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Just Imagine... Seite 1
 Zuerst konnte es ja niemand so recht glauben.
Über ein Jahr ist es nun her, dass die unfassbare Nachricht durch die Presse ging, Stan Lee - DER Stan Lee - wolle eine Miniserie für DC schreiben. Stan Lee ist mit Sicherheit eine lebende Legende, eine der bedeutendsten, kreativsten und wegbereitendsten Ikonen der Comic-Geschichte, er ist aber auch noch etwas anderes: Marvels Legende, Marvels Ikone. Stan Lee ist im Laufe der Jahrzehnte geradezu das menschliche Gesicht Marvels geworden, eine Gallionsfigur, wie sie DC trotz der älteren Verlagsgeschichte nie vorzuweisen hatte. Zusammen mit Jack Kirby erschuf Lee Die Fantastischen Vier und später die X-Men, gemeinsam mit Steve Dikto kreierte er Spider-Man, praktisch im Alleingang setzte er den Hulk in die Welt... Stan Lee widmete sein Leben den Marvel Comics. Damit wurde er unsterblich und Marvel ein milliardenschweres Unternehmen, das es mit dem vormals unbezwingbaren Titanen DC aufnehmen konnte. Und nun sollte er nach all den Jahrzehnten - im Alter von 77 Jahren - noch die Seiten wechseln? Solche Visionen schienen einfach zu phantastisch, um wahr sein zu können. Doch in der Welt der Comics ist bekanntlich nichts unmöglich, auch die Erfüllung eines über vierzig Jahre alten Fan-Traums: JUST IMAGINE STAN LEE CREATING THE DC UNIVERSE!
Wenn man nun einen Schuldigen für dieses Projekt suchen wollte, käme man wohl auf Michael Uslan. Er war der Produzent des ersten Batman-Filmes der Neuzeit und hatte es geschafft, Warner bros. davon zu überzeugen, Tim Burton als Regisseur und Michael Keaton als Batman zu akzeptieren. Zudem war er früher als leitender DC-Angestellter beschäftigt. Es ist 1989, die Premiere des ersten Batman-Filmes. Neben zahlreichen Hollywood-Berühmtheiten kamen auch zwei unauffällige ältere Herren. Und diese beiden waren es, die die Aufmerksamkeit von Uslan erregten, niemand geringeres als Bob Kane, einer der Miterfinder von Batman, und Stan Lee. Die beiden lachten und tratschten miteinander, bis Uslan auf sie zukam. Und er wurde von Stan Lee überrascht, als dieser ihm ankündigte: "You know, we should really do something together some day, like a project." ("Weißt du, wir sollten wirklich eines Tages mal etwas zusammen machen, so etwas wie ein Projekt.") Uslan war dementsprechend überrascht. Dies war für ihn so etwas wie ein Traum, der Traum eines Fanboys. Doch Stan "The Man" war noch nicht am Ende: "But it's going to have to be huge. I want to do something big." ("Aber es muß etwas Großes sein. Ich will etwas gigantisches tun.")
Uslan begann zu überlegen und kam auf den Gedanken, was wohl passiert wäre, hätte Stan Lee anstelle des Marvel-Universums das DC-Universum kreiert. Uslan hatte seine Idee. Doch leider stand der Ausführung die Tatsache im Weg, dass Stan exklusiv bei Marvel unter Vertrag stand, und zwar auf Lebenszeit.
Jedenfalls sah es am Anfang so aus. Machen wir nun einen Zeitsprung: Wir befinden uns im Frühjahr 1999. Marvel wurde gerade erst vom Spielzeughersteller Toy Biz aufgekauft, hat enorme finanzielle Probleme und lässt die Bücher auf Sparmöglichkeiten prüfen. Schnell fand sich ein Loch in der Kasse: Ein einziger Angestellter bekam jährlich ein astronomisches Gehalt, ohne auch nur für eine einzige Serie regelmäßig zu schreiben. Legenden hin oder her, Stan Lee wurde zu teuer, ein neuer Vertrag musste her. Ab sofort hatte er nur noch acht Stunden pro Woche für Marvel zu tun, gerade genug, um ihn als Identifikationsfigur zu behalten. Die wichtigere Vertragsänderung jedoch war, dass Stan nun nicht mehr exklusiv an Marvel gebunden war.
"Nun ja", mag man sagen, "der Mann wird bald 80, er wird sich über eine Entlastung wohl gefreut haben!" Doch das Gegenteil war der Fall, er gründete statt dessen eine eigene Internetfirma namens Stan Lee Media und startete mit hundert eigenen Angestellten noch mal voll durch. Leider war der neue Anlauf nicht von großem Erfolg gekrönt, doch das ist eine andere Geschichte...
Interessanter wurde es, als zum Jahrtausendwechsel Michael Uslan bei Stan Lee anrief. Er erinnerte ihn an diese "große Sache" und fragte Stan, ob er nun theoretisch für DC schreiben dürfe. "Yeah, I could" antwortete Lee, "But they don't want me." ("Ja, ich könnte schon, aber sie wollen mich nicht.") Genau die Antwort, die Uslan hören wollte. Er telefonierte ein wenig herum, ließ seine alten Kontakte spielen und flog nach New York, um sich mit dem DC-Herausgeber Paul Levitz zu treffen. "Here it is, Paul!" eröffnete Uslan, "It's the Staniverse!" ("Hier ist es, Paul! Hier ist das Staniversum!")
"Are you ready to work with Stan Lee?" ("Bist du bereit, mit Stan Lee zu arbeiten?")
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