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Batman
Schwarz und Weiß #2


Zwölf Mal Schwarz, Weiß, Stark!

Wieder einmal können wir erleben, wie wandlungsfähig und vielseitig dieser Batman-Charakter ist. Batman Black & White #2 umfasst die zwölf achtseitigen Zweitgeschichten aus US-Gotham Knights #13- #20 und #22- #25.

Wieder einmal stellen zwölf Autoren und Künstler unter Beweis, dass man mit Batman so ziemlich alles machen kann. Das Spektrum der Geschichten ist diesmal enorm weit, und die Riege der Kreativen entsprechend illuster.



Gleich zu Beginn erfahren wir in der Geschichte "Falschgeld" von Harlan Ellison, dass Schweizer sehr auf Melodram stehen –eine Schwäche, die Batman gekonnt ausnutzt, um das von Kaes Poppinger zu bekommen, was er möchte. Böse Buben haben jede Menge Originalpapier zum Erstellen von US-Banknoten geklaut und brauchen diese nur noch perfekt zu bedrucken, und schon haben sie jede Menge echtes Geld. Dazu benötigen sie die Fähigkeiten eines Graveurs –und Poppinger ist der beste in seinem Metier. Eigens hierfür wird er eingeflogen, aber durch einen Tipp von Interpol schon am Flughafen abgefangen und in Gewahrsam genommen. Und damit das Versteck der bösen Buben auch noch ausgehoben werden kann, und diese keinen Verdacht schöpfen, wenn Poppinger nicht am vereinbarten Treffpunkt erscheint, muss sich Batman auf Drängen der Bundesschatzbehörde dieses Falles annehmen. Und er spielt alle seine detektivischen und psychologischen Trümpfe aus, die er zu bieten hat, und beweist am Ende sogar noch eine gehörige Portion Humor! Die Dialoge vom Altmeister Ellison sind pointiert und geschliffen, die Illustration von Gene Ha gekonnt und sein Seitenlayout trickreich und mitunter so filigran, wie die Striche auf Geldscheinen –echten oder falschen.

Wer wissen möchte, wie Poison Ivy ihren Farn wässert, wenn sie ganz alleine in ihrer Zelle im Arkham Asylum einsitzt, der erfährt es in der zweiten Geschichte von keinem geringeren als Paul Dini. Die kleinen, aber feinen Zeichnungen stammen von Ronnie del Carmen. Und so entsteht "Die Wette" zwischen Harley Quinn und Poison Ivy, wer von beiden wohl mehr Sexappeal hat. Sie wetten um einen Dollar, ob Ivy es schafft, jeden Mann im Asylum zu küssen, den sie möchte: Wärter, Ärzte, Insassen,..... Wie wird sich der Joker entscheiden? Und wie wird Harley darauf reagieren?

Tom Peyer (JLA 2000) und Gene Colan (er hauchte jener geheimnisvollen wie schönen Nocturna 1983 Leben ein, in Doug Moenchs Run über die Adoptionsschlacht um den Pre-Crisis Jason Todd, Robin) zeigen in ihrer Geschichte "Höllenwetter", wie Angst sich auf den Menschen auswirken kann, und dass Batman – obwohl es ja sein Ziel ist, Schrecken und Angst in die Herzen von Kriminellen zu bringen- selbst mit den ärmsten Seelen Mitleid hat.

Wer aber ein noch größerer Meister der Angst als Scarecrow ist, und warum, das erfahren wir in "Batman....am Ende?" von Alan Grant. Bei einem Raubzug von Scarecrow, den Batman nicht verhindern konnte, hat unser Meisterdetektiv eine viel zu hohe Dosis von Scarecrows Angstserum abbekommen. Seitdem ängstigt er sich vor seinem eigenen Batsymbol auf seinem Dress und auch vor dem Batmobil. Listenreich gelingt es aber Batman, sich an Scarecrow ranzumachen und ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Batman ist eben Herr über sich selbst: "...während ich mein ganzes Leben mit Furcht verbrachte, die Qualen kenne –aber auch weiß, wie man die eigene Angst überwinden kann!" Er kennt seine Dämonen und hat gelernt sie zu besiegen –immer wieder. Die Zeichnungen von Enrique Breccia heben die Stimmung effektvoll hervor.

