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Just Imagine Stan Lee's Superman
Autor:
Stan Lee, Michael Uslan (Zweitstory)
Zeichner:
John Buscema, Kyle Baker (Zweitstory)
Preis: $5.95 US
Erscheinungsdatum: 19.09.2001
Zusammenfassung:
Die Geschichte beginnt auf einem fernen Planeten. Unser Held, ein lokaler Ordnungshüter namens Salden, trainiert für seinen Job, während seine Geliebte über die Welt sinniert. Er verabschiedet sich, und geht zur Arbeit. Dort angekommen löst er eine Geiselnahme auf.
Jedoch bricht wenig später der Anführer der Geiselnehmer, ein Verbrecher namens Gorrok, aus. Er tötet die Geliebte des Helden, und entwicht zu einem Experimentalraumschiff. Salden verfolgt ihn, und landet ebenfalls im Raumschiff.
Es kommt zum Kampf zwischen Gorrok und unserem Held, so dass beide noch an Bord sind, als das Raumschiff startet. Keiner kann die Oberhand gewinnen, Gorrok macht sich schließlich selbständig, als das Shuttle auf die Erde abstürzt.
Das Raumschiff landet im Wasser, dem Helden gelingt es zur Oberfläche zu entkommen. Dort angekommen bemerkt er, das er auf diesem Planeten stärker ist als auf seiner Heimat, da die Schwerkraft auf der Erde weitaus geringer ist. Leider ist seine technische Ausrüstung im Eimer.
Auch Gorrok ist auf dem Planeten gelandet. Schnell wird er zum Chef über einen Stamm Eingeborener. Doch dies reicht ihm nicht, er will die Weltherrschaft.
Salden verdient unterdessen bei einem Zirkus etwas Geld, und nimmt den Decknamen Clark Kent an. Er sucht sich einen Unterschlupf, und beschließt der Erde zu helfen, indem er die Kriminalität bekämpft. Dadurch sollte die Welt genügend Luft haben, sich auf die Weltraumforschung zu konzentrieren, anstatt Resourcen in Krieg und Verbrechensbekämpfung zu verschwenden.
Gorrok ist unterdessen in der Stadt angekommen, und wird von Reverend Darkk für dessen Zwecke eingespannt.
Clark kriegt Besuch von Lois Lane, die sich ihm als seine Agentin vorstellt. Das Gespräch zwischen den beiden wird von der Polizei unterbrochen, die sich für die technischen Apparate interessiert. Doch Lois hat einen Anwalt dabei, der die Behörden schnell vor die Tür setzt. Als der frischernannte Superman erfährt, dass ein chinesischer Staatsmann entführt wird, macht er sich sofort auf dem Weg, um ihn zu befreien. Superman versteckt sich, und wird anstelle Lösegeld abgeholt.
Er wird jedoch von Gorrok, der auch Lois Lane entführt hat, entdeckt und gefesselt. Superman kann sich jedoch befreien, und stürzt sich auf Gorrok und dessen Leute. Er befreit Lois, bringt sie in Sicherheit. Schließlich knackt er noch ein Rätsel Gorrocks, und findet den Staatsmann gefesselt -mit einer Bombe- an einer Kirchturmuhr. Im letzten Moment rettet ihn Superman, Lois hat bereits große Pläne über seine Zukunft geschmiedet.
On the Street:
Ein Comicverlag, der beinahe bankrott ist, veröffentlicht Superman Comics, natürlich ohne irgendwelche Lizenzgebühren zu bezahlen. Dies ruft Lois Lane auf den Plan, die es mit einigen Tricks schafft, den Herausgeber dazu zu überreden, die Serie einzustellen. Die Lizenz verkauft sie an den DC Verlag.
Kommentar Comicfreak
Mir fällt die Kritik zu diesem Heft etwas schwer. Und zwar aus dem Grund, weil dieses Heft ein Tiefpunkt in der bisherigen Serie ist.
Dies hat sicherlich nichts mit John Buscema zu tun, dessen Zeichnungen im Vergleich zu Joe Kubert wesentlich besser abschneiden. Nein, die Zeichnungen von John Buscema wissen zu begeistern. Er schafft es locker, die Panels mit Leben zu füllen. Nur das von ihm designte Kostüm ist etwas "merkwürdig". Es wirkt zu plump, und konnte mich nicht gerade begeistern.
Das Problem, das ich bei diesem Heft hatte, war, das Stan Lee versucht witzig zu wirken. Die Witze zünden vielleicht anfangs noch, doch beim zweiten Mal wirken sie nur noch peinlich.
Ebenfalls mißlingt es Stan Lee uns den Helden näher zu bringen. Er wirkt arrogant und gefühlskalt. Das einzige Mal, als er Gefühle zeigt ist, als er seine Freundin ermordet findet. Doch die wird danach nur noch einmal erwähnt, und dann vergessen.
In den Vordergrund tritt stattdessen der Plan von Superman, die Kriminalität zu bekämpfen, damit unsere Welt in der Weltraumforschung vorankommt. Eine innovative Idee, wie ich finde.
