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Batman - Der Manga
Child of Dreams (1)


Batman: Child of Dreams (1) Autor und Zeichner: Kia Asamiya

Irgendwo. Ein Haus. Eine Fabrik? Ein Raum mit vielen Behältern. Sie sind beschriftet: Two-Face, Penguin, Joker, Catwoman -Und ein Behälter trägt die Aufschrift: "Batman".

Ein Flugzeug startet in Tokio. An Bord eine Fernsehcrew. Das Ziel: Gotham City. Ihre Aufgabe: Eine Reportage über die urbane Legende Batman. Der Sponsor dieser Unternehmung ist "Tomioka Pharmaceuticals". Der Besitzer ist gleichzeitig der Onkel von Yuuko Yagi, der jungen Reporterin aus dem Team.

Und kaum angekommen, schlittern sie auch schon direkt in ein Verbrechen hinein. Two-Face hat in der 22. Etage eines Wolkenkratzers Geiseln genommen, stellt aber keine Forderungen.

Das Reporterteam wittert seine Chance und macht sich sofort über die Feuertreppe auf den Weg in den 22. Stock.

Two-Face wirft indessen seine Münze, bei Zahl erschießt er eine Geisel. Das ist der einzige Sinn seines Handelns. Er spielt Schicksal und seine Mission ist es, der Welt mitzuteilen, dass er der Botschafter des Schicksals ist und dankbar für sein erfülltes Leben.

Doch kaum im 22. Stock angekommen, werden auch die Reporter des Teams zu Geiseln. Als erstes möchte Two-Face die Münze über die junge Frau werfen. Doch ein Batarang wirft die Münze aus ihrer Bahn und bleibt in der Wand stecken. Es kommt zu einem Kampf, den Batman gewinnt.

Doch wenig später stellt sich heraus, dass der Two-Face nicht der Echte war. Der falsche Verbrecher stirb kurz nach seiner Inhaftierung und seine Leiche mumifiziert augenblicklich.

Noch weitere Doubles von Batmans Erzfeinden treten auf - auch sie erleiden dasselbe Schicksal.

Auch ein falscher Joker erscheint, und es wird klar, dass irgendjemand Drogen in Gotham City verteilt. Batman besucht den echten Joker im Arkham Asylum, kann aber keine neue Spur finden. Der Besuch Batmans im Arkham Asylum ist ein Glanzstück in Psychologie und meisterhaft in Szene gesetzt.

Schließlich muss Batman gegen seinen eigenen Doppelgänger antreten und dieser entpuppt sich als ein Mitglied des Kamerateams.

In Gotham City ist eine neue Droge im Umlauf.
Für den Detektiv Batman wird der Fall zu einer Herausforderung.

Das alles scheint nur ein Teil eines grösseren Planes zu sein. Alles nur Köder... der Joker, der Pinguin, Two-Face, der Riddler...Derjenige, der diese Drogen herstellt, hat es nicht auf Gotham und seine Bürger abgesehen, sondern auf Batman!

Batman ist nur unklar, was sich derjenige davon verspricht...was soll das Alles?
Gotham dient als Testgebiet, indem Proben dieser neuen Droge verteilt werden.

Diese Proben bringen dann wiederum die Köder hervor, um die Fledermaus aus ihrem Versteck hervorzulocken.

Die Opfer werden mit Leib und Seele zum Joker..
Eine Droge, die eine zwanghafte Veränderung sowohl psychisch als auch physisch herbeiführt!

Eine Droge, für die die Opfer bereit sind alles zu geben, ihr eigens Ich, ihr Leben.
Ein Mal - nur ein einziges und letztes Mal - die totale Verwandlung erleben und dann sterben.



Ein ungewöhnlicher Comic - nicht nur wegen der Zeichnungen. Diese können überzeugen und schaffen eine Stimmung, die sehr genau der Comicfigur Batman gerecht wird. Unzweifelhaft ist aber auch eine sehr starke Nähe zum ersten Batman-Movie von Tim Burton erkennbar, woraus der Autor/Künstler aber auch keinen Hehl macht. Ihm ist der Balanceakt zwischen der Comic-Continuity und dem Kinofilm sehr gut gelungen. Und was Kia Asamiya auch so gut am ersten Film gefallen hat, das ist auch unschwer auszumachen: Die Stadt Gotham und ihre Kulisse, das Batmobile und die vielen nützlichen Hilfsmittel und Gadgets von Batman, wie z.B. Batarang und das Batrope.

