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Startseite -> Interview mit Christian Heiß Teil 2/3




  Interview  

Wir präsentieren das Interview in drei Teilen:

Teil 1
Teil 2
Teil 3


     








Interview mit Christian Heiß
Teil 2/3


Fragen der DC Fan-Page fett gedruckt, die Antworten von Christian Heiss weiterhin in normaler Schrift.



Okay, soviel zu Christian, dem Comicfan. Kommen wir nun zu Christian, dem Redakteur und Übersetzer. Wann ist dir erstmals die Idee gekommen, mit deinem Hobby auch Geld zu verdienen?

Na logischerweise als ich kein Geld hatte, mein Alter. Im Grunde war's ja so, dass ich bei Dino 1997 als Praktikant angefangen habe, um meinem Fuss irgendwie in die Tür zu kriegen. Aber bald stellte sich heraus, dass wir ganz prima zueinander passten und so verdingte ich mich bald als freier Mitarbeiter bei diesen knausrigen Sauschwaben. And a legend was born...

Welche Ausbildung hast du hinter dir? Ich denke, trotz allem kann man nicht "einfach so" als Übersetzer anfangen...

Ich habe tatsächlich Übersetzer studiert... in einem kleinen, pfälzischen Kuhdung von einem Ort namens Germersheim... wo 80 % der Studentenschaft weiblich war... logisch, dass ich bei dem aus dieser Konstellation resultierenden... er, Zeitvertreib nicht mein Ziel erreichte, und kurz vor dem Diplom eine Abkürzung Richtung Arbeitswelt machte.
Viel wichtiger als diese "Ausbildung" war aber in der Tat die jahrelange Lektüre unzähliger guter, schlechter, nutzloser und begeisternder Comics und das daraus resultierende Betreten einer neuen Bewusstseinsstufe.

Welches war das erste Heft, das von dir übersetzt wurde, und an welchen Serien hast du dich seitdem vergangen?

Tja, angefangen hat natürlich alles mit dem Präsi Lobo. Seither habe ich so ziemlich für jede DC-Serie, die Dino veröffentlicht hat übersetzt und/oder redaktionelle Texte verfasst. Regelmässig übersetzt habe ich Lobo, Hitman, Young Justice und Green Lantern, und redaktionell habe ich neben den genannten Serien auch an JLA, DC Crossover und Batman sowie so gut wie allen Sonderbänden und sonstigem Kram gearbeitet. Als freier Sklave, versteht sich.

Speziell Green Lantern dürfte dabei sicher so was wie die Erfüllung eines Traums gewesen sein. Schließlich zählst du zu den größten Fans des Ringschwingers.

Absolut, ja. Nicht nur mit der monatlichem Serie, sondern vor allem auch mit den Hal Jordan-Stories aus dem ersten Archiv-Band, JLA Special #1 ("Emerald Twilight") und dem Crossover "Final Night" habe ich mir einen Traum erfüllt. So durfte ich dem guten Hal, mit dessen Abenteuern ich ja quasi großgeworden bin, an drei entscheidenden Punkten seines Lebens die Worte in den Mund legen.
Gott, das hört sich bekloppt an. Aber Ihr versteht sicher, was ich meine. :-)

Bekloppt? Überhaupt nicht. Was war denn am schwersten bzw. leichtesten zu übersetzen, und welche Übersetzung hat dir am meisten Spaß gemacht?

Ich kann gar nicht sagen, dass mir mal etwas nicht richtig Spass gemacht hat. Obwohl - bei Shadowman musste ich manchmal vom Skript oder SW-Kopien übersetzen, das war weniger lustig (ich hoffe, man hat's nicht gemerkt ;-) ). Am leichtesten und spassigsten waren die Hitman-Übersetzungen, das lag mit Sicherheit an Garth Ennis' Schreibstil, der anders als bei den anderen Serien natürlich und echt rüberkommt.
Das krasse Gegenteil dazu war der Crisis-Band. Bis wir diesen Brocken aus dem Weg geschafft hatten - Puh, das war heftig!

Gab es auch einmal eine Übersetzung, an der du dir fast die Zähne ausgebissen hast?

Wenn ja, würde ich das natürlich nie zugeben. Also: Nein. ;-)
Aber im Ernst: Bisher gab es das noch nicht. Bei jeder Übersetzung gibt es knifflige Stellen, mal mehr, mal weniger. Aber so richtig verzweifelt bin ich noch an keiner.

Deine Übersetzungen wirken immer sehr lebendig. Man hat nie das Gefühl, daß da jemand einen englischen Text lieblos runterübersetzt oder versucht, übertrieben aufwendige Übersetzungen hinzulegen. Bei dir entsteht wirklich fast der Eindruck, daß es lebende Wesen sind, die da miteinander reden. Versuchst du, dich in Gedanken in die jeweilige Sitution zu versetzen, oder fließen dir solche Übersetzungen einfach so aus der Hand?

Danke für die Blumen. Ich denke, dazu dürfte es auch andere Meinungen geben. Dass ich die Hefte nicht lieblos übersetze, versteht sich meiner Meinung nach von selbst.
Die Dialoge gehen mir tatsächlich ziemlich leicht von der Hand, was aber auch immer von der Qualität des Ursprungstextes abhängt. Generell habe ich einfach sehr viel Spaß an der Arbeit, was eine Grundvoraussetzung für gutes Arbeiten ist. Comics haben es zudem schon immer geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen - um mich in eine Figur hinein zu versetzen, bedarf es (bei einer guten Story) also relativ wenig Anstrengung.

Gibt es rückblickend eine Übersetzung, die du wirklich bereust oder die du heute anders gemacht hättest?

Es gibt einige Übersetzungen, die ich mir heute ansehe und sage "Ja, das und das hätte ich besser anders gemacht", aber keine, die ich grundsätzlich anders gemacht hätte.

Wer hat entschieden, ob der Name einer Figur übersetzt oder im Original belassen wird?

Falls es darüber mal Meinungsverschiedenheiten gab: MMM - Mighty Max Müller.

Liest du auch Geschichten, die von deinen Kollegen (auch von anderen Verlagen) übersetzt wurden, um einen Eindruck davon zu bekommen, welcher Stil bei den Fans ankommt?

Nein. Erstens komme ich kaum dazu, deutsche Comics zu lesen, und zweitens halte ich eine adäquate Umsetzung des Originaltextes für wichtiger als eine Anbiederung an irgendwelche, von wem auch immer vorgegebenen Trends. Wenn man mir allerdings unheimlich viel Geld bieten würde, würde ich auch aus Superman einen Lobo machen. So viel zu meinen eisernen Grundsätzen. :-)


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