|
|
Just Imagine Stan Lee's Batman
Autor:
Stan Lee, Michael Uslan (Zweitstory)
Zeichner:
Joe Kubert, Michael Wm. Kaluta (Zweitstory)
Preis: $5.95 US
Erscheinungsdatum: 21. 06. 2001
Zusammenfassung:
Wayne Williams' Vater ist gestorben. Auf dem Heimweg von der Beerdigung werden er und seine Mutter Zeuge, wie eine Gruppe Gangster einen Mann in einer Seitengasse zusammenschlägt. Wayne kann seine Mutter überreden, die Leute in Ruhe zu lassen.
Später bei der Arbeit ist Wayne zufällig anwesend, als der Bandenboss Handz beinahe Opfer eines Anschlags wird. Während sich Handz gerade noch ducken kann, überlebt seine Freundin nur durch Waynes Eingreifen. Da es für einen Gangsterboss nicht sehr rühmlich ist, von einem Laufburschen Hilfe zu benötigen, ist er Wayne alles andere als dankbar und schlägt ihn beinahe zusammen.
Später wird der Einkaufsladen von Räubern überfallen, die den Geschäftsinhaber anschießen und Wayne niederschlagen. Sie hängen ihm den Überfall an, Wayne wird zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Im Gefängnis wird er gehänselt und verspottet, sein einziger Freund wird eine kleine Fledermaus, die ihn - zunächst durch Futter angelockt - jede Nacht besucht.
Handz plant derweil Großes. Er will die ganze Stadt übernehmen und seine Freundin heiraten, die aber immer noch ihrem Lebensretter Wayne nachtrauert.
Dieser legt sich in der Zwischenzeit im Gefängnis mit dem Muskelprotz Korgo an, der einen alten Gefangenen als Gewicht missbraucht hat. Nach der ersten kräftigen Abreibung beschließt Wayne, ermutigt von dem alten Mann, seinen Körper auf Vordermann zu bringen. Mit Feuereifer trainiert er jeden Muskel und wird innerhalb kürzester Zeit zu einem Kraftpaket, gleichzeitig bildet er sich durch Lesen und Studieren weiter. Als er erfährt, dass seine Mutter gestorben ist, schwört er Handz Rache.
Unterdessen manipuliert ein gewisser Reverend Darrk auf geheimnisvolle Weise einen der Wärter, die Zellen der Gefangenen zu öffnen. Als der Direktor von Korgo als Geisel genommen wird, wittert Wayne seine Chance. Im Alleingang erledigt er alle Gefangenen und rettet den Direktor vor dem sicheren Tod, das Training hat sich ausgezahlt.
Zum Missfallen von Handz wird Wayne aufgrund dieser Heldentat begnadigt und vorzeitig entlassen. Aus Sorge, dass der Gangsterboss ihm Killer auf den Hals gehetzt haben könnte, taucht Wayne mit seiner Fledermaus als einzigem Begleiter unter und überlegt, wie er seinen Rachefeldzug finanzieren könnte. Als er im Fernsehen zufällig eine Wrestling-Sendung sieht, beschließt er selbst ein Wrestler zu werden. Er näht sich ein Fledermaus-Kostüm und wird als "Batman" ein gefürchteter und gefeierter Wrestler. Dank des Trainings im Gefängnis und seinem abschreckenden Kostüm ist ihm kein Gegner gewachsen, innerhalb kürzester Zeit verdient sich Wayne nicht nur Ruhm und Bewunderung unter den Wrestling-Fans, sondern auch eine ordentliche Stange Geld. Nachdem er endlich ein eigenes Haus erworben hat, konzentriert er sich auf seine Rache an Handz. Er nimmt Kontakt mit dem Professor aus dem Gefängnis auf, der ihn mit seinen Erfindungen unterstützt.
Schließlich ist Wayne bereit, Rache an Handz zu nehmen. Im technisch verbesserten Fledermaus-Kostüm gleitet Batman auf das Dach von Handz' Penthouse. Ohne große Probleme schaltet er alle Handlanger aus und stellt sich schließlich dem Verbrecherboss selbst. Während des Kampfes gelingt es Batman, Handz auf den Balkon zu locken und ihn schließlich in die Tiefe zu stürzen. Handz' Freundin, die den Verbrecher zuletzt nur noch gefürchtet hatte, soll mit Waynes Hilfe eine neue Chance bekommen.
