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Birds of Prey #1 & #2 Birds of Prey Sonderband #1
Drei Action-Babes für Batman
Text: Gail Simone
Zeichnungen: Ed Benes, Cliff Richards
Heft: € 4,00; Prestige: € 12,50
farbig
Aus dem Amerikanischen von Alexander Rösch und Christian Heiss
Panini/DC Comics
Enthält: US-Birds of Prey #56-63; "Of Like Minds, part 1-4", "Feeding the Game, part 1-2", " Sensei & Student, part 1 und 2" von 6
Nur für kurze Zeit flogen die Raubvögel in einer eigenen Heftreihe bei Panini – nämlich für genau nur zwei Ausgaben. Waren zwar die Ausgaben #3 und #4 schon angekündigt, erschienen sie dennoch nicht. Aber der Verlag lässt nichts unversucht, diese wirklich sehr unterhaltsame Serie auf dem deutschen Markt neu zu positionieren. Mit dem ersten Sonderband geht es nun weiter und man kann ohne zu übertreiben sagen, dass die Fortsetzung rasant und spannend ist.
"BIRDS OF PREY": Manch einem Fernsehgucker eventuell bekannt durch die ebenfalls kurzlebige Samstagsserie um 16:00 Uhr bei RTL.
Da ist zum einen Orakel, bei ihr sind die Unterschiede zwischen Comic und Fernsehen noch am geringsten. Sie war das frühere Batgirl, Barbara Gordon, das durch einen Schuss in die Wirbelsäule vom Joker an den Rollstuhl gefesselt ist (siehe hierzu THE KILLING JOKE). Nun ist sie eine Computerexpertin und Informationsbrokerin, die auf allen Datenautobahnen der Welt zu Hause ist. Es gibt keinen Code, den sie nicht knacken kann. Huntress ist im Comic die Lehrerin Helena Bertinelli, die auch ganz ohne Superkräfte ihren Rachefeldzug in Gotham City verübt. Im Film ist sie die leibliche Tochter von Batman und Catwoman, Selina Kyle. Hier hat man ihr noch einige zusätzliche Katzensinne und –kräfte verpasst. Die Dritte im Bunde ist Black Canary – sie ist im Comic ein altehrwürdiges Mitglied von sowohl JLA als auch JSA. Dinah Lance – ihr bürgerlicher Name - ist eine überaus sportliche Kombattantin, die über einen Sonarschrei verfügt und mit dem alten Haudegen Green Arrow verbandet ist – zumindestens manchmal. Sehr anders ihre Spiegelschwester im Fernsehen: Sie ist die Tochter von Black Canary und eine Telepatin mit noch unbekannten psychischen Kräften – der Mutantenfaktor lässt grüßen. Eine junge Ausreißerin, die ihre Pflegeeltern verlassen hat und - einen inneren Zwang folgend - nach New-Gotham-City kam. Durch eine Begegnung/Berührung mit Huntress (konnte ihre Gedanken lesen) fand sie den Weg in die Turmuhr. Die Fernsehserie spielt zudem in einer möglichen Zukunft von Gotham City – über den Verbleib von Batman gibt es keine genaueren Angaben.
