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Just Imagine Stan Lee's Green Lantern
Autor:
Stan Lee, Michael Uslan (Zweitstory)
Zeichner:
Dave Gibbons, José Luis García-López (Zweitstory)
Preis: $5.95 US
Erscheinungsdatum: 17.10.2001
Zusammenfassung:
Revernd Darkk weist einen Gangster mit dem Namen Cragg Crogor an, etwas an einem fernen Ort für ihn zu finden.
Unterdessen hält der Archäologie Professor Leonard Lewis eine Vorlesung. Viele Studenten halten seine Theorien über außerirdische Einflüsse für absurd, anders dagegen eine junge Frau namens Cathy Warren. Sie besucht ihn nach der Vorlesung, und findet den Professor vor, wie er sich für eine Reise nach Afrika fertig macht. Dort will er nach Yggdrasil suchen, dem sagenumwobenen Baum des Lebens.
Auch Cragg Crogor befindet sich in Afrika, er quält dort die Eingeborenen und tötet Parkwächter, bis er mit seinem Suchtrupp auf einen kleinen Wald stößt. Doch die Männer können sich ihm nicht nähern, da der Hain von einem magischen grünen Nebel beschützt wird. Alle Versuche einzudringen scheitern.
Cathy begleitet den Professor auf der Reise. Sie finden das geheimnissvolle grüne Wäldchen, und werden von Crogor und seinen Leuten überfallen. Während des Kampfes wird Lewis erschossen, sein Körper fällt in den grünen Dunst und verschwindet. Cathy arbeitete in Wirklichkeit jedoch für Reverend Darkk, und wollte sich vom Professor zum Baum des Lebens führen lassen. Yggdrasil hat unterdessen Lewis gerettet. Der Baum erzählt ihm, dass die Erde einen Beschützer bräuchte, und verwandelt ihn in eine mystische Green Lantern. Als er wieder aus dem Nebel zurückkehrt, findet Lewis Crogor und Cathy, und kann mit dem Mädchen fliehen.
Reverend Darkk ist wütend und versetzt Crogor nach Amerika. Er belegt ihm mit einem Fluch, der ihn so lange schneller ältern lässt, bis er die Macht der Green Lantern erlangt hat.
Professor Lewis lernt unterdessen seine neuen Kräfte kennen. Er findet heraus, dass er seine Energie als Green Lantern nach länger Nutzung regenerieren muss. Als Cathy den Professor gefangen nehmen will, um ihn zu Darkk zu führen, beobachtet sie seine Verwandlung und sieht ihre Fehler ein. Doch als ein von Darkk geschicktes Monster sie angreift, stirbt sie. Green Lantern gelingt es zwar, das Ungeheuer zu besiegen, seine Kräfte haben sich dabei jedoch entladen.
Dies nutzt Crogor, um den Helden gefangenzunehmen. Doch mit einem Trick gelingt es Lantern sich zu regenerieren und seine Kidnapper zu überwinden. Als er Crogor nach seinem Auftragsgeber befragen will, lässt Darkk Crogor sterben. Green Lantern fliegt hinaus in die Nacht, Cathys Tod hat ihn gelehrt, sich großer Macht würdig zu erweißen.
On the Street:
Micheal Uslan erzählt die Geschichte des Undercover-Agenten Kevin King, einer lebenden Legende unter Polizisten. Doch Green Lantern hatte ihm durch unüberlegtes Eingreifen eine Beschattung ruiniert, wo er nun auch hinkommt scheint er überflüssig zu sein. Alle raten ihm, die Arbeit den Superhelden zu überlassen, als aber ein Haus durch einen ihrer Kämpfe in Flammen aufgeht, kann King unter Einsatz seines Lebens ein kleines Mädchen retten. Die umstehenden Zuschauer reagieren enttäuscht, sie hätten lieber Green Lantern gesehen, deswegen hatten sie auch keine Feuerwehr gerufen. King ist frustriert und überlegt, seine Karriere zu beenden, am nächsten Tag jedoch wollen sich unzählige junge Menschen bei der Polizei bewerben. Sie haben seine Rettungsaktion am Vortag bewundert, und wollen seinem wahren Heldentum nacheifern.
