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DC: The new Frontier Vol. #1+2
Writer/Artist:
Darwyn Cooke
Farbe:
Dave Stewart
Erschienen: Februar/April 2005
Preis: $19.95 US/TPB
Wenn man sich DC: The new Frontier als erstes ansah, dürfte man als DC Fan etwas irritiert gewesen sein. Einerseits spielte die Miniserie in den 50er Jahren, andererseits spielte sie auf einer einzigen Erde. Sie konnte daher weder Teil der alten Prä-Crisis Kontinuität gewesen sein, noch Teil der jetzigen Kontinuität. Im Prinzip hätte sie Elseworld sein müssen.
Im Prinzip. Gestört hat es aber nicht.
Im Gegenteil: Darwyn Cooke nutzte die damaligen Umstände der amerikanischen Gesellschaft perfekt für seine Miniserie aus. Sie war geprägt von einer Atmosphäre des Misstrauens, der Furcht. Einer Atmosphäre, in der Verschwörungen aufblühen konnten, und es auch taten. Im Folgenden muss vor inhaltlichen Spoilern gewarnt werden.
Das Hauptaugenmerk von The New Frontier liegt auf John Jones, dem zukünftigen Martian Manhunter, sowie Hal Jordan, der zukünftigen Green Lantern. John dient als Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft. Anfangs war er noch von ihr fasziniert, aber nach und nach stellt sich auch eine leichte Furcht vor ihr ein. Eine durchaus begründete Furcht, wie die Ereignisse um Rick Flagg und King Farrady zeigten. Beide waren die Primärbeispiele für die Verschwörungen, die im Hintergrund abliefen. Während Rick Flagg eher im Vordergrund stand, agierte King Farraday hinter den Kulissen.
Bei Rick Flagg war besonders der Trend zu sehen, wie die Regierung versuchte, die Superhelden zu ersetzen. Zuerst mit der Suicide Squad und dann mit der Task Force X. Ein Trend, der mit den Gruppen der Blackhawks, Sea Devils und den Challengers of the Unknown seinen Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss findet.
Dabei ist besonders anzumerken, dass Darwyn Cooke die G-Men nicht eindimensional darstellt, sondern ihnen durchaus einiges an Charaktertiefe gibt. Das zeigt schon alleine die Szene, in der Farraday um Rick Flagg trauert. Diese eine Splashpage verleiht der Figur King Farraday mehr Tiefe, als so mancher Dialog vorher.
Kommen wir zu Hal Jordan, einem überzeugten Pazifisten, der im Stillen darunter leidet, dass er im Krieg einen Menschen getötet hat, obwohl es eigentlich eher unnötig war. Er ist die zweite zentrale Figur dieser Miniserie, die am Ende sogar John Jones das Rampenlicht stiehlt. In meinen Augen eher unnötig, aber Fans von Hal Jordan werde sich darüber freuen.
Wie schon mal gesagt, ist die Atmosphäre sehr düster. Das zeigt sich vor allem in der Gestalt von Superman, der lange Zeit wie ein Sklave der US Regierung agiert. Es scheint so, als ob er keinen eigenen Willen hat. Er später, für meinen Geschmack zu spät, bekommt er etwas wie eine Persönlichkeit. Zu spät, da er zu lange extrem eindimensional daher kommt.
Insofern ist es gut, dass er und Batman, die beiden Flagcharaktere von DC Comics, in der Endschlacht nicht mitmischen, sondern zum einen ausgeschaltet sind, sich zum anderen zurückhalten. So bleibt „den neuen DC Heroen“ mehr als genug Platz, um sich weiterzuentwickeln, ihre eigene Reputation sich zu erkämpfen.
Apropos Helden:
Was auffällt war, dass die alten Helden aus dem Golden Age sich extrem rar machen. Der einzige Auftritt eines Golden Age Helden war die Geschichte über Rex Tyler, der angeblich bei einer Verfolgung zu Tode kam. In Wahrheit war er ein Gefangener der US Regierung, was einem aber auch nur auffiel, wenn man auf den Hintergrund achtet.
Dieses Nichtauftreten wird damit erklärt, dass die Helden sich nicht demaskieren wollen, damals vor dem Ausschuss der McCarthy Ära, und sich daher in ihr Privatleben zurückgezogen hatten. Danach war es still, bis zum Anfang der sechsten Ausgabe, wo noch einmal kurz die Sprache auf die Golden Age Helden kommt, als „die magischen Kräfte“ beschließen, sich weiterhin zurückzuhalten.
Ich habe eben davon geredet, das man auf den Hintergrund achten musste. Das war beileibe kein Einzelfall. Oft gibt es kurze Hinweise auf die Existenz bestimmter Figuren, die einem nicht sofort ins Auge fallen. Ein Beispiel, die Zeitung mit Ray Palmer auf dem Cover. In Ausgabe #5 liegt sie bei den Challengers auf einem Tisch rum, und in Ausgabe 6 wird Ray Palmer von Adam Strange abgeholt. Solche kleinen Details versüßen einem die gesamte Miniserie.
Und das bringt mich zu den Zeichnungen: Ungemein super! Man merkt Darwyn Cooke an, dass er lange Zeit als Storyboard-Artist bei der Batman: Animated Series arbeitete. Oft sind die Szenen Paradebeispiele von ungewöhnlich gutem Storytelling, und die Geschichten lesen sich wie auf Papier gebrachte Zeichentrickfilme.
Wenn man Darwyn Cooke eins vorwerfen könnte, dann dass er bei den Gesichtern nicht allzu oft variiert. Klar, Verwechslungsgefahr taucht nie auf, da die Figuren immer bestimmte Kleidung oder Haare tragen, an denen man sie erkennt. Aber es kann auch vorkommen, dass man ohne Dialoge Carol Ferries mit Lois Lane verwechseln könnte. Aber dieses Manko wird durch einen gewissen Mut zum Experimentieren wieder ausgeglichen. Oft tauchen Kapitel und Seiten auf, in denen Darwyn Cooke mit seinem Zeichenstil frei herumspielen darf. Szenen, wie die Endschlacht im Inneren des Centres zeigen die ganze kreative Vielfalt des Zeichners.
Auch hat Darwyn Cooke sich die Mühe gemacht, die damalige Welt detailgetreu darzustellen. Klamotten, Fernseher die gesamte Umgebung scheint direkt aus den 50er Jahren zu stammen. Was zum Beispiel amüsant ist, alle intellektuellen rauchen immer Pfeife. Ein nettes Klischee, dass man mit einem Augenzwinkern quittiert.
Noch ein, zwei Sätze zum großen Gegner. Im Nachhinein war das Centre nur Mittel zum Zweck, um die Menschheit wieder zu vereinen, um den Superhelden eine Möglichkeit zu geben, sich zu profilieren. Als große Gefahr nahm man es eher nicht wahr.
Insgesamt lässt sich sagen, dass DC: The new frontier eine Top Miniserie ist, die kein Comicfan missen sollte. Wenn ihr könnt, kauft euch die Trades.
Besprechungen der Einzelausgaben: Ausgabe #1
Ausgabe #2
Ausgabe #3
Ausgabe #4
Ausgabe #5
Ausgabe #6
Götz Piesbergen
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