|
|

#1
von Peer "Yttocs" Lenné
Eine neue Kolumne zu beginnen, vor allem mit der Aussicht dies nun regelmäßig machen zu dürfen, ist, - und das könnt ihr mir glauben - vor allem wenn es um das bunte und weit gefächerte Thema Comics geht, alles andere - nein ich füge hier keinen weiteren Nebensatz ein - als leicht!!! Am besten wäre es natürlich gleich zur Sache zu kommen, dem Wortschwall freien Lauf zu lassen und den Lesern seine eigene, doch so heilige Meinung beizubringen - aber, da ich mit dieser Kolumne ein Konzept verfolgen will, werden wohl erstmal ein paar erklärende Worte notwendig sein:
Worum geht es bei BEENTHEREDONETHATGOTTHETSHIRT? Der Titel ist eigentlich schon das Konzept. Es geht um Einfallslosigkeit. Um das Immerwiederkehrende. Um das Auspressen der letzten guten Idee - und um Chuck Dixon (!?). Na gut, um Chuck Dixon geht es eigentlich nicht, aber ihr habt eine Idee wovon ich rede, oder? Nein? Macht nichts! Ihr werdet es schon merken.
Noch einige Worte der Warnung, bevor ich richtig loslege: Im folgenden Text und auch in den weiteren Episoden von BEENTHEREDONETHATGOTTHETSHIRT wird es von Spoilern zukünftiger, noch nicht in D-Land erschienenen Handlungen nur so wimmeln. Ich werde nicht an jedem Satzanfang ein großes Warnlicht präsentieren, also genießt mit Vorsicht wenn ihr noch keinen Schimmer habt/haben wollt!!!
Kommen wir nun zu etwas ganz anderem:
THE JOKER - WER ZULETZT LACHT HAT´S NICHT EHER BEGRIFFEN
Es ergab sich, im Jahre 1940 des Herrn, das ein, für seine Zeit, begabter, junger Comicautor eine Figur die Bühne der Comics betreten ließ, die sämtliche bis dahin da gewesenen Schurken in den Schatten stellen sollte. Eine Figur, die einfacher und tödlicher nicht sein konnte. Eine Figur mit dem Namen Joker. Der Joker war ein durchgeknallter Psychopath, ein Mörder und Komödiant. Er entwickelte sich mit den Jahren zu einen der bekanntesten Bösewichter bunter Bilderheftchen seit Max und Moriz. Ja, selbst meine Oma kennt ihn!!!
Nun ist Popularität nicht immer gesund, was man an so prominenten Beispielen wie John F. Kennedy oder Curt Kurbain sehen kann. Und auch der Joker musste in den letzten sechs Jahrzehnten eine Menge mitmachen. Nicht nur dass die meisten Golden-Age Geschichten so naiv und vorhersehbar waren, dass diese schon alleine eine eigene Kolumne verdienen würden. Nein, wurde doch spätestens in den 60ern, als der begabte und leider verstorbene Schauspieler Cesar Romero den Joker in der Batman TV-Serie spielen musste, der Clownprinz zur Lachnummer.
Aber Zeiten ändern sich, und so wurde, nachdem schon mal Denny O´Neil einen erfolgreichen Rettungsversuch startete, spätestens in den 80ern, die Blütezeit der Grimm´n´Gritty-Storys, der rosarote Rächer wieder zum Dark Knight. Das schlimmste schien überstanden zu sein, schrieben doch so große Meister wie Starlin und Moore wirklich beängstigende Joker-Geschichten. Gut, dann kamen die 90er. Ein Jahrzehnt der großen Experimente, wo so mancher Fehltritt von den Fans ganz schnell vergessen oder verziehen wurde. Ein Jahrzehnt, welches vom Joker höchstpersönlich mit einem Knall beendet wurde, als er die Frau des großen Polizeioberzampadu von Gotham City, James Gordon, über die Klinge springen ließ. Sekundenlang war die Leserschaft schockiert und man glaubte nun würde sich der Commish seinen Teil nehmen und den Joker zu Strecke bringen. Pustekuchen. Beintreffer. Ende der Geschichte. Ein letztes Meisterwerk um den Clownprinz des Verbrechens.
Jetzt, grade mal knapp 730 Tage später hofft doch so mancher Leser, Gordon hätte dem Joker eine Kugel in den Schädel gejagt, denn was derzeit mit unserem weißgesichtigen Freund getrieben wird ist eine Schande, die nur scharf an der Grenze zur Pulp-Batman-60er-Erfolgsfernsehserie vorbeischrammt.
Wollen wir einfach mal großzügig darüber hinwegsehen, dass der Joker, wenn schon nicht im Rollstuhl sitzend, mit einer zertrümmerten Kniescheibe doch zumindest einen auf Hinkefuß-Müller machen sollte - was er nicht tut - wozu gibt es denn Wunderheiler?! Viel schlimmer ist die Tatsache, dass der Joker in den letzten beiden Jahren für die unmöglichsten Storys missbraucht wurde, angefangen mit einer der schlechtesten Superman Geschichten der letzten Jahrzehnte: "Emperor Joker"!