Kommentar Comicfreak
Ich kann mich eigentlich nur wiederholen. Man darf diesen Comic nicht wie ein modernes Heft lesen, denn dann ist man natürlich enttäuscht. Blickt man jedoch mit anderen Augen auf diese Serie, und sieht sie als eine Homage an die Neuanfänge des Superheldengenres, dann wird man bestens unterhalten.
Dies ist auch hier der Fall. Wir haben wieder Stereotypen, aber auch einige gelungene Momente. Die Geschichte selber ist zwar vorhersagbar, aber nichts desto trotz unterhaltsam. Spätestens wenn der Professor sich in Green Lantern verwandelt, und dabei sagt: "Man! All it takes is a thought! I didn't even have to say a magic word or a change in phone booth.", muss man zumindest doch schmunzeln. Und das macht den Charme der ganzen Serie aus. Alle Geschichten sind irgendwo "unschuldig". Sie sind nicht grim'n gritty, noch kommen in ihnen Frauen mit einer Oberweite vor, die von hier bis zum Jupiter reicht.
Kommen wir nochmal auf die Geschichte. Crogor ist natürlich ein 08/15 Schurke, wie er im Buche steht. Er dient eigentlich nur dazu, Reverend Darrk noch düsterer, noch mysteriöser erscheinen zu lassen. Und dieses Konzept geht wirklich hervorragend auf.
Die Zeichnungen von Dave Gibbons sind gut gelungen, um nicht zu sagen die bislang besten der ganzen Miniserie. Noch lieber hätte ich es gesehen, wenn Gibbons sich selbst getuscht hätte. Denn sein Cover scheint um einiges dreidimensionaler zu sein, als die Zeichnungen im Heft. Die Farben wirken etwas blass, und können stellenweise nicht so recht überzeugen.
Was die Handlungen betrifft, ist die Back-up Story wesentlich besser als der Hauptteil. Die Geschichte ist erfrischend anders, und zum ersten Mal seit Serienbeginn ist sie wirklich "On the street", kümmert sie sich die Einflüsse von Superhelden auf das Alltagsleben. Man kann die Frustration des Polizisten wirklich gut verstehen.
Die Zeichnungen von Jòse Luis Garcia-Lòpez tragen zum realistischen Gefühl noch mehr bei. Und hier stimmt sogar die Farbgebung.
Ich selber werde mich garantiert noch Jahre später an diese Serie erinnern. Sie ist nicht gerade etwas, was man unbedenklich jedem empfehlen würde, aber für ein Lesevergnügen langt es allemal. Freunde vernünftiger und gehaltvoller Geschichten sollten diese Serie meiden. Leute, die sich gerne an das Silver Age erinnert fühlen möchten, sollten auch jetzt noch ein Blick wagen, denn jede Folge ist einsteigerfreundlich. Und da stellt diese Ausgabe keine Ausnahme da, sie ist sogar die bisher beste der ganzen Serie!
Kommentar Ruppoman
Nach vier Ausgaben sollte man sich eigentlich an Stan Lees altmodischen Stil gewöhnt haben, aber es ist immer wieder verblüffend, wie konsequent er an seinem Konzept festhält. Wie auch die anderen Ausgaben zuvor, handelt es sich bei Green Lantern um eine klassische Gut gegen Böse-Geschichte. Der Schurke, diesmal mit dem peinlichen Namen Crogg Crogor, ist wieder völlig übertrieben böse. Der Held wird ungewollt in ein dramatisches Abenteuer gezogen, und muss Lektionen des Lebens lernen, bis er sich schließlich seiner Macht würdig erweißt. Im Grunde also alles Stereotypen, Charaktere aus dem Comic-Bausatz, selbst die Sinneswandlung Cathys kommt nicht besonders unerwartet. Doch wie gesagt, dies scheint nun einmal Stans Stil zu sein, und daran wird sich wohl auch nicht mehr viel ändern. Trotzdem, Sätze wie "I ain't never felt such force!" oder "With all my Power...I couldn't save her!" wirken heutzutage bei allem guten Willen ungewollt komisch.