Sehr gut wird der positive Gesamteindruck noch durch die zusätzlichen Seiten mit Kurzbios zu den Charakteren und einem sehr lesenswerten Interview mit Kia Asamiya abgerundet. Sehr deutlich gibt er hier zu erkennen, was ihn mit Batman verbindet und was er an dem Charakter so schätzt. Diese zwei Extras im Comic, zusammen mit dem überaus gelungenen Metallic-Umschlag lassen kaum noch Wünsche offen.

Man darf neugierig sein, wie der zweite Teil werden wird. Viele interessante Andeutungen sind gemacht worden, aber die entgültige Auflösung steht noch aus. Die Ereignisse des zweiten Teils, der in Deutschland schon im März erscheinen soll, werden vor ganz anderer Kulisse ausgetragen werden. Dann nämlich wird Bruce Wayne nach Tokyo reisen. Hier werden wir sicherlich erfahren, wer die Fäden in der Hand hält und was aus Yuuko Yagi und der Beziehung zu Bruce Wayne wird.
Man darf gespannt sein.

"Child of Dreams" ist eine sehr interessante Mischung verschiedener Comickulturen. Hier trifft der amerikanischste aller Comics - der Superheldencomic - auf die japanische Comickunst. Dass diese Symbiose sehr interessant und gelungen ist, dafür ist "Child of Dreams" ein Beweis. Ein Superhelden-Manga - mit der für Mangas typischen Leserichtung! - ist wirklich nichts Alltägliches.

"Child of Dreams" ist Manga, mit allem, was diese Comicform ausmacht: Rasante Actionszenen, typische Gesichter mit "Kulleraugen", sehr dominante "Geräuschsymbole", die sehr oft das ganze Panel überlagern, und eine sehr dynamische Erzähltechnik.

Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass wir hier in Deutschland mit "Child of Dreams" einen Comic in den Händen halten, der noch nicht in amerikanischer Übersetzung erschienen ist. Es ist nicht alltäglich, dass DC anderen Ländern eine "Lizenz" gibt, Geschichten mit ihren Helden zu gestalten. Aber in einem Land wie Japan, mit der höchsten Comicdichte der Welt, macht man wohl gerne eine Ausnahme. Dies wohl aber eher aus marketingstrategischen Gründen heraus. Sicher würde man auf diesem Markt gerne auch sich positionieren wollen. Und so hat man eine Möglichkeit gefunden, sich auf diesem Markt vorzustellen und seinen Helden eine Plattform gegeben, sich einem großem Publikum zu präsentieren.

Angesichts der niedrigen Auflagen in USA sicherlich ein nicht uninteressanter Aspekt. Wirklich neue Veränderungen sind in Amerika leider längst überfällig. In einem Medium, dass sich immer wieder selbst dem Druck aussetzt, Neues zu bieten und neue Käuferschichten zu gewinnen, verspricht die Verquickung von Manga und Superhelden neue Impulse. Verschläft oder verpasst man neue Strömungen - wie vor einigen Jahren die betont wichtige Darstellung der Figuren und Helden - verliert man schnell Marktanteile, wie eben damals an "Image". Vorbei sind die Zeiten, wo eine Konstanz in den Figuren wichtig war. Das, was früher die Helden so beliebt gemacht hatte, ist heute bei den wenigen Lesern, die es noch gibt, nicht mehr gefragt. Früher war gerade das "Immerwiederkehrende" genau das, was die Leser wollten. Immer wieder konnte ihr Held gegen immer wieder dieselben Feinde antreten und gewinnen - es war im Vorhinein schon klar, dass ihr Held gewinnt - spannend war die Frage, wie er es diesmal schafft.

