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DC Archiv 13: JLA III




Preis:
EUR 45,95

Erschienen:
20.03.2003

236 Seiten





Das ist so Silver Age!


Dieser Gedanke kam mir sofort beim Durchblättern der Seiten vom neuesten Archiv-Band von Panini.


Mit der "JUSTICE LEAGUE OF AMERICA" setzt Panini seine Archiv-Reihe fort. Innerhalb dieser Archiv-Editionen ist es nun der dreizehnte Band - der dritte der "JUSTICE LEAGUE OF AMERICA". Die ersten beiden sind bei DINO erschienen.


Dieser dritte Band enthält die acht US-Hefte "JUSTICE LEAGUE OF AMERICA" #15 - #22 aus der Zeit von November 1962 bis September 1963. Herrlich alter Stoff also aus dem Silver Age der Comics.


Diese Geschichten - allesamt von keinem geringeren als Gardner Fox geschrieben - geben einen perfekten Eindruck in die damalige Zeit und spiegeln den Enthusiasmus der damaligen Kreativen und den der Fangemeinde für Superhelden wieder.


Gardner Fox - von zu Hause aus Science-Fiction Autor - hat unzählige Personen und Charaktere erfunden und mit seinen Geschichten Geschichte geschrieben.


Er schrieb die erste Zusammenkunft der JUSTICE SOCIETY OF AMERICA in ALL-STAR COMICS #3 (Winter 1940). Aus seiner Feder sind der erste FLASH (Jay Garrick) und HAWKMAN (Carter Hall) - beide in FLASH COMICS #1 (Jan. 1940). ALL-STAR COMICS #3 und FLASH COMICS #1 sind übrigens beide bei Panini in der Reihe der Museums-Editionen erschienen. Eine sehr gute Möglichkeit, sich mit beiden wirklich interessanten Geschichten aus dem "Golden Age" zu versorgen.


Die Superhelden, die während des "Goldenen Zeitalters" die Zeit von den späten Dreißigern bis zur Mitte der vierziger Jahre so dominierten, die machten in den fünfziger Jahren gerade mal nur noch zehn Prozent des Marktes aus. Superman, Batman und Wonder Woman waren so ziemlich die einzigen "Überlebenskünstler" des "Golden Age" der Superhelden, die ihre Heftreihen auch durch die Durststrecke der fünfziger Jahre retten konnten. Doch dann geschah etwas, was wir heute als den Beginn des "Silver Age" bezeichnen:
In SHOWCASE #4 von Sep/Okt 1956 erblickte ein neuer Flash das Licht der Welt. Es war die Geburt von Barry Allen - geschrieben von Robert Kanigher und gezeichnet von Carmine Infantino und Joe Kubert. Redakteur bei dieser Wiedergeburt war Julius Schwartz. Die Reihe SHOWCASE erwies sich als Serie für Experimente und als Wiege für neue Helden. Flash hatte noch drei Auftritte in #8, #13 und #14, bevor er in Feb./Mrz. 1959 seine eigene Serie bekam. Interessanterweise entschied man sich dafür, die alte Nummerierung der ersten FLASH-Serie - die ziemlich genau zehn Jahre zuvor eingestellt worden war - beizubehalten und zählte ab der #105 weiter. Barry Allen hatte nun seine eigene Serie und es dauerte gar nicht lange, da erblickte ebenfalls in SHOWCASE ein neuer Held das Licht der Welt:
In der Geschichte "SOS Green Lantern" aus SHOWCASE #22 (Sep./Okt. 1959) feierte Green Lantern - Hal Jordan - seinen Einstand und belebte wieder einen alten "Golden Age"-Helden-Namen mit neuem Leben. Geschrieben von John Broome und gezeichnet von Gil Kane und Joe Giella. Jetzt dauerte es noch ein halbes Jahr, bis Julius Schwartz auch die Reihe BRAVE AND BOLD unter seine Fittiche nahm. Seine erste Ausgabe war die Nummer #28. Er entschied sich dazu, das alte Prinzip der JUSTICE SOCIETY OF AMERICA wieder zu beleben, die Heldengruppe aus den ALL STAR COMICS:
Die JUSTICE LEAGUE OF AMERICA war geboren. Zu ihr gehörten: Aquaman, Wonder Woman, Green Lantern, Flash und J'Onn J'Onzz, der Martian Manhunter (sein erster Auftritt war übrigens in DETECTIVE COMICS #225, "The Strange Experiment of Dr. Erdel", Nov. 1955, geschaffen von Joe Samachson). Als Ehrenmitglied (damit sich die jungen Leser mit ihm identifizieren konnten) kam Snapper Carr hinzu - Superman und Batman gehören zwar auch dazu, aber man hielt sie absichtlich etwas zurück, um die anderen mehr in den Vordergrund zu stellen. Man wollte diese beiden Zugpferde auch nicht überstrapazieren, damit die Verkaufszahlen deren eigenen Serien nicht litten.


