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Constantine Deutscher Filmtitel: Constantine
Regie:
Buch:
Produktionsjahr:
Uraufführung im Kino::16.02.2005 (USA)
Erstaustrahlung im Pay-TV:
Erstaustrahlung im TV: Darsteller: Keanu Reeves (John Constantine) Rachel Weisz (Angela und Isabel Dodson) Shia LaBeouf (Chas Chandler) Djimon Hounsou (Papa Midnite) Max Baker (Beeman) Pruitt Taylor Vince (Father Hennessy) Gavin Rossdale (Balthazar) Tilda Swinton (Gabrielle) Peter Stormare (Lucifer) und andere
Die größte Änderung betrifft gar nicht die Comic-Vorlage, sondern eine der Grundlagen der katholischen Kirche: Gott und der Teufel sind eigentlich keine Todfeinde, sondern lediglich Rivalen. Die beiden spielen seit Jahrtausenden miteinander: Wer kann den größten Einfluss auf uns Menschen ausüben, ohne in direktem Kontakt mit uns zu treten? Einzige Spielregel: Es ist beiden Seiten unmöglich, die Erde zu betreten. Engel und Dämonen hingegen können Besitz von Menschen ergreifen und sich so auf unserer Welt umsehen. John Constantine kann seit seiner Geburt diese Menschen erkennen. Das glaubt ihm natürlich niemand, und so muss er sich bereits als Kind Psychotherapie und Elektroschocks unterziehen, die ihn als Teenager schließlich in den Selbstmord treiben. Er wird wiederbelebt, doch im Wissen, dass es Himmel und Hölle tatsächlich gibt. Schlimmer noch - durch die Todsünde, die er beging, ist ihm die Hölle gewiss. Fest entschlossen, sein Schicksal zu ändern, betätigt er sich nun als Exorzist, Dämonenjäger und Privatdetektiv für okkulte Fälle. Er rechnet sich aus, dass er nur genügend Dämonen zurück in die Hölle schicken muss, um doch noch den Himmel sehen zu können. Zu allem Überfluss muss er sich damit beeilen, denn dank jahrzehntelangem Dauernikotinkonsum verabschiedet sich langsam, aber sicher seine Lunge.
Zu diesem Zeitpunkt tritt die Polizistin Angela Dodson in sein Leben. Ihre Zwillingsschwester Isabel teilte in groben Zügen Johns Schicksal. Auch sie sah Dämonen, auch sie kam in eine Nervenheilanstalt, auch sie wurde tot aufgefunden und beging anscheinend Selbstmord. Aus Angelas Sicht ist das Schlüsselwort "anscheinend". Anfänglich nur aus der Motivation heraus, ihrer Schwester ein Begräbnis auf einem katholischen Friedhof zu ermöglichen, beauftragt sie John, die wahren Hintergründe hinter Isabels Tod zu ergründen und wird nun selbst zu einer Schachfigur im Spiel zwischen Himmel und Hölle, denn wie ihre Schwester hat auch sie die Gabe, Dämonen zu erkennen. Da sie dies als Kind nicht wahrhaben wollte, schaffte sie es alleine durch Verdrängung, diese Gabe völlig zu verlieren, Constantine bringt sie zurück. Doch Angela soll noch eine größere Rolle spielen, denn Luzifer hat einen Sohn, der es langsam leid ist, darauf zu warten, dass sein Vater abdankt. Und so will er eine Prophezeiung aus der "Bibel der Hölle" erfüllen und als Mensch wiedergeboren werden, um die "Man darf die Hölle nicht verlassen"-Klausel zu umgehen und die Erde zu erobern. Als Mutter soll Angela dienen. Für seine Geburt braucht er allerdings den Gegenstand, der Gottes Sohn tötete - den Spear of Destiny. Nach besagter Höllenbibel starb Jesus nämlich nicht durch die Kreuzigung, sondern einzig und allein durch den Speer des anwesenden Legionärs. Die Spitze dieses Speers tauchte nun bei Ausgrabungen in Mexiko auf, und so nimmt der Plan seinen Lauf. Erzengelin Gabrielle will gerade Hebamme spielen, als Constantine sich die Pulsadern aufschneidet, woraufhin Luzifer persönlich erscheint, um seine Seele abzuholen. Dieser verhindert mal eben die Menschwerdung seines Nachwuchses und rettet so die Erde. Constantine bekommt daraufhin einen Wunsch gewährt: Er bittet um das Seelenheil Isabels. Dieser selbstlose Akt packt mit einem Schlag so viele Punkte auf sein Seelenkonto, dass er nun doch in den Himmel kann. Das wiederum will Luzifer nicht. Er holt Constanine zurück ins Leben, heilt seine Lungen und wartet nun, dass John Fehler macht. Fehler, die ihn der Hölle wieder näher bringen.