Doch diese Zeiten sind erst einmal vorbei. Der amerikanische Markt hat sich stark verändert - der Kampf um die immer weniger werdenden Leser ist härter geworden. Der Markt hat sich von einem Lesermarkt zu einem Sammlermarkt verändert. Und leider werden nur zu oft Zugeständnisse an die Sammler gemacht, was Zufalls- oder Gelegenheitsleser eher verwirrt und abstößt.

Diese Konstanz des frühen amerikanischen Marktes ist noch sehr stark im Manga zu erkennen. Ist dies vielleicht ein Grund seiner Beliebtheit? Kann eine Rückbesinnung vielleicht eine wichtige Erkenntnis für den amerikanischen Markt sein? Geschichten, die nicht über ein Jahr sich verzetteln, sondern auch Neueinsteigern die Möglichkeit geben spannende Unterhaltung mit bekannten Figuren zu erleben sind ein Anreiz für neue und alte Leser diesem Medium die Treue zu halten.

Norbert Elbers



Es muss für Außenstehende wirklich verwunderlich sein, wie verstritten und verzweigt die Comicwelt eigentlich ist. Ist es schon harte Arbeit, einem "Unwissenden" den elementaren Unterschied zwischen frangobelgischer Literatur und US-Comics klarzumachen, sprengt die akute Mangawelle doch alle bisherigen Grenzen. Manga sind populär, Manga sind schon beinahe "cool", während Superhelden-Leser langsam aber sicher zu den Dinosauriern der Szene werden -zumindest in Deutschland. Dadurch wurde das Lager der Comicleser ziemlich krass in einzelne Spalten getrennt, die niemals in eine andere "überlaufen" würden.

Einerseits ist eine solche Vielfalt an Genres und Stilrichtungen natürlich zu begrüßen, andererseits entgeht einem durch kompromisslose Ignoranz gegenüber anderen Kulturkreisen viel von dem, worauf es doch eigentlich ankommt: Gute Geschichten.
Das gilt für den Superheldenmarkt genauso wie für die Manga-Szene, Qualität und Talent muss es überall geben. Ich nehme mich selbst übrigens keineswegs aus diesem Bild heraus, meine Erfahrungen mit japanischen Comics beschränken sich beinahe ausschließlich auf das Standartwerk Akira, auch wenn mir dieses sehr gut gefallen hat. Wie auch immer, Offenheit gegenüber anderen Stilmitteln ist keine schlechte Sache, und schon alleine deswegen ist Child of Dreams ein lesenswertes Experiment und eine echte Kostbarkeit im DCD-Programm.

Japanische Leser kennen Batman selbstverständlich nicht in dem Maße, wie man es im Westen voraussetzen kann, darum hat Asamiya einen brillanten erzählerischen Kniff angewandt: Wir begegnen dem dunklen Ritter aus der Sicht einer japanischen Reporterin, für die der Vigilant ein unbekanntes Mysterium darstellt. Dadurch bekommt man einen einzigartigen Blick "von außen" auf Gotham City und seinen dunklen Wächter, und diese Perspektive macht im gesamten Comic durchaus Sinn und erzeugt eine eigene Spannung. Batman bekommt so nämlich viel von dem zurück, was seine Faszination ausmacht: Er ist wieder ein Mythos, man begegnet ihm mit staunenden Augen, und der vielzitierte "Sense of Wonder" wird richtigehend spürbar.

Die Atmosphäre erinnert auch sonst sehr stark an den ersten Batman-Kinofilm, die Asamiyas erste Inspirationsquelle war. Gotham City ist jener dunkle, gewaltige und bedrohliche Gulag, in der sich ein einzelner Mensch unbedeutend klein vorkommt. Über diesen Häuserbergen und Straßenschluchten leuchtet das Batsignal heller als je zuvor, so muss Gotham City aussehen! Auch das Storytelling setzt der Autor gekonnt zugunsten der Atmosphäre ein, der Puls, mit dem die Reporter durch die Stadt eilen, ist ständig spürbar.

