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Hitman:
Lokalmatadoren


Hitman: Lokalmatadoren Autor:
Garth Ennis

Zeichner:
John McRea

Erscheinungsdatum:
Juli 2000

Preis:
DM 19,90




Pat Noonan ist tot. Er wurde ermordet. Heute ist die Beerdigung und viele sind gekommen, doch am Ende blieben nur die Killer vom Noonans. Es wird eine letzte Flasche Schnaps auf Pat getrunken und der Anteil des Toten wird ihm auf den Weg mitgegeben. Danach geht es ins zweite Zuhause der Killer, dem besagten Noonans, das eigentlich „Noonans sleazy bar“ heisst. Man trinkt, man trauert. Und Tommy verscheucht Touristen.

Tommy muss nun Pats Wohnung ausräumen. Er sitzt da, denkt über Vergangenes nach, als plötzlich eine laute Stimme aus einem Megafon ertönt, die ihn auffordert sich zu ergeben. Ein Blick aus dem Fenster und der Hitman sieht eine ganze Menge Polizei, inklusive Scharfschützen, Helikoptern und jeder Menge SWAT-Einheiten. Als letztere in Pats Wohnung einbrechen, nur um den Killer Tommy Monaghan zu verhaften, wird dieser sauer. Er nimmt den Captain als Geisel und fährt in einem Polizeiwagen unter tosendem Beifall der Bewohner des Kessels davon. Die Leute suchen sich ihre eigenen Helden, wenn sie von der Polizei nur schikaniert werden, meint Tommy, der bei dieser Publikumswirksamen Aktion sicher sein Leben lassen sollte. Doch wieder einmal hat der Hitman gewonnen, nicht zuletzt wegen seiner Superkräfte, die nach dem Gemetzel im Hause Dubelz auch arg angeknackst sind. So zum Beispiel bekommt Tommy neuerdings Kopfschmerzen, wenn er seine Telepathie einsetzt.

Detective Deborah Tiegel vom GCPD hat derweil ganz andere Probleme. Sie hat einen toten Polizisten als Schutzschild verwendet und muss nun dafür Rechenschaft ablegen. Drei Polizisten gingen in ein Haus rein, zwei kamen raus und einer hatte über 50 Einschüsse im Körper. Der andere Polizist hat ausgesagt, dass der andere Polizist noch hätte am Leben sein können. Allerdings fehlte dem, laut Tiegel, der halbe Kopf und sein Partner ruft die ganze Zeit nach seiner Mutter und wischte sich das Gehirn des Toten aus den Augen. Daher könne er nichts gesehen haben, meint sie. Ihre Vorgesetzte ist da allerdings anderer Meinung, und Tiegel verliert ihre Beherrschung. Sie beschimpft das GCPD, das vor Korruption nur so triefe und verurteilt die ganze Aktion in dem Haus. Das alles hat zum Resultat, dass sie suspendiert wird.

Agent Truman von der Regierung ist über den Hergang der PR-trächtigen Aktion der Polizei zur Verhaftung und Exekution von Tommy Monaghan gar nicht erfreut. Er, der alles eingefädelt hatte, hat den Faden verloren und die ganze Situation ist ausser Kontrolle geraten. Er beschliesst daher, Kontakt mit Tommy Monaghan aufzunehmen und ihn für die Regierung zu beschäftigen. Eine Art Exklusivvertrag soll es werden. Diesen unterbreitet er, mit dem Schutz von Mr. Fekaal, dem Hitman, der dankend ablehnt, da dieser seine Unabhängigkeit mag. Allerdings sieht Truman das nicht wirklich ein und so tritt Plan B in Kraft. Das heisst, dass Agentin McAllister, eine junge, attraktive Dame, Kyle Rayner alias Green Lantern kontaktiert, sehr nett und zuvorkommend zu ihm ist und ihn beauftragt, den gnadenlosen Killer Tommy Monaghan aus dem Weg zu räumen.

