All Star Batman & Robin the Boy Wonder #1
Text: Frank Miller
Zeichnungen: Jim Lee
Inks: Scott Williams
Erscheinungsdatum: Coverdatum September 2005
Inhalt:Episode One
Dick Grayson ist Zirkusartist. Das Leben des Jungen besteht darin, wie fliegend durch die Manege zu turnen. Er braucht nichts als die Manege, das Trapez und seine Eltern, die ihn auffangen. Die immer für ihn da sind.
Vicky Vale ist Journalistin. Ihre aktuelle Kolumne besteht darin, die Helden von Metropolis und Gotham miteinander zu vergleichen. Metropolis hat den Stählernen. Gotham hat ein fliegendes Nagetier, das nicht fliegt. Einen Batman. Sie kann ihm nichts abgewinnen.
Bruce Wayne ist Milliardär. Der begehrteste Junggeselle der Stadt. Außerdem ist er Batman.
Die Wege der drei kreuzen sich, als Bruce Vicky auf ein Date mit in den Zirkus nimmt. Dick fliegt mal wieder von Trapez zu Trapez. Dramatisch wird es, als er abrutscht und nach unten stürzt – und sich im letzten Moment mit einem Greifhaken rettet, den er am Trapez festmacht. Die Menge ist aufgebracht, bloß Bruce Wayne war die ganze Zeit zuversichtlich. Tatsächlich sagt er Vicky, dass er den Jungen bereits seit längerem beobachtete. Er habe ein Auge für Talent.
Die Nummer der Flying Graysons ist vorbei, die Familie verbeugt sich vor dem jubelnden Publikum – doch plötzlich werden Dicks Vater und Mutter von Kugeln getroffen und sinken zu Boden. Und schon überschlagen sich die Ereignisse: Dick steht unter Schock. Bruce schleicht sich aus der Manege, schlüpft ins Batman-Kostüm und verfolgt den Schützen. Und Vicky Vale legt sich mit der Polizei an, die erstaunlich schnell am Tatort ist, um den Jungen mitzunehmen. Einer der Beamten ist sich nicht zu fein, sie zu schlagen, und schon fährt der Polizeiwagen davon. Vicky überrumpelt Bruces Chauffeur Alfred und setzt sich ans Steuer des Rolls Royce, um die korrupten Polizisten zu verfolgen.
Die Polizisten fahren mit Dick zur Galt Schlucht, dem Ort, um Leute „loszuwerden“. Sie steigen aus und haben ihre Schlagstöcke bereits in der Hand, doch plötzlich ist der Himmel voller Fledermäuse, die die Polizisten verjagen – und ein dritter Wagen gesellt sich dazu: Das Batmobil. Batman steigt aus und hebt den Jungen hoch: „Du wurdest soeben einberufen – in einen Krieg.“
Kommentar:
Einer meiner Arbeitskollegen sammelte jahrelang ebenfalls Comics, und wir beide haben seit einiger Zeit eine Art Übereinkunft. Wenn ich ein neues Heft kaufe, von dem ich denke, dass es ihm gefallen könnte, dann leihe ich es ihm – er leiht mir im Gegenzug Klassiker aus der Zeit, bevor ich mit dem Sammeln anfing. Auf die Art haben wir uns beide schon einige Schätzchen zukommen lassen. So stellte ich ihm Preacher, Fables und Runaways vor, er versorgte mich mit Hawkworld, den Wolfman/Perez-Ausgaben der New Teen Titans oder auch den Aristocratic X-Traterrestrial Time Travelling Thieves. Natürlich habe ich ihm auch Batman and Robin the Boy Wonder gegeben, er war allerdings nicht beeindruckt. Tatsächlich fiel ihm erst hinterher auf, dass das Heft von Frank Miller ist.
Auch ich muss zugeben, dass ich von Miller mehr erwartet hatte. Aber es ist klar, wie es zu dieser Enttäuschung kam: Wenn Miller nicht selbst illustriert, passt er das Script gerne an die Stärken seiner Zeichner an. Diesmal arbeitet er mit Jim Lee zusammen - und so bekommen wir dann auch seitenweise Vicky Vale in Unterwäsche, häufig genug ist ihr Hintern oder Dekolleté Mittelpunkt eines Panels, die Story kommt dabei automatisch etwas zu kurz. Aber versteht mich nicht falsch – Lee ist besser als je zuvor. Auch er hat sich an seinen Kollaborateur angepasst. So hat sein Batman diesmal mehr mit Millers Dark Knight Returns gemeinsam als mit dem Protagonisten aus Hush, und auch sonst wirkt sein Stil (von den Vicky Vale Pinups mal abgesehen) deutlich erwachsener. Schade nur, dass wir in diesem Heft bloß eine einzige Seite mit Batman im Kostüm zu sehen bekommen. Die macht allerdings zumindest Appetit auf mehr. Dafür müssen wir allerdings bis Mitte September warten – die Serie erscheint leider bloß alle sechs Wochen, Jim Lee ist bekanntlich nicht der Schnellste.
Ein weiteres Problem ist, dass einfach nichts passiert, was wir noch nicht kennen. Bruce Wayne ist dabei, als Dick Graysons Eltern erschossen werden. So weit, so gut, so altbekannt. Die Innovationen und die von Miller gewohnte Brillianz folgt vermutlich in den folgenden Heften. Auf der Wizardworld in Chicago wurde am sechsten August angedeutet, dass es All-Star Batman and Robin the Boy Wonder vermutlich auf insgesamt neun Ausgaben bringen wird. Und ich freue mich auf jede einzelne von ihnen.
Fazit:
Es ist schwer, bei diesem Heft ein Fazit zu formulieren. Das Heft ist alles andere als schlecht, aber für sich genommen auch nicht gerade beeindruckend. Es ist bloß mittlerweile zu einer Unsitte geworden, dass das erste Heft einer jeden Serie, also auch im vorliegenden Fall, nichts als Exposition bietet. Und wenn diese für Fans mit unserem Vorwissen unnötig ist, ist damit automatisch das gesamte Heft weitestgehend unnötig – aber zumindest gut gemacht.
Michael Heide
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