Joker, mit einer der Figuren, die es am meisten verdient hätten im ewigen Comiclimbo ihrem Vergessen nach zu trauern (ich rede hier von Mr. Mickswichsdiepicks oderwiederheisst!!!) in Verbindung zu bringen, war den Autoren wohl noch nicht dumm genug. Man entschloss sich kurzerhand, diese völlig hirnverbrannte Idee mit einer noch hirnverbrannteren Story zu paaren und ein paar völlig verblödete Figuren wieder aus der Kiste zu kramen. So hatten plötzlich so "tolle" Figuren wie Turtleboy oder Bizzaro wieder eine Plattform und die Fans wieder etwas zu lachen... zumindest wenn man auf so abartige Spiele wie "ich gieß´ mir heißes Wach in den Nacken" steht!!! Glück im Unglück: am Ende der Story scheint dies alles nie geschehen zu sein, oder zumindest tut sich keiner (außer natürlich Übermann Superman) an das Geschehene erinnern. Das ist wirklich das Beste an der Geschichte, und die Leser täten gut daran sich hier ein Beispiel zu nehmen!!!
Spätestens jetzt hätte man unserem geistig benachteiligten Freund ein wenig Ruhe gönnen können, aber die Idee den Joker als Gastschurken auftreten zu lassen war wohl für einige DC Autoren mit Flusen im Hirn etwas zu reizvoll. Keine drei Monate später musste man nämlich, im Rahmen der Wonder Woman Serie ein weiteres Mal einen fehlplazierten Clownprinzen ertragen. Dabei hätte "Gods of Gotham", so der Titel der Geschichte, gut und gerne auf solche Spielereien verzichten können. Die Story an sich war, von den gewöhnlichen, manchmal unnötigen Wortschwallen J.M. DeMatteis einmal abgesehen, gut durchdacht und glänzte mit den hervorragenden Zeichnungen der Zeichner/Autoren-Legende Jimenez. Eine Verschwendung guter Ideen!
Und tatsächlich! Nach diesen Geschehnissen war fast für ein Jahr Ruhe. Eine beängstigende Stille um den Joker, der sein Dasein nun auf Slabside Island, dem Metamenschen-Hochsicherheitsgefängniss, genannt das Loch, fristen musste!
Im Oktober letzten Jahres hatte man dann förmlich das Gefühl erschlagen zu werden. Irgendwie schien sich in diesem Jahr alles was den Joker betraf aufgestaut zu haben und wurde nun unter dem Namen "Joker: Last Laugh" auf die Leserschaft losgelassen. Endlich konnte man sämtliche dumme Ideen, die man nicht schon bei "Emperor Joker" ver(sch)wendet hatte, verkaufen und jedem zweitklassigen Schurken im DC-Universum das dämliche Grinsen des Jokers auflegen. Aber es schien so, als ob die Autoren der regulären Heftreihen einer Art Streik verfallen waren, denn fast alle der 26 Hefte waren genießbar und ohne die fünf Specials zu verstehen. Diese fünf Specials dagegen sind eine andere Geschichte. Chuck Dixon, den man als Autor gewählt hatte, ist bekannt dafür, dass er zwar lesbare Geschichten abliefert, diese sich aber selten wirklich in die Kontinuität des DC-Universums eingliedern lassen. Fatal bei einem Megaevent wie diesem. Nun ja, Chuck Dixon ist nun, zumindest bei DC, Vergangenheit, und das Crossover auch. Gott sei Dank!
Wahrscheinlich wird es niemanden überraschen, aber ich schreibe es trotzdem: Dieses Event war mal wieder total überflüssig. Nichts ist mehr wie es war, aber das war es sowieso nie, also ist alles wieder beim alten. Der Joker lebt noch und auch Nightwing wird wieder aus dem Heulen heraus kommen.
Fazit:
1.Man kann nur hoffen, dass es jetzt nicht zu lange ruhig bleibt, denn das könnte katastrophale Folgen haben (die natürlich keine Folgen haben werden).
2.Der Joker sollte lieber wieder regelmäßige Auftritte in der Batmanreihe haben, denn nur dort gehört er hin.
3.Er ist kein Lex Luthor, dessen Handlungen Globale Auswirkungen im gesamtem DC-Universum haben sollten, er ist der freundliche Psychopath von Nebenan, der nach einem Schlag von Superman ins Reich der Träume geschickt wird und die Nemesis eines "normalen" Menschen, der sich mit "normalen" Verbrechern auseinandersetzten muss!
Schluss !!!
|






Wenn auch du dich berufen fühlst, deine Gedanken zum Thema Comic niederzu- schreiben, wenn du dich einem sehr großen Publikum mitteilen willst, dann kannst du uns gerne eine E-Mail schreiben.
|