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Interview mit Christian Heiß Teil 3/3
Fragen der DC Fan-Page fett gedruckt, die Antworten von Christian Heiss nach wie vor in normaler Schrift.

Wie du schon sagtest, warst du ja auch für zahlreiche Textseiten zuständig. Auf welche Quellen hast du dabei zurückgegriffen?
Vieles habe ich aus dem Fundus meiner bisweilen lückenhaften Erinnerung geklaubt. Um die Lücken zu stopfen, habe ich massenweise Who is Who's aus DCs offiziellem Fundus oder auf relativ verlässlichen wie auch übelst obskuren Websites gelesen. Fachliteratur, unendlich genervte Kollegen, der Wizard und göttliche Eingebungen haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Anders ausgedrückt: Ich habe die DC-Historie nach Gutdünken umgeschrieben, he he. :-)
Und wir wollen natürlich die grossartige Dino Comics Fan-Page [jetzt eben DC Fan-Page - Red.] nicht vergessen, die mir auch ab und an unter die verschwitzten Arme geriffen hat (Bäh!).
Das wolltest Du doch jetzt hören, oder? ;-)
Natürlich freut es mich, das zu hören, auch wenn ich selbstverständlich vehement bestreiten muß, daß das die Intention hinter der Frage war. ;-)
Aber kommen wir zum nächsten Punkt: Wie wichtig war dir während dieser Zeit der Kontakt zu den Fans?
Natürlich sehr wichtig, weil uns die Anregungen und Meinungen der Fans meist sehr geholfen haben. Zudem wären wir wohl wahnsinnig geworden, wenn wir nicht irgend ein Echo auf die Hefte bekommen hätten.
Das Studieren der Leserbriefe hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, auch wenn viele der Briefe.... na, sagen wir unbrauchbar für den Abdruck im Heft waren. Aber es gab immer mal wieder Highlights, über die man sich ganz besonders gefreut hat.
Auf den Messen warst du auch immer anwesend. Gab es, abgesehen von einem gewissen nervigen Fanboy, der natürlich nur gaaaanz zufällig ziemlich viel Ähnlichkeit mit mir hat ( ;-) ), viel Resonanz? Konnten viele, auch nicht-so-professionelle Fans, was mit deinem Namen anfangen oder warst du die meiste Zeit eher ein "namenloser" Mitarbeiter?
Eher letzteres, was mir auch gar nicht so unrecht war. Ich sehe zwar unverschämt gut aus, bin hochintelligent und redegewandt wie kaum ein zweiter, aber auch ziemlich schüchtern. Und so war ich auch nicht böse, dass mir nur einige wenige Leutchen an die Wäsche wollten. Zumal es meist männliche Gestalten waren.
Mußtest du dir mal, abgesehen von dem üblichen Gequengel, ernsthafte Kritik von Seiten der Fans, speziell an deiner Arbeit, anhören?
Ja, schon, besonders bei Lobo waren die Meinungen sehr gespalten. Da gab es auch einige, die meinten, der Präsi würde nie so sprechen, wie wir das bringen. War ihnen wohl zu witzisch. Kamma mache nix.
Deinen Worten entnehme ich jedoch, daß es sich dabei nicht um die Mehrheit der Fans handelte. Man kann's halt nie jedem recht machen... ;-)
Aber es gab doch sicher auch genug erfreuliche Sachen, die du erlebt hast. Was war der bislang eindrucksvollste Moment während deiner Zeit bei Dino? Woran wirst du dich auch in dreißig Jahren noch mit Freuden erinnern? Die Begegnung mit George Pérez erwähntest du ja schon. Sonst noch was Erwähnenswertes?
Ja, besonders in meinen Anfangstagen, als Praktikant bei Dino, geschah einfach vieles, was neu für mich und deswegen besonders herausragend war. Diese Zeit, während der der Comic-Boom kräftigst am boomen war, werde ich immer gut in Erinnerung behalten. Highlights waren natürlich auch immer wieder die Messen. Und bei einer dieser Messen hatte ich auch ein einfach wunderbares, unvergleichliches Erlebnis: Ich durfte König Kups ein Bier reichen. *schauder*
Hehe, ja, der gute alte Steve... ;-)
Du arbeitest ja nebenbei auch für Hit Comics. Was bedeutet dir dieser Teil deiner Arbeit?
