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Flash Monster Edition #1
(Print-on-Demand)


Flash Monster Edition #1 Text:
Geoff Johns

Zeichnungen:
Scott Kolins, Rick Burchett,
Justiniano, Phil Winslade,
Alberto Dose

Übersetzung:
Steve Kups

Erschienen:
18. 11. 2004

Inhalt:
US-Flash #189-200

€ 28,00
farbig
280 Seiten



Der erste Flash Monsterband stellt in vielerlei Hinsicht ein Unikum dar.
Dass wir ihn überhaupt in den Händen halten können, verdanken wir einzig DCDs „Print-on-Demand“ Aktion. Der Band wurde erst gedruckt, nachdem über den Zeitraum von über einem halben Jahr genug verbindliche Vorbestellungen beim Verlag eingegangen waren, um ihn zu finanzieren. Da so Werbe-, Vertriebs-, und Händlerkosten sehr stark minimiert werden, kann eine viel kleinere Leserschaft als üblich in den Genuss der übersetzten US-Flash Ausgaben #189-200 kommen. Gegen zwölf Hefte für 28 Euro kann man freilich in keinem Fall etwas sagen, und Autor Geoff Johns gehört ohnehin zu den gefeiertsten DC-Schreibern unserer Zeit. Was natürlich nicht um die Frage herum führt, ob die veröffentlichten Abenteuer des Speedsters etwas taugen.

Auch wenn BLITZ, das Epos um die Rückkehr des klassischen Flash-Gegenstücks Zoom, im Vordergrund steht, hat der Band noch einiges mehr zu bieten. Er beginnt mit drei Einzelheften, die den Leser locker in Wally Wests Heimatstadt Keystone City einführen. Der Einstieg US-Flash #189 liefert viele hilfreiche Expositionen (wir erfahren z.B. dass Wallys Frau Linda ein Kind von ihm erwartet), lässt den Speedster alte Freunde aufsuchen, und stellt so den idealen Startpunkt in einen solchen Monsterband dar.
Daraufhin verfolgen wir eine Ausgabe lang den Pied Piper, bekommen seine Origin erzählt, und werden Zeugen mehr oder minder interessanter Entwicklungen um diese Figur. Die dritte Ausgabe schließlich präsentiert erstmals den Starzeichner der Serie, Scott Kolins, dessen einmaliger Stil einem sofort im Gedächtnis bleibt. Dazu gibt es ein kleines Crossover mit Hawkman, während ein Troll namens Bruder Grimm eine magische Bohnenranke im Herzen Keystones wachsen lässt. Hm.

Und schon zieht das Tempo gewaltig an, Flash darf sich mit seinem bis dato größtem Gegner, Gorilla Grodd, messen. Ein Dreiteiler, der mit einem Gorilla-Angriff auf die Strafvollzugsanstalt Iron Heights beginnt, in dessen Verlauf auch gleich ein Großteil der Insassen entkommen. Flash verfolgt Grodd bis nach Gorilla City im Regenwald, wo ein ganz anderes politisches Klima als bei seinen vorigen Besuchen herrscht. Und man den Menschen nicht mehr unbedingt wohl gesonnen ist. Die vielleicht wichtigste Entwicklung in diesen Seiten ist ein Angriff auf Wallys Freund Hunter Zolomon, der im Zuge der Ereignisse von der Hüfte abwärts gelähmt wird. Er soll noch eine große Rolle im Laufe des Monster-Highlights spielen, darum darf auch seine Origin nicht fehlen.

Flash schlägt sich daraufhin eine Zeit lang mit einigen B-Klasse Gegnern herum, die aus Iron Heights entkommen sind, bis er sich schließlich einer großen neuen Bedrohung gegenüber sieht: Zoom, der Negativ-Flash. Dass es sich dabei um eine andere Person als Flashs Ur-Gegner des Silver Age handelt, den Wallys Onkel Barry töten musste, wissen die Leser schon die ganze Zeit. Doch warum ihn dieser neue Feind auf dem Kerbholz hat, wird Flash selbst erst ganz zuletzt klar, und da ist es auch schon fast zu spät. Denn Zoom zielt auf Wally persönlich ab und will ihn Tragödien erleben lassen, wie sie nur die dunkelsten DC-Heroen zu betrauern haben. Die Möglichkeiten dazu hat er, denn Zoom, dessen Kräfte nicht auf Geschwindigkeit und der Speed-Force, sondern auf Zeitverschiebungen basieren, ist um ein Vielfaches flinker als der bis dato schnellste Mann der Welt. Viele Ausgaben lang entbrennt ein Kampf, der Wally alles abverlangt und ihn grundlegend verändert zurück lassen wird – und Opfer fordert. Dabei ist nur eine der tödlichen Entscheidungen, die Flash treffen muss, ob er dem Weg seines Onkels folgt und Zoom tötet.