Die wohl schwierigste Geschichte ist die von Joe Kelly: "Ein Moment im Licht". Auf verschiedenen Ebenen wird erzählt, wie Batman sich gegen Zsasz behaupten muss –jenen Psychopaten, der mit Stichwaffen umgehen kann, wie kein Zweiter. Zsasz, der Schlächter, unbekannte Anzahl an Morden. Ein Jäger ohne Grenzen...einhundert Kilo, mager, 193 Zentimeter Reichweite...Stilett-Experte der Weltklasse. Instinktiv. Innovativ. Erhöhte körperliche Stärke. Greift gerne mit links an.... Diesmal hat er drei Kinder unter seine Kontrolle gebracht: Kinder! Es kommt zum Zweikampf, aber auch Zsasz ist perfekt vorbereitet auf seinen Gegner und kann Batman im Nahkampf sogar durch eine Stichverletzung – die Waffe hält er zwischen den Zähnen und trifft ihn unterhalb des Kinnes (fast) in der Luftröhre – eine seiner bekannten Drogen injizieren.
Schnitt.
Man sieht Batman, wie er auf seinem langen Weg der Ausbildung bei einem fernöstlichen Meister in der Schule sitzt und die Gabe der Konzentration und Ablenkung schult und trainiert.
Schnitt.
In der Bathöhle hockt Batman und arbeitet an einer Verbesserung seiner Maskenpanzerung, damit ihm so etwas nicht noch einmal passiert. Und erschwerend beschallt er die ganze Höhle mit dröhnendem Lärm. Eine Übung, die ihm beim (siegreichen) Kampf gegen Zsasz einmal mehr das Leben gerettet hat. Nur dank äußerster Konzentration ist es Batman gelungen, die Oberhand zu behalten und zu bestehen. Diese Fähigkeit – bei Kämpfen lebenswichtig – muss ständig trainiert werden. Keine noch so große Ablenkung darf ihn das Ziel aus den Augen verlieren lassen. Und damit diese Ablenkung möglichst unangenehm ist, dröhnt aus den Lautsprecherboxen Kinderlachen. Alfred zeigt sich verwundert, da ja Kinderlachen eher dazu geeignet ist, sich wohl zu fühlen, anstatt sich davon herab ziehen zu lassen. Aber Bruce Wayne sieht darin – anders als Alfred – Disklang, unerträglich, wie seine Kindheit, in der es kein Lachen gegeben hat. "Die Wege zum Licht sind so individuell wie die Geister, die sie suchen..." Die Zeichnungen von Aron Wiesenfeld sind erschreckend. Gut.

Der Zeichner Mick McMahon (klingt wie Big Mac) ist durch seinen extrem schrägen Zeichenstil bekannt (Legends of the Dark Knight #55-#57 und 2000 A.D.) und so ist die Geschichte "Fette Stadt" von ihm und Dave Gibbons auch inhaltlich recht schräg. Sein Layout ist einfach -3x3 gleichgroße Panels pro Seite –, seine Figuren karikativ.
Tief unten in der Kanalisation unter Gotham City gibt es einen Kurzschluss, und durch diesen Stromschlag wird etwas zum Leben erweckt – zusammen mit den Fetten und Lipoiden unserer Wohlstands- und Überflussgesellschaft entsteht ein Etwas, das fortan einen schier unersättlichen Hunger nach Fett entwickelt. Siebzig Tote sind zu beklagen und von dem Fettsauger fehlt noch jede Spur. Alle fetten Menschen scheinen vor diesem Monster nicht mehr sicher zu sein. Gesundheitskliniken und Diät-Gurus machen ein Heidengeld. Jeder hungert oder lässt sich das Fett absaugen. Rettung scheint nicht in Sicht. Doch Batman hat einen Plan. Und für diesen braucht er die Hilfe von Chloe Willow, der beleibtesten Frau von Gotham City. Sie lebt in einer kleinen Wohnung und kann diese schon seit Jahren nicht mehr verlassen. Wie eine Opfergabe für mittelalterliche Drachen soll sie sich als Köder für dieses "Ding" zur Verfügung stellen. Sie willigt ein, da sie in den vergangen Jahren so viel Gutes durch die Wayne-Stifung erfahren durfte: Spezialbett, kostenlose Medizin. Jetzt ist es an der Zeit, sich zu revanchieren – außerdem möchte sie auch mal wieder an die frische Luft, den Himmel sehen, nur einfach raus aus ihrer Bude. Ein Kran kommt und reißt die Mauer der Mietswohnung weg und Chloe schwebt mit ihm zu Boden. Sie ist glücklich. Sobald die fettabsaugende Masse sich zeigt, soll Chloe die Phosphorbombe zünden. Dann bleiben noch fünf Sekunden und ein Helikopter zieht sie wieder raus – so der Plan. Aber durch die Aufregung versagt ihr Herz – sie ist aber glücklich im Augenblick des Todes, da sie weiß, dieses Monster mit zu nehmen:
"Sie sind eine tapfere Frau, Mrs. Willow" – "Ach was, Batman. Nenn' mich Chloe..."

