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Grüß Gott, Ich bin der Tod!
Zuallererst eine kleine Vorwarnung am Rande! Ich werde im Laufe der Kolumne auf Ereignisse eingehen, die in Deutschland noch nicht erschienen sind. Gerade wer das Superman-Crossover Our Worlds at War nicht im Original gelesen hat, sollte aufpassen.
Diese Kolumne ist eigentlich eher eine inoffizielle Fortsetzung meiner Kolumne über Gewalt in Comics.
Was für eine Rolle spielt überhaupt der Tod in der heutigen Superheldenkultur? Ist er eine Notwendigkeit? Wie wirkt überhaupt der Tod? Kann man den Tod in einem Superheldencomic gleichsetzen mit dem Tod in der Realität?
Auf die letztere Frage muss man eindeutig "Nein!" antworten, schon allein von der Grund-Konzeption des Superhelden-Universums her. In einem Superhelden-Universum ist es normal, gegen zeitreisende Allmachts-Schurken zu kämpfen, gegen Wesen, die sich selber als Götter bezeichnen. Normale Menschen müssem aufpassen, nicht während eines wilden Kampfes zwischen Schurken und Helden nebenbei von den Auswirkungen getötet zu werden. Kurz gesagt, ein Tod in einem Superheldencomic ist alles andere als das, was wir alle in der Realität früher oder später erleben müssen!
Überhaupt ist der Tod in den Superheldenserien meistens nur ein Mittel zum Zweck. Entweder Auslöser einer Superheldenkarriere, oder er soll verdeutlichen, wie brandgefährlich die Abenteuer der Protagonisten sind. Oder auch nicht!
Inzwischen gehört es zum guten Tonfall in den diversen Universen, alle paar Ausgaben lang -in gewissen längeren Storylines- einen Charakter umzubringen. Faustregel dabei: Je größer der Event, das Abenteuer, ist, desto größer ist die Anzahl an Charakteren, die ins Gras beißen müssen. Jetzt könnte man natürlich leicht glauben, jeder Charakter sei gefährdet. Aber den Gedanken kann man sich gleich aus dem Kopf schlagen. Meistens erwischt es Darsteller, die nicht so wichtig sind und die man eh nicht vermissen würde. Und wenn es dann doch einen beliebten Charakter erwischt, nun, dann braucht man bloß die Tage zu zählen, bis er wieder ins Leben zurückgeholt wird.
Beispiele gefällig?
Fangen wir mit Marvel an. Ich erinnere mich noch gut an die X-Men Storyline: "The Twelve" (oder so ähnlich), in der sich am Ende Cyclops opferte, um Apocalypse zu besiegen. Offiziell war er tot, doch in der Praxis natürlich nicht wirklich! Nein, er hatte überlebt! Oder noch schlimmer: Kurz vorher wurde in der Miniserie Astonishing X-Men Wolverine umgebracht. Aber, wie sich später herausstellte, war es gar nicht Wolverine, sondern ein perfekter Skrull-Doppelgänger. Von Jolt bei den Thunderbolts will ich mal vorläufig nicht reden. Da war wenigstens der Aspekt, dass das Team noch mit den Nachwirkungen ihres Todes zu kämpfen hatte.
Aber am schlimmsten in Sachen "Rückkehr der Toten" hat es Spider-Man getroffen! Erst starben seine Tante May, und sein alter Gegner Dr. Octupus, nur, um dann in den unsinnigsten Storylines wieder zurück ins Leben gebracht werden.
Aber DC ist in solchen Sachen auch kein Waisenknabe. Stichwort: Our Worlds at War! Das Mega-Crossover des letzten Sommers sollte mal wieder neue Maßstäbe setzen. Tat es aber nicht! Wer ging überhaupt drauf? Aquaman war schon mal ein prominenter Name. Die Eltern Kent, Major Lane, Maxima, Doomsday, Frank Rock, Strange Visitor, Massacre, und Steel. Ach ja, und Hyppolyta, Wonder Womans Mutter. Und wer war wirklich gestorben? Aquaman war verschwunden, wird aber demnächst wieder zurückkehren. Die Eltern Kent haben das Crossover überlebt. Hier hat man sich leider keinen radikalen Schnitt getraut. Major Lane ist tot, ebenso wie Maxima und Massacre. Ihren Tod wird man aber verschmerzen können, da es sich nicht wirklich um wichtige Charaktere handelt, sondern um blasse Figuren, die keiner wirklich braucht. Steel starb, wurde aber im selben Crossover wieder ins Leben zurückgebracht, wodurch die Glaubwürdigkeit des Charakters vollständig vernichtet wurde. Und es dauerte keine fünf Monate, bis auch Frank Rock in der Suicide Squad, und Doomsday und Strange Visitor in der Superman-Serie wieder auftauchten. Guy Gurdner wurde zwar im Laufe des "Krieges" auch für tot erklärt, daran konnte sich danach aber wohl niemand mehr erinnern. Hyppolyta ist immer noch tot! Gottseidank.
