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Hitman: Für das Morgen
Autor:
Garth Ennis
Zeichner:
John McRea
Erscheinungsdatum:
November 2003
Da in diesem Heft eine Storyline zusammengefasst ist, schreibe ich hier nur eine Zusammenfassung und eine Kritik.
Er hat nur ein Talent: Das Töten. Kaum einer kann jemandem besser das Leben nehmen als er. Geboren in einem kleinen Dorf in China, wo schon ein normales Aussehen ein Wunder war, wuchs er heran. Dann trat er dem Militär bei, wo er gefürchtet und geachtet wurde. Eines Tages aber galt es auf chinesische Bürger am Tiamanen Square zu schiessen, deshalb desertierte er und setzte in die USA über. Sein Onkel verhalf ihm zu einer neuen Identität, einem Job und einer kleinen Existenz, schon damals als Killer. Er hiess nun Ringo Chen und er tat seine Arbeit. Er tat sie so gut, dass es Verschwendung wäre, etwas anderes zu tun. Er arbeitete für seinen Onkel, bis der meinte, er müsse Ringo übers Ohr hauen, womit er sein Todesurteil unterschrieb. Später wurde er Killer im Gothamer Kessel. Wirkliche Konkurrenz hatte er nur von einem: Tommy Monaghan, auch bekannt als Hitman. Seit sich die beiden kennen, gibt es immer eine gewisse Spannung zwischen ihnen. Beide wissen, dass sie eines Tages herausfinden werden, wer der bessere Killer ist. Der ganze Kessel scheint nur darauf zu warten, dass sich die beiden Killer duellieren.
Doch das zählt jetzt nicht zu den wichtigen Dingen, denn Ringo hat eine Freundin. Ihr Name ist Wendy und sie mag Killer gar nicht. Darum hat ihr Ringo auch nicht gesagt, womit er seine Brötchen verdient. Allerdings erfährt sie es schnell genug, da Tommy Monaghan, ihr Ex-Freund, Ringo begrüsst , welcher ihn als Freund vorstellt. Die Freundin schaltet schnell und schliesst, dass Ringo und Tommy wohl den selben Beruf haben dürften und verlässt Ringo auf der Stelle.
Im Noonans sitzt Tommy bereits da und trinkt, wie jeden Tag. Auch er hat so seine Probleme, denn Tiegel war wieder einmal sauer auf ihn. Doch dann hat er ihr seine Liebe gestanden, was ihn doch recht beschäftigt. War das nun eine Dummheit oder clever? Was wird nun geschehen? Wieder eine Frage ohne Antwort. Vorerst, jedenfalls. Allerdings hat mit dem Eintreffen von Ringo anderes Vorrang. Die beiden Killer fangen an zu streiten und jeder meint, dass jetzt der Moment kommt, in dem sich entscheidet wer der bessere Auftragsmörder ist. [???]Allerdings scheint die Krise mit dem Rückzug Ringos grade noch einmal abgewendet.[/???]
Ringo hat den Tod zweimal getroffen. Ein alter Chinese, der ganz ruhig dasteht und wartet. Auf ihn zu schiessen, so hat Ringo erfahren, bringt gar nichts, denn der Alte hat ihm die Kugeln seelenruhig wieder in die Hand gedrückt. Gefangen hat er sie zwar nicht, aber sie haben weder etwas durch- noch sind sie irgendwo eingeschlagen. Ringo weiss, dass er der Tod ist, er muss es sein. Doch vorerst ist es Ringo, der den Tod zu seinen Opfern bringt. So auch Tarquin Hartcourt, vor einem Monat in Hong Kong. Ein guter Job, wie Ringo fand, denn ihm wurden sowohl Flug als auch alle anderen Wünsche bezahlt und den Teenager, den er erschiessen musste, war nicht grade ein „schwieriger Fall“. Allerdings stellte sich heraus, dass dieser Junge Sohn seines Vaters war, der seines Zeichens reich und Sir Richard Hartcourt ist. Und weil er Geld hat, kann er sich eine anständige Rache leisten. Darum hat er sich einen sehr kleinen Herrn mit dem Namen Waterman engagiert, der Ringo möglichst langsam und qualvoll um die Ecke bringen soll.
Ringo will sein Geld, das Geld für Tarquins Leiche, zweihunderttausend Dollar. Allerdings weiss Waterman das. Daher legt er einen Hinterhalt und foltert nebenbei Ringos Bankier zu Tode. Der kleine Mann scheint doch bedrohlicher zu sein, als angenommen. Ringo reagiert schnell und nach einem kurzen Feuergefecht flieht er über die Feuerleiter, wo er auch gleich, um Zeit zu gewinnen, eine Granate platziert. Er entkommt und trifft im Noonans auf Sean, mit dem er über Tommy redet. Beide gestehen sich ein, dass Tommy einfach dazu gehört, dass er einfach der beste, wenn auch komplett durchgeknallt, aber doch mit dem grössten Potential ist. Er wird eines Tages etwas Besonderes machen, das hat auch Pat schon gesagt.
