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  Lobo  


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Lobo Infantizid
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Lobo Infantizid



Lobo Infantizid
Autoren:
Keith Giffen, Alan Grant

Zeichner:
Keith Giffen

Preis:
10,50€

Erscheinungsdatum:
30. Juni 2005


Es ist nicht einfach der grösste FRÄGGer der Galaxis zu sein, denn man kann sich kaum vor Frauen retten. Kaum hat man einen Job erledigt, hat man Geld und Geld macht bekanntermassen sexy. Und der Satz heisst ja „Aus Spass wurde Ernst und Ernst lernt grade laufen“. Den Präsi störte das allerdings wenig. Seine 200 Kinder allerdings mehr. Ja, genau, zweihundert Kinder, allesamt aus One-Night-Stands und Besuchen bei käuflichen Damen. Und genau diese Kinder sind es, die ihrem Vater ans Leder wollen…

Dazu haben sie einen scheinbar genialen und idiotensicheren Plan entworfen. Sie haben all ihr Geld in den Nachbau einer Kaserne investiert, in der Lobo seinen Militärdienst absolvieren soll. Als der Präsi die Nachricht erhält ist er nicht sonderlich erfreut, beugt sich dann aber seinem Schicksal und meldet sich in der Kaserne, es könnte ja ganz lustig werden. Diese steht unter der Führung der verbitterten Su-Lehmon, die wirklich nichts anderes im Kopf hat, als das Ableben ihres Vaters. Klar, die anderen Rekruten haben dasselbe Ziel aber keiner von denen war Willens sich hunderte von Malen zu prostituieren, nur um seinen oder ihren Vater umzubringen.

Wie gesagt, Lobo kratzt das herrlich wenig und er bleibt sich selbst treu. FRÄGGen was ihm nicht passt, dumme Sprüche und grosse Kanonen. Allerdings liess er sich für seinen Armeedienst die Haare schneiden und hat nun einen modischen und modernen Irokesenkamm. Ausserdem trägt er mehr oder weniger die Uniform der Armee, kümmert sich aber ansonsten weder um militärische Ränge noch um das Training, das er erhalten oder erteilen soll. Was will man dem Präsi schon über Schusswaffen beibringen? Oder über das Töten im Allgemeinen?
Seine enormen Vorkenntnisse und das mehr oder weniger mysteriöse Dahinscheiden von vielen Rekruten und Vorgesetzten beschleunigen seinen militärischen Aufstieg ungemein und so schafft er es zum Truppenführer. Grade rechtzeitig zur grossen Übung auf Czarnia. Genau, Czarnia, dem Planeten, den Lobo dereinst entvölkert hatte. Der Plan der angeblichen Soldaten ist einfach. Lobos Truppe läuft sofort nach der Landung über, und der Präsi soll dann getötet werden.

Der Plan tritt mehr oder weniger in Aktion, denn das Hauer-Imperium meint, auch noch ein Wörtchen mitzureden, denn sie haben Czarnia ja nach der Entvölkerung annektiert. Es kommt zu einem riesigen Gemetzel. 200 Kinder von Lobo, getarnt als Rekruten, sterben. Lobo selbst überlebt und macht das Imperium mit Waffen, die jeder Vorstellung spotten, platt. Die Geschichte scheint vorüber, doch da tauch Su-Lehmon auf. Der Showdown beginnt. Die Kontrahenten geben alles, zerstückeln sich, nähen sich wieder zusammen, kämpfen weiter und am Ende steht noch einer: Lobo, der Präsi. Denn wie sollte Su-Lehmon auch einen unFRÄGGbaren Mann töten können?





