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Just Imagine... Seite 2
Ein paar Tage nach dem Gespräch zwischen Uslan und Levitz bekam Stan "The Man" Lee per Post ein Angebot unterbreitet. Er sollte das DC-Universum im Rahmen einer zwölfteiligen Miniserie neu erschaffen, ganz nach seinen Vorstellungen, mit jedem kreativen Freiraum, den er wollte.
"Stell Dir vor, Stan Lee hätte Superman erfunden!" Eine uralte Fan-Fiktion als Ausgangspunkt eines gewaltigen Projekts. Wir reden hier immerhin vom DC-Universum, einer Welt voller Charaktere, die zum Teil sogar älter sind als ein Großteil der bekannnten Marvel-Helden. Batman, Superman, Wonder Woman... All diese Figuren neu schreiben zu dürfen, nach all den Jahren diesen Traum zu verwirklichen... Wer könnte da schon nein sagen? Stan Lee zumindest nicht; im Grunde ist er auch nur ein Comic-Fan, das Angebot war wohl selbst für ihn zu verlockend, um abzulehnen.
Als diese sensationelle Neuigkeit Marvel erreichte, war man dort, gelinde gesagt, schockiert. Joe Quesada, damaliger Redakteur des Marvel Imprints Marvel Knights, mittlerweile Chefredakteur des gesamten Verlages, kommentierte dies so: "We were all a little surprised. But it was exciting, too. There weren't any hard feelings. I mean we're genuinely happy about the excitement it's bringing to comics." ("Wir waren alle etwas überrascht. Aber es war auch aufregend. Es gab keine verletzten Gefühle. Ich meine, wir sind wirklich glücklich über die Aufregegung, die dies den Comics bringt.") Andere nahmen die Neuigkeit nicht gerade sehr positiv auf. Die leitenden Toy Biz-Angestellten waren angeblich sehr verärgert. Einer von ihnen soll gesagt haben: "I can't believe he's doing this. He's just getting back at us for cutting down his contract here." ("Ich kann nicht glauben, dass er das tut. Er revanchiert sich nur dafür, dass wir seinen Vertrag hier gekündigt haben.") Aber Stan Lee beschwichtigte: "I'd never do anything to hurt Marvel. They're family. You don't do things to hurt your family." ("Ich würde niemals etwas tun, um Marvel weh zu tun. Sie sind meine Familie. Man tut nichts, um seiner Familie weh zu tun.)
Während man sich bei Marvel aufregte, war der DC-Redakteur des neuen Projekts - Mike Carlin - damit beschäftigt, die verschiedenen Zeichner für das Projekt zu finden. Er traf sich mit Stan Lee in einem Restaurant in Los Angeles, nach dem Essen hatte man eine Serviette voll mit Namen von geeignteten Künstlern. Zurück im Hotel begann Carlin, sie der Reihe nach anzurufen. Und viele Künstler konnten es kaum erwarten, mit der Legende Stan Lee zusammenzuarbeiten. Die Namen reichten von Jim Lee über Adam Hughes hin zu George Pérez. Nur einer wollte nicht: Alex Ross, der Maler, lehnte ab, mit der Begründung, dass dieses Projekt doch nur ein ähnlich "billiges Teil" wie die Fortsetzung von The Dark Knight Returns wäre.
Noch weitere namhafte Künstler sagten ab: Bruce Timm, der kreative Zeichner der Batman Animated Series mußte das Angebot später ebenso ausschlagen wie der Schöpfer von Hellboy, Mike Mignola. Und George Pérez ist jetzt durch seinen Exklusivvertrag an Crossgen gebunden. Aber es gab zum Glück noch genügend andere Namen, die Liste war nahezu endlos lang. John Byrne, Jim Lee, die Hildebrandt-Brüder, Gil Kane, Jerry Ordway, Walt Simonson, Dave Gibbons, Adam Hughes, John Cassaday und noch Dutzende andere sind an dem Projekt beteiligt. Und Stan Lee begann zu schreiben und zu schreiben, und die Comicwelt rotierte, bei jedem Schnippsel Information - sei es ein neues Bild oder die Information, dass das Projekt sich wieder um ein paar Monate verschieben würde. Doch jetzt ist es geschafft. Im Juli geht es los, und die Comicwelt wird nicht mehr die selbe sein.
Hat er es denn noch drauf?
Sicher keine ganz unberechtigte Frage, schließlich werden auch Legenden älter, Stans große Erfolge liegen nun schon einige Zeit zurück. Natürlich ist ihm selbst auch klar, wie viel von ihm und dieser Miniserie erwartet wird, und Stan Lee wäre nicht Stan Lee, hätte er nicht einige Überraschungen in Petto.
Die Saga startet im Juli mit einem neuen Batman, im Monatsrhythmus folgen dann Stans Versionen von Wonder Woman, Superman, Green Lantern, Flash und schließlich der JLA. Später, im Jahr 2002, soll dann die zweite Hälfte der Just Imagine...-Serie den Anker lichten, darunter Robin, Catwoman, und - zu guter Letzt, als krönendes Finale - Stan Lees Version der CRISIS!
Erwarte bloß keine schlichten Elseworld-Stories, in denen unsere Helden lediglich abgeänderte Kostüme tragen! Viel bleibt von den Vorbildern gar nicht übrig, Stan wird nur die Grundstimmung und Ausgangsidee der jeweiligen Serien hinüberretten, ansonsten erwarten uns völlig neue Figuren. Einige der neuen Helden werden nicht einmal Helden sein, sondern auf der Seite der Bösen kämpfen, schier alles ist möglich. Zusätzlich zu den Hauptstories wird jede Ausgabe eine gemeinsame Kurzgeschichte von Lee und Michael Uslan enthalten, die sich um das Leben gewöhnlicher Menschen in einer Welt mit den neuen Superwesen dreht.
Hat Stan Lee es noch drauf?
Kann er wirklich DCs Ikonen neu erschaffen und die enormen Erwartungen der Fans und Kritiker erfüllen? Wir wissen es nicht. Aber eines steht wohl schon fest: Es wird ein gewaltiges Abenteuer werden, eine Miniserie voller Entdeckungen und Überraschungen.
Und nun sei ehrlich zu dir selbst. Egal wie brillant oder enttäuschend Stan Lees Vision letztendlich sein wird, du wirst sie nicht verpassen wollen! Ich meine, wir reden hier über Stan Lee, oder nicht?
Die Details folgen auf Seite 3
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