. Und seien wir mal ehrlich: Der Moment, in dem die Teams, die das Ultimate-Universum so erfrischend anders machen, die Serien verlassen, wird auch garantiert der Moment sein, in dem das Ultimate-Universum in eine Krise stürzt! Und wenn nicht dann, dann spätestens in dem Moment, in dem ein neuer Chefredakteur die Kontrolle über den Verlag übernimmt und eine gänzlich andere Vision der Serien hat! Es gibt viele Stolpersteine auf dem Weg zu einem selbstlaufenden Titel. Und, um mal wieder ehrlich zu sein: Eine Serie mag anfangs noch so erfolgreich sein, die Chance, dass sie sich selber am Leben erhält ist praktisch Null! Der Markt wird, so unglaublich das klingen mag, von klassischen, von alten Serien regiert. Serien wie Avengers, JLA, Action Comics oder Fantastic Four mögen sich zwar nicht so gut verkaufen, aber es sind Klassiker! Serien, die man nicht eben kurz einstellen kann! Diese Serien laufen selbst dann noch, wenn die Welt untergeht. Und warum? Liegt es am Alter der Serien? Man muss schließlich zugeben, dass die meisten Serien tatsächlich ziemlich betagt sind. Auch wenn man es an ihrer Ausgabenzahl nicht festlegen mag. (Fantastic Four und Avengers haben schließlich dreimal eine Ausgabe #1 gehabt, weil sie zweimal neu gestartet wurden!) Aber das Alter ist jetzt nicht so das Argument! Sonst würden Serien wie Titans, Outsiders, Doom Patrol und ähnliche schon seit Urzeiten laufen. Tun sie aber nicht. Alle diese Serien hatten mal ihre 15 Minuten des Ruhms, die sie zu Klassikern machten. Aber seitdem sind sie recht erfolglos geblieben. Allein der Titel Titans wird jetzt bald zum wievielten Male neu gestartet? Zum vierten oder zum fünften Mal? Nein, das Alter ist nicht das Argument! Ist es dann eine gewisse Erwartung, eine gewisse Ahnung, dass auf jedes schlechte Kreativteam ein gutes kommt? Nein, das ist es auch nicht. Viele der eben genannten Serien hatten ein gutes Kreativteam. Trotzdem wurden sie mangels Erfolg eingestellt! Dann muss es der Markt sein, oder? Der Markt mag teilweise schuld sein, aber nicht völlig! Es ist, denke ich, eine Kombination von mehreren Faktoren. Einerseits der Markt, andererseits das begrenzte Budget eines 08/15 Comiclesers, der lieber einem Markttrend folgt, anstatt mal gute Serien jenseits des Tellerrandes zu kaufen! Neue Serien haben es enorm schwer, sich durchzusetzen. Zwar schaffen es viele auf Anhieb in die Top 10, aber nach einiger Zeit versinken sie irgendwo in den unteren Regionen der Charts. Okay, ich habe bislang eigentlich nur von den "Big Two" geredet. Aber auch jenseits von DC und Marvel, bei Image etwa, sieht es nicht anders aus. Image hat zu seiner Gründerzeit mit seinen Serien den Markt regiert. Viel übrig geblieben ist davon nicht. Savage Dragon kann man wohl als die erfolgreichste Serie von Image ansehen, weil sie, neben Spawn, mittlerweile mehr als 100 Ausgaben hatte. Zwar verkauft sie sich nie allzu gut, aber immer noch passabel genug, um sich selbst über Wasser zu halten. Bei Spawn sieht es inzwischen anders aus. Der Serie passierte das gleiche, wie vielen Serien des Chaos-Verlags. Sie dominierten eine Zeit lang die Charts, ehe sie in obskuren untere Regionen abtauchte. Crossgen, einige Dark Horse-Serien, sowie die Archie Comics, finanzieren sich nicht über die offiziellen Verkaufscharts des Previews. Hier liegt das Geheimnis ihres Erfolges darin begründet, dass sie sich über die Kiosks verkaufen. Jedenfalls ist dies die einzig logische Erklärung, die mir einleuchtet, die die fortlaufende Existenz dieser Verlage erklärt. Und was bleibt als Resümee? Der Markt ist schnellebig. Extrem schnellebig! Was damals top war, ist heute flop! Gute Serien verkaufen sich nie so gut, wie sie es verdienen, siehe Captain Marvel oder Suicide Squad. Und wenn es eine Serie schafft, länger zu überleben, als man es ihr zutraut, dann liegt das entweder an einem alternativen Verkaufsweg, oder dass es eine Indy-Serie, die sich mit weniger Lesern begnügen kann. Das ist das Resümee! And now for something completley different: Nächstes Mal will ich euch auffordern, euren Horizont zu erweitern. Was ich genau damit meine, erfahrt ihr, wenn es soweit ist. Und wieder das alte Spiel: Fragen, Kommentar, Vorschläge? gotzgps@aol.com , da wird Ihnen geholfen! ;) Bis in Bälde
Götz "comicfreak" Piesbergen |
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