Batman: Hush Die neuen Abenteuer #1
Erscheinungsdatum: 06. März 2003Preis: 4,00 Euro Kaum eine Meldung der letzten Jahre hatte die Comicleser so sehr begeistert, wie die, dass Jeph Loeb wieder Batman schreiben würde. Doch damit nicht genug – als Zeichner wurde auch gleichzeitig Jim Lee genannt. Und um die Sensation perfekt zu machen, hat man als Dritten im Bunden noch den Tuscher Scott Williams mit ins Boot geholt.
Dass Jeph Loeb ein Autor der Extraklasse ist, war jedem Batman-Fan spätestens nach "The Long Halloween" bekannt. Jene 13-teilige Mini-Serie um den geheimnisvollen Mörder, der an hohen Feiertagen unter den Mafia-Bossen in Gotham City Angst und Schrecken verbreitete. Doch selbst dieses Werk vermochte er noch einmal zu überbieten in der Fortsetzung mit dem Titel "Dark Victory".
Jim Lee ist ein Künstler mit „Alleinstellungscharakter“: Seine Arbeiten zu X-Men, Fantastic Four: Heroes Reborn, WildC.A.T.s und Divine Right haben längst Kultstaus. Wie kaum ein anderer ist er über jeden Zweifel erhaben und seine Kunst findet durch alle Verlage, alle Geschmäcker, und Charaktere breite Zustimmung.
Scott Williams als Tuscher ist die denkbar beste Wahl – sein Strich in Divine Right, CyberForce, Fantastic Four, Gen 13, Iron Man, Uncanny X-Men, X-Men, oder WildC.A.T.s konnte immer überzeugen.
Die Vorankündigungen lasen sich spektakulär: Von "völlig neuen Abenteuern im Leben des Dunklen Ritters" und "neuen Standards für die kommenden Jahre" war die Rede. Die Liste der auftretenden Darsteller klingt verheißungsvoll: Von Catwoman, Poison Ivy, Killer Croc, Joker, Harley Quinn, Two-Face, Huntress, Nightwing und sogar dem Mann aus Stahl –Superman selbst–, war da die Rede.
Die Themen seien Action, Mord, Mystery, Romantik und Tod. Spannung und eine sich langsam entwickelnde Detektiv-Geschichte mit vielen Fragen, die einen von Anfang an zu fesseln vermögen, und deren Beantwortung sicherlich bis zur letzten Ausgabe auf sich warten lassen, das alles erwartet den Leser. Jeder wollte nun wissen, wie Lee diese Charaktere zum Leben erwecken wird!
Mit Beginn der Story wurde auch das Erscheinungsbild der Cover verändert. Veränderungen der Schriftzüge und der Logos deuteten in der Vergangenheit immer auch auf Veränderungen im Inhalt hin. Anlässe für solche Re-Designs waren zum Beispiel der Wechsel von Redakteuren, oder der Abschluss einer langen Storyline (Stichwort NiemandsLand). Änderungen waren mal mehr, mal weniger bedeutend, manchmal marketing-strategisch, mitunter auch mal epochal. Was würde es diesmal bedeuten?
Das neue Logo ist eine Rückbesinnung auf alte – sehr erfolgreiche – Zeiten. So ähnelt der neue Batman-Schriftzug dem klassischen Logo, welches auf Batman #170 (März 1965) erstmalig verwendet wurde. Damals hatte Getaway Genius seinen ersten Auftritt und der Inhalt der Geschichten wandelte sich recht drastisch...
Denn seit seiner Erschaffung im Jahre 1939 hatte sich Batman vom mutigen Vigilanten über einen interstellaren Botschafter, bis zum Held für Kinder entwickelt. Aliens und die absonderlichsten Transformationen waren an der Tagesordnung. Aber jetzt, 1965, wurde Batman von einer völlig neuen Gefahr bedroht. Nein, kein neuer (oder alter) Gegner, sondern eine Comicfirma namens Marvel. Das "Haus der Ideen" hatte neue Helden mit realen Problemen, an realen Orten in der realen Zeit. Als Antwort hierauf wurde das Dynamische Duo wieder zu Detektiven, und eine ganz neue künstlerische Richtung wurde eingeschlagen. Und plötzlich produzierten die Batman Magazine exzellente Mystery-Stories, die man seit den frühen 50er Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Die Änderungen damals waren also umwälzend. Was würde diesmal die Leser erwarten? Wieder eine neue Definition ihres Charakters? Eine Antwort auf das "Ultimate"-Konzept anderer Verlage, ohne dafür einen gewaltigen Bruch einzugehen? Schleichende Änderungen, die aber eine neue Ära einläuten könnten, wie schon so oft zuvor (Batman: Year One in US-Batman #404 - #407 von Frank Miller wäre so ein Beispiel).
So waren die Erwartungen von Anfang an sehr hoch, und von dem ersten Heft der Story wurden aus dem Stand heraus sofort über 120.000 Exemplare verkauft. Die Ausgabe führte die Verkaufscharts an, der Absatz schien alle Erwartungen zu überbieten: Mehr als doppelt so viele Hefte gingen über die Ladentheken, wie sonst in den Monaten. Die erste Auflage war sofort weg, und schon wenige Tage später lag die zweite in den Regalen.