Alan Moore ist verflucht. Nach The Return of the Swamp Thing, From Hell und der League or Extraordinary Gentlemen ist nun ein weiterer schlechter Film da, der sehr lose auf Motiven aus seinen Comics aufbaut. Und auch Garth Ennis kann nach dem Doppel-Gau Punisher und Constantine doch glücklich sein, dass aus dem Preacher-Film gegen Ende der Neunziger dann doch nichts wurde. Warum zu Beginn des Films neben den Logos von Warner Brothers und Village Roadshow auch der Vertigo-Schriftzug erscheint (sieht übrigens klasse aus), ist mir wirklich ein Rätsel. Zieht man mal ab, was alles an unnötigen Veränderungen gegenüber der Vorlage gemacht wurde, bleibt doch nur ein unterdurchschnittlicher Brei aus Mystery-Klischees und Filmplagiaten. Da wurde dreist bei Der Exorzist, Sixth Sense, Rosemaries Baby und dergleichen geklaut, außerdem nimmt man Keanu Reeves die Hauptfigur einfach nicht ab. Und Peter Stormare dürfte wohl die schlechteste Darstellung des Teufels in der Filmgeschichte hingelegt haben - Little Nicky mit eingerechnet. Dämliche Widersprüche und Plotlöcher machen das Desaster schließlich komplett.
Constantines Motivation den gesamten Film über ist ja die Tatsache, dass ihm die Hölle sicher ist, egal was er tut. Später droht er einem Dämonen (Bush-Sänger Gavin Rossdale in einer unsäglich schlechten Nebenrolle) dann damit, ihn zu töten, ihm aber die Sterbesakramente zu erteilen, was ihn in den Himmel befördern würde, egal welche Sünden er in seinem Leben auch begangen haben möge. Spätestens hier dürfte der Logikfehler auffallen. Warum kommen Selbstmörder denn in die Hölle? Weil sie tot sind, bevor der Mord, den sie an sich selbst begangen haben, durch Beichte oder eben die letzte Ölung vergeben werden kann. Constantine hat aber doch jetzt noch Jahre Zeit - warum lässt er sich nicht einfach selbst die Sterbesakramente geben, dann bräuchte er den ganzen Zirkus nicht mitmachen?
Außerdem ist der Knackpunkt des Films doch, dass niemand aus Himmel oder Hölle die Erde betritt, sonst bräuchte Luzifers Sohn den ganzen Mumpitz ja gar nicht durchzuziehen. Als am Höhepunkt des Films dann aber Constantine seine Pulsadern aufschneidet, erscheint Luzifer höchstpersönlich auf der Bildfläche, um seine Seele abzuholen. Ich dachte, das geht nicht?
Und als Constantine Angela in der Badewanne ertränkt, Unterm Strich: Der Film ist Murks. Rechnet man jetzt noch hinein, das wirklich alles, was die Serie ausmachte, im Film geändert oder komplett verschwunden ist (das einzige was blieb, sind die Namen von drei Charakteren - und den der Hauptfigur sprechen auch noch alle falsch aus: ConstanTeen klingt wie der Name eines jugendlichen Sidekick, den es zu allem Überfluss auch noch tatsächlich im Film gibt), fragt man sich: Warum das ganze?
Oh, und als Angela in der Badewanne ihre Fähigkeit zurückerlangt, hinter die Fassade unserer Welt zu sehen, ist sie für ein paar Momente tot und ebenfalls in der Hölle. Warum? Sie hatte noch wenige Szenen zuvor gebeichtet und sich seitdem nichts mehr zuschulden kommen lassen.
Kommen wir zum Abschluss vielleicht doch noch mal auf die Veränderungen zum Comic zurück: Das Grundkonzept von Hellblazer ist ein zynischer Bastard, ein heruntergekommener blonder Magier aus der britischen Arbeiterklasse, der zwischen sämtliche Fronten gerät, weil er sich weder auf die Seite des Himmels, noch auf die der Hölle schlagen will. Dessen Abenteuer in den meisten Fällen kein gutes Haar an der Tagespolitik lassen. Davon ist nun gar nichts mehr übrig. Bei Keanu Reeves kommt in manchen Szenen immer noch Ted Logan raus, und auch wenn er im echten Leben eine eigene Band hat, ist doch in jeder Szene offensichtlich, dass es im Filmuniversum nie Mucous Membrane gegeben haben kann. Von den lächerlichen und vor allem unnötigen Änderungen bei Taxifahrer Chas, Papa Midnite, Mnemoth und dem Snob mal ganz zu schweigen. Und gibt es eigentlich einen einzigen triftigen Grund, warum man die Handlung nach Los Angeles verlegt hat?
Michael Heide |
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