Selten war die Armee so witzig wie in diesem Band. Kaum Story, eine Menge Lacher, die Lobos Haltung gegenüber Allem ziemlich gut zum Ausdruck bringen. Er lässt sich von genau niemandem etwas sagen, keiner hat das Recht, ihm ungestraft etwas zu befehlen. Oft leben diese Szene von Lobos Kommentaren und sei es auch nur ein „Isseswahr?“. Es passt zu Lobo, das ist seine Art mit allem fertig zu werden. Er macht alles klein, was ihm nicht passt. So kennen und lieben wir den Präsi, das ist unser Lobo, der liebenswerteste Bastard der Galaxis.

Es tut gut, wieder etwas Neues von ihm zu lesen, obwohl es technisch gesehen gar nicht neu ist. „Infanticide“ erschien anfangs der Neunziger und seither forderten Fans immer wieder, dass diese Mini-Serie hierzulande veröffentlicht wird. Die Fans bekamen ihren Willen - und ein fast völlig storyfreies, in höchstem Masse satirisches Werk. Doch trotz aller Storyfreiheit ist die Geschichte nicht schlecht, da es in dieser Hinsicht wesentlich Schlimmeres gab (vgl. zweite Geschichte in Lobo #13, Dino Verlag). Ausserdem lese ich Lobo nicht, weil ich eine gut ausgefeilte Story und einen tollen Handlungsbogen will, sondern einfach weil Lobo leichte Unterhaltung für jedermann ist. Schnell, tödlich und saukomisch, so ist der Lobo, den ich kenne. Die neueste Mini-Serie, Lobo Unbound, machte zwar einige Schritte in Richtung eines ernsteren Präsis, doch scheiterte im Endeffekt. Doch die erste Ausgabe dieser Mini zeigte, dass ein ernster Präsi funktionieren kann und machte zwar Lust auf mehr... Allerdings werden bei mir diese älteren Abenteuer hier immer einen besonderen Platz einnehmen, denn mit Lobo habe ich begonnen, Comics zu lesen. Aber ich schweife ab.

Die Zeichnungen sind skurril, wirken manchmal fast schon skizzenhaft, viel Gekribbel und oft nur erahnbare Konturen im Hintergrund. Der Präsi selbst sieht hie und da etwas eigenartig aus, doch hat er schon viel schlimmere Tage gesehen (an dieser Stelle erinnere ich immer wieder gern an Lobo #24, die Geschichte mit dem Kampf der Kopfgeldjäger, grauenhaft). Klar, es ist kein Horley oder kein Bisley, aber auch Keith Giffen vermag es, Lobo gut zu charakterisieren. Die anderen, die Rekruten, sehen auch sehr gut aus, allerdings sieht man den Charakteren an, wer mehr als einen Satz zu sagen hat oder nicht. Was sich vor allem auf den ersten Seiten zeigt, dort wo einer von Lobos Kindern seinen Bruder für die Anti-Lobo-Armee rekrutiert. Das Witzigste sind allerdings die Laute. Das bekannte „FRAGGAFRAGGA“ kommt oft zum Einsatz, allerdings hängt manchmal ein Zettel am Wort, auf dem irgendwas wie „Na klar!“ steht. Oder es werden ganz neue Laute erfunden wie „WHATTAFRAGGINBOOT“ bei einem Kick.

Freunde von grossen Stories und tiefgründigen Dialogen rate ich, den Band im Regal stehen zu lassen, es sei denn, man kennt Lobo und weiss, was einen erwartet. Als Einstieg in die Lobo-Saga ist der Band auch nicht wirklich zu raten, denn man muss den Präsi und seine Welt schon etwas kennen, und die wird einem in diesem Band kaum erklärt. Am Anfang mit Ramona ein wenig, aber sonst werden kaum Kommentare in dieser Richtung gemacht. Es empfiehlt sich, einige Geschichten mit Lobo in der Hauptrolle zu lesen. Am besten sind da die Dino-Ongoing-Hefte, und sich dann diesen Band zuzulegen. Lobo-Fans und –Kennern lege ich diesen Band aber ans Herz, ein Klassiker des FRÄGG.


Dominik "Bär" Bärlocher


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