Batman: Child of Dreams (1)Soviel kann man mit der richtigen Stimmung erreichen, dass die eigentliche Story auf dem Papier sogar recht schwach ausfallen kann, ohne dass es merklich stört. Um ehrlich zu sein, es ist noch sehr schwer nachzuvollziehen, worum es genau geht, das liegt zum Teil natürlich an der -für westliche Köpfe- verwirrenden japanischen Erzählweise.
Ich bin -wie erwähnt- nicht besonders Manga-geübt, darum musste ich viele Passagen mehrmals lesen, um sie zu verstehen. Und selbst dann ist es noch sehr schwierig, der Action zu folgen, die unheimlich dynamischen und schnellen Kampfszenen bringen einen um den Verstand.
Dennoch sind Plot und Dialoge hervorragend geschrieben. Alle Szenen sind spannend und interessant, die Dialoge tiefgründig und trotzdem natürlich. Welchen Weg die Handlung auf der nächsten Seite einschlagen wird, ist an keiner Steller vorherzusagen, und bis zum Schluss lechzt man nach einer Aufklärung.
Eine abschließende Gesamtkritik zur Story ist einfach nicht möglich, da noch zu viele Fäden unverknüpft sind. In jedem Fall wird der zweite Band äußerst interessant, zudem ist die Vorstellung eines Batman in Tokyo geradezu anregend.

Die Zeichnungen machen in jedem Fall unglaublich viel von der Atmosphäre aus und haben meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Man mag vom "Manga-Stil" halten was man will (Gesichter und Körperbau fallen eindeutig unter das Schlagwort Geschmackssache), aber in Sachen Hintergründen sind die Japaner Meister. Ich kann mich leider wieder hauptsächlich nur auf Akira beziehen, die Stadtzeichnungen dort sind einfach bis heute ungeschlagen. Auf dieser Überlegung basierten auch meine Hoffnungen für Child of Dreams, das Ergebnis ist jedoch besser:
Gotham City, endlos hohe Häuserberge über dampfenden Gassen, Skylines vor dem nächtlich erleuchteten Meer, eine unglaublich futuristische Bathöhle und nicht zuletzt das erste absolut perfekte Batmobil... Es kommt selten vor, dass mir beim Lesen ein lautes "Wow!" entfährt, hier war es der Fall. Auch was Perspektiven, Licht und Schatten, Rasterfolien-Kolorierung, oder Auto- und Flugzeugzeichnungen angeht, Asamiya erreicht zeichnerische Höhen, die man hierzulande oft vergebens sucht. Klar, die Gesichter sind sehr Manga-mäßig und Bruce Wayne sieht einfach nur schlecht aus, aber das kann man, muss man einfach, bedenkenlos in Kauf nehmen.

Abschließend muss noch Panini gedankt werden, einerseits für die Veröffentlichung dieses ungewöhnlichen Leckerbissens im Allgemeinen, andererseits für eine perfekte Umsetzung. Es ist vielleicht mittlerweile in Deutschland Standart, Manga nicht mehr gespiegelt sondern in Original-Leserichtung zu veröffentlichen, aber trotzdem nicht selbstverständlich. Japanische Comics liest man nun mal von hinten nach vorne, und von rechts oben nach links unten -Schön, dass Panini dies genauso sieht.
Auch ansonsten ist die deutsche Version großartig geworden: das edle Metallic-Cover, die ausfaltbaren Seiten, ein Interview und zahlreiche Extraseiten rechtfertigen den Preis allemal.

Ein kleines Fazit? Schmeißt Eure Vorurteile über Bord! Child of Dreams ist kein westliches Comic, will es auch gar nicht sein, und ist gerade deshalb um Längen besser als vieles, was es hier zu lesen gab. Asamiya hat Batman ohne große Vorkenntnisse besser verstanden und interpretiert, als viele trainierte DC-Autoren -Atmosphäre und Stimmung erreichen beinahe die einsamen Höhen der Burton-Filme oder der Animated-Serie. Die Handlung ist für unser Verständnis etwas verwirrend, aber insgesamt bleibt ein deutlich positives Gefühl. Zudem darf man sich von den besten Gotham City-Zeichnungen begeistern lassen, die Panini (und vielleicht auch Dino) je abgedruckt hat. Das Medium Manga besitzt unheimlich viel Kraft, und dieser Band ist der Beweiß!



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