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Baby's got a temper
Die folgende Kolumne weicht ein bißchen von der üblichen Norm ab. Anstatt über ein allgemeines Thema zu referieren, will ich mich ein wenig mich über meine Lieblingsfigur auslassen. Wen es interessiert, der sei willkommen. Alle anderen dürfen auf meine nächste Kolumne warten.
Ich denke, jeder hat seinen eigenen, individuellen Lieblingsdarsteller. Für die einen ist es Batman, für die anderen Superman, für wieder andere Killowog von den Green Lanterns. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, und möglich ist alles.
Meine Lieblingsfigur kommt aus dem Batman-Universum, und dürfte wohl jedem Leser der Batman-Serien bekannt vorkommen. Sie hatte noch nie eine eigene Ongoing-Serie, sondern nur diverse Gastauftritte und Miniserien. Dabei ist sie durchaus schon eine ältere Figur.
Die Rede ist von der Huntress, dem einzigen Bat-Charakter, der keine eigene Serie hat, und auch nicht so leicht in das Schema der üblichen Sidekicks passt.
Dabei war sie am Anfang gar nicht die Rebellin, als die wir sie heute kennen. Am Anfang, das heißt in der Zeit vor der Crisis, war sie die Tochter des Erde 2-Batmans, die gemeinsam mit Robin das Erbe ihres toten Vaters antrat. Sie war Mitglied von Infinity Inc., der Superheldengruppe aus Kindern der JSA.
Und nach der Crisis wurde die Figur komplett umgekrempelt.
Hier war sie nicht mehr die brave Tochter von Batman, sondern eine Rebellin. Helena Bertinelli ist nun die Tochter eines Mafiosis, und ihre Familie wurde vor ihren Augen umgebracht. Seitdem zog sie als Huntress durch die Gegend und tötete die Verbrecher, was sie natürlich in Konflikte mit Batman brachte.
Das ganze sind natürlich die perfekten Zutaten für eine Anti-Heldin à la Punisher.
Was sie davon unterscheidet? Ihr ständiger Kampf um die Anerkennung Batmans. Das macht die Figur für mich so interessant. Denn sie widerspricht sich hierin teils selbst.
Auf der einen Seite will sie verzweifelt Batmans Respekt erlangen, auf der anderen Seite verachtet sie ihn auf irgendeine Weise.
Ich glaube, Huntress war noch nie so kurz davor, zum Batman-Team dazu zu gehören, wie damals im Niemandsland, als sie als Batgirl unterwegs war. Batman vertraute ihr einige Missionen an, und als sie irgendwann versagte, verstieß er sie. Lies er sie fallen, wie eine heiße Kartoffel. Das war eines der wenigen Male, wo ich Batman, der übrigens auch eine meiner Lieblingsfiguren ist, wirklich verachtet habe. Er wußte, das sie ihr Bestes gegeben hatte, und dennoch verstieß und manipulierte er sie.
Und dann war da noch die Mitgliedschaft der Huntress in der JLA. Sie war als einziges Mitglied der Batman "Familie" in die Gerechtigkeitsliga aufgenommen worden. Sie schlug sich dort recht wacker, auch wenn sie ab und an ziemlich daneben charakterisiert wurde. Der Höhepunkt der Fehldarstellung war in Grant Morrisons Abschlußstory, wo dieser Huntress in eine für sie untypische Killerstimmung verfallen ließ.
Und nach dem Niemandsland? Nach dem NML tauchte sie ein paar Mal in der Batmanserie auf, bis schließlich Batman/Huntress: Cry for Blood erschien. Die sechsteilige Miniserie definierte den Charakter der Huntress und ihre Beziehung zum Rest des Batman Universums neu. Es war die definitive Miniserie der Huntress! Und seitdem ist sie praktisch verschwunden.
Sie hatte einige Gastauftritte in den Batman-Serien (Detective Comics #763 und US-Batman #591), wird auch Teil der Batman: Family Miniserie sein, aber das war auch alles. Sie ist auf dem besten Weg, in Vergessenheit zu geraten. Dabei ist die Huntress sehr vielschichtig, bietet jede Menge Story-Potential, und gehört meines Erachtens nach einfach zum "Batman Universum" hinzu.
Warum?
Weil sie als einziges Mitglied der Batman Familie dem dunklen Ritter sehr kritisch gegenüber steht. Weil sie als einziges Mitglied dieser Familie nicht in direkter Verbindung zu Batman steht. Sie ist das schwarze Schaf der Familie, und ich finde, dass ihr diese Rolle gut steht. Sie ist eine ewige Rebellin, die mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, und den Auswirkungen der Straße teilweise direkter gegenüber steht als Batman. In ihren Aktionen ist immer eine Art unterschwelliger Ärger zu lesen.
Ich hoffe, dass sie bald wieder mehr in den Vordergrund gerückt wird. Am liebsten wäre mir sogar eine eigene Serie, geschrieben von Greg Rucka, der die Figur ja auch liebt.
Ich hoffe, ich bin nicht der einzige.
And now for something completley different:
So, das wäre meine Kolumne über meinen Lieblings-Charakter. Ich hoffe sie hat euch gefallen.
Worüber ich demnächst schreiben werde? Gute Frage. Eventuell über die gottverdammte Continuity, und wieso wir Fans nicht von ihr lassen können. Mal sehen.
Falls ihr Themenvorschläge habt, dann mailt sie an gotzgps@aol.com. Antwort garantiert!
Bis in Bälde
Götz "comicfreak" Piesbergen
Götz 'comicfreak' Piesbergen
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