Unterdessen hat Tommy beschlossen, wie üblich vorschnell und aus dem Bauch heraus, Wendy aufzusuchen und mit ihr zu reden. Er will einfach nicht, dass sein Freund seine Geliebte wegen ihm verliert. Er hat fünf Minuten um Wendy alles zu erklären. Blöderweise hat Ringo zur selben Zeit die gleiche Idee und so treffen sich die beiden in Wendys Wohnung. Es entbrennt ein Streit und wieder findet man sich in der Situation, in der man sich schon im Ansatz im Noonans fand. Diesmal aber gehen die beiden weiter. Gerade als sie die Waffen aufeinander gerichtet haben, bemerkt Wendy, dass ein Stosstrupp unbekannter Herkunft - sie stammen von Sir Richard wie sich später herausstellt - ihnen allen ans Leder will. Ringo und Tommy reagieren schnell und routiniert, und löschen die Eindringlinge schnell aus, sehr zur Schockierung von Wendy.
Waterman foltert Ringo, und Tommy darf zusehen. Der Leser allerdings bekommt nur das, was zwischen den Folter-Sitzungen geschieht, mit. Ringo wird von mal zu mal übler zugerichtet, bis ihm ein Auge und drei Rippen fehlen. Die beiden reden miteinander, jedes Gespräch könnte ihr letztes sein. Ringo erzählt aus seinem Leben und Tommy hört zu, gebannt, was ihm sein Freund alles vorenthalten hat. Unter anderem arbeitete er für die CIA, wo er auch Zugang zu den Bloodlines-Akten hatte. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht bemerkt er, dass Tommys Augen noch schlimmer aussehen als bisher angenommen. Der Hitman ist zu Recht überrascht und meint, dass es bei keinem so einfach aussähe zehn Schritte voraus zu sein, wie bei Ringo Chen. Waterman ist aber noch lange nicht mit dem Hitman und dem chinesischen Killer fertig. Die nächste Runde steht bereits an, doch diesmal macht er einen grossen Fehler. Er schickt nur zwei bewaffnete Wachen um die beiden besten Killer Gothams zur Folter zu bringen. Ringo überwältigt beide Wachen, da Tommy im Nahkampf kläglich versagt, und so sind beide bewaffnet und wieder gefährlich.
Sie töten. Das ist es, was sie beide am besten können. Sie töten um zu leben, sie töten um zu überleben. Auch Watermans Männer bekommen das zu spüren. Ein grosser Teil wird ausgelöscht, kaum einer entkommt. Der nächste Raum, der letzte vor der Freiheit, ist offensichtlich eine Falle. Tommy soll zurück bleiben und ihm Rückendeckung geben, meint Ringo. Doch beide wissen dass das gelogen ist. Ringo will einfach nicht, dass sein Freund stirbt. Er stürmt in den Raum, wo eine Menge Männer mit Maschinenpistolen warten. Ringo weiss, dass es zu Ende geht. Trotzdem, er zieht seine Waffe und tötet alles, was ihm vor den Lauf kommt. Hinter dem Lauf, hinter Ringo, steht ein alter Chinese, der dem Killer wohl bekannt ist. Es ist der Tod, wie Ringo ihn sieht. Nachdem das Feuer verstummt, betritt Tommy den Raum, an der Wand liegt lächelnd ein halbtoter Mensch, vor ihm ein Haufen toter Männer. Die letzte Bitte des Sterbenden: Hilfe. Er will, dass der Hitman ihm hilft, den Job zu Ende zu bringen. Klar, dass Tommy ihm die Bitte nicht ausschlagen kann und so legt er eine entsicherte Granate unter Ringos leblosen Körper und verlässt das Haus. Letzterer blickt nun auf seinen zerfetzten Körper. Neben ihm der alte Chinese. Ringo will wissen, ob es das jetzt gewesen sei, worauf der alte Chinese ihm zwei Möglichkeiten gibt. Entweder ist es das wirklich gewesen oder Ringo arbeitet für den Alten.
Sir Richard Hartcourt spielt Golf, als ihn eine Kugel in den Kopf trifft. Zurück in Gotham, Wochen nach dem Tod eines Freundes, herrscht im Noonans immer noch gedrückte Stimmung. Ausser Hacken sind alle ziemlich still, doch ersterer ist ständig sturzbesoffen und fuchtelt mit einer Waffe herum. So sehr nimmt ihn der Tod seines besten Freundes mit, den er nicht nur als Freund sondern auch als Partner sah. Er habe geweint, meint Sean, viel geweint. Tommy nimmt ihm die Waffe weg und schickt ihn fort. Ein sehr trauriger Hacken schlurft davon.