In den USA startete die Comic-Serie 1999 mit dem Autor Chuck Dixon, der bis zu seinem Fortgang von DC im Jahre 2002 der Serie (bis zur Nummer #46) treu blieb, bis schließlich mit der Nummer #56 - dazwischen kamen Gilbert Hernandez und Terry Moore (STRANGERS IN PARADISE, Speed) – die Autorin Gail Simone (bekannt u.a. durch SIMPSONS COMICS und einige Ausgaben zu DEADPOOL/AGENT X) die Serie übernahm. Nicht zuletzt durch die überaus spannenden Anfangsgeschichten von Dixon wurde diese Serie schnell zu einem Liebling unter den Lesern. Dieser Ableger aus dem Batman-Universum wurde auch nicht selten in der Vergangenheit in Cross-Over eingebunden (z.B. Officer Down, Bruce Wayne: Murderer?, Bruce Wayne Fugitive)
Im ersten Heft fängt alles sehr harmlos an. Was wie ein Routinefall scheint, verwandelt sich aber schnell in ein Abenteuer, dessen Ausgang und Hintergründe alles andere als klar sind. Bei ihren Recherchen, die jedes falsche Handeln ahnden, wird Orakel bei einem Manager - Andrew Fisher - auf dessen Computer fündig, der seine Firma in den Bankrott trieb und sich mit dem letzten Geld absetzen möchte. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass Orakel und Black Canary diese miesen Machenschaften erfahren und nun versuchen ihn auf den rechten Pfad der Tugend zurück zu bringen, wenn auch mit zweifelhaften Methoden. Black Canary fragt zwar Orakel: "Ist es okay, was wir hier machen? Ich frage mich oft, ob wir ihre Privatsphäre nicht mit Füßen treten?“ Der Manager indes scheint einen Abschiedsbrief auf seinem Computer zu schreiben – Black Canary eilt hin, um das Schlimmste noch zu vereiteln. Doch in Wirklichkeit lauern in seiner Wohnung zwei Ganoven: Savant und Creole. Die Vögel sind in die Falle gegangen, Black Canary wird gefangen genommen. Eine Situation, die hier mit einer Szene aus "LONGBOW HUNTERS“ (Mike Grell, USA 1987, dt. u.a. bei Panini) verglichen wird. Und Rettung naht auch schon in Person der Huntress.
Im zweiten Heft wird klar, warum Savant sich mit den Birds of Prey anlegt: Er möchte die Geheimidentität von Batman erpressen. Erst hatte er zwar vorgehabt, selbst Superheld zu werden, aber Batman verbot es ihm und deshalb entwickelte er einen Hass auf den dunklen Ritter. Die Situation für Black Canary wird unterdessen immer unerträglicher – sie ist völlig machtlos ihren Peinigern ausgeliefert und leidet sehr unter dieser Demütigung. Aber sie kann sich dennoch befreien und zusammen mit Huntress und Fisher können sie Savant und Creote besiegen. Orakel dringt noch in Savants Computersystem ein und kann seine Platte putzen. Canary wirft die Sicherungsdisketten von Savant in das beim Kampf entstandene Feuer. Dies tut sie deshalb, weil Savant, der ebenso geschickt wie Orakel im Umgang mit Computern ist, sein Talent dazu nutze, kompromittierende Daten über Persönlichkeiten zu sammeln, um diese zu erpressen. Und Canary hat einfach Angst, dass ihre beste Freundin diese illegalen Daten ebenfalls nutzen könnte, um bisher unaufgeklärte Verbrechen zu ahnden. Aber sie kann nicht wissen, dass Barbara schon ein Back-Up gestartet hat, um Savants Daten wiederherzustellen.
Im ersten Sonderband wird die Handlung des zweiten Heftes fortgeführt. Savant kommt ins Arkham Asylum aber dort stellt sich heraus, dass jemand Interesse daran hat, ihn dort zu töten. Dieser jemand schmuggelte einen Wächter ein, mit dem Ziel, Savant zu töten. Aber Savant kann entkommen. Ein Senator Pullman hat Kontakt zu Black Canary aufgenommen und möchte sie treffen. Da Dinah beide Beine und einen Arm gebrochen hat, wird sie bei diesem Treffen von Huntress vertreten. Der Senator und Savant waren wohl "Geschäftspartner" und nun möchte er von Orakel einige brisante Daten zurück. Pullman weiß zwar von der Existenz Orakels, weiß aber nicht, wer sich dahinter verbirgt – er spricht vom Orakel sogar immer von "ihm".
Im Clocktower erklärt Barbara Dinah, dass sie sich in Zukunft nicht mehr so viele Sorgen um sie machen möchte. Sie möchte Dinah dazu bringen, ebenfalls nur noch hinter den Computern zu arbeiten. Als sie dieses Angebot ablehnt, legt Barbara ihr nahe, das Duo zu verlassen. Aber sie bleibt und sie nutzt die Zeit nach ihrer Genesung um mit anderen Helden ihre Kräfte zu trainieren und zu verbessern. Ihre Partner sind u.a. Batgirl und Wildcat.
