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DC Premium 27

Supergirl - Das Ende


Batman: AbsolutionAutor:
Peter David

Zeichner:
Ed Benes

Erschienen:
18. September 2003

Preis:
16,00 Euro



Nanu? Supergirl?
In Deutschland? Haben wir da etwas nicht mitbekommen?
Nun...ja! Hinter diesem DC Premium Band steht die Abschluss-Storyline der monatlichen Supergirl-Serie, die in den USA von 1996 bis zum Mai dieses Jahres lief. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an einige Superman Specials und "Time-Warps" des Dino Verlags, in denen die ersten Gehversuche der Serie auch dem deutschen Publikum präsentiert wurden.
Doch seither ist viel Zeit vergangen, und der serientreue Autor Peter David hat allerhand herum experimentiert. Supergirl wechselte ihr Outfit, bekam neue Kräfte, erlebte allerhand mystische und spirituelle Abenteuer mit Chaos-Strömen und Dämonen, um sich schließlich als erdgeborener Engel Gottes wiederzufinden.

Klingt verwirrend, war es vermutlich auch. Die Auflagezahlen standen nicht zum Besten für die Maid aus Stahl, darum versuchte Peter David mit der Nummer 75 noch einmal, das Ruder herumzureißen. Er gab der Serie eine radikal neue Richtung, die zusammen mit Zeichner Ed Benes wie erwartet für Tumult sorgte. Dank Panini dürfen wir uns nun selbst ein Bild davon machen, ob das Aufsehen gerechtfertig war.



Superman ist der letzte Überlebende von Krypton.
Linda Danvers ist das einzige Supergirl.
Kara Zor-El, Supermans aus den Geschichtsbüchern gestrichene Cousine der Prä-Crisis-Zeit, hat es nie gegeben.
Drei Axiome des DC Universums, die Peter David gleich auf den ersten Seiten einfach über Bord wirft.

Eine Rakete landet in Leesburg, und an Bord ist ein Supergirl, das Altlesern sehr bekannt vorkommt. Doch obwohl es sich nicht um Kara Zor-El handeln kann, nicht um sie handeln darf, scheint die naive Besucherin einer gestorbenen Welt wirklich Supermans Cousine zu sein. Linda Danvers hegt zunächst verständliche Zweifel. Doch was sie schließlich für Kara einnimmt, ist weniger die Tatsache, dass sie über alle von Supermans Kräften verfügt. Es ist ihr unschuldiger Blick auf die Welt, ihre blauäugige, entwaffnete Naivität, mit der sie ihre Umgebung betrachtet.

Doch schon bald wird klar, dass alles noch viel komplizierter ist. Während Kara versucht, sich in einer Welt einzuleben, die sie mit kalten, zynischen Augen abschätzt, taucht der mächtige Fatalist auf, der Supergirls Rakete aus einer anderen Realität in unser DC Universum gebracht hat. Und dann ist da noch Lord Xenon, offensichtlich ein Gegenspieler des gottgleichen Spectre, der in einer anderen Dimension eingekerkert ist, und die Supergirls aller Zeitlinien auslöschen will.

Standart-Superhelden-Mainstream?
Oberflächlich betrachtet sicherlich, wenn auch im positivsten Sinne. Panini hat dem Band ein Vorwort von Peter David spendiert, in dem der Autor sehr treffend seine Intentionen und Ansichten erläutert. Was David versucht hat ist, zwei Generationen von Comics einander gegenüber zu stellen. Er beschreibt die einfachere, kurzsichtigere Art und Weise, in der „Bildheftchen“ vor Jahrzehnten aufgefasst wurden. Wir nennen es heute das Silver Age. Seit den 80ern ist das Comiclesen wesentlich komplizierter und „ernsthafter“ geworden. Diese beiden Weltbilder prallen, verkörpert durch die beiden Supergirls, aufeinander.