Mit dieser Ausgabe ändert sich der Erzählstil der Serie. Sie geht mehr ins Episodenhafte über, verlässt den gängigen Pfad einer Continuity, der vorschreibt, dass man fast schon alle Ausgaben kennen sollte um die Geschichte zu verstehen. Man braucht die Serie nicht zu kennen, um zu wissen wer Ringo ist und was ihn in etwa ausmacht. Klar, natürlich hilft es, die Vorgängerbände gelesen zu haben. Besonders die Szene mit Ringos Freundin und die Spannung zwischen den beiden Killer versteht man so besser beziehungsweise überhaupt. Man erfährt, wer Ringo ist (seine Origin sozusagen), und wie er stirbt. Hier springt besonders ein Panel ins Auge, und zwar jenes, in dem Ringo ein Auge fehlt und er Tommy immer noch anlächelt. Dieses eine Panel hat sich mir ins Gehirn eingebrannt und ich brauche es gar nicht zu sehen um dieses Gefühl wieder zu empfinden. Ein warmes Lächeln in einem sterbenden Gesicht. Ringo weiss, dass es mit ihm zu Ende geht, aber trotzdem bringt er noch ein Lächeln über die Lippen. Generell sind es die Szenen, in denen Ringo und Tommy in der Zelle eingesperrt sind, die die Story ausmachen. Die Dialoge zeugen von gegenseitiger Bewunderung, Ehre unter Killern und spiegeln die Stimmung wider, die sich durch die ganze Hitman-Serie zieht.
Einen kurzen Ausflug in die Welt der Superhelden und –schurken zeigt sich in diesem Heft. Zuerst mit Waterman, der ja eine Art chinesischer Gnom ist, dann mit Ringos schockierendem Satz, dass Tommys Augen schlimmer aussähen, als er erwartet hätte. Ringo wusste es die ganze Zeit, doch sagte nie ein Wort. Loyalität Tommy gegenüber. Szenen wie diese sind, wenn man darüber nachdenkt, die Szenen, die diese gnadenlosen Killer so menschlich und sympathisch machen. Sie sind nicht eiskalt, sie sind Menschen wie du und ich. Sie haben lediglich einen etwas seltsamen und vor allem unmoralischen Beruf gewählt. So macht die Serie eigentlich aus den Bösen die Guten und teilweise andersrum, wenn man sich sämtliche Tommy/Batman-Begegnungen vor Augen führt. Ringos Tod bildet da auch keine Ausnahme. Er war ein Killer, er war in den Augen der DC-Gesellschaft böse, aber er war ein Held für Tommy und die Leute im Noonans.
„Witziges könnte in diesem Band eigentlich nur fehl platziert sein“ meint der Laie, doch wenn man den Band liest, dann bemerkt man, dass es einige Lacher gibt. Mehr Situationskomik als blöde Sprüche oder Practical Jokes, gut eingebaut, und keineswegs mit dem Beigeschmack eines erzwungenen Witzes. Die Szenen im Zoo mit Tiegel stechen da hervor. Tommy wird sich in der Situation wohl so schon blöd genug vorkommen und wenn dann die Giraffe sein Eis frisst, dann wird die Situation für alle recht blöd. Tiegels Lachanfall trägt auch dazu bei, was auch zeigt, dass die Charaktere menschlich wirken und nicht irgendwie gestellt oder gar steif agieren.
Die Zeichnungen unterscheiden sich kaum bis gar nicht von der Serie, wie sie bisher lief. Doch wirken sie diesmal wieder völlig anders. Gerade, weil man den Stil kennt, wirken sie zum einen vertraut. Doch, wenn man die Story mit in Betracht zieht, auch irgendwie kalt. Selten geschah bisher so etwas tragisches, doch es gibt keinen Unterschied zu den anderen Ausgaben. Ringos Tod sieht aus wie eine Party im Noonans. Ein Panel gibt es allerdings, das mich stört, da es mich immer an den Stil von Comicstrips in der Zeitung erinnert, oder an einen witzigen Manga. Und zwar das Panel, in dem Waterman in den Rücken geschossen wird. Die Pose wirkt zu gestellt, zu unecht, sein Gesicht zu kitschig, als dass es überzeugen könnte. Dieses eine Panel hat für mich die Szene verdorben, die so dramatisch und actiongeladen ist, wie keine andere.
Der Band ist allen Freunden von guter Comicliteratur, wie der Rest der Hitman-Serie eigentlich auch, nur zu empfehlen. Auch bevorzuge ich die Erscheinungsweise, die Dino und Panini nach Lobo #39 praktiziert haben. Ganze Storylines in einem Band abzuhandeln scheint mir wesentlich lesefreundlicher als die Einzelheft-Variante, da ich sicherlich vor Spannung umkommen würde. Stellt euch einmal vor, ihr bekommt nur Fitzelchen einer Story vorgesetzt und müsst auf das nächste Fitzelchen vier Wochen warten. Vom Preis her muss man aber für die komplette Story schon tiefer in die Tasche greifen, allerdings lohnt sich jeder Rappen/Cent.
Dominik "Bär" Bärlocher
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