All Star Batman & Robin the Boy Wonder #2
Text: Frank Miller
Zeichnungen: Jim Lee
Inks: Scott Williams
Erscheinungsdatum: Coverdatum November 2005
Inhalt:Episode Two
Batman fährt mit dem zukünftigen Robin zurück nach Wayne Manor und versucht dabei langsam, ihn davon zu überzeugen, mit ihm zusammen das Verbrechen zu bekämpfen, da die korrupte Polizei Gothams dazu offensichtlich nicht in der Lage ist.
Kommentar:
Das war’s. Mehr passiert diesmal nicht. So bersonders spannend ist nicht einmal, wie Miller die Rückfahrt gestaltet: Von der Polizei verfolgt, verwandelt Batman das Batmobil in eine Art Kampfjet (die Spielzeug-, Cartoon- und Comicserie MASK lässt grüßen). Gut, es gibt noch eine minimale Zwischensequenz mit Alfred und Vicky, aber da passiert auch nicht viel.
Was das Heft rechtfertigt (immerhin hätte Miller auch gleich mit Dick Graysons Robin-Training oder den Ermittlungen, warum seine Eltern starben, weitermachen können), ist die Charakterisierung. Und die hat im Internet bereits für Empörung, aber auch Erheiterung gesorgt. Denn der All-Star Batman ist ein Arschloch. Das tolle ist - Robin durchschaut ihn: „Moment mal. Das ist nicht seine echte Stimme. Als würde er eine schlechte Clint Eastwood Imitation abliefern. Das ist nicht seine echte Stimme. Er tut nur so. Er tut nur so.“ Wunderschöne Szene.
Wie gesagt, im Internet zerreißt man sich das Maul über Millers Charakterisierung von Batman. Als Robin ihn fragt, wer er denn sei, dass er einfach Befehle wie „Schlaf!“ oder „Sei still, hier rede ich“ von sich gibt, antwortet er: „Bist Du dumm? Bist Du irgendwie zurückgeblieben? Was zur Hölle glaubst Du denn, wer ich bin? Ich bin der gottverdammte Batman.“ Und als er feststellt, dass jemand innerhalb der Polizei den Befehl gab, ihn zu töten, denkt er nur „Cool. Wurde auch Zeit.“ Während der Verfolgungsjagd lacht er schlimmer als der Joker. Natürlich werden da Rufe laut, Batman handle „out of character“. Aber halt nur, wenn man sich bloß oberflächlich mit dem Heft befasst…
Wer sich die Mühe macht, das Heft zu lesen, der versteht, warum Batman so etwas denkt, beziehungsweise von sich gibt. Er will nicht, dass Dick anfängt, um seine Eltern zu trauern. Er will nicht, dass Dick den Tod seiner Eltern hinnimmt. Sein Ziel ist es, dass der Tod der Graysons Dick so motiviert, wie er selbst vom Tod der Waynes motiviert wurde. Darum versucht er ja zuerst, ihn mit Gas zu betäuben. Als das nicht klappt, versucht er es mit Einschüchtern. Im Kontext sagt er „Bist Du dumm? Bist Du irgendwie zurückgeblieben? Was zur Hölle glaubst Du denn, wer ich bin? Ich bin der gottverdammte Batman. Ich werde Dir der beste Freund sein, den Du Dir je erhofft hast – und der schlimmste Gegner, den Du Dir vorstellen kannst.“ Das lässt das Zitat schon ein bisschen anders wirken. Als das wiederum nicht greift, kommt die „Cool. Wurde auch Zeit.“-Szene. Und die kann auf zwei Arten gedeutet werden. Zum einen (vor allem durch die zeitliche Abfolge nahegelegt) als willkommenes Ablenkungsmanöver für Dick. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass die Polizei beginnt, Batman ernst zu nehmen. Welche der beiden Deutungsweisen die bessere ist, werden vielleicht die kommenden Hefte zeigen.
Davon mal abgesehen: Wie kann der All-Star Batman out-of-character sein, wenn er erst seit zwei Heften auftaucht (und im ersten Heft nur eine Dialogzeile hatte)? Das hier ist nicht die reguläre Continuity (was man ja alleine daran sieht, dass die Graysons „normalerweise“ nicht erschossen wurden). Es befindet sich irgendwo zwischen Millers Year One und seinem Dark Knight Returns. Das ist ja der Witz an der All-Star-Reihe: Die Autoren haben freie Hand. Wenn Frank Miller der Ansicht ist, dass Batman zu solchen Methoden greifen sollte, dann sollte der All-Star-Batman das auch tun. Vielleicht hätte man Jim Lee tatsächlich mehr Freiheiten bei den Kostümen geben sollen, um die Serie auch optisch von den Mainstream-Batserien zu lösen.
Apropos Jim Lee: Es ist schön, zu sehen, wie Miller das Script an Lee orientiert gestaltet hat. Wenn es das Heft erlaubt, gibt er ihm die Möglichkeit zu Splashpages und großen Panels mit wunderbaren Details. Wie ein Batman, der sich in Dicks Augen spiegelt (auch wenn der „Vom Winde verweht“-Moment, in dem Alfred (oben ohne und etwas zu muskulös) eine bewusstlose Vicky in den Armen hält, ein wenig dick aufgetragen ist). Gegen Ende (nach drei aufeinanderfolgenden doppelseitigen Beinahe-Splashpages) werden es dann aber langsam und fast unmerklich immer mehr Panels pro Seite, bis wir am Ende beim aus Dark Knight Returns bekannten 16-panel-grid angelangt sind. Völlig klasse.
Fazit:
Ich weiß, ich sitze in der Zwickmühle. Wenn ich das Heft lobe, werde ich vermutlich von den versammelten Internet-Zynikern für einen weltfremden Spinner mit rosaroter Brille gehalten. Oder für einen Klugscheißer, der seine Erwartungen vorher halt nicht hoch genug geschraubt hat. Wenn ich mich aber jetzt einfach in den Chor der „Mann, ist Miller schlecht geworden“-Rufer einreihe, mache ich mir selbst etwas vor. Denn mir macht der All-Star Batman durchaus Spaß. Tja, bin ich halt ein Klugscheißer. Wem ASDCBaRtBW nicht zusagt, der hat doch genug Alternativen: Die drei regulären Batman-Serien, die „The Batman“ Zeichentrickserie samt dazugehörigen Comics, Superman/Batman, die unzähligen Miniserien und der Elseworlds-Krempel, JLA, OMAC, und, und, und…
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Michael Heide
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