Die Resonanz auf die drei Auftritte dieses Teams in B&B war phänomenal: Die Geburtsstunde der eigenen Serie der Liga hatte unaufhaltsam geschlagen. Die Heldengruppe bekam schon im Okt./Nov. 1960 ihre eigene Reihe und Gardner Fox konnte seiner Phantasie freien Lauf lassen: Er erfand Schurken am laufenden Band - Despero, Kanjar Ro, Doctor Destiny, Professor Amos Fortune, Felix Faust, Doctor Light und viele andere - alle diese hatten ihre ersten Auftritte in den ersten vierzehn Heften. In Heft #4 trat Green Arrow dem Team bei und in Heft #14 (Sep. 1962) dann schließlich Atom (Ray Palmer), der ebenfalls in SHOWCASE seinen ersten Auftritt hatte: In SHOWCASE #34, Sep./Okt. 1961, ebenfalls geschaffen von Gardner Fox.


Diese "DC-Versuchsreihe" SHOWCASE war noch Geburtshelfer für viele andere bekannte Helden, z.B. Adam Strange. Gardner Fox erweckte ihn in der #17, Nov./Dez. 1958, zum Leben. So kann man mit Fug und Recht sagen, dass diese SHOWCASE-Reihe sehr viele neue Helden hervorbrachte und den alten DC-Helden zu einem Neustart verhalf - vergleichbar dem Ultimate-Gedanken heute bei Marvel. Aber nicht nur heute dient dieser Geniestreich von Julius Schwartz Marvel als Vorbild, sondern auch schon damals sah man sich bei Marvel durch den enormen Erfolg des Heldenteams dazu veranlasst, ebenfalls ein Team aus der Taufe zu heben: Der damalige Chef von Marvel, Martin Goodman, gab seinem Redakteur Stan Lee die Anregung, die sinkenden Verkaufszahlen durch ein Heldenteam aufzuhalten. Indem Lee und Kirby die "Menschliche Fackel" wiederbelebten und ihr drei neue Helden zur Seite stellten, wurden die "Fantastic Four" erfunden und retteten damit den ganzen Verlag.


Sehr bewegende Zeiten waren das damals und die acht Geschichten hier aus dem Archiv geben bestens wieder, wie genau und was sie bewegten.


In der #15 wird ein völlig neues Element in die Comics eingeführt: Die Parallel-Welt, die von unserer Erde nur durch eine Minute in der Zeit getrennt ist - ein neues Konzept, welches bald im ganzen DC-Universum florieren sollte und mit der Zeit immer inflationärere Ausmaße annahm. Aber hier ist der Ursprung zu sehen.


Bemerkenswert an der #16 ist, dass sie eine Geschichte in der Geschichte ist: Ein großer Anhänger der Justice League, ein Fan mit dem bemerkenswerten Namen Jerry Thomas hatte sich eine Geschichte mit einem Supergegner - Maestro - erdacht, der tatsächlich in der Lage gewesen wäre, die Liga zu besiegen. Der Name ist deshalb bemerkenswert, weil Gardner und Schwartz der Figur den Namen zu "Ehren" von Jerry Bails und Roy Thomas gaben. Thomas und Bails waren damals sehr engagiert in der sich neu aber rasch entwickelnden Fanszene. Ab 1962 schossen Fanzines wie Pilze aus dem Boden - die bekanntesten "Gründer" dieser Fandom-Bewegung waren Jerry Bails, Roy Thomas, Don und Maggie Thompsons. Thomas hat später lange als Redakteur und Autor, sowohl für DC, als auch für Marvel gearbeitet. Die imaginäre Figur des Jerry Thomas hatte übrigens später als junger Polizei-Officer in CRISIS ON INFINITE EARTH #11 wieder einen Auftritt. Nun ist es Aufgabe der Liga sich zu überlegen, was getan werden müsste, wenn Maestro wirklich existent gewesen wäre.


