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Death and the Maidens Autoren:Greg Rucka Zeichner: Erscheinungsdatum: Preis:
Und dann kommt Greg Rucka und kündigt mit einer neuen Miniserie „die letzte Geschichte mit Ra’s Al Ghul überhaupt“ an. Bereits in seinem Detective Comics-Run hat Rucka bewiesen, dass er den Dämonenkopf zu schreiben versteht, wie kaum ein anderer. Doch trotz Ruckas unumstrittener Fähigkeiten als Spitzenautor: Zu übermäßigen Glücksgefühlen verleitete die Vorstellung eines Batman-Universum ohne einen Ra’s Al Ghul nicht unbedingt. Eines war aber klar:
In einer neuenteiligen Miniserie (die zweifellos bald auch im Trade Paperback-Format erscheinen wird) hat man genug Zeit, die Story behutsam und Schritt für Schritt zu entfalten. Doch schon in der ersten Ausgabe gibt Rucka mit nie da gewesenen Ideen völlig neue Impulse: Bruce Wayne, mittlerweile schon über eine Dekade im Mantel der Fledermaus unterwegs, ist langsam aber sicher über den Tod seiner Eltern hinweg gekommen. Ein gewagter und fundamental einschneidender Gedanke, schließlich ist jenes Kindheitstrauma alles, was Batman auszeichnet und bestimmt. Doch über zwanzig Jahre sind seither vergangen, und Bruce „fühlt“ immer weniger, erinnert sich zunehmend rational an seine Eltern. Dieser Ansatz allein verspricht eine revolutionäre Miniserie, die einiges umkrempeln wird. Doch Rucka hat noch mehr in Petto.
In der Gegenwart hat Ra’s allerdings ganz andere Schwierigkeiten, denn Batmans jahrelange Bemühungen, dem Terroristen das Handwerk zu legen, scheinen endlich Früchte zu tragen. Ironischerweise waren es Bruce Wayne und dessen Unternehmen, die Al Ghuls das Wasser abgegraben haben. Die Lazarus-Grube, die Ra’s zu seiner Verjüngerung und Lebenserhaltung benötigt, lässt sich nur unter kritischen Voraussetzungen erneuern, und die Wayne Corporation hat in jahrelanger Arbeit alle geeigneten Rahmenbedingungen ausgelöscht. Ra’s stirbt, und er sucht Batman unterwürfig auf, um um eine Aufhebung dieses Todesurteils zu bitten. Er erscheint als alter, gebrechlicher Mann in der Bathöhle, aber nicht mit leeren Händen. Im Gegenzug für eine Lazarus-Grube bietet er ein alchemistisches Mittel an, das Bruce ermächtigen soll, noch einmal mit seinen Eltern zu kommunizieren. Zauberei oder Schabernack, Bruce weiß es nicht, doch die Versuchung ist groß. Gerade in dieser Zeit, in der er die Erinnerung an seine Eltern zu verlieren beginnt. Das Spiel wird noch komplexer, als plötzlich Nyssa vor den Türen Wayne Manors steht und Batman sprechen will. Sie warnt Bruce vor Ra’s und teilt ihm mit, dass sie in erbitterter Feindschaft mit dem Dämonen stehe. Schließlich trinkt Bruce doch von dem Mittel. Halluzination oder metaphysische Erfahrung, Bruce findet sich in einer Traumwelt vor seiner Mutter – und später auch vor Thomas Wayne – wieder. Doch was die beiden ihm zu sagen haben, wird ihm gar nicht gefallen. Mit seinen Talenten hätte ihr Sohn alles werden können – außer glücklich. Sie beschuldigen ihn, ihren Tod als Alibi dafür zu verwendet zu haben, den Schmerz nicht zu besiegen und ein normalen Leben zu führen. Batmans Identität wird für immer in Frage gestellt. Und gleichzeitig freundet sich Nyssa mit der letzten noch fehlenden Spielfigur an: Talia. Sie hat schreckliche Pläne mit ihr, um sie gegen ihren Vater einzusetzen. Auch wenn das bedeutet, dass Talia zuerst sterben muss!
