Autorin:
Devin Grayson
Zeichner:
Roger Robinson
Preis: 4,30 Euro
Erscheinungsdatum: 19.12.2002
Inhalt:
Us-Gotham Knights 20-21
Es gibt Streitigkeiten in der Inzerillo-Mafiafamilie. Der alte Don Enrico hat Probleme mit seinem arroganten und heißblütigen Sohn Jack, der sich unbedingt beweißen will. Um Jack zu schützen, geht Enrico gar ins Gefängnis und bittet Batman, seinen Sohn vor Dummheiten zu bwahren.
Familiensorgen anderer Art hat auch Bruce Wayne zu bestreiten. Zunächst gerät er in eine Auseinandersetzung mit Superman, da Talia, die Tochter von Batmans Erzfeind Ra's Al Ghul, neuerdings LexCorp leitet. Ra's gibt Batman vermutlich die Schuld dafür, dass sich Talia seit den Ereignissen in US-Detective Comics #750 (auf Deutsch in Detective Comics #2 nachzulesen) von ihm abgewandt hat. Zudem taucht ein angeblicher Verwandter Dick Graysons auf, der behauptet, sein Großvater Yoska Graesinka zu sein. Dies erschwert die Adoption Dicks und sorgt für Spannungen in der Bat-Höhle, da Dick sich einerseits wünscht, Verwandte zu haben, andererseits Batman glauben möchte, der Yoska für einen Betrüger hält.
Bei einem Treffen kommen sich Yoska und Dick etwas näher, obwohl der alte Mann zunächst vermutet, Dick wolle Bruce nur berauben. Doch dann stellt sich heraus, dass Dicks Vater John doch nicht Yoskas Sohn ist. Unmittelbar darauf entgeht der angebliche Großvater nur knapp dem Anschlag eines Heckenschützens, bei dem es sich um Ra's Al Ghuls Diener Ubu handelt.
Der junge Mafia-Spross Jack Inzerillo will derweil seinen Vater weit hinter sich lassen, indem er seine Familie in eine größere Organisation hineinbringt. Doch stattdessen werden seine Vertrauten (und langjährige Freunde seines Vaters) bei der "Aufnahmezeremonie" hingerichtet, was auch Batman nicht verhindern kann.
Während Bruce und Dick tags darauf die Adoption zu Ende führen, unterhalten sie sich über die Geschehnisse. Offensichtlich hat Ra's Yoska gefunden und ihn glauben lassen, Dick wäre sein Enkel, um Batman und Nightwing gegeneinander auszuspielen. Grund dafür sei, dass Batman ihm seine Tochter abspenstig gemacht habe. Der Mordanschlag widerum sollte Batman nur zeigen, wie leicht er Gewalt über sie ausüben könne. Die beiden wollten Yoska helfen, seinen echten Enkel zu finden, doch der lehnte es ab.
Kommentar:
Um es kurz zu machen: Diesmal hat sich Devin Grayson ganz gewaltig vergriffen.
In den letzten Monaten fuhren die Gotham Knights zweigleisig: Einerseits wurden nette Action-Stories erzählt, die mehr durch Zeichner Robinson, denn durch außergewöhnliche Plots interessant wurden. Auf der anderen Seite entwickelte sich die Beziehung zwischen den Bat-Akteuren, insbesondere Bruce und Dick, weiter. Dass dieser Spagat nicht für immer gut gehen konnte, beweißt der Vergeltung-Zweiteiler in dieser Ausgabe.
Ein mysteriöser Verwandter taucht auf, der Dicks Zugehörigkeit zu Bruce Wayne in Frage stellt. Wird sich der Status Quo der Batman-Serien nun radikal verändern? Nein, nichts dergleichen, das ganze war nur ein Trugschluss, der sich mit Abschluss der Story in Wohlgefallen auflößt. Zudem verschwindet der angebliche Großvater wieder im Limbo und wir werden von dem ganzen Sturm im Wasserglas kaum mehr etwas hören.
Die Gespräche zwischen Bruce und Dick bringen kaum neue Aspekte zur Sprache und wiederholen im Grunde nur, was in den letzten Gotham Knights-Monaten schon x-mal gesagt wurde. Interaktion und Konflikte hin oder her, wenn wir ehrlich sind, war das ganze Debakel so überflüssig wie sonst nur die zweihunderste Neuauflage von Batmans "Origin".
Um den übriggebliebenen Platz zu füllen, erzählt die Autorin zwischendurch die Geschichte einer Mafia-Familie, in der ein hitzköpfiger Sohn seinen Vater ins Unglück reißt, um Anerkennung zu verdienen. Die Parallelen zur Bruce-Dick-Beziehung sind dabei so aufdringlich und betont gesetzt, dass der an sich gute Ansatz wirklich nicht zündet. Wer zum Henker ist Jack Inzerillo? Warum sollte mich sein Schicksal interessieren? Dieses "Minidrama" würde weitaus interessanter sein, wenn Davin Grayson in den letzten Monaten auch gewöhnliche Menschen neben den Bat-Akteuren als feste Charaktere etabliert hätte, und man Jack schon länger kennen würde. Aber so...
Am ärgerlichten ist die absolut unzeichende Erklärung für Ra's kleine Intrige. Aus Rache für die Widerspenstigkeit seiner Tochter lässt er nicht etwa Dick entführen (oder gar umbringen; oder Batmans Geheimidendität auffliegen), nein, er stiftet absonderliche Verwirrung. Wirklich der gefährlichste und hinterhältigste Plan des Meisterhirns seit langem! Ahja, und der Mordanschlag an Yoska (der -wohlgemerkt- missglücken sollte) war gedacht, um Bruce "zu ärgern". Selbst ein zwei Seiten langer Erklärungsversuch macht Ra's Vorgehensweise nicht glaubhafter, geschweige denn, dass man sie ernst nehmen könnte.
Auf Roger Robinson und seine Zeichnungen ist wie immer Verlass, darüber muss man ja kaum noch Worte verlieren.
Fazit:
Nein, nein, nein, so geht das nicht... Nur weil die Bruce/Dick-Beziehung mehrmals als Basis für sehr gute Stories herhalten konnte, kann man nicht unbegrenzt darauf herumtreten. Die Geschichte hat einfach keine Grundlage, Ra's Al Ghul verliert an ernstzunehmender Glaubwürdigkeit, und der Nebenplot um die Mafia wirkt aufgesetzt und platzfüllend. Das bedeutet nicht, dass Dialoge und Zeichnungen keine Qualitäten besäßen, doch auch das beste Essen schmeckt einfach fade, wenn es aus aufgewärmten Resten besteht.
Lukas 'Ruppoman' Wilde