Insgesamt sind in Wirklichkeit also nur Charaktere gestorben, die kein Mensch braucht, und die uninteressant waren. Einzig der Tod von Hyppolyta ist tragisch, da hier wirklich ein Charakter verschwunden ist, der Klasse hatte.
Zieht man aus all dem ein Resümee, so muss man feststellen, dass der Tod keinerlei Bedeutung hat. Auf der einen Seite soll er schockieren, aber auf der anderen Seite wird er gleich ad absurdum geführt. Ihm wird jegliche Bedeutsamkeit geraubt.
Und was ist jetzt in Serien, in der der Tod andauernd auftritt...? Was ist mit Serien wie Punisher, Authority, mit Serien wie Transmetropolitan, Preacher oder Fury? Die Punisher-Serie hat zwangsläufig einen anderen Zugang zum Tod. Ja, der Punisher tötet, und ja, auch hier droht der Tod zu einem Gag zu werden. Aber dann gibt es immer wieder Szenen oder Ausgaben, wie die Nummer #6, in der der Tod kein plumpes Mittel ist, sondern als das dargestellt wird, was er tatsächlich ist: Ein finaler Schlussstrich! In Authority stirbt es sich hingegen leicht und locker. Autor Warren Ellis verwendet das Sterben als Mittel um zu zeigen, wie radikal sich das Team von anderen Superhelden unterscheidet. Die Schurken sind ein bißchen brutaler als der Durchschnitts-Gegner, und die Endlösung von der Authority ist radikaler und endgültiger als die eines normalen Superhelden-Teams. Wenn jetzt noch darauf verzichtet werden würde, das ganze mit markigen Sprüchen zu garnieren, würde ich es sogar gut finden.
Bei Transmetropolitan geht Ellis anders vor. Auch hier wird offen und ehrlich gestorben, doch es markiert die Brutalität der Realität, in der sich die Protagonisten befinden.
Bei Preacher und Fury wird der Tod zeitweise zu einer Pointe.
Eigentlich kann man davon ausgehen, dass, je detailierter ein Tod dargestellt wird, desto eher die Serie für ältere Leser gedacht ist. Wieso dann Authority in den USA kein "Mature Reader"-Titel ist, bleibt mir schleierhaft.
Kann man jetzt frei heraus behaupten, dass, in allen Comicbereichen, der Tod an Bedeutung verliert?
In den reinen Superhelden-Serien ist man auf dem besten Weg dahin. Wenn nochmal so etwas wie Our Worlds at War durchgezogen wird, mit den selben Konsequenzen, dann ist selbst der Tod völlig bedeutunglos. Marvel steuert dem ganzen ja etwas entgegen. Wie es bei kleineren Verlagen wie Crossgen aussieht, weiß ich nicht. Aber ich vermute mal, dass hier der Tod noch mehr Wirkung und Endgültigkeit hat!
Bei "Mature Readers"-Serien dagegen ist der Tod einfach nur ein plakatives Mittel um sich von Mainstream-Serien abzugrenzen. Aber wenigstens gebührt dem Sterben hier noch eine gewisse Bedeutung.
Vielleicht ist das auch ein Grund für die Zunahme an Mature Readers-Titeln, wer weiß! Möglich ist alles.
And now for something completley different:
comicfreak@dcfanpage.de . Das ist die Mail, an die ihr Kommentar usw. schicken solltet.
Was kommt denn als nächstes? Nun, je nachdem, wie schnell diese Kolumne online kommt, werde ich entweder über Fan-Reaktionen nachdenken, oder mir den aktuellen Previews zu Gemüte führen.
Bis in bälde
comicfreak
Götz 'comicfreak' Piesbergen
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