Von allen Geschichten sticht die von Claudio Castellini illustrierte wohl zeichnerisch am meisten hervor. Castellini – jener überaus talentierte, freundliche und unermüdliche Künstler aus dem Lande von Michelangelo, Da Vinci und Raffael, den wir alle von der Comic Action aus Essen 2002 kennen. Seine Anatomie der Figuren ist kräftig und naturalistisch. Stark und heroisch kommen seine Helden daher, und seine Schattenspiele in den Gesichtern sind perfekt. Die Story von Mark Schultz steht aber den imposanten Bildern in Nichts nach:
Batman – ein Meister der Strategie und Planung – sieht sich einer Situation konfrontiert, die er allein nicht mehr meistern kann. Trotz genauester Planung und Überlegung ist etwas schief gelaufen und nun droht eine unbeteiligte Person zu sterben. In dieser Not ist es gut, Freunde zu haben – sehr gute Freunde. Und als ein solcher erweist sich einmal mehr Superman, der Ausputzer. Nur seinem sofortigen und schnellen Eingreifen und seinen speziellen Fähigkeiten ist es zu verdanken, dass die Frau, die von einer verirrten Kugel unglücklich getroffen wurde, nicht stirbt. Seinem Ruf folgt der Freund – ohne zu fragen – und kann rettend einschreiten. Wer wünscht sich nicht einen solchen loyalen Freund, der einen - ohne zu fragen - auffängt und niemals enttäuscht? Batman und Superman sind solche Freunde: "Ich wirke im Schatten und er arbeitet im Licht. Ich weiß, dass wir eigentlich grundverschiedene Arbeitsweisen haben. Und doch definiert das Licht die Schatten. Ohne Licht wäre ein Schatten nichts als alles verschlingende Schwärze, und ich weiß..... er hat recht."

Die beiden Altmeister und ehemaligen Redakteure Julius Schwartz und Dan Raspler beleuchten in ihrer Geschichte (Zeichnungen von Christian Alamy) die Jugendjahre des kleinen Bruce Wayne: "Die Lektion". Er hat Geburtstag und was bekommt er geschenkt? Tief unten in der Höhle unter Wayne Manor steht der kleine Bruce Wayne und begegnet seinen Dämonen: Seine Qual, seine Zweifel und Ängste. Doch in dem kleinen Jungen wächst der Entschluss, sich diesen entgegen zu stellen und sie besiegen: Er ist bereit für diese Aufgabe. Denn er ist nicht allein. Hier unten in der Höhle hat er eine mystische Begegnung mit einer riesigen Fledermaus:
"Ich sage Dir, Du wirst nie mehr allein sein. Nicht solange Du mich hast. Ich verlasse Dich nie. Es ist essentiell, dass ich Dir dies begreiflich mache.....dass Du mehr als verstehst. Du musst – musst - von ganzem Herzen und Deiner Seele glauben. Ich brauche Dich, genauso sehr, wie Du mich brauchst. Alles, was ich über die Welt weiß...Finsternis, Schmerz und ihre Grausamkeit...das bringe ich Dir bei. Und Du wirst ein Soldat....ein Krieger. Die Höhle ist noch nicht fertig – noch lange nicht, wenn sie es ist, wird sie unser zu Hause sein."