Stan Lees Green Lantern hat aber auch gute Seiten. Der wunderbar altmodische Grundplot über eine Expedition nach Afrika, der sprechenden Lebensbaum, Green Lanterns Machtprobe in der Wüste...Ich müsste lügen, um zu behaupten, das Lesen würde keinen Spaß machen. Sicher, eigentlich sind die wenigen Story-Wendungen vorhersehbar, und im Grunde weiß man von Anfang an, wo die Geschichte enden wird -doch der Weg dahin ist immer noch äußerst unterhaltsam. Und auch, wenn viele Dialoge den unangenehmen Geschmack eines alten Klischees hinterlassen, irgendwie sind die Charaktere zeitlos sympathisch.
Was den Green Lantern-Mythos angeht, hat sich Stan sehr weit von ausgetretenen DC-Pfaden entfernt. Ich hatte eigentlich fest mit irgendeiner Art von Corps gerechnet, zumindest aber doch mit Weltraum-Abenteuern. Stattdessen wurde aus der Leuchte eine Art Öko-Held gemacht, der seine Macht aus der Natur bezieht. Nur mit viel gutem Willen kann man die außerirdischen Besucher vor Äonen von Jahren als entfernten Bezug zu Abin Surs Landung auf der Erde ansehen. Doch gegen solche Freiheiten des Autors ist eigentlich nicht viel einzuwenden, wenigstens macht er sich eigene Gedanken.
Dave Gibbons. Der Zeichner wurde durch Watchmen schlagartig zum Mythos, auch wenn man danach nicht mehr viel von ihm hörte. Ich habe mich auf jeden Fall ganz besonders auf dieses kleine ComeBack gefreut, und viel kann man ihm auch nicht ankreiden. Natürlich gibt es dramatischere Zeichner, dennoch bringt Gibbons unheimlich viel Leben und Kraft in seine Panels, am beeindruckendsten sind meiner Meinung nach seine Gesichter. Der Altmeister drückt mit ein paar Linien mehr Emotionen aus, als Stan Lee den Charakteren überhaupt zugeschrieben hat, das reißt die eine oder andere Szene noch einmal herum. Leider wird die grauenvolle Kolorierung dem Zeichner in keinster Weise gerecht, die bunten, platten Farben nehmen vielen Zeichnungen sogar Ausdrucksstärke. Wer auch immer bei DC diesen Stil vorgeschlagen haben mag, es war eine krasse Fehlentscheidung -umso mehr, da Jim Lee vor nur zwei Monaten eine angemessene Einfärbung genehmigt bekommen hatte.
Die Zweitstory dieser Ausgabe stellt in vielerlei einen echten Höhepunkt dar, Michael Uslan macht aus einem Rahmenplot um die neuen Superhelden eine überaus gelungene Solostory. Klar, nüchtern betrachtet kommt die plötzliche Wertschätzung der Polizeiarbeit ziemlich aufgesetzt und kitschig herüber, dennoch kann man der Handlung um menschliche "Alltagshelden" ihre emotionale Kraft nicht absprechen. Und die Zeichnungen sind auch einfach ganz hervorragend.
Von Monat zu Monat wird es schwerer, ein Fazit zu schreiben, denn im Grunde bleibt meine Einschätzung immer gleich. Stan Lee scheitert darin, spannende Superheldencomics nach heutigem Standart zu schreiben. Seine Charaktere sind nicht gerade originell, seine Stories vorhersehbar. Und ich kann es nachvollziehen, wenn sich jemand deswegen um sein Geld betrogen fühlt. Andererseits war diese Serie niemals als Konkurrenz zu aktuellen Comics angelegt, es sollten eben neue Stan Lee-Hefte werden. Um wieder auf diese Ausgabe zurückzukommen: Es macht Spaß, sie zu lesen. Es macht Spaß, die altmodische Handlung zu verfolgen. Und ich bin nach wie vor gespannt, wie es weitergeht.
Götz 'Comicfreak' Piesbergen Lukas 'Ruppoman' Wilde - Juni 2001
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