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Batman #17


Batman #17 Autoren:
Devin Grayson

Zeichner:
Roger Robinson

Preis: 4,10 Euro
Erscheinungsdatum: 19.09.2002




Inhalt:
Gotham Knights #15
Poison Ivy sitzt immer noch apathisch im Arkham Asylum. Als ein Wärter ihr von einer Gala zur Rettung des Regenwaldes erzählt, die am Abend in Gotham abgehalten werden soll, erfasst sie wieder Lebensmut. Sie schafft es, den Wachmann zu töten und auszubrechen. Tim Drake telefoniert später mit seinem Vater, der gerade mit seiner neuen Freundin jene Gala besucht. Bruce Wayne ist auch anwesend, es kommt zu mehr oder weniger belanglosen Gesprächen. Die Ruhe wird gestört, als Ivy wutentbrannt den Saal stürmt, da sie Hass und Verachtung für das -aus ihrer Sicht- heuchlerische Verhalten der Reichen verspürt. Auch Tim bekommt es über Telefon mit; Bevor er als Robin Batman zu Hilfe eilt, schickt er versehentlich ein Mail an die Bathöhle, das nicht dazu bestimmt war, von Bruce gelesen zu werden. Ivy hat inzwischen viele Geiseln genommen und will Batman von ihren Motiven überzeugen. Der fordert aber ein Gegenmittel für die Gefangenen, die ihn unter Ivys Kontrolle angreifen. Diese flieht, und er überlässt Robin die Verfolgung, der es tatsächlich schafft, Ivy zur Vernunft zu bringen und das Mittel zu bekommen. Batman gibt zu, dass seine Methoden nicht immer die besten sind. In der Bathöhle lässt er Robin die Mail löschen, in der er Batman von seinen Ansichten ihm gegenüber berichten wollte.

Gotham Knights #18
Batman ist allein in der Bathöhle. Die Nacht ist friedlich, es gibt nichts zu tun, und er führt Selbstgespräche mit einer Fledermaus. Aquaman meldet sich vom JLA-Wachturm, und bietet vorsichtig ein Gespräch an, doch Batman sagt, er habe zu tun. Zuerst wimmelt er Verehrerinnen von Bruce Wayne ab, dann ruft er mehrmals bei Oracle und Nightwing an. Schließlich versucht er, ein Buch zu lesen, irrt durch die leeren Gänge Wayne Manors, und meldet sich wieder bei Aquaman. Er solle ihm dabei helfen, den Riesen-Penny aus einer Felsspalte zu fischen, in die er beim Erdbeben gefallen ist. Während Aquaman beschäftigt ist, versuchen sich beide unbeholfen an einer Konversation, doch letzten Endes bewegt sich die Münze keinen Millimeter. Aquaman fordert Batman auf, ihn in Zukunft doch gleich zu einen lustigen Männerabend zu bitten, wenn er Langeweile hat.


Kommentar:
Langsam machen die Gotham Knights mehr Spaß, als jede andere Batman-Serie. Sicher, es gibt keine dramatischen Bedrohungen wie in US-Batman, und Greg Ruckas feinfühlige Detektiv-Geschichten haben auch besondere Qualitäten, mit denen Devin Grayson nicht mithalten kann. Aber sie erschafft einfach die dreidimensionalsten Charaktere.
Eigentlich passiert in beiden Geschichten nicht sonderlich viel; Poison Ivy stellt keine ernste Bedrohung dar. Die erste Story ist eine hübsche kleine Geschichte um einen Robin voller Selbstzweifel und der Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, die in ihn gesetzt werden. Dabei sind die Dialoge gewohnt ungezwungen und doch geschliffen formuliert. Dass Robin seine Mail an Batman löscht, ohne sie ihn lesen zu lassen, war nach dem Ende der vorigen Ausgabe natürlich abzusehen, aber darum ging es ja auch gar nicht.

Wer den Brief übrigens ohne Verzerrungen und Hindernisse lesen will, kann ihn sich im Comicforum in aller Ruhe durchlesen, wo Übersetzer Steve Kupps ihn freundlicherweise noch einmal veröffentlicht hat.

Gotham Knights 18 Es dauert eine Weile, bis einem klar wird, in welche Richtung sich die zweite Story eigentlich bewegt. Batman, der unter Einsamkeit leidet und Selbstgespräche führt? Batman, der sich wie ein ganz normaler Mensch langweilt und verzweifelt Beschäftigungen sucht?
Nun, mittlerweile haben ihn fast alle seine Mitstreiter verlassen, man könnte natürlich auch argwöhnen, dass der Autorin einfach die Charaktere ausgehen: Robin ist im Internet und hat sich noch weiter von Batman distanziert, nachdem dieser dessen Geheimidentität an Robins Mitstreiterin Spoiler verraten hatte -ohne vorher seine Meinung dazu einzuholen (das geschah zwischen den beiden Geschichten dieser Ausgabe). Nightwing ist in Blüdhaven als Vigilant und Polizist voll ausgelastet, Gordon und Alfred haben sich zurückgezogen, und Azrael und Batgirl sind nicht gerade Stammgäste in der Bathöhle.
Aquaman ist nun nicht gerade der naheliegendste "Ersatz", aber er macht hier eine derart coole Figur, dass man alle etwaigen Bedenken getrost übersehen kann. Ja, es gibt auf geschlagenen 22 Seiten eigentlich kaum etwas sinniges zu lesen, aber schon das Titelbild verrät, dass die ganze Geschichte eher in Richtung Comedy/Soap gehen sollte. Und das hat auf eine merkwürdige Weise auch funktioniert, allerdings zu einem Preis.

Es nimmt viele Illusionen, Batman unter diesem leicht spöttischen Blick zu sehen. Andererseits entfernt er sich auch immer weiter von der "Bat-Familie" und wird wieder zum düsteren Einzelkämpfer. Hinter der witzigen Geschichte steht ein ernstes und bedrohliches Bild von Batman. Ist eine Kehrseite der Medaille nicht auch die logische Konsequenz, wo er so viel wert auf Unnahbarkeit legt?

Wie auch immer, auf jeden Fall lesen sich solche Experimente hin und wieder hervorragend, und es ist gut zu wissen, dass die Gotham Knights auch mal neue Perspektiven zeigen. Über Roger Robinson gibt es kaum noch Worte zu verlieren. Außer vielleicht, dass die sagenhaften Darstellungen der Bathöhle und Wayne Manor zu dem ästhetischsten gehören, die ich je genießen durfte.

Fazit:
Vielleicht bewegt sich die Autorin langsam etwas zu sehr in Soap-Bahnen. Robins Selbstfindungs-Probleme könnte man auch in einer Teenie-Serie finden, und die Zweitstory zeichnet ein sehr ironisches Bild vom "dunklen Ritter". Aber hey, ein bisschen weniger Pathos ist bei all der übertriebenen Stilisierung, die das Superhelden-Genre sonst auszeichnet, wirklich angenehm zu lesen. Auch wenn ihr ein wenig Größe verloren gehen mag, so nah wie in den letzten Monaten fühlte man sich der Bathöhle als Leser noch nie.


Lukas 'Ruppoman' Wilde


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