Black Canary erfährt, dass ihr Lehrer Sensei Otomo in Hong Kong im sterben liegt. Sie eilt dorthin und trifft dort am Krankenbett ebenfalls Lady Shiva. Otomo ist ihrer beider Lehrer. Sie müssen ihm etwas versprechen – nämlich dass Shiva nie versuchen wird Canary zu töten und Black Canary muss versprechen, nie zu versuchen Lady Shiva gefangen zu nehmen. Während einer Prügelei in einer Gaststätte zwischen Black Canary, Lady Shiva und einer Bande von Mietkillern wird ihr gemeinsamer Lehrer ermordet. Zu spät erkennen die Schülerinnen dieses Ablenkungsmanöver und eilen zu ihm, können aber nur noch seinen Tod zur Kenntnis nehmen. Er ist vergiftet worden und ihr Veracht fällt auf Cheshire. Sie können die Mietkillerin auch festnehmen, sie schwört aber, mit dem Tod von Otomo nicht zu tun zu haben – sie hat ihrerseits eine andere Theorie, wer dahinter stecken könnte: Senator Pullman.
Zu Hause in Gotham City muss Orakel feststellen, dass ihre Daten bei der Einsatzleitung diverser Helden sehr falsch laufen. Sie kann sich nicht mehr auf ihre Computersysteme verlassen. Sie sucht im Netz Hilfe bei anderen Datenfreaks – einer gibt ihr den Rat all ihre Hardware zu zerstören und zu fliehen. Nach einem Restaurantbesuch wird sie entführt. Wer dahinter steckt, ist nicht zu erahnen.
BIRDS OF PREY: Drei Babes schlagen sich in bester Hau-Drauf-Manier durch eine durchdachte Story und das in knappen Kampfanzügen: Huntress in ihrem neuen Jim-Lee-Outfit und Black Canary in Netzstrümpfen. Und ein nicht minder attraktives Orakel, das Gefahr läuft, den Versuchungen der totalen Überwachung zu erliegen. Dazu gesellt sich ein neuer Gegner, dessen wahre Gründe und Fähigkeiten noch im Verborgenen sind: Ein überaus intelligenter Psychopath, der ebenfalls wie Orakel seine Mitmenschen ausspioniert und trackt. Der es sogar versteht, den Birds eine Falle zu stellen, in die sie sogar völlig ahnungslos reintappen.
Sehr gekonnt entwickelt Gail Simone in ihren ersten acht Geschichten eine routinierte und schlüssige Popcorn-Geschichte. Und der Zeichner Ed Benes (zuletzt gesehen bei SUPERGIRL), der durch seine wohlproportionierten Darstellungen der weiblichen Akteure zu glänzen weiß, der tut das Seinige dazu. Durch den vielleicht übertriebenen, doch sehr gekonnten Strich, droht die Geschichte in den Hintergrund zu rücken. Ein Makel? Es ist halt wie im richtigen Leben - was ist so schlecht daran, wenn man seinen Traum-Lebenspartner gefunden hat, dieser alle wichtigen Wesenszüge erfüllt und er darüber hinaus auch noch die unwichtigste aller Eigenschaften besitzt und sehr hübsch ist? Seit wann ist Attraktivität ein Vergehen?
Die Autorin versteht es sehr geschickt, einen Handlungsfaden zu spinnen und ohne logische Sprünge abzuspulen. Ihr Talent ist überaus groß und so ist es auch kein Wunder, dass sie demnächst in Amerika die monatliche Serie "ACTION COMICS" übernehmen wird. Das Vertrauen, das sie bei den DC-Verantwortlichen genießt, scheint sehr groß zu sein, da man ihr mit Superman das(!) Flagschiff anvertraut. Benes wird ebenfalls dieses Jahr für "SUPERMAN" arbeiten.
Diese ersten acht Geschichten in einem Rutsch gelesen, bereiten viel Spaß und es wäre überaus miesepetrig sie als Fanboys wahr gewordenen Feucht-Traum abzutun. Wer Spaß an flott dahinplätschernder Unterhaltung hat, die dazu noch nett verpackt ist, der ist bei den Birds bestens aufgehoben. Die kommenden Storys versprechen ebenfalls viel Spannung und die Auflösung der einzelnen Beziehungen der handelnden Akteure ist alles andere als erwartungsgemäß.
Norbert Elbers
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