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Secret Identity
Autor:Kurt Busiek Künstler: Stuart Immonen Preis: $5.95 US/ Heft Erscheinungsdatum: Januar-April 2004
Und jetzt machen wir aus beiden Ansätzen eine Story. Ein Junge namens Clark Kent, der tagaus, tagein mit „Superboy-Witzen“ aufgezogen wird, stellt plötzlich fest – er ist Superboy! Und nach einigem Widerwillen wirft er sich auch tatsächlich das blau-rote Kostüm einer weltweit bekannten Comicfigur über und ist unterwegs, um Leben zu retten. Ein bisschen viel an Zufällen? Das Konzept ist so bizarr und weit her geholt, dass es fast schon um die gelungenen Einzeleinfälle schade wäre. Hieße der Autor nicht Kurt Busiek, dem wir natürlich gerne eine Chance geben wollen, uns zu überzeugen.
Die vier Ausgaben erzählen die Geschichte eines Menschenlebens. Wir sehen Clark Kent als Teenager in einer Kansas-Kleinstadt, als jungen Mann in New York City auf Jobsuche, als gediegenen Familienvater, und schließlich als alten Mann. Lustig ist, dass Busiek sich gar nicht verpflichtet sieht, Clark Kents Kräfte zu erklären. Ja, in ein, zwei Sprechblasen irgendwo in der vierten Ausgabe wird eine obskure Theorie aufgestellt. Aber letztlich wird einem die Prämisse einfach präsentiert und wir haben sie zu akzeptieren. Nun ist es immer leicht zu sagen „das spielt in diesem Kontext gar keine Rolle, darum geht es in der Geschichte gar nicht! " Dieses Zugeständnis muss sich ein Autor aber erst verdienen, durch genügend packenden Stoff anderswo. Superman: Secret Identity handelt von verschiedensten Themen. Zunächst und vordergründig ist da Clarks Namensfluch, der ihn nie los lässt. Seien es die Superman-Weihnachtsgeschenke seiner Verwandschaft, die er immer gehasst hat, oder lustige Arbeitskollegen, die ihn mit der nächstbesten Lois verkuppeln wollen... Egal was er tut, welche Erfolge er auch erzielt, sie werden nie gegen die „fehlenden“ Superkräfte ankommen – die Pointen sind einfach zu zahlreich. Die erste Ausgabe, die Clarks Kindheit in Kansas beschreibt, ist davon abgesehen eine durchaus typische Superhelden-Origin: Clark wird gehänselt, entdeckt seine Kräfte, überlegt, was damit zu tun sei... Er will öffentlich auftreten, nimmt sogar Kontakt zu einer Reporterin auf, um berühmt und beliebt zu werden, besinnt sich dann aber doch eines Besseren. Ja, das haben wir alles schon hundert und fünf mal gelesen. Aber schon recht schnell wird klar, dass Busieks Version unter all diesen "Superhero-Geschichten" ziemlich weit oben mitspielt. Clarks Gedanken in Caption-Boxen überwiegen stark gegenüber gewöhnlichen Dialogen, ist er doch ein einzelgängerischer Eigenbrödler. Zusammen mit Stuart Immonens traumhaften Bildern schustert Busiek so eine der stärksten Charakterisierungen zusammen, die Comichelden in letzter Zeit zuteil wurde. Nicht wirklich originell, sicherlich, aber doch lesenswert.
Als Clark dann aber nach New York kommt, dreht Busiek richtig auf. Anders als sein Comic-Gegenstück geht dieser Clark nie an die Öffentlichkeit und versucht stattdessen, ein Gerücht zu bleiben. Sogar für das Kostüm und Kents Brille findet Busiek sehr überzeugende Erklärungen. Doch in den Ausgaben # 2 und # 3 geht es vor Allem um so viele Grundbelange des menschlichen Lebens, die allesamt einfühlsam und wortgewaltig wieder gegeben werden... In der letzten Ausgabe gibt Busiek den Anspruch des Realismus dann gänzlich auf. Wir befinden uns mit dem gealterten Clark in einer Zukunftswelt, und er ist auch nicht mehr das einzige Wesen mit Kräften. Irgendwie schade, dieser Richtungswechsel. Clarks Gedanken und Gefühle sind zwar immer noch sehr nachvollziehbar zu Papier gebracht, und nach wie vor das Thema der Serie, doch scheinen wir uns plötzlich in einer anderen Geschichte zu befinden. Das ist nicht ganz richtig, eigentlich hat Busiek konsequent auf diesen Abschluss hin gearbeitet, und rückblickend ist die ganze Miniserie doch wirklich rund. Doch die Handlungsteile davor waren einfach bodenständiger und – doch das ist subjektiv - sympathischer.
Fazit:Trotz Allem ist Secret Identity doch bloß wieder eine Superhelden-Geschichte. Versprechungen von einem Clark Kent in der realen Welt hin oder her, im Grunde müsste dies schlicht als weitere Elseworld-Version des Stählernen gekennzeichnet werden. Die Bezüge auf Supermans bereits vorhandenen Bekanntheitsgrad als Comicfigur machen viele nette Szenen möglich, sind aber nicht das Thema dieser Serie.Stattdessen verfolgen wir einen Held wider Willen sein ganzes Leben hindurch. Das ist aber keine schlechte Sache und liest sich viel spannender als es nun klingt. Denn Secret Identity macht vor, worum es in jedem DC-Comic gehen sollte: Nicht um Kräfte oder Kostüme, sondern um die Zweifel, Gefühle, und Lebensentscheidungen der Menschen hinter den „Heroes“. Busiek und Immonen waren kaum je besser, und in Sachen Charakterisierung setzt Secret Identity neue Maßstäbe. Gerade der Mittelteil gehört zum Stärksten, was es im Genre zu lesen gibt! Lukas "Ruppoman" Wilde |
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