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DC Premium #32

Batman - Imperfekt


Batman: ImperfektAutor:
Joe Casey
Zeichner:
Cully Hamner
Inker:
Dexter Vines, Rodney Ramos
Erschienen:
22. Juli 2004
Preis:
15,50/20,50 Euro (SC/HC)
132 Seiten
Enthält: US-Batman: Tenses #1 und #2

Wer gedacht hatte, dass es nach der Rückkehr des Dunklen Ritter keine noch düstereren Story über Batman geben könnte, der hat sich geirrt. Joe Casey legt mit Batman: Imperfekt eine Story vor, die ganz unter die Haut geht und einen Bruce Wayne präsentiert, wie wir ihn selten (noch nie?) kennen gelernt haben.

Casey siedelt seine Geschichte an, als Bruce Wayne sich gerade entschlossen hatte, Batman zu werden. Eine “Year One“-Story also; Aber anders als Miller ist Casey hauptsächlich an Bruce Wayne interessiert. Ging es bei Miller hauptsächlich um das Moloch Gotham City, seine korrupte Polizei und das immer präsente Verbrechen, so greift sich Casey den Mann Bruce Wayne und blickt tief hinein in seine Seele. Und da herrscht nur Dunkelheit.

Für seinen Feldzug benötigt Bruce Wayne Geld. Bathöhle, Autos und diverse andere Anschaffungen haben ihren Preis. Er ist zwar alleiniger Besitzer des riesigen Vermögens seiner Eltern, aber ihm scheint es noch nicht genug: Seine Firma “Wayne Enterprises“ muss noch effektiver werden und mehr Gewinn abwerfen. Und so beschließt er, Mitarbeiter zu entlassen und einzusparen.

Im “Kane's Department Store“, der zum Imperium “Wayne Enterprises“ gehört, arbeitet in der Abteilung für Damenoberbekleidung der unscheinbare Ted Krosby. Als er einer Kundin gegenüber unhöflich ist, ist dies Grund genug für seine Vorgesetzten, ihn zu entlassen.

Ein neuer und nicht ganz uninteressanter Ansatz: Während er die Nacht über als kostümierter Vigilant immer auf der Suche ist, um Verbrechen zu verhindern, ist er mit den Kündigungen, die er tagsüber als Konzernchef ausspricht, selbst nicht ganz unschuldig an diesen.
Hier begegnen wir nicht dem großherzigen Philanthropen Bruce Wayne – nein, hier versucht ein Besessener seine Mission durchzusetzen.

Auch als Batman ist er nicht zimperlich: Bei einem Waffendeal, den er verhindert, schießt er einem der Beteiligten seinen Enterhaken (mit dem er sonst Halt für sein Batseil im Mauerwerk sucht) durch die Schulter.

Ted Krosby versteht die Welt nicht mehr – hat er nach dem erst erlittenen Verlust der Mutter nun auch keine Arbeit mehr. Der Vater hatte die Familie schon recht früh verlassen – ein Umstand, über den er nie hinweggekommen ist, obwohl ihn sein Vater oft brutal zusammengeschlagen hatte.

Ted wandert durch die Straßen von Gotham City: Arbeitslos und ohne Wohnsitz. Er wird von Bildern gequält, die er sieht – schreckliche Visionen, denen er nicht gewachsen ist, quälen seinen Geist. Hier wird nicht ganz klar (wohl Absicht von Casey!), ob er nur halluziniert, oder ob er wirklich über seherische Fähigkeiten verfügt. Jedenfalls lassen ihn diese Visionen langsam immer mehr den Verstand verlieren. Die Parallelen Ted Krosby/Bruce Wayne sind unverkennbar: Beide haben Visionen, die sie quälen und an denen sie zu scheitern drohen. Wayne hat klare Vorstellungen und Visionen, wie sein Unternehmen, seine Welt, aussehen soll, und setzt eindeutige Prioritäten.