David gelingt es, die Naivität jener Ära mit einem Blick zu karikieren, der ihr liebevoll Respekt zollt, anstatt sich über sie lustig zu machen. Die Darstellung des klassischen Supergirls ist völlig übertrieben kindlich, doch man kann nicht umhin, Kara irgendwie sympathisch zu finden. Ihr gegenüber wirkt Linda Danvers abgeklärt und kaltblütig, doch bietet sie auch eine herrliche Aufprallfläche für Silver Age-Klischees. Und da gibt es eine Menge, die David allesamt treffend aufs Korn nimmt. Im Grunde jagt ein Insider-Gag den anderen.
Ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen, im Laufe des Bandes reißen wir direkt ins Silver Age zurück, und allein für das Treffen mit einem äußerst gediegenen Superman sollte man Geld bezahlen.



Auffällig ist auch, wie einsteigerfreundlich diese letzten fünf Ausgaben einer achtzigteiligen Serie sind. Natürlich führt David noch den ein oder anderen Gedanken aus den vorigen Stories zu Ende, doch er tut dies in Nebensätzen. Alle wichtigen Informationen bekommt man geliefert, als wäre die Geschichte für eine Sammelband-Veröffentlichung geschrieben worden.

Obwohl eindeutig die Charaktere im Vordergrund stehen, kommt auch der Plot nicht zu kurz. Wir haben eine kosmische Bedrohung, einen gefährlichen Schurken, hier und da eine überraschende Wendung... Eigentlich alles, was ein buntes Superhelden-Abenteuer eben so brauch. Dass alle Ereignisse noch irgendwo mit der Crisis verknüpft sind, verleiht der Handlung einen würdevollen Rahmen. Und schließlich ist die Idee, die David hierzu einfällt, auch noch nirgendwo anders verwendet worden. Wie zum Geier das nun alles in die berühmt/berüchtigte Kontinuität passen soll, dürfen andere entscheiden... Bei Peter David soll Comiclesen einfach nur Spaß machen. Und wenn dies jedem Autor so gut gelingen würde, der diesen oft als Alibi verwendeten Anspruch hegt, dürfte man froh sein.
Supergirl: Das Ende steigert sich dennoch zu einem tragischen Ausgang, der sehr gefühlvoll in Szene gesetzt wurde und niemand ganz kalt lassen wird.

Ahja, man sollte wohl noch die Zeichnungen erwähnen...Ed Benes...*räusper* -sein Ruf ist ihm vorausgeeilt- hat zweifellos eine gewisse Fixierung auf weibliche Rundungen und auf eine entsprechende Darstellung derselbigen. In jedem Panel.
Man mag dazu stehen wie man will, und im Comicforum gab es bereits hitzige Diskussionen darüber, aber halten wir uns an die Fakten: Er ist ein guter Zeichner.
Zusammen mit der hervorragenden Kolorierung ist jede Seite optisch hervorragend gelungen. Die Actionszenen sind dynamisch, die Perspektiven dramatisch, die Schattierungen passen einfach. Die überbetonte Darstellung der Gesäß-, und Oberweitenzonen mögen für viele Kiddies ein zusätzlicher Kaufanreiz sein, das war es aber auch schon. Allenfalls bemängeln könnte man, dass die Gesichter seiner Supergirls sich viel zu ähnlich sehen.

Fazit: Ein wirklich netter Band, der seinen Preis voll und ganz wert ist. Peter David liefert Mainstream-Unterhaltung, wie man sie sich im Superhelden-Genre nur wünschen kann, und spielt gleichzeitig mit der Sichtweise des Silver Age. Zum perfekten Ende gäbe es nichts hinzuzufügen oder wegzulassen, und optisch macht das ganze Abenteuer ohnehin viel her. Da im Grunde keinerlei Vorkenntnisse nötig sind, darf jeder bedenkenlos einen Blick riskieren.



Lukas "Ruppoman" Wilde


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