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JLA: Welcome to the Working Week

Autor:
Patton Oswalt
Zeichner:
Patrick Gleason
Inker:
Christian Alamy
64 Seiten, Prestige-Format
Preis:
$6,95
Erscheinungsdatum:
11. Juni 2003
Hat schon mal jemand etwas von Patton Oswalt gehört? Ich muss zugeben, ich bislang auch nicht. Ein wenig rasche Internet-Recherche hat ergeben, dass der Autor dieses Prestige One-Shots in den USA einen gewissen Ruf als Komiker genießt. Sitcoms und Comedy-Shows sind nicht wirklich mein Metier, dennoch hat mich die Idee hinter JLA: Welcome to the Working Week von der ersten Vorankündigung an neugierig gemacht.
Marlus Randone, ein jugendlicher Superhelden-Fan, schleicht eine Woche lang unbemerkt durch die Korridore des JLA-Wachturms und erlebt die mächtige Liga von einer ganz anderen Seite. Und diese war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Willkommen bei der Reportage über die stärksten Sterblichen der Erde, willkommen zu Zänkereien zwischen Batman und seinen Teamkollegen, zu Plastic Mans illegalem Trappisten-Bier, und zu Video-Abenden mit Flash und Green Lantern.
Wie hat es Marlus bloß in diese Situation verschlagen? Eine kleine Vorstadt von Portland, Oregon wurde plötzlich Schauplatz einer Alien-Invasion. Um die Bewohner vor der feindlichen Übermacht zu schützen, teleportiert die Liga kurzerhand eine ganze Bürgerschaft in den Wachturm. Die Situation ist schnell unter Kontrolle gebracht, und alle können wieder nach Hause. Fast, denn durch einen Zufall wurde Marlus vergessen und kann sich unbemerkt absetzen. Als Herausgeber eines Indie-Magazins über Superhelden und gesegnet mit einer kritischen Einstellung gegenüber Capes und Masken nutzt der Teenager die Chance seines Lebens und schleicht eine Woche mit Kamera und Notebook durch den Wachturm.
Klingt nach einem sicheren Erfolgskonzept, und tatsächlich mangelt es Oswalt nicht an Ideen. Die Ausgangssituation, Superhelden aus einer menschlichen, normalsterblichen Perspektive zu beleuchten, ist natürlich alles andere als neu. Astro City wurde schon tausendmal kopiert, doch dieser One-Shot schlägt erfreulicherweise einen eigenen Pfad ein. Oswalt versucht sich an einem Spagat zwischen mehr oder minder gelungenen Gags, die das Comedy-Potential von Bats, Supes & Co. voll ausnutzen, und einem ehrfürchtigen, bewundernden Blick auf die mächtigsten Helden der Erde.
In beides floss viel Liebe zu den Charakteren und großes Feingefühl für ihre jeweiligen Eigenarten ein, doch richtig zusammenpassen will die Mischung nicht. Man merkt, dass Oswalt keine große Erfahrung im „Storytelling“ hat, in der Art und Weise, wie Comics „funktionieren“. Kalauer über Slips auf langen Hosen reihen sich unverbunden an beinahe schwermütige Introspektiven, Analysen über Batman und den Manhunter an scheinbar zusammenhanglose Monitor-Bilder von Kämpfen und Katastrophen. Oswalt hatte seinen Kopf voller netter Einfälle, die alle irgendwie ins Script sollten. Das stört den Lesefluss leider nicht unmaßgeblich.
Die Story wird aus der Sicht von Marlus beschrieben, und man kann sich recht leicht in ihn hineinversetzen. Oswalts lockere Schreibe räumt hierbei viele Punkte ab, sie strotzt nur so von Slang-Ausdrücken. Viele Pointen gingen an mir vorbei, da sie sich auf amerikanische Pop-Kultur oder TV-Shows beziehen. Doch alleine der Vergleich „Wenn Superman Elvis ist, dann ist [der Martian Manhunter] Dylan.“ hat mir den ganzen Tag über ein Grinsen auf Gesicht gezaubert.
Nachdem Marlus die Liga eine Woche lang ausspioniert hat, gerät er auch gleich mitten in eine dieser welterschütternden Krisen. Eine außerirdische Rasse von Eroberern hat sich die Erde als ihr kosmisches Ersatzteillager auserwählt. Ein unsterblicher Superschurke namens Feast organisiert einen Angriff zahlreicher Metawesen überall auf der Welt, während sich die Weltbevölkerung durch atmosphärische Gifte genetisch zersetzt. Hängt am Ende alles von Marlus ab?
Okay, der Handlungs-Bruch liest sich im Heft nicht ganz so krass, wie es hier klingt. Trotzdem hat man den Eindruck, Oswalt wollte auf den letzten Seiten noch mal demonstrieren, dass er, Comedy hin oder her, auch kosmische Krisen à la Morisson oder Waid auf die Beine stellen kann. Da hapert es leider gewaltig, denn Storytelling und Timing gingen ziemlich in die Hose. Die neuen Superschurken tauchen zum Beispiel keine fünf Panels mehr auf, nachdem sie erst mühsam von Feast vorgestellt wurden. Dem Geschehen ist oft nur schwer zu folgen, und das Ende kommt viel zu unvermittelt. Ein paar Seiten angenehme Unterhaltung mehr wären zweckmäßiger gewesen, als dieser halbherzige Versuch, in der Oberliga der Dramatik mitspielen zu wollen.
Ach ja, die Zeichnungen. Patrick Gleason und Christian Alamy waren mir nicht unbedingt ein Begriff, hoffentlich ändert sich das. Die beiden leisten nämlich einwandfreie Arbeit und bringen mit klarer Linie viele Pointen in das Script. Bei kleineren Panels hapert es öfters an Detailgenauigkeit, doch das wird anderweitig wieder wett gemacht. Gleason meistert sowohl subtile Gesichtsausdrücke als auch dramatische Perspektiven à la Howard Porter ganz prima. Und Wonder Woman sieht wieder mal fast anstrengend kurvenreich aus. Nicht, dass ich mich beschweren möchte...
Fazit: Zurück bleibt ein zwiespältiges Gefühl. JLA: Welcome to the Working Week liest sich wie eine lockere Zusammenstellung, ein „Best of “ von JLA-Sketchen. Viele von ihnen treffen ins Schwarze, viele zeigen uns ganz neue Seiten unserer altbekannten Helden, aber oft fragt man sich auch nach dem Sinn des Ganzen. Die Stimmung wechselt ohne Vorwarnung von witzig zu nachdenklich, und es ist schwer, jedesmal emotional mitzuziehen. Trotzdem hat sich die Anschaffung in meinen Augen gelohnt, denn trotz der Mankos im Gesamtbild wird ein ganz eigener Blick auf die Liga geboten. Und Oswalts erste Comic-Gehversuche spiegeln so viel Begeisterung, Einfallsreichtum und respektvollen Humor wieder, dass man ihm viele Stolperer vergeben kann.
Lukas 'Ruppoman' Wilde
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