Tommy ist unterdessen schon eine ganze Weile im Polizeiauto unterwegs und hat eigentlich keine Ahnung, was er tun und wohin er gehen soll. Glücklicherweise wird der Polizeiwagen von einem braunen Kombi gerammt und eine Maskierte fordert Tommy auf, in den Wagen einzusteigen. Der nimmt das Angebot nur zu gerne an und fährt mit der Unbekannten, die sich als Tiegel herausstellt, davon. Und da auch sie keine Idee bezüglich eines guten Versteckes hat, nimmt sie den Killer, den sie am Abend zuvor noch aufs schärfste verurteilt hat, zu sich nach Hause mit, wo er ihre Familie kennen lernt.
Mrs. Tiegel ist eine nette alte Dame, die sich nichts weiter wünscht, als dass ihre Tochter jemanden findet. Und Grossvater Tiegel ist ein demenzkranker Altnazi, der Tommy als „Grruppenführrerrr“ begrüsst und seine Familie prinzipiell nur mit Militärrängen anspricht. In dieser, für Tiegel sehr peinlichen Situation beraten der Killer und die Polizisten, was nun zu tun sei. Sie beschliessen, Beweise für die Korruptionsaffäre um Truman zu finden, denn dann hat Tiegel ihren Job wieder und Tommy hat seine Ruhe.

Green Lantern seinerseits fällt auf diese Masche rein und macht sich auf nach Gotham, um den Mörder aus dem Weg zu räumen. Den Killer finden, das ist nicht schwer, doch Green Lantern hätte nie damit gerechnet, dass sein Gegner ein Plappermaul ist. So verstricken sich die beiden in ein Gespräch, was Tommy die Gelegenheit gibt, Kyles Gedanken zu lesen. Er erfährt so alles über den Kraftring der grünen Laternen und natürlich auch den zivilen Namen des Helden. Sichtlich beeindruckt von dem Ring beschliesst Tommy, erst mal eine Granate nach dem Grünen zu werfen. Dieser wehrt das explosive Ei schnell ab und es entbrennt ein kurzer Kampf, der damit endet, dass Tommy seine Waffe an der Schläfe des Helden hat.
Doch weil der Hitman ja bekanntermassen keine „Guten“ umlegt, nimmt er die Waffe vom Kopf der neuen Laterne und die beiden verschlägt es früher oder später ins Noonans, wo sie erst einmal bereden, wer denn nun warum wohin gekommen ist und die beiden stellen sich einander erst mal vor. Kyle, sichtlich geschockt von der Tatsache, dass der Mann im schicken grünen Trenchcoat tatsächlich ein Auftragsmörder ist. Es drängen sich sofort die ideologischen Konflikte eines Helden auf, der eben erfahren hat, dass er mit einem Bösen zusammen arbeiten muss.

Am nächsten Tag wollen sich Tommy und Truman treffen, denn Tommy heuchelt Interesse an dem Job. Verwanzt geht er an den Treffpunkt, Tiegel und Green Lantern im Rücken. Truman wiederholt sein Angebot und nennt potentielle Aufgaben des Hitman. Superman ein Nukleargeschoss in den Kopf jagen, Batman töten, das wären so seine Aufträge. Tommy lehnt noch einmal ab, diesmal aber mit Beleidigungen und Anspielungen auf Mr. Fekaals Namen. Und so schlendert Tommy Monaghan, Sieger über Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, über die Strasse. Keine Sorgen plagen ihn, keine Scharfschützen können ihm etwas anhaben, denn die wurden soeben von Tiegel erschossen. Green Lantern hat unterdessen die anderen Agenten mit einem „Angriff der Ausserirdischen“ ausser Gefecht gesetzt. Der Tag ist gerettet und Tommy hat die Gewissheit, nie wieder von einer Regierungsbehörde belästigt zu werden. Nur Mr. Fekaal hat nicht begriffen, wann Schluss ist und jagt dem Killer im grünen Mantel hinterher und will ihn mit einer automatischen Waffe umbringen. Ein kurzes Feuergefecht und auch das Fekaal-Problem gehört der Geschichte an.



Die Geschichte hatte viele Lacher, gute Lacher! Green Lantern als „Grüni“ oder gar „Funzel“ zu bezeichnen passt gut zu Tommys grosser Klappe. In dieser Hinsicht ist aber die Szene am Anfang, die erste Begegnung mit Kyle, unschlagbar. Die „fachmännische Analyse“ des Mordexpress und seinem Abkommen vom Weg oder vom Gleis liess mich gute zwei Minuten lachen. Es passt in dieser Szene einfach alles, die Gesichtsausdrücke, der Dialog, Tommys gleichzeitiger Monolog bezüglich Kyles Ring. Das nenne ich gute Autoren/Zeichnerzusammenarbeit. Diese findet sich auch im Noonans, mit Sixpack. Tommys Besuch bei Tiegel zu Hause ist in der Beziehung auch nicht schlecht, vor allem Tiegels Grossvater ist eine Klasse für sich. Die Story mit Truman ist ansonsten relativ simpel gestrickt und birgt, abgesehen vom Eingreifen Tiegels, kaum Überraschungen. Noch nicht.