In JUSTICE LEAGUE OF AMERICA #17 ("Triumph of the Tornado-Tyrant!") begegnen wir zum ersten Male dem "Tornado Champion". Diese zum Guten bekehrte Lebensform wird Jahre später (in JUSTICE LEAGUE OF AMERICA #64, Aug. 1968) zum Schöpfer des Silver Age-Helden "Red Tornado", wieder unter Gardner Fox. Der Tornado Tyrant ist eine Lebensform, die ihren Ursprung auf Rann hat, dem Heimatplaneten von Adam Strange, und hatte seinen ersten Auftritt in MYSTERY IN SPACE #61, Aug. 1960. In MYSTERY IN SPACE #61 bekämpfte er noch das Gute, aber durch das Vorbild von Adam Strange wechselt er die Seiten und möchte fortan für das Gute kämpfen. In der vorliegenden Geschichte "Der Triumph des Tornado-Tyrannen!" sehen wir ihn also wieder. Er hat sich sein eigenes Duplikat der Erde erschaffen und bekämpft hier in der Gestalt der Justice League das Böse. Als aber ein böser Teil von ihm sich selbst zum Leben erweckt, kann der gute Teil diesen nicht besiegen. So beschließt er, zur Erde zu reisen und zu schauen, was die richtige Justice League an seiner Stelle tun würde. Den bösen neuen Teil des Tornado Tyrant sehen wir übrigens in JUSTICE LEAGUE OF AMERICA #193 wieder.


Red Tornado ist übrigens bitte nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen und sehr beherzten Abigail "Ma" Hunkel aus den ALL-AMERICAN COMICS #20 (Nov. 1940 - also Golden Age), die sich einen Topf über den Kopf stülpte und lange Unterhosen anzog, um fortan das Verbrechen zu bekämpfen


Red Tornado ist jener Androide mit dem roten Gesicht, der zeitgleich mit einem anderen Androiden mit derselben Gesichtfarbe das Licht der Welt erblickte. Der eine also bei DC, der andere bei Marvel und hört auf den Namen "Vision". Er ist übrigens eine Schöpfung des eben erwähnten Roy Thomas.


Eine sehr bemerkenswerte Geschichte ist ebenfalls "Journey into the Micro-World!" aus JUSTICE LEAGUE OF AMERICA #18. Hier wird die Liga von den Bewohnern des Mikrokosmos Starzl um Hilfe gerufen. Vor langer Zeit hatten sich die Bewohner von Starzl drei Androiden (Terrane, Ocana, Etheran) geschaffen, die diese Welt beschützen sollten. Zu ihrer Erschaffung wurde ein Element verwandt - Ultrazone - welcher aber leider eine negative Auswirkung auf die Lebenserwartung der Bewohner von Starzl hatte. Jetzt wollen sie ihre Beschützer wieder loswerden, wissen aber nicht wie, da sie bei der Erschaffung ganze Arbeit geleistet hatten und sich die Androiden jeder Art von Angriff perfekt wiedersetzen können. Aber wieder einmal ist es Batman, der durch seine genauen Beobachtungen einen Ausweg findet.


Ein netter Insider-Gag ist der Name Starzl - Julie Schwartz benannte diese Welt nach dem Science-Fiction-Autor R.F. Starzl.


In der #19 "Verbannt von der Erde!" schafft es Dr. Destiny, dass die Mitglieder der Liga ihre eigenen Super-Superhelden träumen, die er dann in lebendige Wesen transformiert. Diese sind schlecht und übersäen Amerika mit bösen Taten. Die echte Liga wird daraufhin zur Verbannung ins All geschickt. In dem Raumschiff stellen sie fest, dass ja "nur" die Superhelden und nicht ihre wahren Geheimidentitäten verbannt wurden. Jetzt kommt ein Moment, der damals wie heute die Fans sicherlich erstaunen lässt: Sie offenbaren einander ihre zivilen Identitäten. Und kehren zu Erde zurück, finden den Verursacher allen Übels und sind wieder angesehene Helden. Zum Leidwesen der Fans aber nimmt Superman den Ligisten das Wissen um die jeweiligen Geheimidentitäten mit Amnesium.


In "Das Geheimnis von Astronaut X!" müssen sich die Ligisten gegen ein lebendes Raumschiff behaupten, das sich als Alien erweist, das Energie mit Hilfe eines gigantischen Roboters, der als Astronaut getarnt ist, der auf der Erde wandelnd Gutes tut, absorbiert um damit unverwundbar zu werden um letztendlich die Erde zu unterwerfen.