Gorrok, der Feind von Superman wirkt wie ein 08/15 Schurke. Er bleibt die meiste Zeit äußerst zweidimensional. Vor allem die Idee, dass er zuerst einen Eingeborenenstamm unterjocht, wirkt zum gähnen.
Einzig bei Lois Lane gelingt es Stan Lee wieder eine interessante Person einzuführen. Okay, auch sie kommt über ein Grundschema nicht hinaus, doch dieses Grundschema wirkt amüsant. Lois Lane als agressive Werbestrategin, die nur eins im Kopf hat: Das Produkt Superman so schnell wie möglich zu vermarkten, und Geld damit zu verdienen. Hier wirkt die Zweidimensionalität fast gewollt.
Besser gefällt mir hingegen "On the street". Die Geschichte ist zwar kurz, versteht es jedoch zu unterhalten. Das liegt vor allem an der überdrehten Darstellung von Lois Lane. Jede ihrer Gesten wirkt übertrieben, nicht ernstnehmbar. Und so wirkt ja auch die ganze Geschichte, was vor allem an den Zeichnungen von Kyle Baker liegt.
Insgesamt also leider ein Tiefpunkt in der Serie. Aber ich denke, das wird sich bald ändern!
Kommentar Ruppoman
Zuerst dachte ich einfach, es läge nur an der verflogenen Anfangsbegeisterung, daran, dass der Reiz des Neuen und Aufregenden nach drei Ausgaben etwas nachgelassen hat. Doch leider ist das nicht der einzige Grund, Stan Lees dritter Angriff auf DCs Heldengarde ist einfach nicht so ganz überzeugend ausgefallen.
Irgendwie fehlen dieser Story einfach jegliche Überraschungen oder Nervenkitzel. Von Anfang an ist klar, was als nächstes passiert, man könnte fast meinen, Stan hätte sich eine Standart-Superheldenschablone aus dem Internet heruntergeladen.
Okay, ganz fair ist das natürlich nicht, die Motivationen unseres Helden sind erfrischend innovativ. Er will nicht die Erde retten, um den Menschen zu helfen, seine Absichten sind gänzlich egoistisch: Er will nur nach hause. Zu beobachten, wie Superman sich auf der Erde zurechtfindet, und die für ihn minderwertige Umgebung endeckt, ist eine recht spaßige Angelegenheit. Gerade die Tatsache, dass er die Menschen eigentlich verachtet, oder doch zumindest nicht besonders schätzt, hebt die Story erfreulich aus den gefürchteten Schwarz-Weiß Gehegen heraus.
Dabei kommt es leider auch dazu, dass dieser Story eine richtige Identifikationsfigur fehlt, denn sympathisch ist dieser Superman auf keinen Fall. Aber so etwas ist mir allemal lieber als Charaktere aus der Dose, wie leider auch dieser Schurke wieder einer ist: Böse, böse, böse! Lois Lane dagegen sieht nicht nur irgendwie suspekt aus, man kann sie auch nicht richtig in eine Schublade stecken, Pluspunkt an den Autor.
Wirklich unerträglich sind die aufgesetzten Gags in den Textboxen. Vielleicht konnten Leser in den Sechzigern über diese Art Humor lachen, meiner Meinung nach untergraben solch fadenscheinige Witze gänzlich das sonstige Konzept der Geschichte.
John Buscema kann man eigentlich keine Vorwürfe machen. Klar, sein Stil ist nicht der der 90er (dazu trägt aber auch die altmodische Kolorierung bei), trotzdem steckt unheimlich viel Kraft und Dynamik in seinen Bildern. Und im Gegensatz zu meinem Kollegen finde ich das neue Superman-Kostüm durchaus gelungen, vor Allem im Kontext der Geschichte.
Was die Zweitstory angeht: Zuerst war ich nur geschockt von den grauenhaft "cartoonhaften" Zeichnungen. Und diese grässlichen Farben! Doch nachdem ich mich durchgerungen hatte sie zu lesen, war ich mehr als überrascht. Diese On The Street-Episode ist wirklich vorbehaltlos unterhaltsam, um nicht zu sagen witzig. Und damit gehen auch wieder die Zeichnungen durch, eigentlich könnte die BackUp-Story das Konzept kaum besser erfüllen: Eine unterhaltsame Randepisode um die Welt der neuen Helden zu erzählen.
Alles in Allem ein durchwachsenes Heft. Es fehlt ganz klar die Spannung, die wenigen Überraschungen (wie das peinlich unsinnige "Rätsel" des Schurken) wirken aufgesetzt. Dazu noch Stans Versuche, witzig zu sein... Es fehlt einfach ein ordentliches Konzept. Dennoch ist es ganz unterhaltsam, den Weg des Helden wider Willen in seiner neuen Heimat Erde zu verfolgen, aber etwas höhere Ansprüche darf man schon haben. Schade, dass gerade die Superman-Episode so schwach ausfällt, hoffen wir auf das Beste für die Zukunft.
Götz 'Comicfreak' Piesbergen Lukas 'Ruppoman' Wilde - Juni 2001
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