Tommys Gefühle werden vor allem auf den ersten Seiten klar, die Sache mit „Sean – Dad“ war doch sehr eindrücklich und illustriert die Gefühle des Hitmans gegenüber seinem Ziehvater sehr gut. Auch die Beerdigung geht zu Herzen. Man mochte Pat, den einzigen der Leute vom Noonans der kein Killer war. Er hielt durch bis zum Ende, verriet keinen seiner Freunde. Die Melancholie dieser Szene ging mir noch lange nach. Keiner ausser den Killern stand am Ende an Pats Grab, ein Zeichen, dass er doch einer der ihren war. Eine sehr eindrückliche Seite. Leider verflog diese anfängliche Melancholie zusehends und wich der Comedy. Doch der Übergang wirkt nicht gezwungen oder künstlich, es scheint so als ob es einfach Tommys Art wäre, mit Verlusten fertig zu werden. Ausserdem ist er in diesem Moment, umzingelt von einer grossen Menge Polizisten, um andere Dinge besorgt und kommt danach kaum zu Ruhe. Sein Humor ist es, die die Verbitterung verdeckt. Man bemerkt sie einmal, mit dem Satz „Aber Menschen ändern sich“, der so viel mehr auszusagen scheint, als die Wörter aus denen er zusammengesetzt ist. Man versteht Tommy in diesem Band sehr gut, man scheint zu wissen was in ihm vorgeht, obwohl er nie etwas sagt wie „Ich bin traurig“. Und wo wir gerade von Tommy sprechen, in diesem Band verwendet er seine Kräfte öfters. Am Anfang der Röntgenblick, dann das Gedankenlesen. Es sollte aber das letzte Mal sein, in der Szenen von Tommys Superkräften leben.

Die Zeichnungen sind gewohnt düster, wirken in diesem Band manchmal beklemmend, manchmal die Gewalt unterstreichend. Eines hat mich jedoch gestört, zu sehr als dass ich darüber hätte wegsehen können. Green Lanterns Kostüm ist in diesem Band grau, wie ein sehr altes, verwaschenes, schwarzes T-Shirt, und nicht schwarz wie man es sich gewohnt ist. Das kann allerdings daran liegen, dass McCrea keine Schattierungen in Form von dunkleren Farben zu kennen scheint, denn wenn es schattig ist, ist es schwarz. Das stört auch leicht, wenn man Tommy im T-Shirt sieht, das einfach nur ein schwarzer Fleck zu sein scheint. Allerdings kennt man unseren Helden nicht anders, daher stört das weniger als die Sache mit GLs Kostüm. Ich muss aber erwähnen, wenn ich mich schon über Zeichnungen und Schattierungen auslasse, dass der Stil sehr gut zu Gotham City passt, einer Stadt in der die Sonne nie scheint. Ausserdem habe ich, wenn ich an Gotham denke, immer das Bild der Stadt aus „Batman: The Animated Series“ im Kopf, welches, wie ich finde in Hitman sehr schön wiedergegeben wird. Auch die glücklichsten Szenen sind düster und haben kaum helle Farben, das ist „mein“ Gotham.

Der Band ist, wie jeder Band und jedes Heft in dem die Jungs aus dem Noonans auftreten, sein Geld wert. Eine tolle Story, für die man allerdings die Vorgeschichte kennen sollte. Die Dino-Hefte ab Lobo 28 sind Pflichtlektüre, wenn man diesen Band verstehen will. Oder man bestellt sich die Backissues von Hitman. Auch diese Ausgaben sind ihr Geld wert, definitiv.



Hitman – Final Night


Damals, als wohnte, Tommy noch im Waisenhaus gab es einen Jungen, der war einer dieser so genannten „Bullies“. Klein-Tommy und Klein-Pat mussten ihm immer wieder ihre Comics und ihre Zigaretten geben, ansonsten wurden sie verprügelt. Eines Tages aber beschlossen die zwei Jungen zurückzuschlagen. Sie trommelten die ganzen Opfer des bösartigen Jungen zusammen und bewarfen ihn mit Steinen und verprügelten ihn. Der liess sich das nicht gefallen und klaute seinem Vater eine 38er, die er dann auf Tommy und seine Freunde richtete. Alle schienen den Lauf der Waffe anzustarren, doch Tommy sah weiter, er sah dahinter, er sah den Schützen. Das war der Tag an dem Tommy Monaghan dem Tod zum ersten Mal ins Auge blickte.