Das besondere Highlight dieser Geschichten ist zweifelsohne der Zweiteiler aus den Heften #21 und #22 - hier treffen die Teams von der JLA und der JSA zum ersten Mal in der Reihe JUSTICE LEAGUE OF AMERICA zusammen. Man kann zu Recht sagen, dass dies das ultimative Silver-Age-Ereignis ist. Dieses Treffen war für die Langzeit-Fans durch nichts anderes mehr zu überbieten; für die jungen und neuen JLA-Leser eine Offenbarung, für die Alt-Fans eine Erleichterung - "ihre" Helden aus dem Golden Age waren zurück! Die Justice Society of America war im Silver Age endlich angekommen! Sicherlich der Meilenstein für viele Jahre! Der Höhepunkt einer Begeisterung einer ganzen Generation. Diese beiden Geschichten verkörpern wie kaum irgendwelche anderen das Gefühl für das Silver Age.


Den Weg frei gemacht hatte FLASH #123 (1st Series) im September 1961. Hier trafen sich der Golden Age Flash und der Silver Age Flash zum ersten Mal. Hier wird auch zum ersten Mal erwähnt, dass eine Erde II existiert. Die Helden des Silver Age leben also auf Erde I und die Helden des Golden Age auf Erde II. Auch dieser Meilenstein ist bei Panini erschienen - als Museums Edition #10 (auch ein sehr empfehlenswerter Kauf). In FLASH #129, Juni 1962 erscheinen die Helden der JSA in "Flashbacks" und haben schließlich ihren ersten leibhaftigen Auftritt im Silver Age genau ein Jahr später im Juni 1963 in FLASH #137. Auch diese Geschichten sind von Gardner Fox.


Jetzt kämpften die Helden aus alten Tagen Seite an Seite mit den neuen Helden: Gemeinsam müssen sie gegen Chronos, Dr. Alchemy, Felix Faust, Fiddler, Icicle und den Wizard kämpfen. Was für ein Kampf!


Dieses Treffen der beiden Teams war nur der Auftakt für viele weitere gemeinsame Abenteuer, die sich bis zum heutigen Tag immer wieder wiederholen. Wer gerne Geschichten epischen Ausmaßes liest, mit vielen verschiedenen Helden, der schaue nur heute sich aus jüngster Zeit "JLA/JSA: TUGEND UND SÜNDE" an, welches diesen Monat (Mai 2003) bei Panini erschienen ist.


Wir sehen also, in jeder dieser Geschichten gibt es also Momente, deren Auswirkungen bis heute im DC Universum anhalten.


So kann man ohne Übertreibung sagen, dass der dritte Archiv Band der JUSTICE LEAGUE OF AMERICA den Höhepunkt der bisherigen Archive markiert.


Gardner Fox hat neben und nach seinen Arbeiten zur JUSTICE LEAGUE OF AMERICA noch unzählige andere Geschichten geschrieben. Er war ein extrem talentierter Vielschreiber. Er verstarb 1986. Viele Jahre hat er auch Geschichten für DETECTIVE COMICS und BATMAN geliefert. Von ihm ist die erste Origin Batmans aus DETECTIVE COMICS #33, er erdachte Zatanna, er machte aus Barbara Gordon Batgirl, er erschuf den Blockbuster I (Mark Desmond), den Cluemaster, machte aus Alfred den Outsider, brachte Hawkman und Hawkwoman sicher ins Silver Age u.v.a.m.


Die Bilder von Mike Sekowsky haben einen sehr eigenen Charme. Sein Sinn für Anatomie ist ein ganz eigener, aber dennoch sind seine Figuren unverwechselbar und einmalig. Hintergründe und Tiefe sucht man meist vergebens.


Und ich werde aber nicht müde darauf hinzuweisen, dass diese einfachen Zeichnungen - die repräsentativ für das Silver Age angesehen werden dürfen - sicherlich auch einem Frank Miller durch den Kopf gingen, als er DK2 "komponierte". Hier in DK2 kann man vieles davon wiedererkennen, was damals die Comicwelt revolutionierte. Nicht umsonst ist das Grundthema in DK2 die Revolution. Was damals das Herzblut einer ganzen Generation ausmachte, wird heute Frank Miller als Unfähigkeit ausgelegt, weil man es nicht besser versteht.


Wer also noch einmal den Geist vergangener Tage atmen möchte, wer sich selbst etwas Gutes tun möchte, wer sein Wissen über die Zusammenhänge alter Handlungsstränge erweitern möchte, dem sei dieses Werk wärmstens empfohlen.





Norbert Elbers


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