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Nachdem ich zu meiner letzten Kolumne hauptsächlich positive Stimmen zu hören bekam, habe ich mich entschlossen für den zweiten Teil ein Thema zu wählen, bei dem die Gefahr eine aufs Maul zu bekommen ein wenig höher liegt. Vielleicht mag es euch ja unpassend vorkommen, aber ich habe mir vorgenommen, zu besonderen Anlässen (das heißt, wenn etwas besonders schlecht ist) diese Kolumne in meine eigene, persönliche Rezensionsecke zu verwandeln, um das Heft, den Band oder das Ereignis so wie er es verdient hat in der Luft zu zerreißen.
Mein allererster Kandidat, dem die zweifelhafte Ehre eines Verrisses meinerseits zu erhalten zukommt, ist (Trommelwirbel): The Dark Knight Strikes Again!!!
Manch einer wird sich fragen: "Was ist das nur für ein perverser Kerl, der es wagt eine negative Kritik zu DK2 zu schreiben?!" Das kann ich euch sagen. Ich bin der der in seiner Stammkneipe auf den Tisch gestiegen ist und laut "Rammstein ist scheiße!!" gerufen hat. Nun ist es nicht mehr meine Stammkneipe (man sagte mir, ich würde nur Ärger machen), aber man muss seine Grenzen halt austesten!
"Dann wollen wir doch mal da rüberschlendern und sehen, was du uns Gutes mitgebracht hast."
- Chester
DK2 - THE GREAT SONG OF INDIFFERENCE
Frank Miller ist ein Name, der untrennbar mit Batman verbunden ist. Dies ist insofern erstaunlich, da Miller nicht wirklich viele Geschichten über den dunklen Ritter geschrieben hat. Die regulären Hefte #404 bis #407, bekannt als 'Year One', das Spawn/Batman-Crossover und natürlich das legendäre 'The Dark Knight Returns' waren bis vor kurzem seine einzigen Batman Arbeiten, und trotzdem gilt er als einer der Autoren die Batman als das definierten was er heute ist. Auch außerhalb des DC-Universums gilt Miller als beliebter und anspruchsvoller Autor. Seine Arbeiten an Daredevil und seinen Sin City Miniserien gelten als wahre Meisterwerke der Comickunst.
Bei soviel Prestige auf Seiten des Autors, war es kein Wunder, dass die Nachricht über eine Fortsetzung von 'The Dark Knight Returns' wie eine Bombe einschlug. Schließlich wartete man in Fankreisen schon seit 15 Jahren darauf. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, man fieberte einem neuen Meilenstein entgegen. Die Vorbestellungen waren gigantisch und die Leute rannten in die Comicläden wie schon lange nicht mehr. Auch ich war unter denen die es nicht abwarten konnten und hatte mein Exemplar schon am ersten Verkaufstag in der Hand.
Um meinen ersten Eindruck in kurze Worte zu fassen: Frank Miller ist ein Sadist.
Ich halte Miller nicht für einen Trottel. Er ist kein Psycho der Urin auf einer Leinwand für Kunst hält, kein Andy Warhole (Pisspainting - ein möglicher Titel für DK3?). Nein, ich sehe ihn förmlich vor mir, wie er in seinem Studio sitzt und sich über die aktuellen Verkaufszahlen schief lacht. So wie Robbie Williams der seinen nackten Arsch in die Kamera hält und sagt: "Da geht euer Geld hin!"
Anders kann ich mir ehrlich gesagt dieses Fiasko namens 'The Dark Knight Strikes Again' nicht erklären.
