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Neun LebenWie man ja weiß, ist in Elseworlds-Stories alles möglich. Jede noch so komplizierte und abwegige Konstellation ist hier vorstellbar. Jeder Charakter kann beliebig verfremdet werden und in jeden beliebigen Kontext gestellt werden. Also, die besten Voraussetzungen, um spannende Geschichten zu konstruieren und zu erzählen. Dass so was natürlich auch die Gefahr birgt, am Ziel vorbeizuschießen und völlig abstruse und unglaubwürdige Ergebnisse hervorbringen kann, scheint auch klar. Elseworlds ist also eine richtige Herausforderung. Und dieser Stellen sich Dean Motter als Autor und Michael Lark als Zeichner. Und sie stellen ihre Geschichte in die Tradition der Kinofilme und Detektivgeschichten des "film noir". Die Charaktere, die hier zusammentreffen sollen, sind der dunkle Mitternachtsdetektiv Batman und eine Heerschar von Kriminellen, die eine Stadt unter sich aufgeteilt haben. Elseworlds kann auch Meisterwerke von atemberaubender Schönheit hervorbringen. Einen solchen Lesegenuss hält man zweifelsohne mit "Neun Leben" in der Hand. Das Ergebnis kann sich also sehen lassen. Spannend und stimmungsvoll kommt die Story daher und lässt den Leser eintauchen in eine Stadt voll Gangster und organisierter Kriminalität. Die Stadt ist Gotham City und in dieser treibt ein Mörder sein Unwesen. Das Opfer ist Selina Kyle, die Besitzerin eines Etablissements mit Nachtclub-Charakter. Und vom Täter fehlt jede Spur. Aber Verdächtige gibt es viele. Motive gibt es genug. Und inmitten diesem Wirrwarr ermitteln die Polizei und ein smarter junger Privatdetektiv: Richard Grayson. Starke Zutaten also für packende und spannende Unterhaltung, die perfekt auch noch in Bilder verpackt ist. Gotham City ist eine düstere Stadt, ein verdreckter und undurchdringlicher Kulisse - der perfekte Ort also, um Batman und kriminellen Abschaum aufeinandertreffen zu lassen. Und so kommt die Geschichte auch ganz ohne Superbösewichte mit besonderen Kräften aus. Alles "nur" Menschen - aber auch sie haben so klangvolle Namen wie Joker, Pinguin, Mr. Freeze oder Riddler. Auch so funktioniert eine gute Batman-Geschichte. Auch alle anderen Namen kann man hier wiederfinden: Commissioner James Gordon, seine Tochter Barbara, die Sekretärin bei Richard Grayson ist. Und diese beiden verbindet weit mehr, als nur der rein arbeitsmäßige Kontakt. Das Buch ist im Querformat um die Nähe zur Kinoleinwand noch besser darzustellen. Ein echter 1940-er "noir thriller" zum Lesen (und Betrachten). Ganz in der Tradition alter Detektivgeschichte. Wer diese mag, wird "Neun Leben" lieben. Und dass Michael Lark ein außergewöhnlicher Künstler ist, der es bestens versteht, die Stimmungen einer Stadt einzufangen, davon konnten sich alle Besucher des Comic-Salons 2002 in Erlangen überzeugen: Hingen doch seine Originale von "Nine Lives" hier aus und wurden dem staunenden Publikum präsentiert. Unter dem Motto "Im Wahn der Megacities", hatten die extremsten Zukunftsstädte der jüngeren Comic-Geschichte die Zeichner Darick Robertson mit "Transmetropolitan" und Michael Lark mit "Terminal City" entworfen. Ihre Visionen und Versionen von "Stadt" waren während der Messe im Großen Saal zu besichtigen. Und so versteht es Lark, auch Gotham City in ein dunkles Licht zu tauchen und diese als Kulissen eines perfekten "film noir" zu präsentieren. Und so wird jedes Klischee benutzt, aber nie als billige Kopie, sondern immer vortrefflich als Hommage Würde eins fehlen - man würde es förmlich vermissen. Wie in "Casablanca", wo jeder Satz längst Kultstatus hat. Sehr positiv ist noch zu bemerken, dass die Übersetzung grandios geglückt ist und man hier Schreibfehler - leider anders als in anderen Panini-Publikationen - vergeblich sucht. Also eine rundum runde und gelungene Arbeit mit Alleinstellungscharakter. Vorbildlich! So macht das Kaufen und Lesen wieder Spaß. Ein Glückspilz ist der, der in Essen bei der Comic Action 2002 eins der auf nur 1.500 Exemplare limitierten Bücher ergattern konnte, denn: Wie man ja weiß, wurden am Ende der Messe die nicht verkauften Exemplare vernichtet. So ist einigermaßen gesichert, dass diese Ware nicht zum halben Preis (oder weniger) auf späteren Messen oder Börsen feilgeboten wird. Das ist gut für die Händler, für den Sammler und für den ganzen Markt. So bleiben Messen attraktiv. Norbert Elbers |
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