|
|

Put my Finger on the trigger
Wer jetzt eine Websitekolumne erwartet, der möge weiter unten lesen. Den Rest heiße ich willkommen zu meiner zweiten Kolumne über Gewalt.
Jetzt werden sich die meisten natürlich fragen, wieso ich schon wieder eine Gewaltkolumne schreibe. Antwort: Weil ich mit der ersten ganz und gar nicht zufrieden bin. Sie lässt viele Fragen offen und ist nicht so überzeugend, wie ich sie gerne gehabt hätte.
Als Comicfan ist man an Darstellungen von Gewalt, wie sie in Heften wie Authority und Planetary vorkommt, schon ein bißchen gewöhnt. Leider, muss man fast sagen. Aber ist das so schlimm? Können wir die Comicrealität tatsächlich von der Wirklichkeit unterscheiden? Klare Antwort: Ja!
Gewalt ist alltäglich. Wir bekommen sie im Fernsehen mit, wir sehen sie im Kino, wir lesen sie. Gewalt ist allerdings kein bloßes Produkt unserer modernen Zeit. Brutale Erzählungen, die die Fantasie eines Lesers anregen, existieren schon seit Urzeiten.
Ihr glaubt mir nicht?
Es ist aber wahr! In der Bibel, in alten Sagen, sogar in den Grimm'schen Märchen tauchen immer wieder Erzählungen auf, die nicht ohne sind. Da werden Leute bei lebendigem Leibe verbrannt oder gegessen. Wer sich jetzt damit rausreden will, das dies alles doch nur Fiktion sei, nicht real, dann soll er mir bitte erklären, wieso Comics dann keine Fiktion sein sollen. Nur weil sie bebildert sind?
Ich sage da nur: Wilhelm Busch!
Max und Moritz, seine beiden berühmten Lausebuben, kommen am Ende der Geschichte auf recht drastische Art und Weise ums Leben. Sie fallen in einen Hächsler, kommen geschrotet wieder hervor, und werden von Enten aufgegessen. Das alles ist en Detail zu bewundern. Oder: Ein Junge fällt im Winter in einen See. Er kommt vollkommen eingefroren wieder ins Haus seiner Familie, und als sie ihn auftauen, schmilzt er vor ihren Augen. Das finde ich sogar drastischer und erschreckender als einen Kopfschuß! (Nein, damit verharmlose ich den Kopfschuß nicht!)
Damit will ich mich aber auch nicht rausreden. Ja, es gibt Comics die brutal sind. Ja, einige sind sogar für jugendliche und Kinder frei zugänglich. Aber (!): Sie sind eindeutig in der Minderheit. In den meisten Comics geht es zwar auch auf eine gewisse Art "gewalttätig" zu, allerdings sind die Darstellungen dort harmloser als in Serien wie Authority. Es wird geprügelt, klar, aber die Schläge ist einfach nur ein Bestandteil des Heftes. Ein, aber nicht "Der" Bestandteil des Heftes! Gewalt stellt keinen Selbstzweck dar! Im Vordergrund steht eher die Story, was schlicht und ergreifend heißt, dass ein Großteil der Handlung darauf verwendet wird, eine Atmosphäre aufzubauen, Charaktere weiterzuentwickeln, und Nebenhandlungen zu starten, fortzuführen oder zu beenden.
In den meisten Fällen ist Gewalt eindeutig kein Selbstzweck. Und wo sich das anders verhält, ist es auch eindeutig erkennbar!
Okay, wie schon gesagt, es gibt Hefte, in denen teilweise Szenen vorkommen, die sehr heftig sind. Ausgaben, die aus üblicherweise harmlosen Serien stammen. Ich rede da zum Beispiel von Avengers #49, in dem Kang eine Bombe über Washington DC fallen lässt, und die Menschen umkommen. Doch sehen wir uns die Szene genauer an: Gegen Ende der Ausgabe sieht man Thor und Wonder Man, die als einzige die Explosion überlebt haben, inmitten Tausender von Skeletten. Und Thor, der unsterbliche Gott, weint! Hier wird nichts beschönigt, hier sieht man Emotionen, hier sieht man Konsequenzen. Superhelden sind meistens Überwesen, die unverwundbar scheinen. Hier sieht man, wie ein solches Wesen anscheinend genau dies verflucht! Eine bedrückende Szene.
Und genau dies unterscheidet eine Szene von Aktionen, wie sie in Planetery vorkommen. In Heft #2 ist ein Kopfschuß ein schmückendes Beiwerk, der ohne wirkliche Konsequenzen bleibt, während in Avengers der Tod zu einem Schreckensbild wird, das sich ins Gehirn einbrennt.
Nochmal zur Brutalität in Comics allgemein:
Wie gesagt, Serien wie Planetary oder Authority sind eine Ausnahme, eine Minderheit gegenüber "normalen" Comics. Geht man zu den Mature Readers Comics, geht es schon heftiger zur Sache. Da spritzt das Blut, und man sieht absonderliche Szenen, die nicht alle sehr appetitlich sind. Ein Meister dieser Thematik ist Garth Ennis, dessen Serie Preacher gerade vor solchen Szenen strotzte (Dennoch bot die Serie auch eine geniale Story). Aber deshalb sind die Comics auch für "mature", also für reifere Leser gedacht und gekennzeichnet. Und im Normalfall sollten sie eigentlich auch nur für reifere Leser erhältlich sein. Hier muss ich übrigens die Entscheidung von Marvel Deutschland kritisieren, einen solchen Comic, der für ältere Leser gedacht ist (wie Fury #1), einfach so ausliegen zu lassen. Einziger Hinweis auf den drastischen Inhalt: Ein Vermerk, bei dem das Wort Unzensiert sofort ins Auge fällt. Lobenswerter ist da Warrior Nun Areala: Rituale #1 von Eidalon, bei dem man hinten auf dem Heft eine Altersfreigabe liest, die das Heft für Leser ab 18 Jahre empfiehlt.
Ich denke, das ich noch stundenlang weiter schreiben könnte, über Gewalt und Comics. So müsste noch auf den Aspekt des Todes genauer eingegangen werden, doch das mache ich beim nächsten Mal. Freut euch also auf eine Fortsetzung der Kolumne.
And now for something completley different:
Ich bin, um ehrlich zu sein, etwas enttäuscht. Ich hatte gehofft, das meine Websites-Kolumnen etwas Reaktion hervorrufen würden. Dass ich Websitesvorschläge erhalte. Aber: Nichts dergleichen! Totenstille! Anscheinend zieht Ihr es vor, nur zu lesen, und euch nicht zu beteiligen. Nun gut, soll mir nur recht sein. Die letzte solche Kolumne war wirklich die letzte, weitere werden nicht folgen. Der Aufwand, sich die diversen Fansites anzusehen, rechtfertigt nicht die Resonanz, die ich bekomme. Ab sofort gibt es nur noch themenbezogene Kolumnen, abgesehen von den Previews-Besprechungen. Danke für die Nichthilfe!
Götz 'comicfreak' Piesbergen
|






Wenn auch du dich berufen fühlst, deine Gedanken zum Thema Comic niederzu- schreiben, wenn du dich einem sehr großen Publikum mitteilen willst, dann kannst du uns gerne eine E-Mail schreiben.
|