Man sieht bereits aus dieser knappen Zusammenfassung der ersten Hälfte von Death and the Maidens, dass Rucka wieder wegweisende Einfälle für ganz heißen Batman-Stoff hatte, der deutlich vom Status Quo abweicht. Gerade, wenn man die Ausgaben am Stück hintereinander lesen kann, wird man förmlich von der Atmosphäre aufgesaugt, die sich da entwickelt. Die trostlose Stimmung von Batmans Selbstzweifeln setzt sich in Ra’s Todesangst fort, und beide Darsteller werden durch Dialog und Caption-Boxen sehr gut greifbar gemacht – wie es von Rucka auch nicht anders zu erwarten war. Doch auch sonst beweist der Autor wieder, dass er ein Meister seines Fachs ist. Die Erzählstruktur verdient dabei besonderes Lob, Nyssas und Ra’s Vergangenheit wird nämlich nicht-linear in die Gegenwartshandlung eingestreut. So geschickt und gut durchdacht, dass es einerseits nie eintönig, andererseits keinesfalls verwirrend wird, und man sich Stück für Stück ein Jahrhunderte altes Puzzle erarbeiten kann. Auch in dieser Geschichte, die sich durch zahlreiche Zeitalter zieht, kann man sich einer ganz besonderen Stimmung und Atmosphäre nicht entziehen, die einem auf jeder Seite sagt: Diese Serie ist etwas besonderes, hier geschieht gerade etwas großes. Nicht im Sinne von epischen Schlachten, die die ganze Welt involvieren, sondern auf einer viel feinfühligeren, emotionalen Ebene. Dazu trägt natürlich auch der Zeichner Klaus Janson enorm bei. Seine Bilder wirken zunächst skizzenhaft und grobkörnig, erinnern etwas an die surrealistischen Artworks von Ted McKeever oder auch Frank Miller. Dies ist keine Superhelden-Geschichte, die Janson zu Papier bringt, es ist ein emotionsgeladenes Drama. Was an Dynamik fehlt, macht Janson durch Atmosphäre wieder wett, und die düstere, graugetränkte Kolorierung tut ihr Übriges dazu. Death and the Maidens hebt sich optisch angenehm vom sogenannten Mainstream ab, und das auf sehr positive Art und Weise.
Im Detail sieht also alles spitze aus. Je mehr die Serie aber ihrem Ende entgegen geht, umso mehr werden einige eklatante Schwächen im größeren Bild erkennbar. Das Verhältnis von Bruce zu seinen Eltern, mit dem die ganze Geschichte begann, wurde viele Ausgaben lang zum Zentrum der Handlung gemacht. Es schien alles darauf hinaus zu laufen, einen neuen Status Quo zu etablieren, oder zumindest Batmans Motivationen und Antriebskräfte grundsätzlich zu thematisieren.
Ähnlich fehlgerichtet scheint mir ein kurzer Auftritt Supermans zu sein. Klar, er wird irgendwie in die Story eingebuden, es wirkt aber dennoch ziemlich unbeholfen und erzwungen - vor Allem bei einer Serie, die ansonsten mit einer Hand voll Akteuren auskommt.
Nichtsdestotrotz: Wer beim Lesen nicht die Arbeit des Autors übernehmen und seine Schritte im Voraus hinterfragen will, bekommt ein herrliches Charakterstück geboten, das auf kaum einer Seite schwächelt. Death and the Maidens ist ein Katz-, und Mausspiel zwischen Ra’s und Nyssa, bei dem Batman und Talia stets wechselnde Spielfiguren darstellen. Für sich genommen funktioniert die Geschichte im Großen und Ganzen recht ordentlich. Es tut gut, mal wieder ein fesselndes Abenteuer zu lesen, das ohne Batmans komplette Schurkenriege auskommt und sich stattdessen auf vier Darsteller konzentriert.
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