Reverend Darrk ist damit nicht zufrieden, er kündigt Batmans Tod an.
On the Street:
In dieser Geschichte wird der Weg einer Zeitung beschrieben, deren Titelblatt das Konterfei Batmans ziert. Die Reaktionen der Leute reicht von Ignoranz über Verehrung bis zu bloßem Spielzeug.
Kommentar Comicfreak
Eine typische Geschichte, die man erst zweimal lesen muß, um ihren waren Wert zu verstehen. Auf den ersten Blick könnte man sie glatt für schlecht halten. Ist sie aber nicht. Ich muß jedoch gestehen, das ich beim ersten Lesen auch so dachte. Doch dann fiel mir mein Fehler auf. Ich habe das Heft so gelesen, als sei es von einem "modernen" Autoren geschrieben worden. Aber das ist es nicht. Gelingt es einem, diesen Gedankensprung zu vollziehen, entdeckt man eine Perle von einer Story.
Das fängt schon damit an, dass Wayne Williams ein Schwarzer ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie Batman-Fans dieses Heft kaufen, um herauszufinden, wieviel von Bruce Wayne in Wayne Williams steckt. Die Antwort: Nichts. Wayne Williamss Geschichte unterscheidet sich schon durch sein Verhalten völlig von "unserem" Batman. Er ignoriert einen Hilfsbedürftigen und geht auch sonst ziemlich griesgrämig durchs Leben. Er ist ein vollkommen anderer Mensch als Bruce Wayne. Stan Lee schafft es, einen Batman zu erschaffen, ohne gleich am Anfang den berühmten Tod einer nahen Person als Motivation zu benutzen. Natürlich kommt dieses Klischee später doch noch zum Zuge, allerdings wirkt es auf diese Weise wesentlich eindringlicher, als es gleich zu Anfang gewesen wäre.
Glaubwürdiger wirkt auch die Herkunftsgeschichte des Kostüms. Okay, man könnte jetzt die Parallelen zu einem gewissen Netzschwinger aufzeigen, aber wenn es bei Spider-Man funktioniert hat, wieso dann nicht auch bei Batman?
Um nochmal auf den ersten Leseeindruck zurückzukommen: Eine Sache, die mich beim ersten Lesen gestört hat, waren die Dialoge. Sie beschreiben zwar nicht Claremont-mäßig, was gerade klar ersichtlich in den Bildern vor sich geht, aber irgendwie wirken sie doch auf den ersten Blick etwas deplatziert. Doch die Dialoge schmücken die Panels lediglich ein wenig mehr aus, sie geben Zusatzinformationen zum Geschehen.
Joe Kubert zeigt, wieso er eine Legende ist. Sein Batman wirkt muskulös, ohne gleich Superhelden-mäßig herüberzukommen. Seine Figuren und Gesichter sind detailliert genug gezeichnet, so dass man nicht Gefahr läuft, die verschiedenen Charaktere miteinander zu verwechseln.
Was noch interessant werden dürfte, ist die Figur des Reverend Darrk. Ausgehend von diesem Heft verfügt er über einige interessante Fähigkeiten. Was genau daraus wird, werden wir ja in den nächsten Monaten erfahren.
Worüber ich mir ein wenig den Kopf zerbrochen habe, war die Backupstory. Was mich gestört hat, war das völlige Fehlen von Dialogen. Zwar sind die Bilder aussagekräftig genug, aber es stört doch den Lesegenuss etwas, vielleicht wird das in den nächsten Ausgaben besser.
Insgesamt ein perfekter Start. Man kann schon auf Grund dieses Heftes das Projekt "Just Imagine..." mit Fug und Recht zu den Serien zählen, über die man noch Jahre später sprechen wird.
Kommentar Ruppoman Nun ist sie also da, Stan Lees erste Version eines klassischen DC-Helden. Um es kurz zu machen: Stan Lee ist noch ganz der Alte. Um ehrlich zu sein, eigentlich kann ich das nicht wirklich beurteilen, Stans Frühwerke sind lange vor meiner Zeit erschienen. Doch nach Allem, was ich weiß, war "The Man" ein Meister darin, gute Stories über einfache Menschen in ungewöhnlichen Situationen zu schreiben, und das ist ihm auch hier gelungen.