China. das Marinecorps hat die Aufgabe, die Stellung auf einem Hügel zu halten. Ein ganzes Batallion Männer, alle tot. Bis auf zwei. Den Sergeant und einen jungen Soldaten namens Sean Noonan. Diese zwei standen da, auf dem Hügel, umzingelt von einem Heer chinesischer Soldaten. Die beiden waren bereit zu sterben, als die Chinesen das Feuer eröffneten. Keiner hörte, bei dem Lärm, den die Geschütze machten, die US-Luftwaffe anrauschen. Der Luftangriff tat seinen Zweck und Sean Noonan war ausser sich vor Freude. Er wollte dem Sarge berichten, doch der lag bereits bei seinen Kameraden, von einer Maschinengewehrsalve durchsiebt. Das war der Tag an dem Sean Noonan dem Tod zum ersten Mal ins Auge blickte.

Ringo Chen ist Killer. Vor einigen Jahren hatte er einen Job in Hongkong zu erledigen. Normalerweise hält er sich nicht allzu lange an einem Tatort auf, man weiss ja nie, wann die Gesetzeshüter auftauchen. Aber in Hongkong sieht in der Nacht zu schön aus und der Champagner war Dom Perrignon. Daher genoss Ringo die Aussicht. So stand er da, im Hintergrund Leichen, und er trank auf dem Balkon ein oder zwei Gläser. Es tauchte wie aus dem Nichts ein alter Chinese auf, der bemerkte, dass Ringo den Tod bringt, aber das Leben zu schätzen weiss. Ringo schoss auf ihn, doch die Kugeln wurden vom alten Chinesen ohne Abnutzung und mit der Ankündigung, dass man sich wieder sehen werde, auf das Balkongeländer gestellt. Das war der Tag an dem Ringo Chen dem Tod zum ersten Mal ins Auge blickte.

Natt „The Hat“ Walls kam aus dem Irak zurück und erfuhr, dass seine Schwester von einem Gangsterboss geschwängert und dann sitzengelassen wurde. Er beschloss, sich zu rächen und heuerte bei einer konkurrierenden Gang an. Der Deal war simpel, Drogen gegen Schusswaffen. Doch es ging schief. Natt soll den Koffer mit der Ware überbringen. Allerdings eröffnet ihm sein Boss, dass in dem Koffer nur ein Zettel sei, auf dem stehe, dass Natt den Boss der gegnerischen Gang umlegen will. Natt hat Todesangst, doch es kommt noch schlimmer. Denn der Vater seines Neffen entpuppt sich auch noch als Polizist. Ein Feuergefecht entbrennt und Natt kommt nur knapp an den Kugeln vorbei. Das war der Tag an dem Natt Walls dem Tod zum ersten Mal ins Auge blickte.

Hacken tötete eine Menge Hühner. Das war der Tag an dem Hacken weder dem Tod ins Auge blickte noch etwas Sinnvolles tat.



Eine sehr eindrückliche Geschichte, denn sie lebt weniger von den Bildern, sondern mehr vom Text, von der Geschichte beziehungsweise den Geschichten. Es geht, wie man eventuell bereits bemerkt hat, um den Tag, an dem die Killer dem Tod ins Auge geblickt haben. Die Geschichten sind sehr melancholisch, was vor allem bei Seans Geschichte, ganz in Schwarz/Weiss gehalten, zum Vorschein kommt. Für ein bisschen lustige Erleichterung der doch überraschend schweren Kost sorgt Tommys Einleitung in die Geschichte, Hackens Erlebnis mit dem Tod und „Kevin der Kannibale“.

Auf die ganze Serie bezogen ist diese Ausgabe eine der wichtigsten, daher sollte sie in keiner Sammlung eines Hitman-Fans fehlen. Keine besonders tiefgründigen Geschichten, doch führt sie einige wichtige Figuren ein. Auch Einsteigern ist der Band zu empfehlen, denn es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich. Aber es hilft, vor allem am Anfang von Lokalmatadoren, den Hintergrund zu kennen.


Dominik "Bär" Bärlocher


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