Es ist eine gute Möglichkeit, sich in Erinnerung zu bringen, Kontakte zu knüpfen und bisweilen Empfehlungen an die Fanboys zu geben. Aber ich arbeite nur sehr wenig für Sensei Jurgeit & Co., deswegen hat die Arbeit für mich auch (relativ) wenig Bedeutung.
Im Comicforum hast du in deinem Profil als Hobby "Nougat" angegeben. Hat das einen tieferen Sinn?
Ja. Es bedeutet, dass ich Nougat mag. Sehr gerne sogar. Hmmm, Nougat...
Inwieweit trifft dich als freier Mitarbeiter die Einstellung der DC-Serien bei Dino?
War natürlich ein übler Hammer. Sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf persönlicher Ebene. Möchte dazu eigentlich auch gar nichts mehr sagen.
Und wie geht es nun mit dir weiter, oder kannst/darfst du dich zu diesem Thema noch nicht äußern?
Genau letzteres. Aber man kann davon ausgehen, dass ich den Comics treu bleiben werde. Und noch andere Dinge tun werde, von denen ich wahrscheinlich selbst noch nichts ahne. Que sera, sera...
Welche Serie(n) würdest du gerne einmal übersetzen?
Batman wäre ganz schön. Aber ich bin eigentlich ganz zufrieden mit dem, was ich bisher übersetzen durfte und freue mich auf das, was da noch kommen mag.
Im Grunde würde ich gerne alle Serien übersetzen, die eine Herausforderung darstellen und/oder die, die mir wegen ihrer Innovationen grossen Spass machen würden. Dazu würde ich beispielsweise auch solche Reihen wie Authority oder Powers zählen. Und wer weiss schon, was in einem Jahr oder zwei geschieht, da gibt es (hoffentlich) wieder andere neue geniale Serien. Und dann stehe ich schon bereit...
Gibt es auch eine Serie, die du nie, unter keinen Umständen, jemals übersetzen würdest?
Ich kenne bisher keine. Man muss das alles auch ein bisschen differenziert betrachten. Sicher gehört zu dem Job auch eine Menge Idealismus, aber mit seinem Job muss man eben auch Geld verdienen.
Und solange in einem Comic nicht zu Massenvergewaltigung, offenem Rassismus und ähnlichem aufgerufen wird, würde ich es wohl auch übersetzen. Das Schöne ist ja, dass ich die Wahl habe und immer "nein" sagen kann. Noch schöner ist es natürlich, wenn man anstatt der Wahl sogar die Auswahl hat. ;-)
Glaubst du, daß in zehn Jahren immer noch Übersetzer benötigt werden, oder werden wir dann - zumindest englische - Comics nur noch im Original lesen?
Ehrlich gesagt bin ich schon froh, wenn ich es schaffe, zehn Monate voraus zu blicken. ;-) Aber was in zehn Jahren sein wird...???
Ich bin mir aber eigentlich ziemlich sicher, dass es dann immer noch eingedeutschte US-Comics für ein hoffentlich grosses Publikum geben wird, also auch immer noch Übersetzer benötigt werden. Gerade wenn der momentane Qualitätsstandard beibehalten oder vielleicht sogar noch getoppt werden kann, sollte das gelingen. Drücken wir die Daumen...
Gibt es abschließend noch etwas, das du den Lesern sagen willst oder das sie unbedingt von dir wissen sollten?
Irgend etwas dämlich-klischeehaftes wie "Ich liebe euch alle!", "Ohne Euch wäre das nie möglich gewesen!" oder "Ihr seid die Besten!" ??? Naaahh....
Wie wär's damit: Lest mehr Comics! Lest überhaupt mehr! Macht freie Liebe in den Wäldern und Auen!...
... somebody stop me, please. ;-)
Okay, das war's. Klappe, Vorhang, ich danke dir für dieses Interview.
Was denn, schon vorbei???
Nun ja, es war mir eine Freude. Darf ich Dich, wenn Du irgendwann mein biblisches Alter erreicht hast, denn auch interviewen? ;-)
Gerne. Aber nur, wenn die Fragen nicht von Kups im Vollrausch erdacht wurden. ;-)
Das Interview wurde von Torsten B. Abel im Februar 2001 per E-Mail geführt.
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