Okay, das klang nun Alles wie ein Klappentext eines unterbezahlten DCD-Redakteurs. Es ist auch verdammt schwer, diesen Band zu besprechen, ohne einige der überraschenden Enthüllungen vorweg zu nehmen; Und die machen nun einmal einen Großteil des Lesespaßes aus. Von einem solchen darf man bedenkenlos sprechen, auch wenn der erste Flash Monsterband Kanten und Macken hat.

Ein Problem liegt ganz einfach am Format. Geschichten werden aus einer fortlaufenden Serie heraus genommen, die doch sehr stark auf einander aufbauen. Klar, der Einleitungstext von Steve Kups hilft, und die erste Ausgabe hätte kaum besser gewählt sein können. Trotzdem gehen viele Pointen an deutschen Lesern vorbei, weil einem die Vorgeschichte fehlt – Beispiel, die Entwicklung Pied Pipers. Aber auch die hätte sehr viel konfuser ausfallen können als sie es ist, dank der mitgelieferten Origin-Story.
Insgesamt gibt es leider aber auch einiges an Füllmaterial. Weder Flashs Kampf gegen Peek-a-Boo oder den Top ist originell oder spannend, und auch das Crossover mit Hawkman geht überraschungsfrei über die Bühne – von Bruder Grimm und der Bohnenranke soll jetzt mal gar keine Rede sein. Aushilfszeichner wie Rick Burchett, Phil Winslade oder Justiniano machen das nicht gerade besser.

Nein, im Wesentlichen dreht sich dieser Band um Grodd und Zoom, die Elite-Schurken der beiden großen Flash-Abenteuer “der Aufruhr“ und BLITZ. Johns genießt seinen Ruf als bester Mainstream-Superheldenautor im Lande sicherlich nicht ganz zu unrecht, und seine Schreibe weiß wirklich zu gefallen. Schöne Actionszenen, dramatische Wortgefechte, Pathos und Überraschungen... Er fährt mit Allem auf, was Superhelden so zu bieten haben, und davon reichlich.

Doch so, wie man an seiner Feder alles aufregende, farbenfrohe und unbeschwerte am Superhelden-Genre ablesen kann, bleibt man auch an vielen Klischees und Kindheitsproblemchen der Heldengeschichten hängen. Die vor Pathos überstrotzenden Origins seiner Akteure, die jedem einen großen, tragischen Schicksalsmoment vorgeben... Atemberaubende Kräfteduelle in abgedrehten Szenarios, die im Gegensatz zu Morrison nicht immer ganz schlüssig sein müssen... Irgendwie finde ich in Johns Abenteuern nie ganz den emotionalen Zugang zu den Geschichten – das ist natürlich rein subjektiv. Klar, es gibt tausend Winker mit allen Zaunlatten der Welt, wie tragisch und dramatisch zum Beispiel das Ende ist. Aber muss alles so sehr ausformuliert, so verbissen tiefgründig, sein, dass man schon beide Augen zudrücken muss, um noch mitfühlen zu können?
Zudem lassen sich viele Plotwendungen nicht unbedingt nachvollziehen. Erst distanziert Wally sich etwa entschieden von seiner Kindheitsansicht, der Tod des ersten Zooms durch seinen Onkel wäre ein Mord gewesen („jetzt weiß ich, er hatte keine andere Wahl“), dann aber dreht sich doch wieder alles darum, dass er auf keinen Fall zu diesem Mittel greifen darf – als ob Zooms endgültiges Schicksal dann so viel besser wäre. Hauptsache die Vorgabe „der Held tötet nicht“ bleibt gewahrt!

Zeichner Scott Kolins steht auf jeden Fall über aller Kritik. Er ist wirklich einer der ganz wenigen Künstler, deren Stil einzigartig ist und die man überall identifizieren könnte. Zunächst scheint seine knubbelige Federführung, mit dicken Outlines und gar keinen Schattierungen überhaupt nicht zum Flash zu passen. Doch je mehr man liest, um so gelungener erscheint diese ganz eigene Interpretation von Geschwindigkeit. Beim finalen Duell gegen Zoom weiß man, was man an Kolins hat.

Fazit:

Superhelden-Comics sollen Spaß machen und gut unterhalten. Unter dieser Voraussetzung ist der Band optimal, Johns packt ungefähr alles hinein, was das Genre zu bieten hat. Nicht besonders subtil, nicht besonders vielschichtig, aber immer gut gelaunt und manchmal mit einem Augenzwinkern. Es gibt überraschende Wendungen und gelungene Darsteller aus dem Genre-Baukasten, und die Auflösung des Bandes gehört sicherlich zu den ganz großen Momenten des DC Universums der letzten Jahre.
Die hervorragenden Zeichnungen entschädigen außerdem für so manchen Pathos, der hier und da zu dick aufgetragen wurde und außer Kontrolle gerät - Und auch für einige Story-Unebenheiten. Sieht man von dem Füllmaterial ab (ohne das sicherlich auch etwas fehlen würde, schon klar), ist das Preis-Leistungsverhältnis mehr als gelungen. Insgesamt ein prima Band.
Wer fordernde grafische Literatur will sucht weiter.


Lukas "Ruppoman" Wilde


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