Auf einer Party lernt Bruce Wayne den Journalisten William Black kennen. Black möchte mehr von ihm erfahren, seine Beweggründe für sein Verhalten in der Öffentlichkeit. Er möchte wissen, warum Bruce Wayne aus keiner erkennbaren Not heraus sein Unternehmen zu verändern versucht. Unruhe würde auf den Märkten entstehen, da viele glauben, dass Bruce Wayne etwas weiß, was sie nicht wissen. Die Spirale aus Arbeitslosigkeit und Not fängt an sich zu drehen. Wayne weist den ivestigativen Journalisten schroff zurück.

Ted unterdessen gelangt an die falschen Leute. Sie erhoffen sich von seinen seherischen Fähigkeiten Vorteile bei ihren Raubzügen. Ted gibt Informationen über seinen früheren Arbeitgeber an sie weiter und sie brechen in das Warenhaus ein.
Batman erscheint, Ted wird gefangen, seine Komplizen fliehen.

Black versucht immer wieder, mit Wayne Kontakt aufzunehmen. Er glaubt ihn zu verstehen und möchte ihm helfen. Auch er ist als Kind Waise geworden.

Doch Ted landet im Gefängnis. Beim Transport ins Arkham Asylum wird er aber wieder von seinen Kumpanen befreit. Nun dreht er vollends durch: Er ersticht einen seiner Kumpanen und fängt an ihn aufzuessen. Unter dem Rest stellt er ein Massaker an: Keiner überlebt.

Ted begibt sich zum Hause seines Vaters, der jetzt in zweiter Ehe lebt, was er seinem Vater nie verziehen hat.
Nach einem heftigen Streit sticht er seinen Vater brutal nieder. Batman erscheint – Ted ist amüsiert und bastelt sich aus der Haut seines Vaters eine Maske mit Cape. Er ist entschlossen, alles nieder zu machen.

Batman wirft einen Batarang nach ihm und trifft ihn am Kopf. Beim Herausziehen reisst sich Ted selbst ein Auge aus.

Es kommt zum Kampf – Batman prügelt den unterlegenen Ted ziemlich hart nieder. Erschöpft und am Ende wendet sich Ted dem Wald zu und setzt sich im Schnee unter einen Baum zum sterben. Batman hindert ihn nicht daran. Auch würde Ted jede Hilfe ablehnen. Er lässt sich nicht helfen und hilft sich selbst auch nicht. Sie sind sich so gleich! Auch Bruce Wayne lehnt jede Hilfe ab – auch er ist nur glücklich, wenn er sich selbst quälen kann. Die Bilder von Cully Hamner sprechen Bände.

Das “Erste Jahr“ ist vorüber. Schließlich gibt Bruce Wayne doch noch das Interview. Bei dieser Gelegenheit gibt Bruce Wayne die Karte mit der Telefonnummer von William Blacks Psychotherapeuten diesem zurück.
Bruce Wayne geht ganz auf in seiner selbst auferlegten Mission des Batman.

Wie Krosby hat Wayne Mauern um sich gezogen, um nicht die ganze Fülle seiner Leiden zu erkennen. Der eine schließlich findet Erlösung im Tod, und der andere in seiner Höhle und in seinem riesigen, einsamen Haus. Tief unter diesem stählt er seinen Geist und seinen Körper und ist erst zufrieden, wenn er in seinen Qualen versinkt.

Casey reiht kleine Ereignisse (u.a. die Begegnung auf dem Flur eines älteren S/M-Paares während einer Party, Batman rettet ein kleines Kind aus einem brennenden Haus und findet Freude daran, dass der Junge sein Batmobil cool findet) aneinander, die in Bruce Wayne sehr viel bewirken – er steht erst am Anfang (Year One) und muss noch soviel lernen. Aus dem unerfahrenen Novizen muss erst noch ein Mensch werden, der Batman und Bruce Wayne vereinbaren kann.

Casey und die Bilder von Hamner gehen eine einzigartige Symbiose ein – wo Worte fehlen, da vermag der Künstler durch seine Bilder unendlich viel zu erzählen.

Norbert Elbers


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