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Batman (ab 2005) #7 Kriegsspiele
Enthält:
Batman 631, Detective Comics 798, Batman: Legends Of The Dark Knight 183, Nightwing 97
Autoren: Bill Willingham, Andersen Gabrych, A.J. Lieberman, Devin Grayson
Zeichnungen: Kinsun, Pete Woods, Brad Walker, Mike Lilly
Erschienen: 14. Juli 2005
100 Seiten, 5,95 €
Der Bandenkrieg in Gotham verschärft sich an allen Fronten. Dabei nimmt er allerdings langsam neue Konturen an. Ein Unbekannter geht umher und nutzt die Situation zu seinen Gunsten. Anführer zahlreicher Gangs verschwinden und sterben auf grausame Weise. Batman hat davon noch keine Ahnung, er versucht immer noch verzweifelt die Oberhand zu gewinnen. In seiner Ausweglosigkeit greift er nach einem Plan B und konfrontiert Commissionere Akins bei hellichtem Tag mit einer gewagten Bitte: Das Oberkommando über die Polizeikräfte Gothams! Eine Forderung, die nicht nur Akins gegen Batman aufbringt, sondern auch bei James Gordon, dem alten Freund des dunklen Ritters, auf Unverständnis stößt. Auch die Öffentlichkeit steht dem Vigilanten immer feindseliger gegenüber, nachdem Videoaufnahmen ihn mit einem Opfer der Bandenkriege zeigen. Oracles Dispute mit Bruce werden auch immer heftiger. Nicht zuletzt, weil Batman Nightwing gestattet Tarantula trotz ihrer fragwürdigen Vergangenheit für sie arbeiten zu lassen. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Tim Drake lässt sich durch die jüngsten Ereignisse nicht länger davon abhalten Batman zur Seite zu stehen: Robin kehrt zurück.
Das Tempo nimmt nun endlich etwas zu. Langsam kommt Bewegung und Dynamik in die Bandenkriege und unnötige Kampfszenen machen Platz für spannendere verbale Gefechte. Die beiden Dreigestirne Batman / Nightwing / Robin und Batman / Akins / Gordon sind Fleisch und Blut der Story und bringen endlich dringend benötigte Charakterisierung in die Handlung. Gerade die Rolle Gordons ist hervorragend gewählt. Als Außenstehender kann er eigentlich nicht wirklich auf die Geschehnisse einwirken, hat aber doch mehr Einfluss auf Batman und den Commissioner als jeder Andere.
Auch die Konflikte innerhalb des Bat-Teams verschärfen sich, viele davon wirken aber aufgebauscht und erzwungen. Oracles Zwist mit Batman bekommt durch die Frage nach Tarantulas Rolle zwar etwas Substanz, aber die beiden zanken immer noch viel sinnlos und unprofessionell herum.
Das Problem des ersten Teils, dass Batman nur am reagieren war, und nicht motiviert genug alle seine Trümpfe gezogen hat? Damit wird nun Schluss gemacht, und das mit einem Knall! Sein Plan, ganz offen als Anführer der gesamten Polizeikräfte zu agieren, ist ein echter Hammer. Nicht nur, dass er nun (einmal mehr?) keine urbane Legende mehr darstellt, sondern Mittelpunkt des Medieninteresses wird - ein derart agressiver Schritt nach Vorne zerrüttelt den Status Quo und unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Bedrohung. Anscheinend wird sich diesmal wirklich einiges im Bat-Universum ändern.
Gleichzeitig macht es Spaß mitzurätseln, was sich alles im Hintergrund entfaltet. Da ist einerseits der unbekannte Folterknecht mit den weisen Handschuhen. Gut, die unnötig fiesen Grausamkeiten sind etwas plakativ, aber hey... Wenigstens darf man sich so wieder vor einem Gegenspieler Batmans fürchten! Bislang war da nur die "allgemeine anarchistische Situation", die den dunklen Ritter bedroht hat. Im Grunde natürlich ein viel gefährlicherer Gegner, der sich nicht einfach verprügeln und einsperren lässt. Denn jeder einzelne der Bandencheffs ist für sich genommen nicht weiter problematisch. Leider ist dies aber auch anspruchsvoller zu schreiben, denn wo keine konkreten Personen verägstigt um Hilfe rufen (nur allgemein "jedermann"), wo kein Schurke ist, den man hassen und fürchten kann, da passiert es leicht, dass der emotionale Zugang verloren geht und richtige Spannung kaum aufkommt. Nicht so, wenn Figuren und Charakterisierung das Potential auffangen können, aber das war bislang kaum der Fall. Zwar haben wir im Bat-Team mit Spoiler und Robin zwei Akteure, mit denen man mitfühlen kann, aber der Titelheld bleibt weiterhin etwas distanziert und blass. Sicherlich, einen unbekannten Gegner einzuführen, der wohl immer weiter zur Hauptbedrohung aufsteigen wird, ist ein etwas einfacher Ausweg aus diesem Dilemma, aber es könnte prima funktionieren. Oder haben die Autoren etwas ganz anderes vor?
Man muss natürlich trotzdem das eine oder andere Mal beide Augen zudrücken. Dass Batman nun in den Augen der Öffentlichkeit für den Tod eines Mädchens verantwortlich gemacht wird ist sicherlich eine interessante Wendung der Dinge. Dass er dazu aber bei hellichtem Tage vor die Objektive der Fernsehkameras treten musste (und so nebenbei die "ersten offiziellen Bilder des sagenumwobenen Vigilanten" abliefert) kommt kein Stück überzeugend rüber und wird auch nicht wirklich begründet. Als ob es nicht unzählige andere Wege gegeben hätte, das Mädchen wie sonst den Sanitätern zu überlassen und ungesehen zu verschwinden. Auch Bruces Unfähigkeit, hinter den Ereignissen der letzten Zeit seine eigenen Planspiele zu erkennen, stellt dem "größten Detektiv aller Zeiten", der sonst mühelos mikrokopische Veränderungen in Räumen mit seiner makellosen Erinnerung abgleicht, kein gutes Zeugnis aus. Über solche erzwungenen Story-Voraussetzungen kann man natürlich hinwegsehen, es sollte aber nicht all zu oft nötig sein.
Die Zeichnungen schwanken weiter zwischen zweckmäßig (Woods & Lilly) und anstrengend (Walker), Nur Newcomer (?) Kinsun überrascht mit einer interessanten Federführung. Wie immer ist auch die Kolorierung maßgebend, die bei seiner Story ganz hervorragend ausgefallen ist, bei Walker hingegen unter Pilzkonsum gelitten zu haben scheint.
Mal sehen, wie das alles weiter geht, vielleicht wird ja doch noch was draus.
Lukas 'Ruppoman' Wilde
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