Auch in den folgenden Monaten erwiesen sich die Hefte als Verkaufsschlager. Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die erste Nummer nicht nur von Spekulanten aufgekauft, oder von neuen Lesern ausprobiert wurde. All diese neuen Leser hielten Batman die Treue, ein sicheres Zeichen dafür, dass ihnen die Geschichte auch gefällt. Der neue Batman führt die Verkaufslisten auch weiterhin an.
Mittlerweile werden die ersten beiden Hefte zusammen in einem Doppelheft nachgedruckt –ein Ende ist nicht abzusehen.
Von den Editoren bekam Jeph Loeb grünes Licht, sich nicht allzu sehr um vergangene Geschehnisse in der Continuity zu kümmern. Die Geschichte steht im Vordergrund. Und ein Batman für das Heute.
Die Handlung fängt auch gleich mit Hochspannung und Action an: Ein kleiner Junge ist entführt worden. Er ist Edward Lamont IV, der Sohn reicher Industrieller aus Gotham City. Er wird auf einem alten, verlassenen Hafengelände versteckt gehalten. Alle sind sich einig, dass das Lösegeld von $10 Mio. gezahlt werden soll: Die Eltern, die Polizei, der Bürgermeister, das F.B.I. – nur einer nicht: Batman. Der Entführer ist Killer Croc, und er hat sehr viel Geld ausgegeben, um eine Crew von Bewachern anzuheuern. Während Croc bei der Geldübergabe ist, hat Batman ein Zeit, die Entführung so zu beenden, wie er es in seiner Stadt für richtig hält. Es gelingt ihm, ins Versteck vorzudringen, die Bewacher zu überwältigen, und Edward zu befreien.
Allein auf den ersten sechs Seiten bekommen wir einen Batman präsentiert, der so ganz anders ist, als in den letzten Jahren. Er setzt nicht nur all sein körperliches Können ein, sondern benutzt auch High-Tech vom allerneuesten Stand: Er verlässt sich nicht nur auf seine antrainierten Fähigkeiten, sondern auch auf modernste Technik und Elektronik. Noch im August 2001 lässt der Autor Ed Brubaker Batman (in US-Batman #592) feststellen: “Vor langer Zeit habe ich gelernt, mich nicht auf Ausrüstung und Gimmicks zu verlassen!“. Dieser Batman von Jeph Loeb agiert ganz anders.
Als er den Jungen befreit hat, stellt dieser sofort fest: "Du...bist...Batman!". Kein Widerspruch, keine Ausreden: "Ja!".
Batman ist hier nicht der urbane Mythos vergangener Tage, sondern genießt einen Bekanntheitsgrad – jedes Kind scheint ihn zu kennen und zu mögen. Als ein F.B.I. Agent dem Jungen Edward sagt, er bringe ihn nun nach Hause, meint dieser nur kleinlaut: “Aber ich möchte bei Batman bleiben...“.
Dann erscheint Killer Croc – auch so ganz anders, als wir ihn kennen: Er scheint mutiert zu sein und an Wildheit und Kraft zugenommen zu haben. Die Verwirrung des Kampfes nutzt Catwoman, um den Koffer mit dem Lösegeld an sich zu nehmen. Unbemerkt vom F.B.I. konnte sie in den abgesperrten Bereich gelangen und ebenso unbemerkt wieder entkommen, und ist nun auf der Flucht. Batman erkennt ihre Spur – wieder mit Hilfe von modernstem Equipment: Hitzesensoren, die sich über seine Sehschlitze schieben, scannen die Umgebung und erkennen jede Veränderung. Und schon beginnt eine atemberaubende Verfolgungsjagd über die Dächer von Gotham City. Solch eine Darstellung von Häuserschluchten und Gebäuden hat man selten zuvor bei Batman gesehen. Hier wird Gotham real und wirklich.
Doch die rasante Verfolgung findet ein jähes Ende, als Batmans Seil von irgendetwas durchtrennt wird und er in die Tiefe stürzt. Der freie Fall wird kaum gebremst – an einigen Gargoyle-Statuen kann er sein Tempo mindern – und er landet im Dreck der Gosse. Dies hier war einst eine der nobelsten Gegenden von Gotham City – Park Row, aber nun besser bekannt als Crime Alley. Der Ort, an dem die Eltern des kleinen Bruce ermordet und Batman geboren wurde. Hier liegt er nun zwischen dem Abfall und dem Strandgut der Gesellschaft, und die ersten Obdachlosen nähern sich ihm.....
Catwoman erreicht unterdessen mit dem Koffer voller Lösegeld ihr Ziel: Die Wohnung von Poison Ivy!
Dieser Cliffhanger ist atemberaubend und fesselnd. Auf die erste Fortsetzung mussten die Leser in Amerika einen Monat warten –wir brauchen nur umzublättern.....
Weiter...
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