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RobinDas erste Jahr #2
Autoren:Chuck Dixon, Scott Beatty Zeichner: Robert Campanella, Javier Pulido Preis: 6,65 Euro Erscheinungsdatum: 07.02.2002 Und wieder ist das Dynamische Duo auf Streife - immer unterwegs, bösen Buben das Handwerk zu legen. Diesmal legen sie sich mit Killer Moth an. Einer eher harmlosen Art der Gattung "Verbrecher". Killer Moth ist ein kleiner Möchtegern-Krimineller, der in seiner albernen Tarnung niemanden wirklich erschrecken kann. Und so ist dieses Intermezzo nur von sehr kurzer Dauer, bis sich die peinliche und traurige Gestalt selbst zur Strecke gebracht hat und Robin ihm sogar - einen frechen Spruch auf den Lippen - das Leben retten muss. Aber auch ganz anderen Gegnern muss sich Batman gegenüberstellen. Und einer der übelsten ist Two-Face. Aus diesem Grunde möchte Batman, dass sich Robin aus diesem Fall heraushält. Two-Face hat Richter Lawrence Watkins entführt und möchte ihn in einem Schauprozess des Mordes an Harvey Dent anklagen: Als Dent noch Bezirksstaatsanwalt war und dem Gangsterboss Moroni der Prozess gemacht wurde, war Watkins der vorsitzende Richter. Und wir alle wissen, was bei jenem denkwürdigen Prozess passierte: Moroni schleuderte die Säure in Dents Gesicht und seine Karriere als Bezirksstaatsanwalt war zu Ende. Wiedergeboren als "Two-Face" nimmt er jetzt Rache an denen, die seiner Meinung nach Schuld sind am Tode von Harvey Dent. Vorbei die unbeschwerten und komischen Situationen, in denen man immer noch einen flotten Spruch landen kann. Two-Face zeigt, dass er in einer ganz anderen Liga spielt. Die Unterredung zwischen Commissioner James Gordon und Batman ist eine der Schlüsselszenen: "Du schwörst Unschuldige zu beschützen - und trotzdem hast Du einen Jungen bei Dir? Aber wenn ihm etwas zustößt... bei Gott...werde ich Dich bis zum Ende jagen!" Der unschuldige Charme der Anfangsszenen ist gewichen: Grosse Bedrohungen scheinen sich anzubahnen. Und aus diesem Grunde möchte Batman seinen Schützling Robin im Falle Two-Face nicht dabei haben. Welche Gründe letztendlich genau den Ausschlag geben - Gefühle, Verantwortungsbewusstsein, mangelndes Vertrauen, Angst, es sich mit Commissioner James Gordon zu verscherzen - wird leider nicht ganz klar.
Two-Face gibt dem Richter die Schuld, dass Harvey Dent nicht mehr ist. Und so lautet das Urteil natürlich erwartungsgemäß: Tod durch Erhängen. Aber dieser Zeremonie soll auch Batman beiwohnen. Und Dent weiß bereits, wo Batmans Schwachpunkt liegt. Dieser neue Helfer, der vom Alter her Batmans Sohn sein könnte, hier ist der dunkle Ritter verwundbar. Und so stellt Two-Face dem Dynamischen Duo eine Falle, und es kommt, wie es kommen muss. Batman und Robin - der sich eben nicht aus diesem Fall herausgehalten hat - werden überlistet und sind in seiner Gewalt. In der Bathöhle ist Alfred mit dem Staubsauger zu Gange. Er hat seine anfängliche Skepsis abgelegt und sieht die positiven Einflüsse, die Robin in Wayne Manor bewirkt hat. Das Leben von Bruce -und auch sein eigenes- sind durch diesen Jungen bereichert.
In diesem Moment entsteigt Batman dem Batmobil und hat Robin im Arm. Er ist mehr tot als lebendig. Chuck Dixon und Scott Beatty verstehen es sehr gekonnt, dem anfänglich eher lustigen und albernen Intro mit Killer Moth schnell eine unerwartete Wendung zu geben, und Spannung aufzubauen, die am Ende des zweiten Teils ihren Höhepunkt erreicht. Die Konfrontation mit Two-Face führt zu einem Zustand, der völlig aus dem Ruder gleitet. Jetzt scheint die Situation, vor der Commissioner James Gordon immer gewarnt hatte, gegeben zu sein. Dass Robin überlebt, steht außer Frage, das wissen wir alle; die spannende Frage ist, wie werden die anderen Darsteller, zum Beispiel Commissioner Gordon oder Alfred, reagieren, und wird Robin wieder "eingegliedert" werden in das Dynamische Duo. Hat es Schaden genommen? Der eher durchschnittliche "Vielschreiber" Chuck Dixon, der in den letzen Jahren das Batman-Universum wie kein anderer geprägt hatte, vermag hier den Geschichten doch eine Tiefe zu geben, die außergewöhnlich ist.
Viele interessante (und uninteressante) Charaktere hat Dixon dem Batman-Universum hinzugefügt, und auch diesmal lässt er es sich nicht nehmen, Details anzuführen oder neu einzufügen. So wird Dicks erste festere Freundin, Jenny Noblesse, genannt. Und auch der Richter jener verhängnisvollen Gerichtsverhandlung, die das Leben von Harvey Dent für immer verändern sollte, taucht nun erstmals mit Namen auf: Lawrence Watkins. Unzählige Male ist diese Geschichte schon erzählt worden, aber Chuck Dixon ist der erste(!), der dem Richter auch einen Namen gibt. Ob sich zukünftige Schreiberlinge wohl daran halten werden? Nebenbei wird auch noch erzählt, welche Konsequenzen es für den jungen Dick Grayson hat, wenn er sein Amt ausübt. Gerne opfert er dafür seine Freizeit, die man auch anders verbringen könnte, nämlich mit Mädchen in seinem Alter und weitaus interessanteren Unternehmungen - siehe Jenny Noblesse. Auch die Zeichnungen von Javier Pulido (Inker) und Robert Campanella (Penciller) wissen in jeder Situation zu überzeugen. Sehr angenehm werden die schlichten, aber ausdrucksstarken Bilder durch die Farbgebung von Lee Loughridge in ihrer Wirkung verstärkt. Wenn Killer Moth mit seinem Moth-Mobil gegen einen Brückenpfeiler donnert, dann hätte sich diese Szene auch so in Entenhausen ereignet haben können. Wenn hingegen Two-Face auf den jungen Robin mit einem Baseballschläger eindrischt, dann sieht man Blut und die Zeichnungen sind sehr realistisch. Diese Szene, in der Two-Face auf das völlig wehrlose Kind einprügelt, ist für amerikanische Verhältnisse ein Tabu-Bruch.
Und noch einmal wird das Quintett Dixon/Beatty/Pulido/Campanella/Loughridge es verstehen, sich in den folgenden beiden Bänden zu steigern und die Story um das erste Jahr Robins auszuleuchten und um einige Details zu bereichern. Und zu guter Letzt hier mein Ratschlag an alle "durchschnittlichen Leser": Es "lohnt sich, das entsprechende Heft zu kaufen" und nach dem Lesen viel davon "zu halten". :)
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