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Batman / Poison Ivy:
Cast Shadows



Batman/Poison Ivy: Cast ShadowsAutorin:
Ann Nocenti

Künstler:
John Van Fleet

Erscheinungsdatum:
31. März 2004

Preis:
$6.95 US



Mein Faible für innovative Batman One-Shots ist wohl kein Geheimnis. DCs Fledermaus ist prestigeträchtig genug, um Autoren mit allen Ideen experimentieren zu lassen, so krude und abwegig sie auch scheinen mögen, so lange sie nur irgendwo im Schatten des Flattermanns spielen. Auch wenn sich daraus keine Regel ableiten ließe: Oft darf man schon über die Qualität eines solchen Bandes mutmaßen, abhängig davon, wie erzwungen und aufgesetzt die Prämisse wirkt, um die sich der ganze One-Shot dreht.
Zunächst mal klingt die Idee hinter Cast Shadows aber einfach mal interessant: Poison Ivy, auf dem besten Wege zur Rehabilitierung im Arkham Asylum, wird plötzlich von einem gewaltigem Schatten in Finsternis gestürzt. Ein neuer Mega-Wolkenkratzer eines egozentrischen Millionärs namens Dan Trimbel strebt gen Himmel und raubt ihr und ihren Planzen das Lebenslicht. Aber Lichtdiebstahl ist doch kein Verbrechen, oder?

Und dabei hatte Ivy so große Fortschritte gemacht! Ihre unglaublichen Fähigkeiten als Botanikerin ermöglichten ihr die Züchtung völlig neuer Gewächse, die der ganzen Menschheit zu Nutze werden könnten. Neben pharmazeutischen Produkten arbeitete sie an phosphorizierenden Pflanzen, die erneuerbare Bio-Lichtquellen versprachen. Doch durch die plötzliche Dunkelheit bricht sie völlig zusammen, und niemand ist Willens, einsichtig, geschweige denn ermächtigt, ihr zu helfen. Ein Wolkenkratzer in Gotham ist schließlich nur ein Wolkenkratzer in Gotham.
Doch dann sterben Industrielle an plötzlich auftretendem Wahnsinn, der durch eine neuartige Krankheit hervor gerufen wird. Ivy könnte ein Gegenmittel dafür erzeugen – wenn sie Willens wäre. Batman hingegen geht eh davon aus, dass sie irgendwie hinter der Seuche steckt. Doch vielleicht muss er dennoch ein Zweckbündnis mit Ivy schließen – weil er irgendwann selbst von der Infektion betroffen ist.



So stark die Geschichte anfängt, so stark leidet sie auch unter zahlreichen Schwächen. Anscheinend genügt neuerdings Batmans Wort, um verurteilte Mörder – Ivy - aus Arkham auszuborgen und sie ohne Bewachung über die Dächer Gothams zu tragen. Am schwersten schmälert die völlig unglaubwürdige Ausgangssituation das Lesevergnügen. So, wie es in der Story dargestellt wird, wird ein Schatten irgendwo mit Beton fest zementiert. Wenn seine Spitze gerade das Arkham Asylum bedeckt, dürfte es dort höchstens einige Stunden täglich schattig sein. Und berühmt für seinen wolkenfreien Sonnenschein war Gotham doch eh nie, oder?

Die Handlung ist sehr stark auf Ivy zugeschnitten. Ann Nocenti gelingt es, sie überzeugend als intelligent und unberechenbar darzustellen, als sinnlich und anziehend, aber dennoch komplex. Batman bleibt dagegen ziemlich wortkarg, wir sehen ihn hauptsächlich in seiner oft zitierten und nicht immer nachvollziehbaren „meine Moral ist das Wort Gottes und ich bleibe stur! "-Haltung. Andererseits agiert er hier auch bei Tag und redet ganz unverhüllt mit Ärzten und Wissenschaftlern über humanitäre Fragen - ungewohnt!
Doch vor Allem die Interaktion der beiden Darsteller ist gelungen, die ständig wechselnde Anziehung und Abstoßung zwischen ihnen. Ivys ursprüngliches Motiv war immer eine starke Besessenheit zu Batman hin. Das spürt man auch hier noch, obgleich Nocenti keine der Entwicklungen seither ignoriert hat. Wie Batman darauf reagiert ist ein so interessantes Thema, das Nocenti auch so hervorragend bearbeitet, dass bloß zu bedauern bleibt, wie sehr es oft hinter blutleerem Theoretisieren untergeht:
Auf jeder zweiten Seite werden hochgestochene Metaphern für Licht und Dunkelheit gesucht, ständig führen Batman und Ivy philosophische Argumente ins Feld, die mit der Handlung – und der Beziehung zwischen den beiden - nicht immer etwas zu tun haben. Man mag kaum glauben, worauf sich diese Licht-Symbolik alles anwenden lässt, teils geht es aber eindeutig zu weit.

Die Zeichnungen sind auch ein zweischneidiges Schwert. Äußerlich ist John Van Fleet natürlich großartig, die Artworks wahre Kunstwerke, die auf jeder Seite neu begeistern. Ivy ist endlich keine klischeebeladene, lüsternde Comic-Nixe, sondern eine attraktive, aber realistische Frau. Die oft surrealistischen Licht-, und Schattenwelten, die im Zentrum der Story stehen, sind auch unübertrefflich zu Papier gebracht: Zahlreiche Zeichentechniken werden übereinander gelegt, und Van Fleet scheint mit Bleistift und Tusche ebenso gut umgehen zu können wie mit Farbkästen und Bildbearbeitungsprogrammen.
Leider scheint er in diesem Werk aber ein echtes Problem zu haben, aus seinen Kunstwerken bewegte Bilder zu machen, denn von Dynamik fehlt manchmal jede Spur. Die Szenen, in denen Batman durch die Luft segelt oder sich dramatisch in die Action wirft, wirken völlig steif und unharmonisch, und von solchen gibt es leider ziemlich viele. Zudem sind die Hintergründe oft nur unscharfe Nebel aus verschwommenen Farben, was sicherlich einen großen künstlerischen Effekt hat, auf Dauer aber ermüdend wird.



Was soll man dazu also sagen? Viele mögen das anders sehen und durchaus ihre Freude an Cast Shadows haben. Von fehlendem Anspruch kann keine Rede sein, optisch macht der Band allemal was her, und gut geschrieben ist er auch. Vor Allem das Batman/Ivy-Verhältnis wird sehr komplex und ständig prickelnd rüber gebracht, ohne Vergangenes zu wiederholen oder zu ignorieren. Dennoch passt einfach alles nicht richtig zusammen.
Die größere Handlung ist etwas konstruiert und mit viel Ziehen und Drücken in einen Plot gepresst, auch wenn er einige überraschende und erfreuliche Haken schlägt. Im Detail verliert sich Nocenti jedoch zu sehr in hochgeistiger, aber oft sinnleerer Symbolik. Nichts gegen tiefere Ebenen in Superhelden-Comics. Hier jedoch wird vieles so unsubtil auf einen los gelassen, dass es einem auf jeder Seite entgegen zu schreien scheint „Aufgemerkt! Dies ist ein Batman für Intellektuelle! “ Im Hintergrund gibt es als Alibi rasante Sprungszenen über Wolkenkratzer, an denen aber wiederum Van Fleet scheitert, weil er seine Kunstwerke nicht dem Gesamtbild unterordnet.


Lukas "Ruppoman" Wilde


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