Eine flotte und rasante Verfolgungsjagd liefern Michael Golden (Story) und Jason Pearson (Zeichnungen) über die Hochhausdächer von Gotham City. Batman verfolgt eine ganze Bande von Joker-Gehilfen samt vermeintlicher Beute. Doch am Ende müssen alle feststellen, dass dies nur eine Falle war: Um Batman zu vernichten, nimmt der teuflische Mörder-Clown jedes Opfer in Kauf. Die Beute entpuppt sich als Bombe, die alle in den Tod reißen sollte.

Paul Grist (Autor) und Darwyn Cooke (Zeichner) stellen in ihrer Geschichte "Wahre Monster" vor. Madame X droht die ganze Stadt zu vergiften. Aber Batman lässt das nicht zu. Nichts kann ihn aufhalten, um seine Stadt zu retten. Mit dem Begriff "Monster" wird hier sehr vielschichtig gespielt: Kein Monster kann diese Stadt vernichten – so sehr sie auch schon kaputt erscheint. Und diese kaputte Stadt macht aus Menschen wiederum Wesen, die Monster ähneln. Und mittendrin Batman – hin- und hergerissen zwischen den Extremen.

Gibt es Batman oder ist er nur eine urbane Legende?? Dass diese Angst für so manch einen Kleinkriminellen geeignet ist, sich nicht auf miese Geschäfte einzulassen, davon weiß "Schauermärchen" von Todd Dezango zu berichten. Herrlich in Szene gesetzt von Mike Wieringo und Karl Story.

Was würde Batman machen, wenn in einer der Stammkneipen von Matches Malone für immer die Lichter ausgingen: "Sperrstunde im McSurley's"? Dass es soweit nicht kommen darf, das versteht sich von selbst. Woher bekäme er sonst all seine wichtigen Hinweise und Tipps? Und damit diese Quelle nicht versiegt, dafür lässt Batman/Bruce schon einiges springen: Die Finanzbehörde hat mit ihrer Zwangsvollstreckung keine Chance und die finstere Spelunke darf weiter geöffnet bleiben. Mike W. Barr (Son of the Demon, Bride of the Demon) und Alan Davis (Vorzeichnungen), Mark Farmer (Tusche) haben sich hier noch einmal zusammengetan – von dem Trio ist auch "Full Circle", 1991, die Geschichte um den Reaper – und haben eine sehr nette kleine Geschichte abgeliefert, die Batman in seiner Wandlungsfähigkeit zeigt. Eine Fähigkeit, die im Mainstream nur allzu oft zu kurz kommt.



Diese Geschichten also - losgelöst von der monatlichen Kontinuität - durchleuchten Batman in allen seinen Facetten, und können ihm sogar immer wieder neue Nuancen abgewinnen. Diese Minimierung auf das Wesentliche ist ein Lesegenuss! Die Darbietungen in s/w lassen eben viel Platz für unkonventionelle aber gute Ideen, sowohl vom Inhalt, als auch beim manchmal experimentellen Zeichenstil – und das ist zweifelsohne eine Bereicherung, sowohl für die Comic-Schaffenden, als auch für uns, die Leser.

Besonders interessant ist, dass hier wirkliche Altmeister noch einmal aus ihrer Erfahrung mit Batman heraus Geschichten zum Besten geben. Hier geben sich die besten des Comic-Biz ein Stelldichein und liefern sowohl zeichnerisch, als auch erzählerisch kleine Meisterwerke rund um den Mitternachtsdetektiv ab. Somit schließt dieses Werk in bester Tradition an die schwarz-weiß Geschichten an, die bereits in Carlsens Schwarz auf Weiß-Band (Batman #30) sehr erfolgreich erschienen sind, und ihre erste Fortsetzung ja schon bei Panini in Batman: Schwarz und Weiß #1 erlebt hatte.


Norbert Elbers


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