Wo soll man anfangen zu kritisieren? Fassen wir erst einmal die so genannte Story zusammen:
Drei Jahre sind seit 'The Dark Knight Returns' vergangen. Batman wird für tot gehalten und die Welt ist scheinbar ein friedlicher harmonischer Ort. Aber hinter den Kulissen herrscht Korruption. Der Präsident existiert nicht und der scheinbare Frieden entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Unterdrückung. Bruce Wayne beschließt, dass dies nun enden muss und versucht, zusammen mit einigen aus der Gefangenschaft befreiten, alten Superhelden die Welt zu "retten". Aber er hat die Rechnung ohne Superman gemacht.
Soweit so gut! Ein Stoff, aus dem sich bei entsprechender Umsetzung so einiges hätte machen lassen. "Bei entsprechender Umsetzung" ist das Stichwort, denn leider verliert sich diese Story in völlig belanglosem Gelaber und übertriebenem Posing. Zwar gelingt es Miller durchaus eine gewisse Charakterisierung zu schaffen - vor allem bei den nicht so heldenhaften Helden sind die Unterschiede sehr deutlich - aber wirklich überzeugen tut er auch in dieser Hinsicht nicht. Die Hälfte der geradezu unterfüllt wirkenden Seiten wird von absolut unnötigen und sich ständig wiederholenden Textpassagen dominiert. Davon regen einige vielleicht sogar zum Schmunzeln an, aber auch das rettet sie nicht davor absolut überflüssig zu sein.
Wurde die Geschichte bei DK1 mit jeder Seite dichter und atmosphärischer, so verliert sie bei DK2 mit jeder Seite Aussage und Anspruch.
Überhaupt, springt einem beim direkten Vergleich zwischen DK1 und DK2 zuerst der gewaltige optische Unterschied ins Auge. Von der grausamen, laienhaften Kolorierung möchte ich noch gar nicht reden, dazu komme ich noch später. Am schlimmsten sind die scheinbar aufs Papier gewichsten, lieblosen Zeichnungen, für die Miller auf keinen Fall länger als 15 Minuten gebraucht haben kann und die augenscheinlich auf Klopapier am stillen Örtchen entstanden.
Szenen die sich scheinbar bis ins unendliche auf PinUp-Pages verteilen, sind eine harte Probe an die Geduld der Leser und verstärken den Eindruck, dass Miller keine wirkliche Lust gehabt haben kann dieses Werk zu zeichnen. Gut, Miller konnte man nie nachsagen, dass er gerne detaillierte Hintergründe zeichnet - wer braucht die schon? - aber die essenziellen Elemente waren meist sauber und detailliert ausgeführt. Nicht so bei DK2. Dort wirkt alles nur hingeschmiert und die Gesichter der Charaktere spiegeln nur selten ihre Emotionen wieder. Vielleicht hätte er Klaus Janson bitten sollen ihm, wie schon beim ersten Teil, beim Tuschen unter die Arme zu greifen.
Kommen wir nun zur Kolorierung:
Wer zur Hölle hat Lynn Varley erlaubt einen Computer zu benutzen? Photoshop ist wirklich ein tolles Programm. Wenn man damit umgehen kann, kann man die schönsten Computerkolorierungen für ein Comic erstellen. Was man allerdings nicht machen sollte, ist seinen Spieltrieb mit Filtern und Effekten an einem Produkt auszutoben, welches man später noch verkaufen will! Tausende von billigen Schatten- und Reliefeffekte sowie lausige digitalisierte Hintergründe verderben jeglichen Eindruck einer professionellen Arbeit. Und weil dies alleine das Gesamtbild nicht genug zerstört, griff Varley noch mal tief in den Schminktopf und präsentiert uns die schmerzhaftesten Farbkombinationen seit Jörn Krugs 'Cool Patrol'. Eine Epilepsiewarnung wäre echt angebracht gewesen.
Fazit:
Mal wieder zerstört sich ein Mythos selbst. Frank Miller hätte uns dieses 'Meisterwerk' lieber ersparen sollen, oder zumindest etwas mehr Lust an der Arbeit mitbringen sollen. Aus der Grundidee hätte man erheblich mehr machen können!
Dixi !!!
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