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Batman (ab 2005) #8 Kriegsspiele
Enthält:
Batman 632, Detective Comics 799, Batman: Legends Of The Dark Knight 184, Nightwing 98
Autoren: Bill Willingham, Andersen Gabrych, Dylan Horrocks, Devin Grayson
Zeichnungen: Kinsun, Pete Woods, Brad Walker, Sean Phillips
Erschienen: 11. August 2005
100 Seiten, 5,95 €
Batmans Plan scheint zu funktionieren. Mit Hilfe der Polizeikräfte Gothams, die sich nicht ohne Bedenken seinem Kommando unterordnen, wurden alle Gangs der Stadt zu einem Treffen im Robinson Park zusammen getrieben. Hunderte, wenn nicht Tausende von schwerbewaffneten Schlägern stehen sich gegenüber, eingekreist von einer Phallanx aus nervösen Cops. Batmans Ass im Ärmel ist Orpheus, der in diesem entscheidenden Moment alles zum Guten wenden soll. Doch Orpheus ist tot, Black Mask in Verkleidung hat seine Rolle eingenommen und steht nun dank Batman im Herzpunkt der Ereignisse.
Was für ein packendes Finale!
Naja, abgesehen davon, dass die Kriegsspiele natürlich noch nicht zu Ende sind - also doch kein Finale! Was nun kommt wird es aber sehr schwer haben, dieses Szenario zu überbieten: Alle Gangs der Stadt, alle Cops, alle Vigilanten an einem Ort, und ein Verbrechensgenie in Verkleidung in der Mitte. Und dann brechen alle Dämme und die Ereignisse überschlagen sich. Zum ersten Mal im Verlauf dieses Events laufen alle Fäden zusammen. Endlich wird eine große Geschichte erzählt - nicht Episoden, die ins Leere führen.
Batman gegen alle Schläger der Stadt. Das ist ein Kampf, in dem der unbezwingbare "Badass"-Einzelkämpfer endlich mal richtig ins Schwitzen kommt, bei dem man den Ausgang mit Spannung verfolgt. Dafür fiel das Gefecht mit Zeiss einige Seiten zuvor erschreckend langweilig aus. Dafür, dass der Reflexkiller eigentlich als ebenbürdiger Batman-Gegner eingeführt wurde, verliert er nun durch Entscheidung der Autoren (für die keine weitere Erklärung gegeben wird) erstaunlich schnell, fast im Vorrübergehen.
Dafür mutet sich Black Mask, der nun wirklich nicht für seine Kung Fu-Künste bekannt ist, erstaunlich viel zu und tritt mal eben gegen Batman persönlich an. Ein "teuflicher Plan", der nur deshalb gut geht, weil unerwartet Scarecrow eingreift. Auch ansonsten stellt sich der "Meisterkriminelle" nicht wirklich clever an. Orpheus Leiche einfach auf dem Sofa liegen zu lassen, wo Onyx sie auch viel früher hätte finden können, spricht für ein echtes Genie, doch! Dafür fängt er mit den "Infos über die Bathöhle" immer noch nichts an, die er schon vor ewigen Zeiten von Hush erhalten hatte.
Die Story bleibt also weiterhin holprig. Da wird mal wieder die omnipotente Rauchbombe verwendet, um einen unterlegenen Gegner für später aufzuheben (wer in einer Rauchbombe verschwindet ist ja bekanntlich weg!). Und Black Mask verkleidet sich als Orpheus. Noch mal, das habe ich nicht mitbekommen: Ein italienischstämmiges Totenkopfgesicht mit schlacksigem Körperbau, ohne Lippen, verkleidet sich durch Gesichtsprothesen in einen muskelbepackten Schwarzen. Und Batman, seines Zeichens größter Detektiv der Welt, der Körpersprache wie ein Kinderbuch zu Lesen versteht, merkt rein gar nichts davon. Black Mask hat ja auch seine Stimme verstellt. Und trägt Einlagen in den Schuhen. Tut mir leid, da hilft kein Augen zudrücken und guten Willen zeigen, das ist einfach nur dämlich!
Nach dem trotzdem tollen Finale im Park geht es leider auch wieder im Kriegsspiele-Rythmus weiter, anders ausgedrückt: Viele Helden rennen kreuz und quer durch die Stadt und prügeln sich mit vielen Gegnern. In diesem Fall Nightwing mit Firefly. Wenn man Nightwings Serie verfolgt hat, ist es ein klein wenig interessanter, da Dick noch eine persönliche Rechnung mit seinem Gegenüber offen hatte (Firefly hatte Haleys Zirkus niedergebrannt, in dem Dick aufgewachsen ist).
Letztlich geht es bei der Schlägerei nur darum, dass Nightwing sich eine Kugel im Bein einfängt, und zwar aus der Waffe eines Polizisten. Neuer Status Quo, jeder verstanden? Glocke klingelt. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte vor dem Beginn des Events eine Liste mit Veränderungen vorgelegen, die die Autoren ins Bat-Universum bringen wollten... Und dann wurde eben eine Story darum geschrieben. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen, wenn das so viel Spaß macht wie (größtenteils) in dieser Ausgabe. Aber muss das Gerüst denn so sichtbar bleiben? Brauchen wir wirklich einen Black Mask, der sich als Orpheus verkleidet, damit die Story mit Biegen und Brechen funktioniert? Geht es nicht etwas runder?
Wie dem auch sei... Die Zeichnungen von Kinsun im ersten Teil tragen ebenfalls dazu bei, dass Batman #8 das bisherige Highlight der Kriegsspiele ist. Mag sein, ernst nehmen kann man das Ganze nicht wirklich, und es gibt in jeder Hinsicht besser konzipierte Batman-Stories. Aber wenn die Spannung, die hier aufgebaut wurde, beim echten Finale in der nächsten Ausgabe noch mal erreicht wird, hat das Ganze zumindest Spaß gemacht. Interessant sind die Veränderungen in jedem Fall, die wir da beobachten dürfen. Batman als isolierter Outlaw auf der Flucht vor den Cops? Das gab es seit Frank Miller nicht mehr richtig! Nein, die guten Absichten von Willingham, Grayson und Co. stehen außer Frage. Fragt sich eben nur, wie viele schwer genießbare Brocken wir dafür noch schlucken müssen.
Lukas 'Ruppoman' Wilde
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