Er hat es über die Jahre nicht verlernt, Geschichten persönlich wirken zu lassen oder eine Figur glaubhaft zu charakterisieren. Die Story um Wayne Williams ist einfühlsam und nachvollziehbar, aber eben leider... naja... unglaublich unspektakulär. Mein erster Gedanke nach dem ersten Lesen war: "Hä??? Das war's? Das war Just Imagine!?!"
Die einzige Kritik, die man dem Autor entgegenbringen könnte, wäre tatsächlich, dass Stan Lee noch ganz der Alte ist. Und diesmal kann ich es ganz genau beurteilen, denn als Kind der 90er habe ich schnell mitbekommen, wie die Regeln heutzutage auszusehen haben. Kein DC-Projekt, das nur annähernd die Ausmaße von "Just Imagine" hätte, käme ohne ein halbes Dutzend Splashpages aus, von dramatischen Effekten und pathetischen Dialogen ganz zu schweigen. Es entspricht nun mal dem Geist der 90er, die Verpackung über den Inhalt zu stellen, und dieser Ideologie hat sich Stan Lee nie gebeugt - zum Glück, muss man wohl sagen.
Unter diesem Gesichtspunkt ist der "neue Batman" wirklich gelungen. Eine gute Geschichte über einen schwarzen Jungen, dem Unrecht angetan wird. Das war's. Nach dem ganzen Hype der letzten Monate um dieses Projekt vielleicht zu schlicht, aber mit Sicherheit kein durchschnittliches oder gar schlechtes Comic.
Schon eher kritisieren könnte man, dass der Plot eigentlich ziemlich voraussehbar ist. Die Handlung verlässt die gerade Linie von Waynes Inhaftierung bis zum Showdown mit dem Schurken eigentlich kein einziges Mal, der abschließende Sturz des Bösewichts in den gerechten Tod hätte doch etwas ausgefeilter sein dürfen. Aber, hey, zu Batmans Grundton (der ja in vielerlei Hinsicht beibehalten wurde) gehört nun mal auch ein kompromissloser Grad an Realismus, somit kann man das noch durchgehen lassen.
Was den Zeichner angeht, wird eine Bewertung meinerseits wirklich schwierig. Denn noch viel mehr als beim Autoren fällt auch an Joe Kubert auf, wie weit er mittlerweile aus "seiner Zeit" heraus ist. Joe Kubert ist ein hervorragender Künstler, keine Frage. Er schafft es, in seinen Gesichtern alle Arten von Emotionen auszudrücken, ohne sie zu überzeichnen. Aber während ich Stan Lees Festhalten an bewährten Grundsätzen noch voll und ganz unterschreiben kann, fällt es mir viel schwerer, mit Joe Kuberts Zeichenstil klarzukommen. Man ist einfach zu viel von "modernen" Zeichnern gewöhnt, so dass man versucht ist, beispielsweise seine beiden Söhne Adam und Andy der altbackenen Linienführung des Altmeisters vorzuziehen. Da ich die Joe-Kubert-Ära eben nie miterlebt habe, kann ich auch kaum den Nostalgie-Bonus vergeben. Fans der "Zeichnerlegende" dürften auf jeden Fall höchst zufrieden sein, alle anderen müssen eben in Kauf nehmen, dass das erwähnte Retro-Feeling des Autoren durch den Zeichner noch fett unterstrichen wird.
Die Backup-Story wird dem Titel "On the Street" sehr gut gerecht, als Leser fühlt man sich beinahe schon ins Alltagsleben der "Staniversum-Menschen" hineingezogen. Einen anderen Sinn kann ich der Story dann auch beim besten Willen nicht entnehmen, unter dem genannten Aspekt hat sie mir hervorragend gefallen.
Mein Fazit: Vergesst den Hype. Vergesst "DCs Megaprojekt". Stan Lee hat bewiesen, dass er noch gute Geschichten über einfache Comic-Charaktere schreiben kann. Mehr ist dieses Heft nicht. Nur eine gute Geschichte. Aber sollte es je anders sein?
Götz 'Comicfreak' Piesbergen Lukas 'Ruppoman' Wilde - Juni 2001
|






|